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Der Israelit · 1938-01-27 · Heft 4 (27.1.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 4 (27.1.1938)
Date
1938-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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$K8*5eSSS?«!"ä*8^*!S ^sppp^p 27. Januar 1938 D I 3 1 i t Nr. 4 Seite 3" .diese Kontrolle fast ausschließlich auf Juden. Allein in der innerhalb der ungarisch-rumänischen Grenzzone gelegenen Stadt Nyiregyhaza hat die Fremdenkontrolle in den letzten Tagen mehr als sechzehnhundert Juden einer genauen Untersuchung unterzogen. Nach den den Kontrollorganen gegebenen Vorschriften müssen Personen, die keine Staatsbürgerausweise besitzen, nachweisen, daß vom Jahre 1851 an ihre Vorfahren bereits ungarische Staatsbürger waren. Für diesen Nachweis erkennen die ungarischen Behörden nur Abstammungsdokumente im Original als gültig an. Im äußersten Fall genügt der Nachweis, daß die Vorfahren des Betreffenden bereits in den Jahren 1875 bis 1880 zu den steuerzahlenden Bürgern Ungarns gehörten. Es wird den meisten alteingesessenen Juden in Ungarn nicht schwer fallen, diesen Beweis zu erbringen. Immerhin ist auch hier, besonders aus den Grenzgebieten, eine neue Auswanderungswelle zu erwarten. Im Berliner Jüdischen Lehrhause fand eine Art öffentliche Disputation über Wesen und Aufgabe des Rabbinerberufes heute statt. Beide Partner waren sich, nach dem uns vorliegenden Berichte, über die Notwendigkeit der Fortbildung und Neubildung der Halacha einig. Auch „Neubildung!" Kein Wunder, wenn dabei einer der Disputationsführer, Dr.Swarsehsky, feststellt, daß „der Typ des Rabbiners sich je nach der Zeit und dem Milieu ändern muß". Man sprach natürlich auch viel von der Stellung und der Autorität des Rabbiners in der Gemeinde. Swarsensky meinte, der Rabbiner müsse „das beamtete Gewissen der Gemeinde" sein. Iganaz Maybaum erklärte demgegenüber, der Rabbiner müsse sich gegen Verbeamtung einerseits und gegen Verkirchlichung durch ein Gesamtrabbinat andererseits wehren. Wiederum einig war man sich darüber, daß der heutige Rabbiner Autorität kraft Amtes nur in bedingtem Maße besitze und erst durch seine Leistung Autorität erringen müsse. — — — Man hat nicht gehört, daß Rabbi Akiba E g e r und Rabbi Mosche S o f e r vor hundert Jahren bei ihren Zusammenkünften sich über Wesen und Aufgabe des Rabbinerberufes den Kopf zerbrochen und über Mangel an Autorität in ihren Gemeinden geklagt hätten. Ja, damals! hören wir einwenden. Nein, das gilt heute noch! In Gemeinden, wo der Rabbiner seine Führung einzig aus der Autorität der Thora bezieht, kann es keine Diskussion über Wesen und Aufgabe des Rabbinats geben. Erst als die Reformrabbiner mit der „Neubildung der Halacha" began-' nen, den Ast abzusägen, auf dem sie saßen, entstand der leere Raum, in dem die Frage nach dem Beruf und der Aufgabe des Rabbiners erhoben wird. Sie wird auf diese Art erweitert und vertieft — aber nicht beantwortet werden. Von der Balfourerklärung zum Teilungsplan*). IL Repräsentiert S t o r r s innerhalb der englisch-palästinensischen Politik so ziemlich den äußersten konservativen Flügel, der für kühne Experimente und neue Bahnen auf dem Gebiete der auswärtigen Orientierung des Empire wenig Sinn hat, so ist Herbert S i d e - botham1) von einem durch und durch fortschrittlichen, modernen Geiste erfüllt, Sidebotham ist unter dem Schriftsteller - Namen ,,Scrutator" und ,,A Student of Politics" der politische Hauptmitarbeiter des angesehenen Sonntagsblattes „Sunday Times" und besitzt als solcher starken Einfluß auf die öffentliche Meinung und einen bestimmten Teil der parlamentarischen Kreise. Er ist schon in jungen Jahren mit dem zionistischen Kreise in Manchester, der sich um Weizmann