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Der Israelit · 1938-01-27 · Heft 4 (27.1.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 4 (27.1.1938)
Date
1938-01-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Yu&n Jt vvv. nie ICA, die JiICEMi und andere sireben m ihrer eigenen Agfc, die Aufgaben zu erfüllen, welche ihnen zugevfiesen sind. An ihren Beratungen haben wir wehig oder gar keinen Anteil. Wenige wissen, mit welch großen Schwierigkeiten wir zu kämpfen hatten, um in den Council des High Commissioner for German Refugees hereinzukommen. Nichts ist uns er-»/ spart worden. Wir sind gezwungen worden, jeden Zoll unseres Weges uns neu zu erkämpfen. Nun, welchen Weg sollen wir einschlagen? Wir müssen die großen jüdischen Ansiedlungsorganisationen nach der Richtung beeinflussen, uns geschlossene Siedlungen auf ihren Territorien schaffen zu lassen, wo unsere thoratreuen Freunde sich niederlassen und ihre Zukunft aufbauen können. Wir müssen selbst mit den Kolonialmächten verhandeln, um Einwanderungsmöglichkeiten zu erhalten. Wir können nicht stillstehen. In seiner Rede anläßlich der Kenessio Gedaulo in Marienbad hatte Dr. Maximilian Landau einen grandiosen Plan für einen Weltauswanderungs-Kongreß entworfen. Neue Länder würden gefunden werden, Angola, Ländereien in Australien und Canada. Das Ganze müßte finanziert werden, mittels eines Darlehens des Völkerbundes; eine jüdische wirtschaftliche Agency müßte errichtet werden, aber viele Jähre werden vorbeieilen, hunderttausende werden von Land zu Land wandern, von ihrer alten gestrigen Heimat in eine neue der Zukunft, bevor jene Träume — erwogen in solch staatsmännischer Art — verwirklicht werden können. Die Weltorganisationen werden ihren kleinlichen Parteiegoismus fortsetzen, sie wollen nicht sehen, daß das jüdische Problem ein Ganzheitsproblem ist, welches eine Mitarbeit aller zu seiner Lösung bedingt. In der Zwischenzeit aber stagniert die Weltorthodoxie. Eine Aufgabe größer und vornehmer denn je erheischt unser Interesse und Sorgfalt. Es ist kein Zufall, daß dieses Problem auf der jüngsten Pariser Konferenz der agudistischen Organisation Westeuropas besprochen wurde. Hier in der glücklicheren Atmosphäre des Westens, in welcher das jüdische Problem noch nicht so drohend ist, wie in anderen Ländern, konnten wir —r^u dessus de la melee — seine Lösung näher erlägen. Leere Resolutionen wären fruchtlos. Wir haben genug und mehr als genug davon, Träume von Massenauswanderung und internationalen Anleihen sind nicht zu verwirklichen. Unsere Aufgabe ist es, für jeden einzelnen Juden zu sorgen, ihn zu begleiten und ihm zu einer Existenz zu verhelfen. Und dies kann nur geschehen innerhalb der Struktur der Organisation selbst, und innerhalb der Grenzen unserer finanziellen Macht. Wir müssen „Konsulate" in jedem Ze. trum der Ein- und Auswanderung errichten. Es müssen autorisierte agudistische Repräsentanten in jedem südamerikanischen Land und in jeder Kolonie geschaffen werden, damit überall, wo unsere Brüder hinwandern, eine autoritative agudistische Repräsentation angetroffen wird, dessen Aufgabe es sein muß, ihnen mit Rat beizustehen und ihnen mit allen vorhandenen Organisationsmitteln, die für diesen Zweck geschaffen sind, zur Wiederaufrichtung einer Existenz zu verhelfen. In jedem Erhigrationsland, in Berlin, in Warschau, in Bratislava, in Kischinew, in Riga, überall müssen anerkannte agudistische „Konsulate", welche an die Emigranten Einführungsbriefe, Pässe erteilen, die Aufschluß über den Auswandernden geben, vorhanden sein. Jeder Paß soll die,. Namen und Adressen der „Konsulate" im Lande der neuen Niederlassung enthalten. Es soll die . Aufgabe des Keren Hathora sein, zu den bedeu-:\ tenderen Zentren wie Buenos Aires, Aucklarid,- Vinnepeg, Valparaiso junge Menschen hinzuschicken, welche für diesen speziellen Zweck ausgebildet sind uhd:: 'daher fähig sein werden, an der^ Errichtung .meHier Gem'&inden. mitzuwirken