Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1938)
- Date
- 1938-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 5 Der Israelit 3. Februar 1938 Nf trägen und Arbeitsgemeinschaften den Teilnehmern i die Kenntnis methodisch-unterrichtlicher und jüdisch geschichtlicher Fragen. — An alle Referate schloß sich eine eingehende prinzipielle Diskussion an, die sowohl dem Volksschullehrer als auch dem Religionslehrer wichtige Hinweise bot. Schweiz. Jüdisches aus Genf. Genf, 31. Jan. Der Völkerbundsrat hat gestern ein Kom tee, bestehend aus dem Ratspräsidenten M. Adle sowie den Vertretern von Großbritannien und Frank reich eingesetzt, das die von jüdischer Seite eingereichten Petitionen im Rahmen der üblichen Prozedur behandeln soll. Die Frage, ob das Nansenamt nach 1938 wei ter existieren soll, ist im Völkerbundsrat erörtert worden. Ein D r eier-Komitee, bestehend aus England, Frankreich und Bolivia, wurde einge setzt, um der nächsten Ratssitzung im Mai einen Be rieht über diese Frage zu erstatten. Vom Schweizerischen Gemeindebunde. Genf, 26. Jan. In ein^r. Sitzung des Schweizerischen Gemeinde bundes, die gestern hier stattfand, wurde Mitteilung über das von der nationalen Front angekündigte Re ferendum gemacht. Das Referendum fordert. Aenderungen der Verfassung, um die gesetzliche Lage" der Juden in der Schweiz zu regulieren. Man hält es zwar für unwahrscheinlich, daß die erforderliche Mindestzahl von 50 000 Unterschriften erreicht wird, bedauert aber die Notwendigkeit, eventl. in einen Kampf um die Sicherung der jüdischen Rechtsgleichheit eintreten zu müssen. Rumänien. Die neue jüdische Lage in Rumänien. Bukarest, 31. Jan. Der Arbeitsminister hat.,angeordnet, daß die Unternehmungen der G a s t 1 r,t e g e w e r k s c h a.f t ihre Kennen' die^Müsländische-.-Staaisangehörige oder- Juden sind, entlassen müssen 'unddaß die freiwerdenden Posten nur mit christlichen Rumänen besetzt werden dürfen. Eine Gruppe rumänischer Juden hat an die rumänische Regierung und gleichzeitig an das Völkerbundssekretariat ein Gesuch gerichtet, das die Bereitstellung eines Territoriums in einer der schwach bevölkerten Kolonien für eine jüdische Ansiedlung fordert. Diese Bestrebungen sind von den rumänischen Regierungskreisen günstig aufgenommen . worden. Der rumänische Ministerpräsident G o g a hat den Führer der Gruppe, W i 11 m a n n , in Audienz empfangen und ihm die Prüfung seiner Vorschläge zugesagt. Die rumänischen nationalistischen Kreise begrüßen diese jüdische Initiative um so mehr, als sie glauben, daß die Verantwortung für eine internationale Lösung der Judenfrage damit auf die Westmächte falle, die die notwendigen Territorien für eine Kolonisation der Juden besäßen. Die wiedererscheinende Zeitung der Legionär- Bewegung „Cuvantul" bemängelt, daß in der neuen rumänischen Judengesetzgebung die Frage der getauften Juden noch nicht geklärt sei. Diese Klärung sei um so notwendiger, als in letzterer Zeit viele Juden mittels der Taufe aus dem Judentum zu entschlüpfen suchten. Die Generalversammlung der rumänischen Ingenieurvereinigung hat beschlossen, alle Juden auszuschließen. Nach dem Ingenieurverband hat nun auch der rumänische Architektenverband beschlossen, jüdische Architekten, die dem Gesetz über die Revision ihrer Staatsbürgerrechte unterliegen, bis zur durchgeführten Revision ihrer Praxis zu entheben. Das rumänische Unterrichtsministerium hat eine Verordnung erlassen, wonach jüdische Mittelschullehrer nicht mehr Klassenleiter sein können. Luxemburg. Die Einbürgerung in Luxemburg erschwert. Luxemburg, 25. Jan, Das Justizdepartement der Regierung Dupong hat eine Verfügung zur Aenderung der Einbürgerungs-Bestimmungen erlassen, in def es u. a. heißt: „Künftighin ist zur Erlangung der luxemburgischen Staatsangehörigkeit durch Naturalisation oder Option die geläufige Beherrschung der luxemburgischen Sprache unbedingte Voraussetzung. Ebenso, ist der Nachweis körperlicher und geistiger Gesundheit zu