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Der Israelit · 1938-02-10 · Heft 6 (10.2.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 6 (10.2.1938)
Date
1938-02-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 6 1938 AKIBA. Szenen nach dem Lehmann'schen Roman, zusammengestellt von Karl Darmstädter. Erstes Bild.'- Im Wohnhaus Kalba Sabuas. Kalba Sabua. Rahel, seine Tochter, Akibä, sein Knecht. Kai b a Sabua: Nun weiß ich, warum ich gearbeitet und Reichtümer erworben habe. Damit meine kluge Tochter eines Tages vor mich hintritt, mir erklärt, sie wolle einen armen, unwissenden Kriecht, einen Hirten vom Felde ihres Vaters zum Manne haben. Eine gescheite Tochter habe ich. Sie kennt die Menschen schon gar genau. Sie weiß, daß der Knecht Akiba so uneigennützig ist, daß ihm gar nichts liegt am Geld, am Gut ihres Vaters, an den Rinderherden und Schafherden —1 oder, sollte ihm vielleicht doch etwas daran liegen? Hm? Lockts ihn nicht ein wenig, reich zu werden wie sein Herr, und die Tochter des Herrn nur deshalb zu gewinnen, um nachher ein bequemes Leben führen, die Reichtümer genießen zu können? Gib Antwort, Knecht Akiba. Sage die Wahrheit! Akiba: Du wirst mir nicht glauben, Herr. Aber du beurteilst mich falsch. Nicht deinen Reichtum liebe ich. Deine Tochter begehre ich zum Weibe. Und wenn sie ein Kind der Armut wäre, liebte ich sie nicht weniger. Ja, dann wäre ich erst recht glücklich, denn keiner von uns könnte zum_ andern sagen, er käme aus reicherem Hause. Kalba Sabua: Das ist sehr schön gesagf. Aber Du willst doch, sagst du mir, Thora lernen, gar ein Gelehrter werden. Und dazu mit deiner Hände Arbeit für Weib und Familie sorgen. Wo nimmst du Zeit zum Lernen her? Rahel: Laß' mich antworten, Vater. Stolz wäre ich, wenn Akiba sich dem Thoralernen widmen möchte. Ich würde arbeiten und mit meiner Hände Tan uns ernähren. Auch eine Frau kann arbeiten, wenn sie den Willen hat, und das Leben sie zwingt. /Calba Sabua: Du törichtes Kind! Kennst du die Armut? Kennst du die Arbeit? Kennst du den Hunger, den Schweiß, die Mühsal, die Not? Dann erst kannst" du so sprechen, wie du eben tatst. Rahel: Vater, ich fürchte mich nicht davor. Trockenes Brot will ich essen, auf nackter Erde schlafen, damit mein Mann lerne und aus der Lehre die Kraft schöpfe,, seinem Volke zu dienen und ihm Führer und Wegweiser zu werden. Liebst du nicht selbst unser Volk, daß du ihm einen Großen senden möchtest, der es führt in schwerer Zeit? Kalba Sabua: Du bist eine Schwärmerin. Der vor dir steht, ist ein Fremder gewesen, ein Heide. Er ist zu unserem Volke gekommen, ist fromm und rechtschaffen, dient mir in Bescheidenheit und Ehrlichkeit. Aber nun ist sein und dein Geist verwirrt von sinnlosen Träumen und Plänen. Der unwissende Knecht soll ein Gelehrter werden! Ha, ha! Ich mu/3 Schluß machen mit eurem törichten Tun. Und da du, Rahel, wohl noch zu jung bist, um zu ermessen, was du zu tun beabsichtigst, will ich dir sagen, was i c h zu tun beabsichtige: Du, Akiba, verläßt noch heute mein Haus. Du, meine Tochter, verzichtest auf den Gedanken, dieses Mannes Weib zu werden. Ich aber gehe nach Jahne, wo im Weinberg der Lehre der große Rabbi Jochanan seine Schüler