gruppierte, bekannt geworden, hat bereits im Frühjahr 1916, nach dem Scheitern der englischen Gallipoli-Expedition, dem Foreign Office ein Memorandum wegen Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina eingereicht und kann schlechtweg als Zionist gelten. Das gelangt auch äußerlich schon dadurch zum Ausdruck, daß sein neues Buch mit dem wohlgelungenen Bildnis des zionistischen Führers geschmückt ist. Die sachliche Bedeutung des Buches liegt darin, daß es mit überzeugenden Argumenten eine scharfe, unzweideutige W e n - d u n g der britischen Politik im Sinne der entschlossenen Ausnützung des zionistischen Programms für die Festigung der Stellung Englands im Mittelmeer und in Vorderasien eintritt. Das hat vorher schon Lord Melchett in seinem an dieser Stelle seiner Zeit ausführlich gewürdigten Buche „Your Neighbour" getan, aber daß jetzt ein nichtjüdischer, allgemein anerkannter, politischer Fachmann die gleiche Note — wenn auch in etwas zurückhaltenderer Weise — anschlägt, ist um so bedeutsamer, als inzwischen die Weltlage sich bedeutend zugespitzt hat, und die anscheinende Ausweglosigkeit der Situation auch den vorsichtigsten englischen Staatsmännern kühnere Entschlüsse bedeutend näherlegt, als es noch vor wenigen Monaten der Fall war. Kurz zusammengefaßt, besagt Sidebothams politisches Programm zur Lösung des Palästina- Problems etwa Folgendes: *) Siehe Leitartikel in Nr. 1 vom 6. Januar 1933. Great Britain and Palestin e. By Herbert Sidebotham. London." 1937. Macmillan & Co. Ltd. 310 Seiten. Eine jüdische Mehrheit in Palästina ist an sich kein Hindernis für die Verwirklichung der pan-arabischen Träume, sondern im Gegenteil — diese Träume können nur mit Hilfe eines starken jüdischen Gemeinwesens verwirklicht Werden, England hat bisher den schweren Fehler gemacht, Juden und Araber in Palästina als Rivalen anzusehen und eine auf Kompromisse hinarbeitende Schaukelpolitik zwischen projüdischen und proarabischen Maßnahmen zu betreiben, statt den Aufbau eines vorwiegend jüdischen Palästina als Angelpunkt für arabische Größe und arabischen Ruhm in Syrien und im Irak zu betrachten. Die kräftige, von frischer Initiative belebte Verfolgung einer derartigen schöpferischen Politik wäre grade das Gegenteil dessen gewesen, was man in träger Kriegsmüdigkeit und völliger Ideenlosigkeit seit 20 Jahren in Erez Isroel betrieben hat, um nun vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Der Teilungsplan, wie er heute vorliegt, ist nun aus dem gleichen Geiste geboren wie die ganze, zugestandenermaßen, gescheiterte, bisherige Schaukelpolitik — sie sucht die angeblichen Rivalen durch Konaessionen abzufinden, ohne dadurch zwischen beiden eine auf Gemeinsamkeit der Interessen bestehende Harmonie herzustellen und ohne aus Palästina als Ganzem einen wertvollen Stützpunkt für das britische Imperium zu schaffen, Sidebotham behandelt zwar — offenbar um den Züricher Kongreß nicht zu desavouieren — in zwei langen Kapiteln sowohl die Argumente gegen die Teilung, als diejenigen, die für sie sprechen, aber man spürt aus jeder Zeile des „ P r o "- Plädoyers, wie wenig der Autor von der Durchschlagskraft dieses höchst offiziös klingenden Rettungsversuches durchdrungen ist. Er gewinnt die paar Pro-Argumente überhaupt nur dadurch, daß er die Alternativ-Vorschläge der Royal- Commission (Einschränkung der jüdischen Einwanderung für den Fall der Aufrechterhaltung des Mandates) als ewig gültige und unabänderliche Tatsachen hinnimmt und auf diese Weise die partition den Juden als das relativ kleinere Uebel darstellt — also genau Weizmanns Argumentation auf dem Zionistenkongreß in Zürich. Dagegen stellt das Kapitel gegen die Teilung eine überzeugende Zusammenfassung einiger der wichtigsten Momente dar, die vom