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Der Israelit · 1938-01-20 · Heft 3 (20.1.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 3 (20.1.1938)
Date
1938-01-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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20. Januar 1938 D e r I s r a e 1 i t Nr. 3 Seite 7 20. Februar angesetzt. Gleichzeitig sind einige technische- Bestimmungen der Wahlordnung geändert worden. In dem vor kurzem neugewählten Parlamente hatten Juden, nachdem die Liste der Jüdischen Partei die nötige Stimmenzahl nicht aufgebracht hatte, keine Vertretung. Bei den neuen Parlaments^ wählen wird voraussichtlich eine jüdische Liste nicht mehr aufgestellt werden. Italienischen Journalisten gegenüber äußerte sich der Ministerpräsident G o g a über den Sinn der Parole „Rumänien den Rumänen!" Die Regierung wolle das Wirtschafts- und Finanzleben, das Pressewesen, die Filmindustrie und das Schrifttum vom jüdiscKen Einfluß befreien. Die politischen Rechte und die Eigenarten der Minderheiten sollen geachtet werden. Niemals aber werde er zugeben, daß die aus allen Teilen Europas eingewanderten und nicht assimilierbaren Juden als Rumänen anerkannt würden. Minister C u z a betonte gleichfalls die Notwendigkeit der Lösung der jüdischen Frage, die in der Welt eine Frage auf Leben und Tod sei. Eine Unterscheidung zwischen alteingesessenen und eingewanderten Juden sei dabei unmöglich. * * * Maßnahmen der Nachbarstaaten. Prag, 16. Jan. In der Ostslovakei.kam eine größere Gruppe rumänischer Juden an, die zum großen Teil über die Grenze gelassen wurden. Die jüdische Bevölkerung organisierte einen Hilfsfonds zugunsten ihrer Glaubensbrüder. * * i * Budapest, 15. Jan. Die ungarische Regierung hat ihren ersten Ministerrat nach Neujahr abgehalten. Innenminister S z e 11 gab einen Bericht über die Maßnahmen, die von der Regierung zur Verhinderung unerwünschter Einwanderung aus Rumänien getroffen wurden, besonders, soweit diese Einwanderung aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen im Zusammenhang mit dem Regimewechsel in Rumänien erfolgt. Nach dem Ministerrat gab der Innenminister auch der Presse einige Erklärungen ab. Er teilte mit, daß die Grenzbehörden angewiesen wurden, die Einreise von Rumänien an den ungarischen Grenzstationen streitig zu überwachen; ferner wurde den Grenzbehörden das Recht genommen, an der Grenze Einreisebewilligungen zu erteilen. Schließlich kündigte der Innenminister an, daß man im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen auch in Budapest eine strengere Kontrolle der Ausländer durchführen werde. * * * Warschau, 12. Jan. Von amtlicher polnischer Seite wird die Nachricht dementiert, daß Polen beabsichtige, besondere - Maßnahmen gegen eine Einreise von Juden aus Rumänien zu ergreifen. Die bestehenden Einreiseformalitäten reichten völlig aus, das Land vor einem unerwünschten Zustrom von Ausländern zu schützen. Die Zahl der in Rumänien lebenden Juden polnischer Nationalität, deren Rückkehr nach Polen nicht vermeidbar sei, sei nur unerheblich. Portugal, Die neue Synagoge in Oporto. Oporto, 17. Jan. Wie in jüngster Nummer berichtet, hat die Gemeinde „Mekor Chajim" in Oporto in Portugal ihre neue Synagoge errichtet und am 16. Januar unter Anwesenheit vieler Gäste, auch von Vertretern der Jüdischen Gemeinde in Berlin, eingeweiht. Es ist seit 440 Jahren die erste Synagoge in Oporto, Hauptmann Arthur Charlos de Barros, Basto in Oporto, Portugal der Stadt, die nach der Austreibung kein jüdischer Fuß mehr betreten durfte. Die uralte Synagoge in Oporto wurde damals in eine Kirche umgewandelt. An Spuren alter Synagogen und früherer Judensiedlungen fehlt es in der alten Hafenstadt nicht. Viele Bürger