unterweist. Ihrer einer wird einst mein Schwiegersohn werden! Rahel: Vater, halt ein! Diesem Manne habe ich mich angelobt. Kein anderer wird mich zur Gattin erwählen können! Kalba Sabua: Das ist, was du mir zu sagen hast? . . . Gut, wenn du diesem Hirtenknecht folgst, dann bist du nicht mehr meine Tochter. Wenn du Akibas Weib wirst, .dann teile seine Armut. Deine Kleider, die du am Leib -trägst, magst du mit dir nehmen. Geh als Bettlerin betteln mit ihm, verdinge dich als Magd, wenn er Knecht ist. Erbitte, dir Almosen, wenn er um Brot bettelt. Wähle, noch ist es Zeit. . ' •=.- . Akiba; Schwer ist es mir, Kalba Sabua, der du immer edel warst gegen mich, dir die Liebe deiner Tochter zu nehmen. Rahel, noch magst du wählen, "••'enn dich das künftige Los schreckt. Rahel: Nicht das künftige Los schreckt mich. Nur deine Liebe, deinen Segen, Vater, laß' mich nicht entbehren, nachdem die tote Mutter mich nicht mehr segnen kann. . , Kalba Sabua: Nur die Erinnerung an deine Mutter ist es, die mich keinen Fluch aussprechen laßt und keine Verwünschung. Werde die Gattin des Akiba, wenn du bei deinem Entschlüsse bleiben willst. Die Tochter des Kalba Sabua bist du nicht mehr ... Zweites Bild. Der Lehrer Nachum aus Gimso. Rahel, das Weib Akibas. ' Nachum: Wer ist dein Mann, der, wie du sagst, mein Schüler werden möchte? Rahel: Es ist. Akiba ben Joseph, der bisher Knecht bei meinem Vater Kalba Sabua war! Nachum: Du bist Kalba Sabuas Tochter? Welches Unglück traf deinen reichen Vater, daß du im armseligen Gewand vor mir erscheinst? Ist er jäh verarmt? Rahel: Nein, er ist reich, wie zuvor. Oder — vielleicht ist er arm geworden, weil er eine Tochter verlor? Er wollte den nicht zum Schwiegersohn, der unwissender Sklave bei ihm war. Ich weiß, Akiba ist weise, er wird lernen, Tag und Nacht. Ich werde für ihn arbeiten. Wir ' verkauften die Kleider des Reichtums und den Schmuck, den ich trug. Wir werden leben können. Nachum: Du bist stark und verdienst, daß einst dein Gatte groß werde in Israel! Führe ihn herein, damit ich sehe, wie der Weg seines Lernens werden soll .... Akiba tritt ein. Nachum: Was hast du gelernt, mein Sohn? Akiba: Viel habe ich gelernt, mein Lehrer. Ich kann den Acker bebauen und die Weinberge pflegen. Ich weiß um die Schafe und Rinder, um die Bäume des Feldes und um die Nahrung der Tiere. Ich saß draußen und horchte auf das Wehen des Windes, sah auf den Zug der Wolken, den Gang der Sterne und den Wechsel des Mondes. Viele Dinge geschehen draußen unter der Sonne, von denen sie nichts wissen in den Räumen der Menschen. Nachum: Recht hast du. Akiba. Dein- Wort sagt mir, daß du gute Dinge gelernt hast. Auch diese sind notwendig für unser Volk. Ackerbauer und Schafhirten, Pflanzer und Weinbergbebauer müssen sein, solche die den Himmel und die Sonne immer über dem Haupte haben, und solche, die das Feuer und das Licht des G'tteswortes erschauen. Was aber hast du von diesem gelernt? Akiba: Ich weiß nichts von Büchern und Pergamenten, nichts von Schreiben und Lesen. Nur was die Bauern und Hirten einander erzählen, die Geschichten des Volkes, die kenne ich seit langem . . . Nachum: So wollen wir beginnen. Du, Rahel, wirst nach deiner Behausung gehen. Du, Akiba, sollst