erbringen. Durch einen von dem. Justizministerium für jeden Einzelfall zu bestimmenden Arzt wiid festgestellt, ob der Antragsteller iijejL. ist von Fallsucht, von Tuberkulose, yon Geschlechts-■ krankheiten, von jeder ansteckenden Krankheit, Von Toxikomanie und von irgendeinem körperlichen oder geistigen Gebrechen, das zu einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus führen könnte." Polen. Weitere Aussprachen im Parlament. Warschau, 30. Jan. Die Judenfrage wurde in beiden Häusern des polnischen Parlamentes am Freitag erneut diskutiert. Der Vizeminister für auswärtige Angelegenheiten sagte im Senat, daß heute alle Einwanderungsländer sich wegierten, polnische Bürger zuzulassen und daß die Situation sich in keiner Weise gebessert habe, Polen brauche aber Auswariderungsmöglichkeiten sowohl für Juden wie für Nichtjuden. Senator E w e r t sagte, Kolonien würden nur ein Unglück für Polen sein, da ihre Ausnützung große Kapitalien erfordere, die Polen nicht besitze. Senator Sechn i c k i gab der Meinung Ausdruck, daß es notwen dig sei, nicht mit den polnischen Juden selbst über Auswanderung ZU verhandeln, die dafür doch kein Verständnis zeigten, sondern lieber mit den jüdischen Organisationen im Auslande in Unterhandlung zu treten, die die Notwendigkeit der jüdischen Auswanderung aus Polen begriffen. Litauen. Der Sabbat im litauischen Rundfunk. K o w n o , 31. Jan. In Kowno wurde eine Propagandawoche für die S a b b a t h e i 1 i g u n g in Litauen durchgeführt, die guten Erfolg gezeitigt hat. Im Mittelpunkte der Propagandatätigkeit stand eine Rundfunkrede von Rabbi Josef Feiwelsöhn, die in allen Kreisen großen Eindruck gemacht hat. „Den siebenten Teil seines Lebens", sagte der Redner, „verbringt der Jude in seiner eigenen Heimat, im Sabbat, der die Heimat der Seele ist."/ Er wies auf alle Gefahren für eine Jugend hin, die ohne Sabbat großgezogen werde. England. Säuberung in Palästina« London, 28. Jan. '. Das Abendblatt „Star" berichtet, daß der neue High Commissioner von Palästina auf einer gründlichen» Säuberung der Palästina-Verwaltung von all denjenigen Beamten bestehen werde, die in den letzten Jahren einen Mangel an Stärke und Entschiedenheit;bei der \Aufrechterhaltung der Ordnung gezeigt haben. " — " Eine Intervention'' zugunsten., .der' verhafteten Rabbinen in Rußland.': London, 1,' Febr. Mit Hinblick auf die neue Verfolgungswelle ger, gen die Religion und die Verhaftung namhafter Rabbiner in Rußland hat sich die Aguda-Exekutive in London an den Außenminister mit der Bitte gewandt, er möge in Moskau eine Intervention zugunsten der Verhafteten durch den englischen Gesandten vornehmen. — Wie mitgeteilt wird, wurde auch der Oberrabbiner von Kiew verhaftet. Von der Flüchtlingskommission beim Völkerbund. London, 1. Febr. Bei der Flüchtlingskommission des Völkerbundes, die am 14. Februar in London tagen wird, werden die beiden Vertreter der Aguda, die Herren H. A. Goodman und Dr. M. Landau, beantragen, daß die Kommission als permanente Institution zur weiteren Lösung aller Emigrationsfragen ausgebaut werde;. (JPB.) * Rußland. Aus Sowjetrußland« W i 1 n a , 25. Jan. Zu den Opfern der allerletzten Schauprozesse in Rußland gehört Mosek Litwakow. Wer dieser Litwakow war, erfahren wir aus dem Wilnaer Blatte „Das Wort":; '! •: ' : . ' Zwanzig Jahre lang war der kleine schmächtige Mann sozusagen Kostkind Stalins- und ^nutzte diesen Einfluß aus, von der von ihm erklommenen Höhe als Vorsitzender der J^e-w s e k t i a aus den Kampf gegen die jüdische Religion zu führen. Zwanzig Jähre lang war er Chefredakteur, des berüchtigten „Emmes", eines .Blattes, daskein anderes Programm' hatte und hat, als die' jüdischen Feiertage, Gesetze und Heiligtümer Vor den Aug ei der jüdischen Völksmassen in der" Sprache dieser Volksmassen in den Rot zu Herren und .all did''„Genössen" aufzuspüren,^ die sich' gelegentlich' religiöser Anwandlungen, etwa am' Pes" sach oder am Jomkippur, verdächtig machten. Mit: [gleicher Wut führte er den Kampf gegen den Zionismus, die hebräische Sprache und alles, was in seinen Augen als Judentum galt;;v. 