und gleichfalls als „Konsulate" in den größeren Zentren aufzutreten. Ist nicht ein Beth ChaluziSn Rio de Janeiro ebenso notwendig wie in Haifa? Bs muß weiterhin ein zentrales Uebersee- Auswanderungsamt errichtet werden, welches möglicherweise der Weltorganisation in London angegliedert sein soll. Dieses Amt soll in ständiger Berührung mit den Repräsentanten in Europa und in den neuen Ahsiedlungsgebieteu stehen. Informationen, welche vollen Aufschluß über Auswanderungsmöglichkeiten für thoratreue Juden geben, müssen gesammelt und periodisch veröffentlicht werden. Dieses Departement soii in engster Berührung .mit anderen jüdischen Organisationen, welche an Uebersee-Auswanderungsproblemen interessiert sind, und zugleich mit den diplomatischen Vertretern der betreffenden Länder stehen. Es gibt viele Länder, welche die Einwanderung orthodoxer Juden begrüßen würden. Aber wir haben es nie ernsthaft versucht. ' Agudas Jisroel hat in den wenigen Jahren ihrer Existenz , manche große Institutionen geschaffen. Sie kann ihre Mission nicht in vornehmerer Weise erfüllen, als daß sie ernsthaft mit dem Problem, welches an .ihre Türe pocht, ringt. Wer weiß, ob* nicht morgen schon diese Länder der neuen Ansiedlung, blühende Zentren jüdischen Lebens werden, wie es heute New York, Manchester, Johannesburg und Montreal sind. Wie Rosenheim schon in Kattowitz sagte: „Es ist für das Volk der Thora eine Schicksalsfrage". Wir sind spät, laßt uns nicht zu spät sein, wie einst. Wochenrundschau, Entschließungen in Berlin und in Wien. — Mehr Frauenwanderung, — Ungarn „revidiert". — Von Wesen und Aufgabe des Rabbinerberufes. Ueber die Tagung der' Reichsvertretung haben wir in jüngster Nummer einen gedrängten, aber überaus anschaulichen Bericht aus der Feder unseres Hauptmitarbeiters in Berlin gebracht, nachdem wir die vielsprechenden Zahlen des Etats der Reichsvertretung schon in einer früheren Nummer veröffentlicht hatten. Die am Ende einstimmig gefaßte Entschließung besagt, wenn man einmal über den Gang der Beratung unterrichtet ist, nichts Neues. Im Mittelpunkte des jüdischen Sorgens und Handelns stehe die Auswander u'n g , darum sehe es die Reichsvertretung als ihre Pflicht an, auch dem Verlangen nach Beschleunigung, der Auswanderung Rechnung zu tragen, zugleich aber vor übertriebenen Erwartungen zu warnen. Das Tempo der Auswanderung bestimmen nicht die Juden und ihre Organisationen, sondern die Aufnahmefähigkeit / und noch mehr der gute Wille der Einwanderungsländer, Vor einer planlosen Wanderung von Grenze zu Grenze, solange diese gesperrt sind, müsse dringend gewarnt werden, einen anderen Ausweg zu zeigen und ein neues Bett für den Wanderstrom zu schaffen, vermag aber die Reichsregierung so wenig wie die anderen Organisationen. Sie tut, was sie kann, indem sie einen Appell an die Palästinaregierung und an die überseeischen Länder ,xichtet, den Juden in Deutschland, vor allem dem jugendlichen Teil, den Weg dorthin nicht zu verlegen. Für die ältere, auswanderungsunfähige jüdische Generation, die im Lande bleiben,muß, muß man sich der Hoffnung hingeben, daß ihr die Voraussetzungen eines bescheidenen Existenzminimums gewahrt bleiben. Zu ihrer Lebensfristung wird allerdings der enge Kontakt zwischen den Ausgewanderten, die draußen festen Fuß gefaßt haben, und ihren Angehörigen in der Heimat empfohlen und unbedingt erwartet; Deutschlands Juden werden ermahnt, Geduld zu üben. Lebensmut und Selbstachtung zu zeigen. Wie gesagt, nicht viel Neues, aber die 'FbrnV-tlierüng wird der heutigen jüdischen Situation nach außen und innen gerecht. Vergleicht man mit dieser Entschließung die in jüngster Nummer .mitgeteilte Resolution d e s. G. A. d e r Agudas- Jisroel in Wien in der Emigrationsfrage, so müßte 'man zur Ergänzung die' in Wien zur Sprache gelangten zwei zusätzlichen Punkte noch ins Auge fassen: die religiöse Betreuung derer, die sich in Uebersee auch eine neue Heimat für ihren und ihrer