mein" Schüler sein, und wir wollen lernen von den Buchstaben, die G'tt in Flammenschrift geschaffen hat, als er die Welt erschuf. Möge alles noch gut werden. Dann wirst du, Akiba, einer werden, der pflanzt und sät und erntet im Ackerland der Lehre, so wie du pflanztest und sätest und ernten konntest im Feld Kalba Sabuas. Mögest du, Rahel, stark bleiben, damit dir all dein Tun gelinge. Dann wird G'tt euch zurückführen ins Haus -des- Vaters*. Und stolz wird einst Kalba Sabua sein, wenn ihr heimkehrt ins Haus des Vaters. Der Segen des Herrn sei mit euch! Drittes Bild. . Im Lehrhaus. Nachum. Jischmael. Nachum: Einen köstlichen Gefährten hast du dir ausgewählt, Jischmael. Gewiß ist er um viele Jahre älter. Gewiß ist dein Wissen größer als das seine. Nun, du bist aus Priester- und Gelehrtengeschlecht, lernst seit vielen Jahren. Er mußte anfangen, wie die kleinen Kinder im Schulsaal, die eben erst die Buchstaben zu malen beginnen. Und doch — wie weit ist er schon fortgeschritten, wie rasch erfaßt sein Geist den Sinn der Lehre. Jischmael: Größer ist, was ich hörte vom Tun seiner Frau Rahel und von seinem Tun außerhalb dieses Hauses. In dürftiger Hütte wohnen sie und leben kärglich und sparsam. Da hören sie vom Unglück ihres Nachbarn, der sein Bein brach im Walde und dessen Frau daheim liegt mit neugeborenem Kinde. Das wenige Geld, das sie sich erspart haben, tragen sie hin zu den noch Aermeren, machen sie wieder ein wenig froh, und darben selber nun noch mehr. Nachum: Ich weiß davon, Akiba kam zu mir und bat mich, inh einige Stunden zum Sammeln von Holz vom Lehrhaus zu befreien, denn er müsse nun selbst beitragen zum Lebensunterhalt in der engen Hütte, in der nun auch die Stimme des kleinen Soh,- nes der Beiden den Raum erfüllt. Jischmael: Stolz bin ich auf meinen Freund und .gewiß bin ich, daß in Erfüllung gehen wird, was er seinem Weibe versprach, als sie ihm ihr Erspartes gab für den kranken Nachbarn: wenn er mit G'ttes Hilfe einst Geld und Gut besäße, würde er ihr ein goldenes Schmuckstück kaufen, in das ein Künstler das Bild Jeruscholajims eingravieren wird. Nachum; Ich habe ihn liebgewonnen. Und schon halte ich ihn für würdig, ihm in der Zeit des Dar* bens auch eine Entschädigung zu bereiten. Du weißt, in wichtiger Sache werde ich nach Rom reisen. Die Begleiter sind gewählt. Aber nun habe ich mich entschlossen, Akiba mitzunehmen. Er ist begierig, alles und überall zu lernen. Vieles wird er sehen in der großen Weltstadt. Aber auch sein Rat, seine Erfahrung, die er sammelte in den Jahren seines Hirtenlebens, wird uns dienen und kann uns wichtig sein. Jischmael: Ich freue mich, dies von dir zu hören, mein Lehrer. Nun kann ich dir verraten, daß er mir selber den Wunsch aussprach, aber nicht laut davon zu sprechen wagte. Er wird glücklich sein, daß. er in Erfüllung geht. Möge eure Fahrt gut verlaufen, und ihr. Erfolg haben bei eurem Tun. Viertes Bild Viele Jahre später. Das Haus Rabbi Akibas, An der Tür steht Rabbi Akiba im Gewand des Reisenden, der von weither kommt. Drinnen Rahel. Eine Nachbarin. Die Nachbarin: Ja, du erzählst von seiner Weisheit und von seinen Schülern und was sonst noch alles. Und wo ist er? Warum kommt er nicht