Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1938)
- Date
- 1938-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch auf die Rechabiten, die ihrem Stammvater den Verbleib beim Nomadenleben zugeschworen hatten, muß man die Einwanderung der Juden in Arabien nicht zurückführen; in Arabien selber sind die Juden wie andere Bewohner kriegerische Nomaden geworden. -— Dies' Alles gilt vornehmlich vom nördlichen Arabien. Im Süden dagegen siedelten sich die Juden in ebenso friedlicher Weise an wie die andern Bewohner. In Medinä hieß ein ganzer Marktplatz nach dem jüdischen Stamm Kainukaa, der aus Goldschmieden und Wechslern bestand. Vor Kurzem fragte ich einen beliebten hiesigen Gelehrten, was man über die Beziehung .zwischen Juden und Arabern in der vormohammedanischen Zeit zu sagen habe. Die Antwort lautete: „Beziehungen zwischen Juden und Arabern? Die Araber haben geschlagen und die Juden haben geweint." Diese Antwort mag für europäische Länder zutreffen. Bei den Juden .Arabiens im 1. bis 7. Jahrhundert war dies sicher anders. Ein Pogrom wie gegen Wehrlose war gegenüber den wohlverschanzten und kriegsgeübten jüdischen Stämmen Arabiens ein Unding gewesen. Wohl fanden Kriege zwischen arabischen und jüdischen Stämmen statt; aber der Sieg war durchaus gleich oft auf beiden Seiten. Sogar Fehden zwischen jüdischen Stämmen blieben nicht aus. Man hat aber die Ueberlieferung. daß; diese Fehden meist mit Versöhnung endigten-Und;daß die jüdische Lehre auch den rauhen f Wüstensöhnen nicht ganz abhanden gekommen **waf^,An den Sabbaten soll Arbeit und Fehde "Tfei^ilimenstrengstens geruht haben. Sie verbreitern zwar nicht* ihre Religion zwischen den h;ei|^iscKen Arabern; aber sie sollen durch ihren ge^g-en* Einfluß tfie Ausbreitung des Christentums zwischen den Arabern damals verhindert haben, ihr geistiger Einfluß soll groß gewesen sein. Sie sollen selbst im Beduinenleben die Kunst des Lesens und Schreibens nicht vergessen haben. Die Araber v-o r-Mohammeds Zeiten rechneten völlig nach 'dem jüdischen Kalender, mit Einschaltung des lfrMönats siebenmal in. 19 Jahren. Erst n a c h Einführung der mohammedanischen Religion haben die Araber ihren tollen schaltjährlosen Mondkalender angenommen, dessen" Feste* durch alle vier Jahreszeiten ^hindurch wandern. . Viele religiöse Begriffe des Judentums waren schon den vörmohammedanischen Arabern so geläufig, daß Mohammed sie,- ohne sie zu erläutern, im Koran erwähnen konnte: flTjrp >r\mb min u. a. Ohne viele künstliche Bemühung war daher das arabische Volk durch sein religiöses Genie Mohammed für den ihm von den Juden her bekannten Eing'ttglauben zu gewinnen. Auf Mohammed selber machte das, was am Judentum außenhin sichtbar ist, tiefen Eindruck, so der D'"> des Jahres 622 v. d. übl. Ztr., an welchem er als Flüchtling in Medina ankam, ein Tag, der ein wirklicher-Tag der Schicksalswende sowohl für die Araber als: für uns wurde. Aus dem Kreise- 'seiner Ratgeber, zu denen an leitender Stelle Juden gehörten, bezog Mohammed vielerlei, wenngleich zusammenhangloses Wissen über Lehre und Gesetze der Thora. Einzelnen Juden von Medina mag das so imponiert haben, daß sie sich zu seinen Anhängern zählten; andere Juden jedoch sahen, wie wenig Sinn und Geist der jüdischen Gesetze Mohammed und die Seinigen durchdrangen und nahmen deshalb eine spöttische Haltung gegen ihn ein, besonders gegen seine genußsüchtige