Kinder religiösen Geist errichten möchten, und die heute . unabweisliche Notwendigkeit, alle Arbeit auf dem Gebiete 4er Emigration im engsten Kontakte mit all'en 'großen jüdischen j Hilfsorganisationen nach der vom; Präsidenten der Agudas Jisroel^-Weltorganisation, Jacob Rqsenheim," wiederholtgemachten Anregung zu vollziehen. ' ' ....... Der Hilfs verein der Juden in Deutschland plädiert für eine stärkere Auswanderung von Frauen und M ä d c h e n und kündigt an, daß künftighin die großen jüdischen Auswanderungsorganisationen des In- und Auslandes der Frauenauswanderung besondere Aufmerksamkeit. widmen werden. Der Hilfsverein wird in engster Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Frauenbund um eine geeignete Auswahl auswanderungswilliger Mädchen bemüht sein; und wird zusammen mit den überseeischen Komitees und Frauenorganisationen dafür gesorgt werden, daß clie Betreuung alleinstehender Mädchen und Frauen soweit gewährleistet ist, daß der Auswandererberater jüdischen Eltern gegenüber die Verantwortung dafür übernehmen kann, ihre Tochter allein den Weg in die Ferne antreten zu lassen. Begründet wird dieser Beschluß zugunsten einer jüdischen Frauenauswanderung u. a. wie folgt: Die bisherige jüdische Auswanderung aus Deutschland weist einen starken Ueberschuß an Männern auf. Dadurch entstanden schwere Mißstände. Denn es liegt auf der Hand, daß im gleichen Maße, in dem die Auswanderung der Männer in heiratsfähigem Alter die der Frauen übersteigt, die Heiratschancen für die zurückgebliebenen Mädchen in Deutschland sinken müssen, während auf der anderen Seite die eingewanderten jungen Männer in den überseeischen Ländern häufig n i ch t _ d i e Möglichkeit zur Gründung einer jüdischen Familie finden. Besonders gefährdet ist die Lage unserer ledigen Auswanderer ins den Ländern ohne eine zahlenmäßige bedeutende. Judenheit. Diese müssen häufig ledig bleiben, wenn sie nicht der Mischehe verfallen sollen. Was muß nun zur Abstellungdieser Mißstände geschehen? Es handelt sich vor allem um folgende Gesichtspunkte: In erster Reihe müssen sich unsere jungen Auswanderer künftig .darüber klar sein, daß sie im allgemeinen daran gut tun, sich vor ihrer Uebersiedlung in ein überseeisches Land an die künftige Lebensge i £ h.r t i n zu binden, und zwar in der Regel durch Eh e Schließung. Gehen zwei junge Menschen gemeinsam in die Fremde, so finden sie aneinander nicht nur seelisch den besten Hält, sondern in sehr vielen, ja vielleicht den meisten Fällen, wird es der weibliche Teil s e in , 'der*'zuerst einen Broterwerb findet, so daß auch., der materielle Existenzkampf durch eine Eheschließung vor der Auswanderung eher erleichtert als erschwert wird. Darüber hinaus aber werden jene Gefahren vermieden, von denen eben die Rede war. In dieser Hinsicht wird es besonders auf die jüdische Haltung der Mädchen ankommen, da erfahrungsgemäß die Atmosphäre des Hauses,; die Erziehung def! Kinder' vor allem von der Frau abhängt, — ä- - - i Ueber die- Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Ueberlegungen und; der daraus gezogenen „Konsequenz, zen ist kein Wort zu verlieren. Möge die Sorge dahin gehen, wahrhaft jüdische H ä ü s e r in die neuen Galuthländer zu. verpflanzen. Mit der eiligen Schließung der Grenzen vor einer Heuen „jüdischen Invasion" hat U n g a r n schließlich nichts anderes getan, als das, was alle anderen Staatenr;im Donaugebiet und auf dem Balkan taten. Was; aber darüber:, hinaus innerhalb der -ungarischen Grenzen geschieht, beunruhigt weite Kreise. In den einzelnen ungarischen Provinzstädte»;, wird gegenwärtig von den-- Organen der Fremdenkontrolle eine gründliche U-eb erprüf u'n,g der Staats Zugehörigkeit aller in der'Nachkriegszeit in das Land eingewanderten unerwünschten Personen vorgenomK men.; Den Umständen entsprechend erstreckt sich1 Winter - SchluB - Verkauf Günstige Einkaufsgelegenheit für Auswanderer

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