arabischen, vom jüdischen, vor allem aber vom britischen Standpunkte aus gegen diesen Plan sprechen. „Nur ein geeintes, ungeteiltes Palästina mit Grenzen gegen das Meer im Westen und gegen die Wüste im Osten würde die natürliche Ausgangspforte für den neuen Osten sein--. Der Weg zur See durch Galiläa könnte wieder eine der großen Heerstraßen des Welthandels werden, und der Schwerpunkt im östlichen Mitteimeer wurde von Konstantinopel nach Haifa ve*-- legt werden. Die Alternative besteht zwischen einer Hamburg, Konstantinopel, Bagdad-Achse und einer Achse handelspolitischen und politischen Einflusses, die über die See nach Haifa läuft. Mit einem geteilten Palästina würde ein solcher Wettstreit, sollte er je Gestalt annehmen, zu Gunsten der ersteren Route entschieden sein." Zu diesen mehr in die Weite schauenden Erwägungen treten eine Menge näherliegender, die nicht verfehlen können, auf das englische Parlament starken Eindruck zu machen, und die es begreiflich erscheinen lassen, daß man nun auch von Seiten des Colonial Office auf alle Fälle Zeit zu gewinnen und die Ausführung des Teilungsplanes möglichst weit hinauszuschieben sucht. Wir haben den aktuell - politischen Teil des Sidebotham'schen Buches vorausgenommen, weil er im Augenblick das größte Interesse beansprucht. Damit ist aber der reiche Inhalt des Werkes nicht erschöpft. Es ist in seinem ersten Teile historisch von Bedeutung, indem es — unsres Wissens zum ersten Male in dieser Vollständigkeit — den ganzen Werdegang der Balfour-Erklärung erzählt und die drei Formulierungen bringt, die der endgültigen Fassung vorangingen. Die erste Fassung vom März 1916 stammte vom englischen Board of Deputies und weiß nichts von jüdisch-nationalen Idealen. Sie lautete: „Falls Palästina in die Einflußsphären Großbritanniens und Frankreichs fallen ^sollte, werden die Regierungen dieser beiden Mächte nicht verfehlen, das historische Interesse zu berücksichtigen, das dieses Land für die jüdische Gemeinschaft besitzt. Der jüdischen Bevölkerung wird der Genuß ihrer bürgerlichen und religiösen Freiheit, gleicher politischer Rechte mit der übrigen Bevölkerung, vernünftiger Möglichkeiten für Einwanderung und Kolonisation und derjenigen Vorrechte gesichert werden, die in Städten und Kolonien mit jüdischer Einwohnerschaft notwendig erscheinen." Die zweite Formulierung zeigt schon den zionistischen Einfluß und wurde der Asquith- Regierung im Oktober 1916 unterbreitet. Sie lautete: ,,Die Süzeränen Regierungen erkennen die Wünschbarkeit und Notwendigkeit einer jüdischen Wiederansiedlung in Palästina an. Es ist wünschenswert, um die Leiden der Juden zu erleichtern, die auswandernden Massen in den . Stand zu setzen, ihr Heim in Palästina zu errichten und das in den letzten Jahren so erfolgreich begonnene Kolonisationswerk zu entwikkeln. Es ist dies eine Notwendigkeit vom Standpunkt des Landes selbst, das einer größeren und energischeren Bevölkerung bedarf. Da die gegenwärtige Bevölkerung zu klein, zu arm und zu wenig auf raschen Fortschritt eingestellt ist, bedarf es der Einführung eines neuen, progressiven Elementes, das gewillt ist, alle seine Energien und Kapitalien dem Werke der Kolonisation zu widmen. Die Süzeräne Regierung soll als ersten Schritt zur Wiederbesiedlung Palästinas als Heim für jüdische Ansiedlung einer jüdischen Gesellschaft einen „Charter" gewähren." Hier taucht aus Herzls Schriften das Wort „Charter" auf und auch das Wort „Heim" wird zuerst — ohne das Attribut „national" — gebraucht. Kauft im STRUMPFHAUS METZGER ZEIL 87 auch Herrenwäsche; Trikotagen und Badewäsche I Winter-Schlussverkauf in Herrenu. Knabenkleidung zu stark reduzierten Preisen Frankfurt a. M. Hindenburgptatz 12 am HauptbahnKof

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