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Der Israelit · 1938-02-17 · Heft 7 (17.2.1938) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 7 (17.2.1938)
Date
1938-02-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 7 D er I s r a e 1 i t 17. Februar 1938 EREZ ISRAEL Wieder Terrorakte. Jerusalem, 1. Febr. In einem Dorf bei Nablus wurden ein arabischer Polizeibeamter und sein Bruder durch bewaffnete Araber ermordet. In der Nähe von Tulkarem beschossen Araber einen Militärzug, verursachten aber keine Verluste. Das Militärgericht von Haifci verurteilte am Freitag einen Araber zum Tode, den man im Besitz eines Revolvers festgenommen hatte. Sir Charles T e g a r t hat seinen Bericht über die Reorganisation der Polizei und des Strafverfölgungsverfahrens bereits der Regierung eingereicht. Allerlei aus Erez Israel. Jerusalem. 14. Febr. Fünf Revisionisten, die im Konzentrationslager von Acre interniert waren, einschließlich des Sohnes von Vladimir Jabotinsk, wurden heute entlassen. Am Montag, den 25. Schwat, wurde in R i s c h o r; L e z i o n der Grundstein zu einem Erweiterungsbau für die Talmud Thoraschule gelegt. Ansprachen hielten die anwesenden Ehrengäste Oberrabbiner Amiel, Oberrabbiner Usiel, Tel Awiw; Rabb. Katz, Petach Tikwa und Rabbi Charlap aus Rischon Die Talmud Thora-Schule wurde vor vier Jahren von der Agudas Jisroel mit fünf Kindern eröffnet. Heute werden in den Schulräume'n 73 Kinder von vier Lehrern unterrichtet. Amram Blau (Bruder von Rabbi Mosche Blau), der, wie schon berichtet, wegen „Ruhestörung" bei einer W. L.-Wahlversammlung angeklagt war, wurde vom Gericht verurteilt, eine Kaution von 25 Pfund als Bürgschaft für gute Führung für zwei Jahre zu stellen. Wegen einer früheren Anklage mußte er rückwirkend noch einmal drei Pfund einzahlen. Die Kaution wurde von Freunden des Herrn Blau gestellt. Die Schuld Blaus besteht bekanntlich darin, daß er gegen das empörende unjüdische Verhalten in jener Wahlsitzung protestiert und seiner Stimmung etwas drastischen Ausdruck gab. Auf einem Protest der unabhängigen orthodoxen Gemeinde an die Hafenleitung in Tel Awiw wegen der Sabbatentw e i h u n g empfing diese ein Schreiben, worin alle Schuld von der Leitung abgewälzt und den privaten Kaufleuten, die auf ihre Aus- und. Einladungen am Sabbat nicht verzichteten, zugeschoben wird. Man fragt sich freilich, ob es die. Hafenleitung nicht in der Hand hätte, solche Verstöße zu verhindern. In Kirjath Anawim, wo vor kurzem fünf Juden durch Araber ermordet wurden, wurde vom Nationalfonds unter Mitwirkung der Besitzer ein Wald auf den Namen der Märtyrer gepflanzt. Trotz allen Versprechungen der Initiatoren, den Pflanzungsplan in diesem Schmittojahre nicht auszuführen, wurde der Wald am 1.5. Schwat mit allem Pomp und unter öffentlichen Feierlichkeiten doch gepflanzt. Man fragt sich, was die Rabbiner, die vor kurzem erst wieder einen Sammelaufruf des Keren Kajemeth mit unterschrieben haben, dazu sagen werden. Der Montag "na n*"> wurde vom Oberrabbinate Duschinski und anderen rabbinischen' Instanzen der heiligen Stadt mit Rücksicht auf die jüdische Situation in Palästina zu einem Fast- und Gebe 11 a g ausgerufen, und er wurde als solcher mit Fasten und Gebeten in allen orthodoxen Kreisen begangen. Zel Korati. In diesen Tagen ist in Palästina die erste Fachzeitschrift für die Bauspar- und Eigenheimbewegung erschienen: die Monatsschrift ,, H a m a o n " , herausgegeben von der Bausparkasse „Zel Korati" Ltd. in Tel Awiw. Das vorliegende Januarheft schildert die Ziele der Bausparbewegung und die Bedeutung derselben für den Aufbau des Landes. Zahlreiche Illustrationen zeigen das bisher Geschaffene, eine Auswahl von den 200 durch Zel Korati bisher finanzierten Eigenheimen. Artikel erfahrener palästinensischer Architekten über zweckmäßige Bauweisen, Gartenkultur usw. runden den Inhalt des Heftes in interessanter Weise ab. Auch die schöne Ausstattung der Zeitschrift verdient erwähnt zu werden. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Vortrag in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Leipzig. Vor der agudistischen Jugend Leipzigs hielt Herbert Sonn, Halberstadt, ein Referat über „Agudismus unserer Jugend". Der scheinbare Widerspruch, so führte er aus, der zwischen diesen beiden Faktoren besteht, resultiert nur aus einer falschen Auffassung von Agudismus. Wenn man darunter das schematische Uebernehmen und Konservieren überkommenen jüdischen Kulturgutes versteht, dann allerdings wird es schwer fallen, für eine solche Aufgabe Jugend zu gewinnen. Dann widerstrebt dem all das, was Jugend jugendlich macht, das „stürmische und drängende". Agudismus richtig verstanden jedoch braucht gerade das Streben nach Ganzheit, die Bereitschaft zu voller Hingabe an die Sache, wie es nur die Jugend besitzt. Soll dem jüdischen Volkskörper wieder seine eigene „organisierende Seele" die Thora in ihrer vollen Geltungskraft und -breite einverleibt werden, so müssen sich alle Glieder des Körpers erst wieder vollsaugen mit jüdischem Wissen. Lernen und wieder Lernen heißt es dann für die, die nicht in einem dem Muster westeuropäischer Staaten nachgebldeter Staat das jüdische Ideal sehen, sondern in dem Staat, wie ihn die Thora nach ihrer eigenen Gesetzlichkeit formt. In der auf das Referat folgenden General-Versammlung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe wurde über den Stand der agudistischen Fonds berichtet, sowie über die Schiurim, Arbeitsgemeinschaften und Vortragsabende der Jugendgruppe. In der darauffolgenden Vorstandswahl wurden folgende Herren gewählt: Max Kriegsmann (Vorsitzender und Schriftführer); Simon Spiegel (Kassierer); Heinrich Biberfeld (Keren Hatorah); Arbeitsausschuß: Moritz Berliner, Salomon Schwarzmann und Max Spiegel (Keren Hajischuw); Josef Loinger (Keren Hatorah). Eine Bitte des Noar Agudati in Halberstadt. Der Noar Agudati in Halberstadt schreibt uns: Wir benötigen dringend eine gebrauchte Schreibmaschine. Welcher Auswanderer oder Kaufmann ist bereit, uns eine solche unentgeltlich zu überlassen? Einweihungsfeier in Enschede. Am Sonntag, den 4. Adar I, wurde in Enschede das neue Haus der Hachschara und Jeschiwa in Anwesenheit vieler Gäste von Enschede und auswärts feierlich eingeweiht. „Beth Hillel", eine große Villa außerhalb der Stadt, umgeben von einem großen Garten, war festlich geschmückt und der große Saal, in dem die Feier des Chinnuch Habajith stattfand, strahlte im Lichterglanz. Die holländische Agudas Jisroel war durch ihren Vorsitzenden, Herrn Oberrabbiner Hirsch, Zwolle und die Herren Dr. Hausdorff und Vromen vertreten. . Als die Gäste den Saal betraten, stimmte der Chor „Boruch Haboo" an. Herr Dr, Hausdorff, Vor- Das Gebäude der Hachschara in Enschede sitzender des holländischen Keren Hajischuw, eröffnete die Feier, beglückwünschte die Hachschara zu ihrem neuen Heim und dankte insbesondere unserem hochverehrten Herrn Oberrabbiner Hirsch, dem Vorstand der Gemeinde und den Damen Pallache und Serphos für ihre aufopferungsvolle Mitarbeit im Interesse der Hachschara. — Dann wurde unter Leitung des Oberrabbiners Mischnajoth gelernt, anschließend sagte man einige Mismaurim. Im Mittelpunkt der darauffolgenden Festrede von Oberrabbiner Hirsch standen seine Darlegungen über die Eröffnung der neuen Jeschiwa, ihre Bedeutung für Holland und die Aufgaben, die sie zu erfüllen habe. Ferner sprachen Herr Lehrer S a f f r a , Gemen, als Hörer der Jeschiwa und Herr Studienrat P a 11 a c h e namens des Talmud Thora-Vereins. Herr Pallache