Lebensweise. Das trieb Mohammed schließlich dazu, gegen die Juden sich feindlich zu verhalten. Er änderte Vieles von dem ab, was er dem Judentum entnommen hatte; ja, er beschuldigte die Juden, sie hätten die Thora gefälscht, in der angeblich früher Hinweise auf Mohammed als Propheten zu lesen gewesen wären. Die Kämpfe Mohammeds gegen die Juden waren durchaus ernste und langwierige Stammesfehden. Der Sieg wurde oft, besonders anfangs, nur durch die Uneinigkeit und mangelnde Organisation der jüdischen Stämme herbeigeführt. Der jüdische Stamm Kainukaa mußte schon 624 seine Wohnsitze verlassen und nach Palästina flüchten. Ihnen mußten nach gewaltsam und tückisch geführten Kämpfen bald die Juden.des Stammes Nadhir folgen. Nun schlug allgemein die Stimmung gegen die Juden um. Bündnisse, die im Leben der Wüstenstämme so unentbehrlich sind, wie Geschäftsverbindungen im europäischen Leben, wurden mit ihnen nicht mehr geschlossen. Schutzlos und ohne Verkehr mit ihren Nachbaren mußten die Juden mancher Stämme ihr Leben unter dem Fanatismus der Menge lassen, so die vom Stamme Koraiza. Dennoch beruht die Vorstellung, die ganz unbefugter Weise ein Journalist vor Kurzem über die Judenkämpfe Mohammed» sich und Anderen gemacht hat, auf ganz albernen Irrtümern. Von Pogromen' Mohammeds gegen die Juden zu reden, ist barer Unsinn. Auf diese unsinnige Behauptung hat auch der indische mohammedanische Kongreß eine stark judenfeindliche, aber inhaltlich leider wahre Antwort erteilt: Die Kämpfe Mohammeds waren aus religiösen Gegensätzen entstanden und fanden durchaus in den unter arabischen Stämmen üblichen Formen statt. Ueber das Verhalten mancher sogenannten Juden des 19. Jahrhunderts Wochenrundschau. Die gesamtjüdische Adresse. — Anregungen der Aguda werden aufgegriffen. — Ein Misrachiführer über die Misrachischulen. Bei der großen zionistischen Kundgebung in Berlin waren alle Hauptreferate auf einen Ton abgestimmt: Jüdische Einheitsfront. Dr. Hans Friedenthal nennt die zweite Periode des Palästinaaufbaues,- von der Balfourdeklaration bis zur Auseinandersetzung mit den Arabern, eine ,,Zeit der versäumten Chancen*', weil es in dieser Zeit an dem Einheitswillen als Geldquelle fehlte. Dr. Traub wünschte im gleichen Sinne geschlossene jüdische Einigkeit und Dr. Max Grünewald beklagte, daß es uns an der gesamtjüdischen Adresse fehle, an die wir unsere Not herantragen könnten, nachdem sieh die große Welt der jüdischen Not verschließt. - Der Geschichtler, der im Anschluß an diese Aeußerungen eine Untersuchung anstellen wollte, wann und wie die jüdische Einheitsfront zerbrochen. zu den Mohammedanern der Welt enthielt dieses indische? politische Dokument" noch einige Bemerkungen, auf die wir am Schluß zurückzukommen haben werden. Daß die Kämpfe Mohammeds gegen die Juden nicht aus so abgrundtiefer Verachtung stammte wie etwa die römisch-christlichen Verfolgungen, ist auch daran zu sehen, daß die Juden bald nach dem Tode Mohammeds wieder in ein sehr gutes Einvernehmen mit den Arabern kamen. Als die Araber die dem oströmischen Reiche gehörigen Länder des östlichen. Mittelmeeres eroberten, wurden von den Juden, stellenweise sogar von einzelnen christlichen Sekr ten die Araber als Befreier begrüßt, — ebenso in den vorher persischen Gegenden am Euphrat und Tigris. In letzterem Lande zeichnete der Kalif Omar nach seinem siegreichen Einzug den jüdischen