Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-01-27 · Heft 4 (27.1.1938) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 4 (27.1.1938)
Date
1938-01-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451016--83512-2541516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

27. Januar 1938 Der Ii s r.a e I i t Nr. 4 Seite 7 Die Zahl der Juden in Rumänien. Bukarest, 18. Jan. „lieber die Zahl der Juden in Rumänien wird in den Zeitungen gestritten. Nach der Volkszählung vom 29. Dezember 1930 wurde die Zahl der Juden mit rund 800 000 angegeben. Diese Angabe bezeichnen einige Zeitungen für unrichtig und tendenziös und sprechen von über 1% Millionen Juden in Rumänien. Die erstgenannte Zahl beruht auf folgender Grundlage; Am Ends des Krieges gählte das alte Königreich 243.000 Juden, Beßarabien 265.000, Siebenbürgen 170.000 und die Bukowina 120.000. Das ergibt eine Gesamtsumme von 834.344. Die Zunahme in den dazwischenliegenden neun Jahren war nicht so groß, daß die Zahl der Juden in Rumänien heute, einschließlich der Eingewanderten, über eine Million hinausgehen könnte. Polen. Skandalöse öffentliche Sabbatentweihung in Warschau. Warschau, 16. Jan. Große Erbitterung rief in religiösen Kreisen des polnischen Judentums die Handlung des Moment- Verlages hervor, der seit einiger Zeit eine polnische Zeitung herausgibt und, allen Mahnungen und Verwahrungen zum Trotze, dieses Blatt auch a m Sabbat erscheinen läßt. Litauen. Die Stellung der jüdischen Bauern in Litauen. K o w n o , 14. Jan. Der Direktor der litauischen Landwirtschaftskammer, M. Yakubaukas hat der jüdischen Presse interessante Tatsachen über die Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft in Litauen mitgeteilt. Es gibt zur Zeit in Litauen einige hundert jüdische Bauern, die in den Dörfern in der Umgebung der Städte Kedan, Birsh, Poniewesch . und Vilkivishki leben. In einer Anzahl, kleiner Dörfer ist eine Majorität von jüdischen Bauern; die Beziehungen zwischen den jüdischen und litauischen Bauern sind normal und vielfach herzlich. Die litauischen Bauern, so stellte Mr. Yakubaukas weiter fest, achten die jüdischen Bauern, die eine große Eignung für Landwirtschaft gezeigt haben und sich der modernen landwirtschaftlichen Maschinen bedienen. Eine Reihe dieser jüdischen Bauern besitzen die besten Milchwirtschaften in Litauen und haben wiederholt Preise für ihre Erzeugnisse erhalten. „Es gibt," so fügte Herr Yakubaukas hinzu, „zwei verschiedene Typen von jüdischen Bauern in Litauen. Der erste Typ sitzt seit 2—3 Generationen auf seinem Boden und ist nicht zu unterscheiden von den anderen Bauern, ist wirtschaftlich abhängig von der allgemeinen landwirtschaftlichen Lage auf dem Land. Der zweite Typ des jüdischen Bauern hat sich jetzt erst der Landwirtschaft zugewendet und, ungewohnt mit der Landarbeit, hat er noch keine rechten Beziehungen zu der übrigen Landbevölkerung. Frankreich. Landeskonferenz der Revisionisten in Frankreich. Paris, 14. Jan. Am 1. und 2. Januar fand in Paris die Landeskonferenz der Zionisten-Revisionisten Frankreichs statt. Aus allen Teilen der Provinz kamen 23 Delegierte zusammen, während Paris und Umgebung mit ca. 15 Delegierten vertreten war. U. a. wurde ein Begrüßungstelegramm an die! Gefangenen REZ ISRAEL Jüdische Jugendhilfe, Berlin, 20. Jan. Der „Ausschuß für religiöse Jugendalijah" in Berlin schreibt uns: . Wie aus der Presse zu ersehen ist, sind für die Jugendalijah ca. 150 Zertifikate ausgegeben worden, die noch vor Ende März ausgenutzt werden müssen. Unter diesen Zertifikaten befinden sich auch 11 für Mädchen der religiösen Jugendalijah, die im I wdi - Heim untergebracht werden sollen. Für diese Iwdi- Gruppe können keine Anmeldungen mehr angenommen werden. Geeignete Bewerberinnen können dennoch bald angemeldet werden, um sie für eine neue Alijah vorzubemerken, die voraussichtlich in der ersten Hälfte dieses Jahres vor sich gehen wird. Von Akko abgesandt. Es wurden sieben Kommissionen gewählt: eine MandatsJ, eine Resolutionseine politische, eine Permanenz^, eine Presse-, eine Finanz- und eine Sportkommission. Die Abendkundgebung wurde von dem Präsidialmitglied, Apotheker