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Der Israelit · 1938-02-03 · Heft 5 (3.2.1938) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 5 (3.2.1938)
Date
1938-02-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 5 Oer Israelit 3. Februar 1938 englischer Politiker dieser Tage die Bemerkung gemacht, die Schwierigkeiten, die einer Auswanderung jüdischer Massen überhaupt im Wege stehen, werden vielfach übertroffen von dem Ungeheuren geistigen und religiösen Verlust, der mit einer Auswanderung aus östlichen Ländern einhergeht. Wir halten es für ein Verbrechen, verzeihen Sie den starken Ausdruck, daß angesichts der gegenwärtigen Lage des jüdischen Volkes noch immer sechs, sieben oder acht verschiedene Organisationen an der Lösung des Wanderungs¬ und Siedlungsproblems herumdoktern statt daß sie sich an einen Tisch setzen und eine Lösung herbeiführen. Schuld daran ist nichts _ anderes als ein sittliches Manko. Es ist Ueberheblichkeit der großen Organisationen, die glauben, sie seien sich selber genug, und die einer Zusammenarbeit hartnäckigen Widerstand entgegensetzen. Wohin sollen die Juden gehen, wenn die Grenzen ihrer Nachbarländer geschlossen sind, wenn die großen, politisch gesicherten Gebiete aus purem Mißverständnis jüdischen Siedlungen verschlossen sind? Sie rufen einerseits nach Menschen, auf der anderen Seite sucht man britische Einwanderer, die aber nicht kommen, weil die englischen Arbeitslosen viel lieber in England bleiben. Hätten wir ein einheitliches jüdisches Siedlungsami:, der gesamte politische Einfluß, das gesamte Ansehen der Judenheit stünden viel besser. Ich bin überzeugt, daß Verhandlungen mit der britischen Regierung hinsichtlich einer Einwanderung nach Australien, Kanada usw. nicht ganz ohne Hoffnung und ohne Aussicht auf Erfolg sind. Sie dürfen nicht glauben, daß wir uns allein mit diesen beiden Fragen beschäftigt haben. Es waren auch die Aufgaben der Erziehung der Knaben und Mädchen, daß sie aufrecht bleiben können in dieser Zeit der Not. Gibt es ein stärkeres Mittel, das das jüdische Volk aufrecht erhalten kann, ein anderes als die Thora? Die Aufrechterhaltung der Talmud Thoras und'Jeschiwos und Beth Jakob-Schulen, die nicht verschwinden dürfen hinter den Problemen des Tages, das Hinaustreten ins Volk, um großerzieherisch zu wirken, der Aufbau von Erez Jisroel. all das war der Inhalt der Tage und Nächte unserer Beratungen, und ich hoffe, wenn Sie alles gehört haben von meinen Kollegen, was sie erfüllt an Sorgen und Hoffnung, daß alle sagen: „ich gelobe mir, jeden Splitter meiner Kraft auf dem Altare meines Volkes darzubringen, auf dem die Opferflamme der Hingebung, aufgeopfert, dargebracht von der Agudas Jisroel, zum Himmel emporloht." Von Dr. Ph. Biberfeld. (Fortsetzung,] Eine derart weitgehende Autonomie stand den Juden in allen Städten des Reiches Alexanders des Großen zu. Sie gehörten zwar der Kategorie der Nichthellenen an, aber ihnen und nur ihnen war es gestattet, sozusagen eine Gemeinde in der Gemeinde 7\i bilden und, während die übrigen Nichtbürger von den Behörden der Bürgerschaft regiert wurden, bis zu einem gewissen Grade sich selbst zu regieren. (Mommsen Judäa und die Juden, S. 10). Das ganze Mittelalter hindurch stand den jüdischen Gemeinden fast aller Länder eine derartige Autonomie zu. Ein besonders hervorragendes Beispiel eines solchen autonomen Verwaltungsverbandes ist die Vierländer-Synode. Die Juden der vier Länder (Großpolen mit Masovien, Kleinpolen, Reussen und Litauen) hatten einen gemeinsamen Juden- Reichstag, welcher zweimal im Jahre zusammentrat und Beschlüsse faßte, welche in dem ganzen Gebiet durchgeführt werden mußten. Diese Einrichtung bestand annähernd zweihundert Jahre (1581—1764). Die