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Der Israelit · 1938-01-20 · Heft 3 (20.1.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 3 (20.1.1938)
Date
1938-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ein Lösungsversuch. (Fortsetzung von Seite 1.) das Entstehen des Vertrauens bei der arabischen Bevölkerungdarauf, daß die Juden wirklich palästinensische Interessen vertreten und nicht imperielie jüdische oder imperielle europäische,' daß sie dem Lande die technische und wirtschaftliche Europäisierung bringen werden zu Nutz und Frommen des gesamten Palästinas und des Bundes der sich immer mächtiger und selbstän- . diger entwickelnden arabischen Staaten, Es ist durchaus keine Utopie, wenn man es selbst angesichts der Schüsse aus dem Hinterhalt auf jüdische Menschen und der Zerstörungswut irregeleiteter Araber auf jüdische Pflanzungen und Bauten im heutigen Palästina für möglich hält, daß auf dem vorgeschlagenen Wege die Frage des jüdisch-arabischen Zusammenlebens gelöst und dennoch die jüdische Einwanderung zu der früheren Höhe gesteigert und der Jischuw einer neuen wirtschaftlichen Blüte entgegen geführt werden wird. 3. Allerdings wird klar geworden sein, daß hier mehr gefordert wird als ein bloßer Vertragsschluß oder eine äußere politische Maßnahme. Es genügt in diesem Falle nicht, irgendwelche Abmachungen zu treffen und insgeheim an den weitestgehenden Zielen des jüdischen Nationalismus festzuhalten. Ohne eine ehrliche und wahrhaftige Bereinigung des Verhältnisses der beiden Völker zueinander geht es nicht. Deshalb wendet sich dieser Lösungsvorschlag der Palästinafrage nicht zum geringsten Teil an das jüdische Volk selbst, an' seine innere Einstellung zum jüdischen Nationalismus und zur jüdischen Staatsidee. Ein großes, Erziehungswerk im jüdischen Volk muß an diesem Punkt einsetzen. Heute stehen wir erst am Anfang der geistigen Neuorientierung. Der jüdische Staat — er ist und war den wirklichen Trägern des jüdischen Geistes, des Judentums nie Selbstzweck. Selbst die Chassidäer, die Träger der makkabäischen Erhebung, haben nicht um den jüdischen Staat, sondern allein um die Freiheit der Religionsausübung gekämpft. Als diese gesichert war, legten sie die Waffen aus der Hand. Die Führer des Judentums waren es wieder zur Zeit der Zerstörung des Tempels, die die staatliche Selbständigkeit aufgeben wollten, um die Menschenleben und um den Tempel zu erhalten. Den Propheten wie den Weisen war der jüdische Staat immer nur ein Mittel zum höheren Zweck, dem Zweck nämlich, jüdische Lebensmöglichkeiten zu fördern oder zu verteidigen und ein Gefäß zu schaffen für die freie Entfaltung der geistigen und religiösen Kultur. Das jüdische Menschengut und die Verkörperung des Judentums — der Tempel, also: die Erhaltung des jüdischen Volkes und des Judentums sind die übergeordneten Zwecke, denen der Staat zu dienen hat. Im selben Augenblick, in dem der Bestand des Staates eine Gefahr für die Erhaltung des jüdischen Lebens und des jüdischen Geistes zu werden drohte, zögerten die Propheten und Weisen keinen Augenblick, den Staat fahren zu lassen um der höheren Zwecke willen. Sei es infolge uns innewohnender Beharrungskräfte, sei es auf Grund einer besonderen Pügung — die jüdische Volkspersönlichkeit und mit ihr das Judentum haben sich nun schon seit vielen Hunderten von Jahren ohne das Bestehen irgend welcher jüdischen Staatlichkeit erhalten. Dieses einzigartige Phänomen der Weltgeschichte ist allein Beweis genug für die These, daß der jüdische Staat wohl geeignet, aber nicht unentbehrlich dafür ist, die Lebensmöglichkeiten für, das'jüdische Volk zu fördern und zu sichern und Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen für das Judentum. . Auch die moderne Erez Jisrael-Bewegung, die im