tragen Namen, die an alte Marranenfamilien erinnern, aber nur wenige von ihnen bekennen sich heute zum Judentum. Der Mann, dem man die Regeneration des Judentums in Portugal verdankt, auch die Gemeindeerrichtung und den Bau der Synagoge, heißt Arthur Charlos de Barros Basto und ist Hauptmann im portugiesischen Heere. Basto, der jetzt im 50. Lebensjahre steht, sieht nun einen seiner Träume mit der Errichtung der Synagoge in Oporto in Erfüllung gehen, Ein britischer Archäologe in Palästina ermordet. J erusalem, 13. Jan. Auf der Fahrt zur Eröffnung des kürzlich fertiggestellten Archäologischen Mu s e ums in Jerusalem wurde der englische Archäologe J. L. Starkey erschossen. Starkey begleitete sein arabischer Chauffeur und ein arabischer Diener. Nach den Aussagen des Chauffeurs stellten sich dem Wagen kurz vor der Stadteinfahrt nach Hebron eine Gruppe von in arabische Burnusse gekleideten Personen entgegen, die den Wagenführer aufforderten, zu halten. Der Führer der Gruspe trat auf Starkey zu und fragte ihn nach seiner Nationalität. Als dieser darauf zu verstehen gab, daß er englischer Staatsangehöriger sei, wurde er aus dem Wagen gezogen und von den Attentätern durch einige1 Schüsse niedergestreckt. Dem Chauffeur und dem Diener wurde befohlen, ihre Fahrt fortzusetzen. Die sofort eingeleiteten Nachforschungen der Polizei nach den Attentätern haben bisher zu keiner Spur geführt. In mehreren Dörfern östlich von Hebron wurden Haussuchungen vorgenommen. Im Zusammenhang mit diesem Morde kam es in der Nähe von Hebron am Donnerstagmorgen zu einem schweren Gefecht zwischen einer britischen Polizeipatrouille und bewaffneten Arabern. Dabei wurde ein englischer Polizist und ein Araber verwundet und ein Araber getötet. Zwei Araber konnten entkommen. ' Sir Arthur Wauchope an der Spitze der Beerdigungsprozession ifür Prof. Starkey. , J e r ü s a 1 e m , 15. Jan. Sir Arthur Wauchope, der High Commissioner, führte die Beerdigungsabordnung für den von Arabern ermordeten Archäologen J. L. S t a r k e y , gefolgt von den Spitzen der Regierungsabteilung, Mitgliedern der Jewish Agency, des Consularcorps und einer großen Anzahl prominenter Persönlichkeiten. Militärflugzeuge flogen während der Beerdigung über Jerusalem. Sir Charles T e g a r t, der Berater der Palästina- Regierung und Mr. Saunders, der neue Generalinspektor der Polizei, begaben sich nach Hebron, um die Untersuchungen in dem Starkey-Mord einzuleiten. Es wurde offiziell gemeldet, daß Polizeihunde <fte Spuren der Mörder nach dem Dorfe Kharas verfolgten, wo die Polizei in einem arabischen Haus einen Revolver und vier Kugeln entdeckte., Der Eigentümer des Hauses wurde festgenommen. ' ■ ' . . J e r u s a 1 e rti,. 1'6. Jan. Die Polizei verhaftete heute weitere 7 Araber aUs Kharas in Zusammenhang mit dem Mord an dem EREZ ISRAEL. Archäologen J. L. Starkey. Außerdem wurden in Hebron alle Taxi-Chauffeure im Zusammenhang mit dem Mord von der Polizei vernommen. Offiziell wird mitgeteilt, daß die Suche nach den Mördern intensiv fortgesetzt wird. "Die Spuren der Mörder .führte die Polizei heute in weitere zwei arabische Dörfer, wo zwei Revolver und Munition gefunden wurden. Eine Anzahl von Arabern wurden verhaftet. In Anbetracht des Mordes an Mr. Starkey wurde die Einweihung des Rockefeller-Museums heute in sehr kleinem Kreise vorgenommen, weder der High Commissioner noch andere Persönlichkeiten der Palästina-Regierung waren anwesend. Die Universität hielt heute Nachmittag eine Gedächtnissitzung für Mr. Starkey s. A. ab. Jerusalem, 16. Jan. In Fortsetzung der Suche nach den Mördern von Starkey umzingelte die Polizei heute ein Dorf, in dem sich eine arabische Bande verschanzt hatte. Die Araber eröffneten Feuer auf die Polizei, wobei