Kompetenzen waren außerordentlich umfassend. Insbesondere gehörten dazu Steuerangelegenheiten, Steuerpacht, Handels-, Konkurs- und Wechselrecht, Approbation von Werken, Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Gemeinden sowie Erziehungsfragen. An der Spitze dieser Synode, welche sich mit allen Fragen staatlicher Verwaltungstätigkeit zu befassen hatte, haben die bedeutendsten Thoragjelehrten gestanden, Allen diesen Erscheinungsformen des autonomen Gesamtheitslebens lag der Staatsgedanke der Thora zugrunde. Das soziale Zusammenleben beruhte auf der unbedingten Achtung der Einzelnen vor der Thora und ihren Trägern, in deren Händen die Leitung des Gemeinwesens lag. Die bereits früher geschilderte Umbildung des rein genossenschaftlichen Aufbaus der Stadtverfassungen in einen mehr körperschaftlichen ist eine Anpassung an die besonders gelagerten Verhältnisse im Gofus. Es lag darin eine gewisse Kombination der Kompetenzen der gewöhnlichen Stadtverwaltung mit solchen des Synhedrions. (Vgl. Beth Joseph Jore Deah 228 Ende; Responsen R. Isak b. Schechet 249.) Man kann also diese autonomen Verbände in gewissem Sinne als eine Fortsetzung des staatlichen Lebens in abgewandelter Form bezeichnen. Ueber die Bewährung dieser autonomen Körperschaften in der Geschichte jst kaum ein Wort zu verlieren. Es hat wohl kaum je ein staatliches Gemeinwesen gegeben, welches > mit solchen Schwierigkeiten und Gefahren zu kämpfen hatte, wie sie für diese autonomen Verbände an der Tagesordnung waren. Was da von den führenden Menschen an vorausschauender Weisheit, an diplomatischem Geschick und an heroischer Lebensauffassung x geleistet worden ist, lehrt fast jedes Blatt ihrer Geschichte. Bald war gegen drohende Verfolgungen zu intervenieren, bald waren erdrückende Steuern und Kontributionen abzuwenden. Es mußte um die Privilegien gekämpft werden, auf welchen die Lebensmöglichkeiten beruhten. Alles müßte daran gesetzt werden, um erträgliche Beziehungen -zu den Regierungen aufrechtzuerhalten. Auf der anderen Seite aber waren alle seelischen und geistigen Kräfte aufzubieten, um das Volk unter den zum Teil ungeheuer schwierigen äußeren Lebensbedingungen mit Lebensmut und G'ttvertrauen zu erfüllen, es dazu zu erziehen, ein Leben sub specie aeternitatis zu führen. In welchem geradezu unvorstellbarem Maße das gelungen ist, zeigen all die Tausenden von Menschen, Welche ihr Leben für ihre Ueberzeugung hingegeben haben, obgleich sie es mit einem Worte hätten retten können. So wird es verständlich, daß selbst unter diesen Bedingungen ein soziales Leben aufrechterhalten wurde, welches in allen Einzelheiten getragen war vom Geiste des Rechts und der Sittlichkeit. Diese bis in die Neuzeit hineinragenden autonomen Verbände leiten unmittelbar zu einem neu zu errichtenden Staatswesen über. Sie sind die gegebenen Bindeglieder, durch welche die Kontinuität der Rechtsentwicklung seit der Zerstörung des jüdischen Staates aufrecht erhalten worden ist. Irrig ist also die Auffassung, daß man gezwungen wäre, an eine vor 2000 Jahren abgebrochene Entwicklung anzuknüpfen, was natürlich _ zu großen Schwierigkeiten geführt hätte. Weiterhin zeigen diese Verbände aber auch, daß er für die Verwirklichung des Staatsgedankens der Thora nicht~ von entscheidender Bedeutung ist, ob das Gemeinwesen ein souveräner Staat, ein Dominion oder ein autonomer Verband ist. In einer Reihe' mit dem Problem des jüdischen Staates steht das der jüdischen Stadt, das schon längst aktuelle Bedeutung erlangt hat und dringend der thorag einäßen Regelung harrt. Zum 7. Adar. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Unsere Geschichte und Vergangenheit, die nach Inhalt und Ablauf in Wahrheit als eine heilige anzusprechen ist, weiß uns von vielen großen Männern unseres Volkes zu berichten, die ausersehen waren, als Sendboten des Höchsten Lehrer und Führer in Israel zu werden, die Verkünder und Dolmetscher des g'ttlichen Willens, die Wegweiser und Vorbilder zu erhabenem Reinheitsstreben zu sein. Dieser Großen Größter, wohl nachahmbar, aber niemals zu erreichen im Ausmaß seiner Gestaltungskraft und seinel* bis ans G'ttliehe heranreichenden Selbstverleugnung und Entziehung, ist im nen unser Lehrer Mosche, an dem sich erfüllt hat; "isoa ms t<bts* fw- Die Zahl deiner Tage will ich voll machen." Der 7. Adar, als Geburts-Todestag Mosches, ist uns für alle Zeiten ein Tag der Besinnung und erhebenden Weihe, der uns an das Lebenswerk unseres Allehrers gemahnen soll, von dem, wenn von einem, das Wort gilt: nra ai/issr na m o^p . Sein Leben ist selber Thora geworden,- weil es-den Inhalt unserer heiligen Lehre in all* ihren Ausstrahlungen verkörpert. Für alle Zeiten und alle Geschlechter soll es gesägt sein: ntn Di>n imap m v>x jn> &b"\ „Niemand kennt sein Grab bis auf diesen Tag". Er, von dem die heilige Schrift kündet: bxiws ny srai ap i6l nt?»3 und es stand nimmermehr ein Prophet auf m Israel wie Mosche, darf niemals uns tot sein, soll fortleben in Mund und Herz uns. uns und unser Schaffen und Streben formend und gestaltend, daß wir alle Zeugen bleiben des erhabenen ewigen Lebenswerkes unseres großen unsterblichen Lehrers. Die Himmlischen haben Mosche entgegengejubelt: *k->e?> ds? vosipöi nt>» "\ npnx „Die Gerechtigkeit des Herrn hat er vollführt und mit Israel dessen Rechtswaltungen", und wir sollen in dankbarer Erinnerung uns würdig erweisen als Glieder des Volkes zu gelten, dem ein Mosche Lehrer und Wegbereiter war. Dollar in ]n inwn D'p'iitli mvs} pany px „Man errichtet keine Denkmäler den Frommen und Gerechten, ihre Taten verbürgen die Erinnerung an sie." Nicht Marmor und nicht Erz künden uns von Mosche und seinem Wirken. Weiches Wort, v/essen Rede, und sei sie noch so schön geformt, könnte auch Mosches unendliche Größe und unermeßliche Dienstbereitschaft gebührend würdigen und erschöpfend veranschaulichen? Ein jeder in Israel ist aber und soll bleiben Denkmal zu Mosches Ehren, indem er sich mahnen läßt von dem jüngsten aller Propheten: nay-nPB min vot „Denket an die Lehre Mosches meines Dieners". G'ttes Lehre ist zur n»a min zur Lehre Mosches geworden. ">by vffsi nx ionv by weil er sich selber für sie zu opfern bereit war" und unermüdlich sie gelehrt und gelebt hat. Hierin weisen uns unsere Alten auf die Quelle unserer Kraft und Würde hin. Wir alle sollen uns an Mosches Leben und Streben erheben und auch zum Nachwandeln in seinen Pfaden aneifern, daß die heilige Lehre... immer mehr auch „die unsere" werde und wir den Sinn unseres Seins und das Wesen unserer jüdischen Aufgabe begreifen. Das soll das Licht bleiben, das der 7. Adar für uns ausstrahlt,. daß wir an ihm uns besinnen und uns mit unserer Kraft und Fähigkeit zu Mosche und seiner Lehre bekennen und verpflichten. So haben wir den Stab, an dem wir uns aufrecht halten auch im Dunkel der Nacht, und das Leitseil, das uns emporzieht aus den Tiefen des Irdischen zu den Höhen des Reinen und Erhabenen und uns als G'ttes Volk zur Verwirklichung alles Guten und Schönen leitet. Briefkasten. M. C. Wir möchten die Diskussion über diese- Frage nicht noch einmal aufnehmen. G. W. Geht leider aus räumlichen Gründen nichts Wochenkalender. Vom 5. - 12. Feb-uar 1938 ' Vom 4. — II. Adar 5698 '»v rp .. -. minn naiin rav Samstag 5 4 T3 Sonntag 6 5 m Montag 7 6 tiS Dienstag Febr. 8 1TR 7 b Mittwoch 9 8 *b u'' Donnentag 10 '-■ - '■ 9 ib Freitag 11 10 A Samstag --^ 12 '. 11 ovo i,b mxn mv

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