Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1938)
- Date
- 1938-01-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 3 Der Israelit 20. Januar 1938 '2 fi*mn «D,ST/ >,Dapim", Hebräische Lese- und Lernhefte. Herausgegeben von Dr. S. jfcäleko. Die zweite Nummer der „Dapim" ist soeben erschienen (Verlag der Jüdischen Rundschau, Buchverlag und Buchvertrieb). Das Heft enthält neben einem Chronik-Teil und aktuellen Notizen aus dem jüdischen Leben eine Reihe von Aufsätzen, Erzählungen, Gedichten usw., wie: „Auf dem Berge Ephraim in Jokneam", Ballade von D. Schimonowicz, „Die historische Stadt Uschah" von E. Haltrecht, „Die Wüste und ihre Bewohner" (Aus dem Leben der Beduinen) von Elijahu Epstein, „Jungens" und „Zwei Schuhe", Erzählungen von Ben- Elul, „Auf dem Wege der Verwirklichung" (Jugend- Alijah aus Deutschland) von J. Eichenstein. Ferner bringt das Heft Gedichte von Rachel, Steinberg, Lew und Fania, sowie Märchen, „Aus dem Kindermunde", Noten und Liedertexte, Theater- und Radiozettel und ein Vokabularium. Das geliebte Land. Von Ghajim Bloch. Wien und Jerusalem. R. Löwit Verlag. 296 Seiten. Ganzleinen-Geschenkband S. 10.—. Diese Sammlung uralter Sagen und Mythen kreisen um das geliebte und gelobte Land tmd sind Dokumente jahrhundertelanger Sehnsucht eines Volkes. Die Hingabe an die g'ttgegebene Erde spricht aus diesem Buch, das Vertrauen auf den Schöpfer und auf die Zukunft, die er seinem Volk bereiten wird. Wohl zeigen nicht alle Erzählungen besondere dichterische Kraft, wirken aber gerade in ihrer Schlichtheit sehr anmutig und einprägsam. Dieses Buch, das den Forscherfleiß eines ganzen Lebens in sich vereinigt, kann in seiner sauberen Ausgabe und mit seinem schönen Einbände ein gutes Haus- und Volksbuch genannt werden. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung, Zum Jahresbericht des Keren Hatorah. Mit erfreulicher Pünktlichkeit legt der Keren Hatorah in Deutschland seinen Tätigkeitsbericht für 1937 der jüdischen Oeffentlichkeit vor. Die beigefügte Abrechnung zeigt, daß es dem Keren Hatorah im Jahre 1937 trotz der zunehmenden Abwanderung vieler Gönner gelungen ist, seine Einnahmen gegen 1936 um 31 Proz. zu steigern. Das ist eine Leistung, die der Leitung des Keren Hatorah und vor allem seinen Mitarbeitern in allen Gemeinden Ehre macht und ihnen die volle Anerkennung in allen Lagern der Juden in Deutschland einbringen wird. Der Bericht erzählt uns aber auch in eindringlichen Worten und beredten Zahlen, daß die Not unserer nach Belehrung drängenden Jugend von Woche zu Woche steigt und daß es trotz gestiegener Einnahmen nicht immer möglich war, zu helfen. Die Talmud Thora-Schulen des Keren Hatorah leisten weiter ihre wertvolle Erziehungsarbeit, in den Jugendheimen des Keren Hatorah werden 14—16jährige Jungens betreut, die dort eine geistige Hachschara verbunden mit Berufsvorlehre durchmachen und sich SO für eine spätere Auswanderung vorbereiten. Der Bericht weist aus, daß 467 jungen Menschen durch die Stipendien-Erteilung des Keren Hatorah und durch seine Schulen das Thorastudium ermöglicht wurde. Der Ermöglichung eines Religionsunterrichtes in lehrerlosen Kleingemeinden hat Keren Hatorah seine Aufmerksamkeit zugewandt und durch Beihilfen in Vielen Fällen Sichergestellt, daß auch in Kleingemeinden wohnende Kinder Religionsunterricht erhielten. Zum ersten Mal hören wir von einem Sozialfonds des Keren Hatorah, der Schülern der Talmud Thora-Schulen des Keren Hatorah und der Jeschiwoth Zuschüsse zum Erholungsurlaub gab. Wir begrüßen sehr die Erweiterung der Keren Hatorah- Arbeit nach dieser Seite. Der Bericht zeigt eine erfreuliche Aktivität und gibt uns