L. Roll, um 21 Uhr eröffnet, in deren Mittelpunkt ein Referat des Herrn Dr. Slutschew s k i stand über: „Wir und die anderen". Mit scharfen Worten geißelte der Referent die Politik Weizmanns, die aufgehört habe, Politik zu sein in dem Augenblick, wo sie auf Kosten der jüdischen Nation gehe. Am zweiten Tag der Landeskonferenz faßten die verschiedenen Kommissionen ihre Beschlüsse, darunter eine scharfe Protesterklärung an den Völkerbund, an die englische Regierung sowie an den britischen Premierminister durch die Londoner Exekutive. Portugal. Die neueingeweihte Synagoge in Oporto (Siehe Bericht und Bild in "Nr. 3) Personalien*: Würzburg, 25. Jan. Hermann Bux bäum., einer unserer Besten, hat seine reine Seele ausgehaucht. Mit tiefer Erschütterung umstanden wir die Bahre dieses hervorragenden Menschen, dessen Seelenadel, Wissen und Können bei aller Schlichtheit seines Wesens die Herzen aller gewann, die jemals mit ihm in Berührung kamen. Sein Hinscheiden hat in unsere Reihen eine Lücke gerissen, die zu schließen schwer sein wird; hat er doch überall da helfend, ratend, Gegensätze ausgleichend eingegriffen, wo 'es galt, Angelegenheiten unserer Gemeinschaft zu ordnen Keiner Organisation, die ihn in ihre Vorstandschaft rief, — und es waren derer nicht wenige — hat er seine Hilfe versagt. All diese Eigenschaften des Heimgegangenen schilderte Herr Rabbiner Dr. Hanover in seiner tiefempfundenen Trauerrede, die aus den Herzen der in so überaus großer Anzahl Versammelten sprach. Den Dank der Gemeinde für alles während vieler Jahre Geleistete stattete deren erster Vorsitzender, Herr Justizrat Dr. Haas, dem Verblichenen in warmen Worten ab, während Herr Rindskopf tiefergriffen auch persönlichen Abschied von dem Freunde nahm. Für die anderen Institutionen, in deren Vorstandschaft er gewesen war, fand Herr Seligsberger warme Dankesworte. — Im Hause hielt ein Angehöriger der Familie, Herr Rabbiner Dr. Bamberg er, Stuttgart, eine warmemplundene Rede,' in der er auch den -Dank des Israelitischen Kurhospizes Bad Kissingen für tatkräftige Hilfe und Förderung aussprach, rrasan Paris, 15. Jan. Herr Hermann Faust, 10 Rue Paul de Kock, Paris, Sohn des bekannten Klausrabbiners Markus Faust in Fürth, feierte in voller Rüstigkeit im Kreise seiner Angehörigen am 15. Januar in seiner bescheidenen Zurückgezogenheit seinen siebzigsten Geburtstag. Herr Faust hat während seines dreißigjährigen ununterbrochenen Aufenthaltes in Fürth in Bayern in uneigennütziger Weise seine ganze Kraft in den Dienst des orthodoxen Judentums gestellt und sich hauptsächlich bis zu seiner Uebersiedlung nach Paris mit Herrn Rabbiner Dr. Münk, Berlin, in der Schechitafrage ganz hervorragend betätigt und sich auch in wichtigen Fürther Gemeindeangelegenheiten besonders verdient gemacht. Wir wünschen dem Jubilar ein ferneres tatenfrohes Leben. esttny Nove Mesto n Vahom, 18. Jan. Am Sonntag, den 16. Januar, .fand hier die feierliche Einführung unseres neugewählten Oberrabbiners Herrn Oberrabb. Simon Schreiber, statt Eine große Anzahl von Freunden und Verehrern des neuen Oberrabbin'ers aus seinen früheren Wirkungskreisen Nitra und Trnava und anderen Orten kamen als Gäste. Der Vorstand fuhr dem neuen Oberhaupt bis Leopoldov entgegen, am Bahnhof wurde er dann von den Gemeindemitgliedern empfangen und kurz begrüßt. Dann begab sich der Raw mit seiner Begleitung zur Synagoge, wo die Jugend der Gemeinde den neuen Führer mit Gesang begrüßte. Ein Mitglied der Gemeinde begrüßte ihn in slovakischer und deutscher Rede. Alle weiteren Begrüßungen beantwortete der Oberrabbiner in slovakischer Sprache. Nach dem Minchohgebet hielt Oberrabbiner Schreiber die Einführungsdroschoh, worin er die Bedeutung des jüdischen Volkes in der Welt und die Aufgaben eines religiösen Führers darlegte. Nach dem Maariw-Gebet vereinigten sich Gemeindemitglieder und Gäste zu einem Festbankett. Als Erster ergriff der Nitraer Raw das Wort, der anschließend an schöne Taurohworte die Gemeinde zu ihrem neuen Oberhaupte beglückwünschte» Es folgten weitere Reden und Begrüßungen. Die mitgekommenen Nitraer Bachurim verschönten die Feier durch Gesang und Tanz. Königsberg (Pr.), 20. Jan. Am Donnerstag, den 27. Januar, feiert Herr Sally Zelasnitzky, Allenstein, 0.