'v :W , Wie das gleiche Blatt berichtet, hat in Rußland eine neue Welle von Verfolgungen gegen Rabbiner- und religiöse Juden eingesetzt. In Kiew, wurden neuerdings drei Rabbiner verhaftet. * In Lubien bei Poltawa wurde Rabbi Schapiro, einer der angesehensten rabbinischen Führer in Rußland, in Haft genommen. Vom Schusse, der Litwakow wer. weiß aus welchen' Gründen niederstreckte, wurde somit die Jewsektia als solche nicht getroffen. Amerika. Jahresversammlung des American Jewish Committee, New York, 18. Jan. Die 31. Jahresversammlung des American Jewish Committee war von 250 führenden Persönlichkeiten aus allen Teilen des Landes besucht. Die Konferenz nahm einstimmig eine Resolution an,. welche 1. sich stark gegen die Teilung Palästinas ausspricht, 2. die Fortsetzung des gegenwärtigen Mandates verlangt, bis eine andere Lösung gefunden sei, welche die Garantien der Balfour-Erklärung sichert. 3. Vertrauen auf den Gerechtigkeitssinn und die fairness des britischen Volkes ausdrückt und das Komitee verpflichtet, mit anderen Körperschaften, insbesondere der Je wish Agency, zusammenzuarbeiten, um eine gerechte, billige und praktisch ausführbare Lösung des gegenwärtigen Palästina-Problems herbeizuführen. China. Verhaftungen. — Mazzoh für Shanghai. Shanghai, 26. Jan. Die Jüdische Gemeinde ist stark beunruhigt durch' die Verhaftung von Simon Zsnn, des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde von Tientsin und des jüdischen Kaufmanns Lew Piastunowitsch. Man glaubt,, daß die Verhaftung einer weißrussischen Denunziation zuzuschreiben sei. Die Jüdische Gemeinde hat mit großer Befriedigung von dem Angebote der bekannten amerikanischen Mazzos- Bäckerei M a n.i s c h e w i t z Kenntnis genommen, 250 Ztr. Mazzos nach Shanghai zu liefern. I Vermischtes- .-! ' ' Richtigstellung. Ulm, 30. Jan. Von dem Israelitischen Gemeindevorstejier-Amt Ulm wird uns geschrieben: Um Unklarheiten . zu beseitigen, möchten wir im Anschluß an die in Nr., 3 "dieses Blattes im Sprechsaal erfolgte Berichtigung feststellen, daß der Vorstand der Gemeinde Ulm mit -keinem Silvesterball, auch nicht mit dem Tanzvergnügen am Samstag abend, das hier als Silvesterball bezeichnet wurde, irgend etwas zu tun gehabt hat. Berlin, 25. Jan. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt mit; Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände veranstaltet am 7. und 8. Februar in Berlin seine diesjährige zentrale Mitarbeitertag ung. Sämtliche angeschlossenen. Verbände, Landesausschüsse, Ortsringe und befreundete Organisationen werden an dieser Tagung teilnehmen. Ein reiches Programm ist vorgesehen. . Anläßlich der Mitarbeitertagung wird am Montag» . den 7. F e b r u a r , 20,30 Uhr, eine Kundgebung, im Brüdervereinshaus abgehalten, auf der voraussieht- ... lieh Rabbiner Dr. Max Grunewald und Dr, Hanf Friedenthal sprechen werden, Amsterdam, 18. Jan. Der Vorsitzende des K'o-:;' mitees für die außergewöhnliche Stüt-'-' zungsaktion zu Gunsten der Organisation „Der jüdische Invalide" hat von Königin Wilhel- . m i n a einen ansehnlichen Betrag erhalten. Ebenso gingen bedeutende Summen von Prinzessin Ju» I i a n a und Prinz Bernhard ein. Luxemburg, 25. Jan. Der jüdische Kunstmaler Guido Oppenheimin Luxemburg, welchem , $or einigen Jähren bereits der luxemburgische Ritter- .} Orden zur Eichenkrone verliehen''wurde, ist von der Gr 0 ß h e r z o g i n von .Luxemburg anläßlich, ihres diesjährigen Geburtstags durch die Verleihung; des Ritterkreuz esrmit. Kr o,n e des V e r - dienst ordens für Zivil und; Militär des Haujäese { Nassau ausgezeichnet worden. Herr Oppenheim,\%st ~rein Großneffe von Prof. -Moritz.Öppenheim, dem Ma-; ler der Bilder aus dem altjüdischen, Familienlej^ei*': und übt mit seinen nahezu 76 Jahren die Kunst-, in- V seinem Fach als Landschaftsmaler hoch sehr fleißig; . (Weitere Berichte siehe Seite