die Gewißheit, daß hier eine seit 15 Jahren segensreich wirkende Organisation am Werke ist, die die Zeichen der Zeit begriffen hat und die unter Aufbietung aller Kräfte auch weiterhin ihre Pflicht tun wird, unsere Jugend zu den Quellen der Lehre zu führen und sie geistig und charakterlich für eine Auswanderung vorzubereiten. — Wie uns die Leitung des Keren Hatorah mitteilt, ist sie gern bereit, Interessenten den Bericht kostenlos zuzusenden. Man wende sich an: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21, Agudas Jisroel-Vorträge in der Schweiz. Aus Zürich wird uns geschrieben: Die Landesorganisation der Agudas Jisroel in der Schweiz veranstaltete in Z ü - rieh und L u z e r n Vortragsabende, für die Herr Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M., gewonnen wurde. In Zürich war der geräumige Blaue Saal des Volkshauses am Sonntag, den 9. Januar, abends vollbesetzt von ■ Agudisten und Gästen aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung. Herr Schachnowitz sprach über das Thema „Dem Judenstaat entgegen" und führte im ersten Teile seines Referates in seiner lebendigen, oft . von poetischem Schwünge gehobenen Art Geschichtsbilder vor Augen, die uns zeigen, wie oft wir uns in der Geschichte schon an der letzten Etappe vor dem endgültigen Judenstaat, der für ihn mit dem messianischen Reiche identisch ist, glaubten. „Es ging uns wie dem Kinde auf der langen Reise, das schon zu Beginn der Fahrt und dann auf jeder Station von neuem fragt; Sind wir schon am Ziele?" So begann das ungeduldige Drängen schon zu Beginn der Galuthfahrt mit Bar Kochba, wiederholte sich dann mit jedem Pseudomessias, wie ihn jedes Jahrhundert der Geschichte hervorbrachte, und es entstehe mit dem Auftauchen des neuen Judenstaatsplanes für uns wiederum die Frage: „Traum oder Wirklichkeit?" Hier begann der zweite Teil des Referates, in dem der Redner auf die Gegenwart überleitete und dabei die ganze Entwicklung der Angelegenheit bis zum letzten „Weißbuch" besprach und auch die Haltung der in der Agudas Jisroel organisierten Gesetzestreuen nach den Beschlüssen de« Rabbinischen Rates und den Resolutionen der Kenessio Gedaulo erläuterte. Es war ein großer Abend für Zürich, an dem uns stellenweise mit hinreißender Rhetorik die jüdische Situation vor Augen geführt wurde. Den Dank des Publikums an den Redner vermittelte Herr Lehrer R u d a ,• der die Versammlung auch einleitete. R. * * In L u z e r n sprach am Montag abend im ebenfalls gut besetzten Gemeindesaal Herr Schachnowitz über das Thema „Messias und Judenstaat, Traum und Wirklichkeit in der jüdischen Geschichte". Auch hier ging das Publikum gern und interessiert mit und nahm besonders dankbar die Stellen auf, die die Agudas Jisroel als Idee und Organisation nach den Verhandlungen und Beschlüssen der dritten Kenessio Gedaulo zeichneten. —r, Agudaleben in München. Der Frauen-Arbeitsausschuß der Agudas Jisroel-Ortsgruppe München hatte kürzlich aus Anlaß von Chamischo osor b'Schwat zu einem gemütlichen Nachmittag eingeladen, der sehr stimmungsvoll verlief. Die Vorsitzende, Frau Rabb. Dr. Ehrentreu, wies in ihrer inhaltsreichen Begrüßungsrede auf Sinn und Bedeutung des Tages hin und erstattete Bericht über die Tätigkeit der hiesigen Ortsgruppe. Außer den regelmäßigen Vorträgen an Schabbos Nachmittag besteht dieselbe in der „Nachbarhilfe" sowie aus der Näh- und Bekleidungsstube, die verschiedenen Zwecken dient, Zum Schluß gedachte sie noch unserer Verpflichtung dem „Israelit" gegenüber, für dessen weitere Verbreitung wir Sorge tragen müßten, da er uns doch unentbehrlich geworden ist. Die mannigfachen, reizenden Darbietungen unserer