beglückwünschte die Hachschara und Jeschiwa und dankte deren Leiter, Hillel Bruckenthal, für die Mühe, die er sich sowohl um die Entwicklung der Hachschara, als auch um die Baale Battim gebe. Durch das Bestehen der Jeschiwa sei der jüdische Einfluß innerhalb der Gemeinde gestiegen. Zum Schluß sprach der Leiter der Jeschiwa und Hachschara, Hillel Bruckenthal, Worte des Dankes an Herrn Oberrabbiner Hirsen, dem Vertreter des Gemeindevorstandes und allen Ehrengästen und führte u. a. aus, daß nicht im G'tteshaus allein das jüdische Leben erkannt werden darf, sondern vor allem im Privatleben jedes Einzelnen, im engeren Kreise seiner Familie und im weiteren Kreise der Gesellschaft als arbeitender Mensch. Diesem Gedanken gilt auch die Jeschiwa, die vor allem Menschen hervorbringen will, die sich gerade im werktätigen Leben ihrer jüdischen Aufgabe bewußt sein sollen. Alle Redner erwähnten in großer Dankbarkeit den technischen Leiter, Julius Samson, der sich jahrelang in aufopferungsvoller Weise der Hachschara zur Verfügung gestellt hat. Unter Gesang der Chawerim wurde gegen Abend die Feier .geschlossen. Vermischtes. Berlin, 28. Jan. Das Sinailehrhaus zu Berlin hatte zu einem Vortrag über das Thema „Ethik und Religion" den Gefängnisrabbiner Dr. Joseph eingeladen. Der Redner ging historisch von der Lehre Kants aus, der Religion und Sittlichkeit gleichsetzen wollte. In seiner polemischen Auseinandersetzung mit .dem Begründer der kritischen Philosophie und den Nachfolgern, wie Steinthal, Lazarus usw. zeigte er die Unhaltbarkeit jener Identifizierung von Moral und Religion. Darüber hinaus bemühte sich aber der Referent im Anschluß an Scheler und Otto um eine selbständige Begründung der Offenbarungslehre. Besonders interessant war seine Auffassung der Dij?»> dtk nnx» im Sinne einer intuitiven Wesensschau auf phänomenologischer Grundlage. ' B. G. Hamm, 12. Febr. Die Beratungsstelle Bielefeld des Hilfsvereins der Juden in Deutschland hatte ihre Mitarbeiter und Vertrauensleute für den 6. Februar zu einer Aussprache nach Hamm geladen. Zunächst erstattete der Leiter der provinziellen Stelle in Bielefeld über diese einen ausführlichen Bericht, der ergab, wie wichtig die Einrichtung dieser Stelle war, wie sehr sie h\ Anspruch genommen wird — ca. 60 Fälle im Tag — und wie gut sie arbeitet. Ihrem Leiter, Herrn Dr. } Katzenstein, wurde auch der allseitige Dank ausge- } sprochen. Dann sprach der Vertreter der Berliner j Hauptstelle, Dr. Berolzheimer, über die Tä- ' tigkeit der Hauptstelle. Im Anschluß an die Berichte wurde über die Möglichkeit einer verstärkten Arbeit des Hilfsvereins in Westfalen und der der westfälischen Beratungsstelle angeschlossenen Gebieten gesprochen, die besonders ihr Augenmerk auf die Mitgliederwerbung richten muß. Es wurde beschlossen, eine großzügige Werbeaktion einzuleiten. Der weitere Teil der Aussprache beschäftigte sich mit den eigentlichen Fragen der Auswanderung, ihrer Möglichkeiten und den Informationen an die Auswanderungswilligen. Recklinghausen, 10. Febr. In einer Kulturbundveranstaltung der Synagogengemeinde zeigte der „Keren Tora wa'Awoda" den Film „Weg in die Wirklichkeit", der durch seine Bilder großen Anklang fand. Noch begeistertere Aufnahme fand der zuvor gezeigte Jugendfilm „Brit Hanoar", nicht zuletzt durch die besonders der Jugend vertrauten Melodien und Lieder. Zuvor sprach Rabbiner Dr. Auerbach über die Bedeutung und Wichtigkeit des religiösen Aufbaus von Erez Jisroel, der allein nur Palästina zu einem Erez Jisroel machen und erhalten könnte. Darum dürfte auch in einer Zeit der Krise für Palästina niemand von der Unterstützung dieses Werkes ablassen, das durch den Bachad und Noar Agudati durchgeführt werde.

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