-Pr„ seinen 7 0, Geburtstag. Herr Zelasnitzky ist ein eifriger Förderer des gesetzestreuen Judentums. Er hat sich seit vielen Jahren dafür einsetzt, daß in Alienstein trotz großer Schwierigkeiten das tägliche Minjan aufrechterhalten wird, und er selbst geht darin allen anderen mit bestem Beispiele voran. Er übt gern und weitgehendst Wohltätigkeit, ist langjähriges Mitglied der Chewra Kadischa und gehört auch den Körperschaften der Aliensteiner Gemeinde an. Er begeht diesen Tag an der Seite seiner gleichgearteten Gattin und im Kreise der Familie. Wir wünschen dem ehrwürdigen Jubilar ein weiteres frommes und arbeitsfrohes Leben. »"»in» Zum Tode von Chajim David Katz ^X"T< Jerusalem, 20. Jan. Ueber die Ermordung von Chaim David Katz (siehe Frankfurter Teil der Nr. 3) wird im „Kol Israel", noch folgendes, berichtet: Am Mittwoch abend, als Katz noch seine tägliche Arbeit bei „Giwath Saul" verrichtete, wurde vom Hinterhalt ein Schuß abgegeben, der den jungen j^ann niederstreckte. . Man brachte ihn nach dein «adassa-Spital, wo man sofort eine .Operation vornahm, durch die aber das junge Leben nicht mehr gerettet werden konnte. Vertreter der Zeiire- und Poale Agudas Jisroel hielten bei ihrem toten Freund die Ehrenwache und organisierten die Beerdigung, die um 9 Uhr morgens unter überaus großer Beteiligung vor sich ging. Der Generalsekretär der PAJ., I. M. Kleinlehrer, sprach ergreifende Abschiedsworte, worauf der Vorsitzende des Bes Din, Rabbi B e n g i s , mit eint-r Teschuwarede angesichts des neuesten Märtyrers alle Herzen aufwühlte. Es sprachen noch weiter Rabbi J. H. Senkowitz für die Leitung der A. J. und Rabbi J. D. Zubner im Namen der Agudajugend. Hinter der Bahre her ging an der Spitze der Trauernden Oberrabbiner Duschinski. Am offenen Grabe sprachen noch mehrere Vertreter der A. J., ein Vertreter des „Chatam Sofei- Zirkels", dem Katz angehörte, und ein Arbeitskollege vom Steinbruch schilderte, wie Katz das 'S m mit seinem Herzblute erfüllt hat. Ein Großer ging aus Erez Israel. Zum Ableben des Gaon Rabbi Sorach Bravermann ^"ST* Jerusalem, 23. Jan. Nach Sabbatausgang brachten wir Rabbi Sorach Bravermann auf dem Oelberge zu Grabe. Alle Welt in Jerusalem und Palästina wußte, daß Rabbi Bravermann zu den größten Thc-rakapazitäten der heiligen Stadt gehörte. Er hätte .zu den führenden Gaonim der Diaspora zählen können, wollte er .nicht lieber sich in einer stillen Ecke des heiligen Raumes ganz dem Studium und der frommen Tat hingeben. Rabbi Sorach Bravermann kam in jungen Jahren als Schüler von Rabbi Israel galanter und dem alten Brisker Raw nach Jerusalem und zog mit der Kraft der Thora, die in ihm und aus ihm heraus wirkte, bald einen großen Kreis von Thorajüngern an, der wuchs und wuchs. Der Lernfleiß, der diesen stillen Gaon das Essen und Schlafen vergessen ließ, konnte höchstens nur von seiner Liebe zu seinen Schülern, zum heiligen Lande und zu den jüdischen Menschen überhaupt übertroffen werden, die sich wiederum darin dokumentierte, daß er diese der Thora näherbrachte. Selber in den bescheidensten, ja, ärmlichen Verhältnissen lebend, öffnete er die Türen seines Hauses für alle. In der Not der Kriegszeit hat er Hunderte von verschämten armen Thorajüngern buchstäblich vor dem Verhungern gerettet. Viele Talmudthora-Schulen und Jeschiwoth in Jerusalem, auch in Petach Tikwa, danken ihr Entstehen und ihre Entwicklung diesem großen stillen Thoragelehrten. Erwähnt sei, daß Rabbi Bravermann auch lange Jahre Mitglied im Rabbinischen Rate der Agudas Jisroel war.; Rabbi Bravermann folgte seiner Gattin 24 Stunden nach deren Tod in die Ewigkeit. Bei der Bestattung nach Sabbatausgang zeigte sich erst, daß Jerusalem diesen seinen Geistesfürsten wohl und voll zu schätzen wußte. Viele Tausende gingen hinter der Bahre her. Ergreifende Hespedim wurden gehalten vor dem Tore des Schaare Zedek- Spitals und in Meah Schearim. Hier beklagten den gewaltigen Verlust der Aw Besdin, Rabbi B e n g i s, und Rabbi Benzion Jodler. r'f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.