kleinen und größeren Bnoth vund die Vorträge aus den Reihen unserer Frauen boten nette Kurzweil und bei Tee und Kuchen und dem besonderen Genuß von Obst waren die schönen Stunden rasch verflogen, um eine gemeinsame Erinnerung zu werden und m. G. H. eine Wiederholung zu finden. Die Aguda im Königl. Institut für auswärtige Angelegenheiten vertreten. London, 15. Jan. Der politische Sekretär der Agudas Jisroel- Weltorganisation, H. A. Goodman, wurde als Mitglied des Königl. Institutes für' ausländische Angelegenheiten gewählt. Die Wahl wurde u. a. vom Vorsitzenden des Board, Herrn Neville L a s k i, unterstützt. (JPB.) Führer der Poale Agudas Jisroel in Erez Israel im litauischen Rundfunk. Die Vertreter der Poale Agudas Jisroel in Erez Israel, Jakob Landau und H. G. Silberbe.rg, die zur Zeit in Litauen eine Propaganda für Keren Hajischuw entfalten, hielten im litauischen Rundfunk hebräische Vorträge. Herr Landau schilderte die derzeitige Lage in Erez Israel und den Kampf des orthodoxen Jischuw für die eroberten Positionen. Die organisierte Orthodoxie baue sich in Erez Israel auf den Grundlagen der Thora auf. sie besitzt bereits 18 Gruppen, die zusammen 4000 Mitglieder zählen. Unser Einfluß im Lande hänge von der Unterstützung der gesetzestreuen Gola ab, Der zweite Redner schilderte anschaulich die opfervolle Hingabe der agudistischen Arbeiter, die überall auf den Landstraßen, zuweilen auf den exponiertesten und gefährlichsten Plätzen, anzutreffen sind. Poale Agudas Jisroel ist aber nicht allein eine gewerkschaftliche Organisation, sondern auch eine kulturelle und geistige, Trägerin des Thorageistes. Agudistische Frauengruppen. Die Leitung der Nowaj teilt uns mit: Nachdem Amsterdam ülld Haag zur Gründung agudistischer Frauengruppen geschritten sind, hat nun auch Rotterdam am 20. Dezember 1937 eine Frauengruppe gegründet. Der gründlichen Vorarbeit von Frau S 1 a g - t e r und einigen gleichgesinnten Damen ist es zu verdanken, daß die Gruppe mit 28 Mitgliedern gegründet werden konnte.; Zur Schriftführerin wurde Frau Marta E m an u e 1, Beatrystr. 153, gewählt, die Vorsitzende soll noch durch den Vorstand bestimmt werden. In der vierteil Januarwoche wird die Vorsitzende, der Nowaj den holländischen Gruppen einen -Besuch abstatten, um mit dien drei Vorständen je eine Arbeitssitzung; abzuhalten, wobei die Richtlinien für die örtliche und allgemeine Arbeit auf Grundder, Marienbäder Beschlüsse festgesetzt werden sollen. Die holländischen Gruppen beteiligen sich bereits an der Aufbringung des Gründungsfonds für den Mädchgnkibbuz in Jerusalem. Gründung eines Mädchenkibbuz in Jerusalem. Als erste größere Aufgabe nach dem Marienbader Kongreß haben wir in Gemäßheit des Antrages IV, der zum Beschluß erhoben worden ist, mit der sofortigen Inangriffnahme der Nummer 2 „Gründung eines städtischen. Kibbuz für Mädchen in Jerusalem" begonnen. Dieses Heim soll der wichtigen Aufgabe gerecht werden, den religiösen Arbeiterinnen Aufenthaltsräume, Fortbildungsmöglichkeiten und gesellschaftlichen Anschluß zu gewähren. Vorgesehen sind zunächst zwei Zimmer mit 8 Betten, ferner Aufenthaltsräume mit Lese- und Schreibgelegenheit, welche in den Nachmittagsstunden den Arbeiterinnen zur Verfügung stehen. In den Abendstunden werden Fortbildungskurse in den jüdischen und beruflichen Disziplinen, Nähen und Stricken usw. eingerichtet. Die bereits bestehende Stellenvermittlung wird dem rieim angegliedert. „ Für die Gründungskosten sind Lst. 3 0 0.— veranschlagt, von welchen bereits der größte Teil aufgebracht werden konnte. Jedoch ist die Zusage der ersten Lst. 100.