Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1938)
- Date
- 1938-02-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3. Februar 1938 Der Israelit Nr. 5 Seite 5 Die politischen und ökonomischen Möglichkeiten. Die Frage der Bewährung des Systems in •der Geschichte wäre somit beantwortet. Ein ^anderes Problem von gleicher Tragweite istdas der politischen und ökonomischen Möglichkeiten •eines Staates oder staatlichen Gebildes in Palästina unter den augenblicklichen Verhältnissen. Palästina ist nach seiner geographischen Lage die Brücke dreier Erdteile. Am Mittelländischen Meer entlang führen die Handelswege, welche Asien und Afrika" miteinander verbinden, Das War von jeher so, wenn auch inzwischen an die Stelle des Karawanen-Weges vielfach der Schienenstrang getreten ist, . und das Reittier durch das Auto ersetzt wurde. Der Besitz dieser wichtigen Handelsstraßen hat daher bereits seit den ältesten Zeiten die Aufmerksamkeit der orientalischen Großmächte auf Syrien-Palästina gelenkt. Wer das Land besaß, hatte bestimmenden Einfluß auf den Handel zwischen Afrika und Asien, Durch die Lage am Mittelländischen Meer wird überdies noch die Verbindung mit Europa hergestellt. Es ist daher verständlich, daß das Land seit nunmehr vier Jahrtausenden das Streitobjekt ist, um welches sich die Kämpfe der Weltmächte drehten. Bereits seit ca 2000 vor erhob Aegypten. Anspruch auf die Oberherrschaft über Palästina. Zur selben Zeit erfoigeri Eroberüngszüge babylonischer Heere. Die spätere Geschichte ist von ständigen Kämpfen zwischen Assyrien und Aegypten erfüllt, in deren Mittelpunkt wieder Palästina steht. Unter den Diadochen der Alexander-Monarchie ist es ein auf das heftigste umstrittenes Gebiet. Auch in der Folgezeit wird dieser Kampf fortgesetzt Mit dem Auftreten des Islams erscheint dann in Vorderasien eine Macht, der niemand widerstehen konnte. Syrien-Palästina mit seiner arabischen Bevölkerung wurde ein dauernder Besitz des türkischen Reiches, Die Kreuzzüge mit der vorübergehenden Gründung christlicher Staaten haben diesen Zustand nur auf kurze Zeit unterbrochen. Durch die Vereinigung Aegyptens, Syrien-Palästinas und Mesopotamiens unter türkischer Herrschaft war ein Zustand geschaffen, der keine Ursache für weitere Kämpfe in sich barg. Als aber dann im 19. Jahrhundert Aegypten an England fiel, war das der Auftakt zu einem neuen Ringen um Syrien-Palästina. Heute ist Palästina die natürliche Brücke des .englischen Imperiums. Auf der anderen Seite aber steht der mächtig aufstrebende Pan-Araoismus, dessen Kräfte nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Es zeigt sich mehr und mehr, daß es ein völlig verfehlter Gedanke war, daß ein jüdischer Staat oder ein staatenähnliches Gebilde es nur mit den 900 000 Arabern Palästinas zu tun haben würde. Man hat inzwischen einsehen müssen, daß man es in Wirklichkeit mit den 25 Millionen Arabern Vorderasiens und Aegyptens und darüber hinaus mit der ganzen arabischen Welt zu tun hat, Die Vorstellung, daß ein jüdisches Staatsgebilde demgegenüber an England einen ausreichenden Rückhalt finden würde, ist durch die ^Ereignisse des letzten Jahrzehnts bereits restlos widerlegt. Hunderte von Todesopfern sollten endlich jedem Denkenden die Augen darüber geöffnet haben, daß England nicht willens und in der Lage ist, auch nur den unter seinem Mandat lebenden Juden eine ausreichende Sicherheit zu gewährleisten. Für den Schutz eines etwaigen halbwegs selbständigen jüdischen Staates sich ©inausetzen, bestände noch weit weniger Veranlassung. Als völlig unsinnig aber muß der Gedanke bezeichnet werden, sich mit militärischen Mitteln in dieser Umgebung zu behaupten. Es steht dem ein fast unerschöpfliches Menschenreservoir von-25 Millionen Arabern gegenüber, welche