Exilsfürsten Bostanai dadurch aus," daß er diesem eine, große politisch selbständige Macht über die Juden einräumte, die sich durch Jahrhunderte in dessen Familie hielt. In jener Zeit wurden die strengen Gesetze nicht durchgeführt, die der Kalif Omar gegen Juden und andere Nichtmohammedaner erlassen hatte. In Cäsarea, der wahren oströmischen Haupt- - stadt Syriens, sind die Araber mit jüdischer Hilfe eingezogen; in Spanien, wo die Juden furchtbar unter den katholisch-gotischen Verfolgungen litten, haben 711 gleichfalls Juden den Arabern als Befreiern den Weg geebnet. Die jüdische Lehre nahm in den Hochschulen Babyloniens unter arabischer Herrschaft einen gewaltigen neuen Aufschwung; wir erlebten damals die Blüte des Ga o n a t s. Nie vorher im mVj und nie nachher erlebte das Volk Israel eine solche *mK Dlpöl flVni ftTIlV eine solche majestätische Stellung der Thora und ihrer Vertreter im ganzen Volksleben nach außen und nach innen. ■ Auf lange Zeit hinaus wurde das Judentum nun geradezu' auf Gedeih und Verderb in eine Schicksalsgemeinschaft mit dem Arabertum ge-,- drängt. Als das Kalifenreich in Bagdad un,d-Babylonien verfiel, gerieten auch dielüdischen zwei großen Institutionen diesesjuanö!!es, die Talmudakademien von Sura jj*rfi Pumbeditha,..in Verfall. Zur gleichen ZeifT etwa von 900 an, blühten... die Reiche der arabischen .Fürsten in Spanien stuf, und..in ihnen erstand die große philoso- ,ph*Sche und poetische Blüte, > des Judentums Spaniens, . ~ -s i - V': (Schluß folgt.) die gesamtjüdische Adresse aus. "dem Adreßbuch ,der " jüdischen Diaspora gestrichen wurde, hätte leichte Arbeit. Man braucht gar nicht so weit zurück in der jüdischen Geschichte zu blättern, um die frühere gesamtjüdische Adresse zu finden. Solange die Tnbra Seele und Mittelpunkt des jüdischen Lebens war. gab es.eine jüdische Einheitsfront, und ihre Adresse,, hieß: der Schulchan Aruch, die Lehrer .ujacT Meister, die Führer des Volkes waren. Mit der Enianzipation, die das Judentum in „Judentümer" 2er- , splitterte, mit divergierenden und widerstrebenden Kulturinteressen, mit verschiedenen religiösen Formen, die die Farbe ihrer Umwelt trugen, wurde naturgemäß die Gesamtadresse gelöscht. Es gab eine Zeit, da die Statuten des Mainzer Rabbi Gerschom auch für die ganze östliche Welt ihre Gültigkeit erhielten, genau so, wie die Kodifikation des palästinensischen Rabbi Josef C a r o und die dazu gemachten Randglossen des Krakauer Rabbi Mosche Isseries richtunggebend für Gesamtisrael in Ost und West, im Orient und Okzident wurden. Damals und auch später noch hatten wir die gesamtjüdische Adresse. Es wäre aber ein müßiges Unterfangen, mit geschichtlichen Exkursionen brennende Probleme des Tages lösen zu wollen. Was war, das war, und was ist, ist eine Tragik fast ohne Präzedenzfall in der Geschichte. Die orthodoxe Weltorganisation Agudas Jisroel empfand es vom ersten Tage ihrer Gründung an, woran es fehlt und ging daran, mit dem Rabbinischen Rate etwas wie jene Instanz, die legitimiert wäre, von hoher Warte über aller Parteipolitik das entscheidende Wort zu sprechen, kurzun» die jüdische Adresse zu schaffen, die aber leider diejenigen am wenigsten benut- EIL 87 ^auch Herrenwäsche; Trikotagen und Bade Wäsche I ,, Winter- Schlussverkauf; inj H^renuf Knabenkleidung ■ zii\Stärk!\reduzierten Preisen Frankfurt a. M. Hlndenburgpfa'tz .12 am Hauptbahnhof. u. iäaäsj