— durch die Baronin James de Rothschild in London an die ausdrückliche Bedingung geknüpft, daß die Auszahlung erst erfolgt, wenn durch Sammlung die restlichen Lst. 200.— voll aufgebracht sind, um die Errichtung des Heimes sicherzustellen. Die Nowaj läßt deshalb einen Appell an sämtliche Gruppen, Freunde und Mitarbeiter der Nowaj ergehen, sich an dieser Sammlung zu beteiligen. Die dauernden Unterhaltskosten betragen Lst- 20.— im Monat, doch werden die bereits bestehende Schwesteranstalt in Tel Awiw und die zu gründende in Haifa berücksichtigt werden müssen, so daß mit der Zeit ein monatliches Unterhaltsbudget von Lst. 60.— durch die Nowaj für diese Zwecke aufzubringen sein wird. Die Gründung des Kibbuz in Jerusalem bedeutet nicht nur eine rein soziale und ethische Aufgabe, sondern soll gleichzeitig erzieherisch wirken und eine Stärkung des thoratreuen Jischuw herbeiführen. Sie soll eine Garantie bilden für die spätere Gründung und Erhaltung von Mischpachoth, welche eine Hausgründung im Sinne der Thora gewährleisten. Zahlungen sind an die Leitung der „Nowaj" auf Postscheckkonto Flora Rothschild, Brüssel Nr. 360393 unter dem Stichwort „Stadtkibbuz" einzusenden. Länder mit Devisengesetzen, die Genehmigung für Palästina haben, möchten das Geld an Frau Friedel Lewenstein, Tel Awiw, P. O. B. 1296 senden. Vermischtes. Einweihung des Hamburger Gemeinschaitshauses. Hamburg, 16. Jan. Der vergangene Sonntag stand für alle Kreise der Hamburger Gemeinde im Zeichen der Weihe des neuen Gemeinschaftshauses, dessen Entstehung und Begründung vor allem der Initiative des für alle jüdischen Belange sich stets mit Wärme einsetzenden Herrn Max M. Warburg zu verdanken ist und dessen in der Tat restlos gelungener Bau eben so sehr dem Opfersinn und der Gebefreudigkeit vieler Gemeindemitglieder und der verständnisvollen Förderung durch die Gemeindekörperschaften wie der Kunst der Architekten zuzuschreiben ist. Der Eröffnungsfeier ging der traditionelle Chinuch Habajith voraus. Die Oberstufe der Talmud Thora- Schule versammelte sich zu diesem Zweck unter Leitung ihres Lehrers, Herrn Bernhard S. Jacobson, im Vortragssaal, um das Haus einzulernen. Nach beendetem Lernen wies Herr Jacob s o n in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung des Chinuch Habajith hin und Herr Max M. Warburg befestigte alsdann die Mesusoh an die Eingangstür, nachdem er zuvor Herrn Jacobson gedankt und in wenigen Worten die versammelte Jugend zu treuem Festhalten am Glauben der Väter und zu steter Forschung und Betätigung unserer Lehre ermahnt hatte. Die Eröffnungsfeier selbst fand im neugeschaffenen Theatersaal, der mit seiner großen, allen Anforderungen der Technik entsprechenden Bühne ein Meisterwerk architektonischen Könnens darstellt, statt. Herr. Max M, Warburg, der Vorsitzende des Kuratoriums, begrüßte in einer groß angelegten Festrede die Versammlung, feierte den Gedanken des Gemeinschaftshauses, welches nicht nur dem Kulturbund als Stätte der Kunst, der Franz Rosenzweig- Stiftung und den jüdischen Vereinen als Stätte der Forschung dienen soll, sondern vor allem auch dazu bestimmt ist, den jüdischen Gemeinschaftssinn in jeder nur möglichen Weise zu fördern. Die aus tiefstem religiösem Empfinden vorgetragenen Ausführungen des Redners fanden die ungeteilte Zustimmung der großen Festversammlung. Namens des Jüdsichen Religionsverbandes (es ist dieses die neue Bezeichnung für die seit 1. Januar zusammengeschlossenen Gemeinden Hamburg, Altona, Wandsbek, Harburg, Wilhelmsburg überbrachte der zweite Vorsitzende, Herr Dr. Ernst L o w e n - berg, Grüße und Wünsche. Mit dem Gesang des 80. Psalms wurde die Feier beendet; Eine:. Besichtigung aller Räume schloß sich an. :j