zudem noch über ungeheure finanzielle Hilfsquellen verfügen. Es ist bekannt, welche Mittel nötig waren,: um den Krieg in Abessinien zu führen. Die in Palästina erforderlichen wären um ein Vielfaches größer. Man bedenke nur, wie viele Divisionen England benötigte, um die lokalen Unruhen in Palästina zu unter drücken. Keine einzige Großmacht könnte oder würde die Juden in einem solchen Kampfe unterstützen, weil sie alle" arabische oder mohammedanische Untertanen haben und daher mit einem Aufruhr im eigenen Lande rechnen müßten. (Rubin Illusion Judenstaat Palästina, Wien 1937, S. 29). Es bleibt also nur die für jeden klar denkenden Menschen selbstverständliche Konsequenz, daß die Behauptung eines Judenstaates mit militärischen Mitteln gegen den Widerstand Pan-Arabiens eine glatte Unmöglichkeit ist. So viel über die politischen Möglichkeiten. Mit den ökonomischen scheint es nicht viel anders zu stehen. Der wirtschaftliche Aufbau hat in erster Linie die Bereitstellung von Boden in ausreichendem Maße zur Voraussetzung. Diese stößt aber bereits jetzt auf den organisierten arabischen Widerstand. Schon heute besteht ein ungesundes Mißverhältnis. Die jüdische Landbevölkerung, welche 1932 bereits auf ein Viertel des Jischuw | angewachsen war, beträgt heute nur noch sin Fünftel. Die Stadt wächst, Dörfer kommen nicht genug hinzu. Oekonomisch ist aber das Aufbauwerk nur dann gesund, wenn es sich auf eine eigene landwirtschaftliche Basis stützen kann. (Mitteilungen des Keren Kajemeth Lejisrael, März 1936. Nr. 2, Seite 4; Rubin a. a. O.). Der in dem Peel-Bericht enthaltene Vorschlag auf zwangsweise Uebersiedlung von Arabern aus dem jüdischen in das arabische Gebiet ist nach dem neuerdings veröffentlichten Weißbuch bereits fallen gelassen Worden. Auf der anderen Seite ist auch die Aufnahmefähigkeit und Ausdehnungsmogliohkeit der palästinensischen Städte wirtschaftlich sehr begrenzt. Hier könnte nur eine fortschreitende Industrialisierung in großzügigem Ausmaße Wandel schaffen. Einer solchen stehen aber die größten Schwierigkeiten entgegen. Da Palästina über die erforderlichen Rohstoffe (z. B. Kohle und Eisen) nicht verfügt, ist es anderen Ländern gegenüber im Hintertreffen und kann nur schwer mit ihnen konkurrieren. Es bedürfte eines ständigen großen Kapitalzustroms. Mit einem solchen kann aber au£ die Dauer schon mit Rücksicht auf die unsicheren politischen Verhältnisse des Landes, welche den Verlust des dort angelegten Kapitals befürchten lassen, nicht gerechnet werden. Von wesentlicher Bedeutung ist in diesem Zusammenhange auch die Mentalität der Arbeiter, deren radikale Einstellung sich schon jetzt fühlbar macht, ohne ein ausreichendes Gegengewicht zu finden. Nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitete Kapitalien müssen dadurch abgestoßen werden. Schließlich wird eine großzügige Industrialisierung Palästinas den Widerstand derjenigen Länder hervorrufen, deren Absatzmärkte dadurch bedroht würden. Einer dabei in die Erscheinung tretenden scharfen Konkurrenz wäre die palästinensische Industrie infolge des Mangels einer eigenen Rohstoffbasis auf die Dauer nicht gewachsen. Die Aussichten des Handels sind nicht viel besser. Die günstige frage Palästinas würde es an sich zu einem Lande des Zwischenhandels prädestinieren. Das aber scheitert an den gegenwärtigen politischen Verhältnissen. Im pan-arabischen Wirtschaftsraum kann ein jüdischer Zwischenhandel sich z. Zt. nicht durchsetzen. (Vgl. Rubin a. a. 0. S. 21). Schon heute ist eine besorgniserregende Passivität der palästinensischen Handelsbilanz festzustellen. Eine nüchterne realpolitische Betrachtung dieser politischen und wirtschaftlichen Tatsachen muß dazu führen, die Lebensfähigkeit eines jüdischen Staatsgebildes in Palästina unter den gegenwärtigen Verhältnissen stark in Zweifel zu ziehen. Durch Beschränkung des Staatsgedankens auf die Errichtung eines autonomen Gebildes können diese Schwierigkeiten wohl vermindert, keineswegs aber beseitigt werden. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Ein Rundschreiben der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland. Frankfurt a. M., 31. Jan. Die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland sendet gemeinsam mit der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums Fragebogen an alle ihre Gruppen und Vertrauensleute, zwecks Feststellung der religiösen Kreise, die bereit sind — unter der Voraussetzung, daß ein geeignetes Direktorium gefunden wird — sich an einer Gruppenauswanderung zu beteiligen, resp. die nötige Vorbereitung zur landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung vorzunehmen. In einem begleitenden Rundschreiben wird mit Bezugnahme auf die IIa darauf hingewiesen, daß Agudas Jisroel schon aus weltanschaulichen Gründen die Gruppenwanderung bevorzugt. Rheinisch-Westfälischer Rabbinerverband. Düsseldorf, 26. Jan. Am Montag, den 24. Januar, fand nach längerer Pause hier eine Tagung des Rheinisch-Westf ä 1 i s c h en Rabbinerverband.es statt. Nach Begrüßungsworten und Erstattung des Geschäftsberichtes durch den Vorsitzenden Rabbiner Dr. Schönberger (Aachen), referierte Bezirksrabbiner Dr. Auerbach (Recklinghausen) über den Stand der Mazzoth- -und Koscherfleisch Versorgung und forderte namens der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten zu stärkerer Mitarbeit auf. Das Hauptreferat hielt sodann Rabbiner Dr. Hahn (Essen) über „Probleme der jüdischen Theologie". Nach einer Abgrenzung der Theologie von verwandten Gebieten wie der Religionsphilosophie u. "a. erhob der Referent die Forderung nach einer systematischen jüdischen Theologie, von der aus jedes jüdische Handeln geistig zu untermauern sei. Als Hauptgrundsätze einer jüdischen Theologie bezeichnete der Redner die Offenbarung G'ttes, den „B'rith"- Charakter des jüdischen Volkes und die Anerkennung G'ttes als G'tt-König, der an den Menschen Forderungen zu stellen hat, die der Mensch erfüllen muß. Das Judentum habe sich als Gesetzesreligion zu fühlen, dessen Gesetz das ganze Leben ausmacht. Diese Ausführungen wurden von dem ersten Diskussionsredner, Dr. Eschelbacher (Düsseldorf), in wesentlichen Punkten ausführlich ergänzt. Am Nachmittag gab dann Rabbiner Dr. E s c h e 1b a c h e r (Düsseldorf) an Hand der Studienzeit seines Vaters einen sehr fesselnden Ausschnitt über einen Teil der Kulturgeschichte des deutschen Juden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Dann sprach Rabbiner Dr. Schönberger (Aachen) über die Bibelromane, ihre Verwendbarkeit und ihre Gefahren für die eigentliche jüdische Bildungsarbeit. Zum Schluß berichtete Rabbiner Dr. N e u m a r k (Duisburg) über die Arbeiten der jüdischen Adoptionszentrale. Pädagogische Arbeitstagung. Stettin, 26. Jan. Am 16. und 17 .Januar fand in Stettin für die Lehrer Pommerns und der angrenzenden Gebiete Mecklenburgs, Brandenburgs und der Grenzmark im Rahmen der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland organisierten Lehrerfortbildung eine pä dagogische Arbeitstagung statt, zu der der Lehrerverband eingeladen und der der Verband der Synagogengemeinde Pommerns seine Unterstützung geliehen hatte. Zu der Tagung waren die Lehrer der genannten Bezirke vollzählig erschienen. Die Tagung vermittelte in Vor- DBS LICHT DER EWIGKEIT voit4?abb. Dr. Elle Münk in Ansbach broschiert RM, 4.00 . Lwbd. RM. 5.oo VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON GMBH., Frankfurt 8; M. Schüt2enstr. 12 Postsch. 19802 WinterschluDverkauf Frau f. maier ww. HERRENKLEIDUNG Ecke Fahrgasse/Battonnstraße