und sieht nach Frau und Kindern? Du hast den Haö deines Vaters auf dich geladen. Deine Kinder sehen den Vater und den Großvater nicht, kennen beide kaum. Was ist das für ein Leben? Rahel: Du willst mich verwirren, daß ich an seiner Treue zu zweifeln beginne. Ich kenne ihn. Ich bin gewiß, er wird zu uns kommen. Und wenn er nicht kommt, dann ist es, weil er erst wahr machen will, was er sich selber geschworen hat. Die Nachbarin: Und der Friede mit deinem Vater? Das bedeutet dir gar nichts? Ist es nicht ein Thoragebot, in Frieden zu leben mit den Eltern und ihnen die Enkel zuzuführen, damit sie ihre Freude haben an dem blühenden Geschlechte? Was ist größer? Deines Mannes Lernen oder die Pflicht, sich auszusöhnen mit dem Vater? Und wie schön könntest du es haben? Da sitzt ihr in eurer Hütte, lebt kärglich und armselig. Aendere es doch. Trenne dich von ihm, wenn er nicht in gesetzter Frist zurückkommt, und begib dich mit den Kindern zu deinem Vater Kalba Sabua, er wird seine Tochter nicht von der Schwelle weisen. Rahel: Du willst sündhafte Gedanken in mir wecken. Ich weiß, er ist treu. Wenn er um der Lehre willen hoch lange ausbleibt, damit es ihm gelingt, Schuler aufzustellen in unserem Volke und sie hinzuführen zu denQuellen unseres Lebens, dann bin ich stolz um seinetwillen. Unser schlichtes Leben ist gut für die Kinder. Vielleicht müssen sie einst selber darben um ihres Volkes willen. So wissen sie um Not und Entbehrung, und nicht fällt es ihnen schwer, ein hartes Leben zu führen. Die Nachbarin; Verzeih' mir, Rahel, du bist besser als wir alle. Aber ich denke an deinen Vater, der sich im Alter grämt um die Einsamkeit, in die er gestellt ist. Wäre es nicht besser--- Rahel: — zu ihm zu gehen? Ja, ich weiß, und, glaube mir, daß es mir schwer ums Herz ist, wenn ich an ihn denke. Aber ich ahne es, daß bald die Zeit erfüllt sein wird, an dem wir alle, mein Gatte und Lehrer Akiba, unsere Kinder und ich lachend und weinend vor ihn hintreten werden. Darum will ich mich nicht grämen, wenn Akibanoch zögert. Ich bin stark genug, dies Getrenntsein zu ertragen und zu warten. Er wird kommen, und wir werden fröhlich sein. Laß' uns weiterarbeiten an unserem Spinnrocke und ein frohes Lied dazu singen, damit wir aus unserer traurigen Stimmung wieder aufgeheitert werden. Wenn die Kinder kommen, sollen sie nichts vom Kummer sehen. Akiba (draußen): Groß ist meine Sehnsucht nach Weib und Kindern. Aber groß ist die Sehnsucht nach der Lehre, nach den Gefährten und Schülern in Jabne. Bald werde ich heimkehren und ihr den Lohn für ihr Harren bringen. Stolz bin ich, daß sie die Stimme der Verwirrung nicht hören wollte. Ihr danke ich das Starksein und Hoffen, ihr danke ich es, wenn G'tt mich begnadete, zu lehren in Israel. Ich ziehe nach Jabne, Rahel. Bald wird auch deines Vaters Zorn verschwinden und wir werden beglückt in sein Haus eintreten. (Schluß folgt.) Wochenkalender. Vom 12. - 19. Februar 1938 /Vom 11. — 18. Adar 5698 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag »81» tjl ftin^s 12 11 ib 13 12 3 14 13 2 Febr. 15 -rm 4 T 16 15 ■ n 17 16 i 18 17 r 19 18 n nwn nv ]v>p D-mo }Vp D'HS )VW srcn ">i na»

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