ein englischer Polizeibeamter einen Schuß in die Hüfte erhielt. Die Polizei stürmte das Haus, aus dem sie beschossen wurde, wobei der Eigentümer getötet und einer seiner Verwandten verwundet wurde. Ein dritter Araber, Ahmed Abdul Kader, ein ent-, sprungener Gefangener, wurde festgenommen. Ein englisches Gewehr und Munition wurden in dem Hause gefunden. Abraham Aziz Jacob und Elijahu Brunn sind die ersten Juden, die sich am 18. Januar vor dem Militärgerichtshof zu verantworten haben werden. Die Anklage lautet auf Waffenbesitz, der - Revolver wurde entdeckt, als Brunn Jacob versehentlich verletzte. Weitere Zwischenfälle, Urteile und Begnadigungen. Jerusalem, 18. Jan. In der Nacht zum Montag wurde in der Hauptstraße des jüdischen Stadtteils von Jerusalem ein jüdischer Polizeibeamter erschossen und ein zweiter schwer verletzt. Die Attentäter, die ihre Tat Von einem fahrenden Auto aus verübten, sind entkommen. Auch in einer anderen Straße des jüdischen Stadtteils wurden mehrere Passanten verletzt, als eine Bombe geworfen wurde. Angeblich sollen zwei Araber die Täter gewesen sein, die auch hier die Bomke, aus einem Auto schleuderten. Der Polizeibericht spricht lediglich davon, daß eine Stunde, nach dem Zwischenfall zwei Personen verhaftet worden seien. Vier Lastwag e n -.wurden . in der Nähe von Jerusalem beschossen und zum Anhalten gezwungen. Die Chauffeure erwiderten das Feuer. Einer der Angreifer und zwei Wageninsassen wurden verwundet. Die Lastwagen kehrten schließlich nach Jerusalem zurück und die Wagenführer . erbaten eine verstärkte Begleitung. Ein Autobus, der Schulkinder von der Altstadt in die Neustadt beförderte, wurde in der Nähe des Jaffatores beschössen. Es Wurde niemand verletzt. Auf einen jüdischen. Omnibus auf dem Wege von Haifa nach Hadar Hakarmel wurde eine Bombe gewonnen, die durch das. eine Fenster herein und durch das gegenüberliegende Fenster, herausflog und auf der Straße explodierte.... Ein Passagier wurde leicht verletzt. Die Hinrichtung der zwei arabischen Mörder von Mendel Minz, die heute' in jAcco stattfinden sollte, wurde für eine Wocheverschoben. Ein jüdischer Hilfspolizist aus Yokneam bei Haifa entdeckte das . Vorhandensein einer starken Araberbande von ca. 200 Mann. Polizei- und Militärabteilungen, unterstützt durch Militärflugzeuge, wurden sofort an diesen Platz beordert. Gemäß einer Meldung in der hiesigen arabischen Presse wurden die für den Mord an Mendel Minz zum Tode verurteilten Araber von dem High Commissioner begnadigt und ihr Urteil in lebenslängliche Haft umgewandelt. Eine arabische Bande legte Feuer an das Haus des arabischen Notabein Ismail Mahmoud in Nablus (Schechem), und beschoß das Haus, wobei Mahmoud schwer verletzt wurde. Mehrere Araber wurden arrestiert. Das Zivilgericht in Haifa verurteilte Mendel Segal, einen bei der Egged Autobus-Gesellschaft beschäftigten Wächter, zu fünf Jahren Gefängnis, weil er im Besitz eines Revolvers gefunden wurde. Das Gericht erkannte Segal das Recht auf Einspruch gegen das Urteil zu. Der Prozeß gegen den agudistischen Arbeiter Jedidia Luck, Jerusalem, 14. Jan. Die Ermittlungen über den Angeklagten Jedidia Luck, der beschuldigt wird, in der Schechuna Beth Israel in Jerusalem auf zwei Araber geschossen zu haben, sind beendet. Der Untersuchungsrichter, Ch. ßardakei (ein Jude), übermittelte die Akten, der Geric.h.tsinstanz für schwere Verbrech e.n , /da es nicht in seiner Kompetenz liege, die verwickelte Angelegenheit klarzustellen. Luck, ein religiöser junger Mann und aktives Mitglied der Poale Agudas , Jisroel in Jerusalem, wird verteidigt von den. bekannten Advokaten Dr. B u x b a um , Dr. J, Frank und Dr. Ulsckan.

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