vorigen Jahrhundert äls> Chöwewe Zion- Beweguhg im Osten begann und int Westen die Unterstützung der Alliance und später Baron Rothschilds fand, hatte sich zur Aufgabe gesetzt, eine Zufluchtsstätte für neuen Lebensraum suchende jüdische Menschen zu schaffen oder an historischem und geheiligtem Ort dem Judentum eine neue Heimstätte zu bereiten. Erst Herzl war es, der die Zionsbewegung mit der politischen Zielsetzung des Judenstaates verband und auch ihm war der Judenstaat nur ein Mittel zum Zweck, nämlich der Lösung der Judenfrage. Herzl glaubte allen Ernstes daran, daß es nur der Generalerlaubnis des Sultans bedurft hätte, um in kürzester Zeit einen Massenexodus der Juden nach Palästina in Bewegung zu setzen. Damit wäre die Judenfrage gelöst. Schon sehr bald hat man mit realen Gegebenheiten rechnen gelernt, mit der maximalen Fassungskraft Palästinas, mit wirtschaftlichen Produktions- und Absatzgegebenheiten, mit der Zeit, die zur Entwicklung des Nationalheims in allen seinen Lebensfunktionen notwendig ist und mit dem Vorhandensein der arabischen Bevölkerung. Kein ernster Mensch glaubt heute mehr an die Lösung der Judenfrage in allen Ländern durch eine jüdische Siedlung in Palästina, vorausgesetzt, daß alles auf natürliche Weise zugehen soll. Die Judenfrage besteht und die jüdische Siedlung in Palästina besteht. An die Stelle der Utopie ist die Realität getreten. Es ist weder die öffentlich-rechtliche Staatsgründungserlaubnis im Herzl'schen Sinne erreicht worden, denn selbst die Balfour-Deklaration erlaubte nur die Errichtung einer jüdischen Heimstätte i n Palästina, noch ist die maximale Fassungskraft Palästinas unter natürlichen Verhältnissen je groß genug, um allen Juden, „die sich nicht assimilieren wollen oder können", Raum zu bieten, und auch die maximale natürliche Fas sungskraft Palästinas kann nur allmählich wirtschaftlich entwickelt werden — noch ist endlich die arabische Bevölkerung Palästinas und des gesamten Orients bereit, den Judenstaat selbst Wochenrundschau. Die Wiener Agudajugend und die „Vaterländische Front". — Sabbatruhe, eine „Ruhestörung" im Tel Awiwer Hafen. — Eine gesetzestreue Zeitung in Palästina, aber kein Organ der Orthodoxie. — Minister und Generäle sprechen von Juden. Die Vaterländische Front in Oesterreich lehnt grundsätzlich Juden als Mitglieder und Mitarbeiter nicht ab. Das die vaterländische Jugend zusammenfassende Jungvolk in der V. F. weist aber Juden zurück, mit der Begründung, daß diese Jugendorganisation auf deutsch-christlicher Grundlage beruhe und daher keinen Platz für Andersgläubige haben könne. Das wäre an sich erklärlich und nicht schlimm, wüßte man nicht, daß die Aufnahme in die Vaterländische Front von der Zugehörigkeit zum Jungvolk bis zum 18. Lebensjahre abhängig gemacht wird. Mithin käme es darauf hinaus, daß die Juden auf dem Umwege über das Jungvolk aus der V. F. ausgeschlossen bleiben. Es ist indes als Symptom für die Lage und für die Gesinnung in den Regierungskreisen zu begrüßen, daß im Einvernehmen mit der V. F. eine eigene jüdische J u gendorganisation ins Leben gerufen wurde, die den jüdischen jungen Menschen bis zum Alter von 18 Jahren für die Mitarbeit an den vaterländischen Belangen im Rahmen der V. F. prädestiniert. Für die orthodoxe Jugend, die GsD. in Wien ein sehr erhebliches Kontingent der jüdischen Jugend stellt, begann aber mit dieser „Lösung" ein neues, schwieriges Problem. Sie darf einerseits nicht abseits stehen, . andererseits muß sie von vornherein ihre religiösen Rechte und Belange auf dem Gebiete der Jugenderziehung .sichern, wollte sie nicht jenes Schicksal erleiden,., das von Nathan Birnbaum mit den Worten; „Im Golus bei Juden'.' bezeichnet wird. Die . Haltung der organisierten Orthodoxie in Wien bei diesem Anlaß ist beispielhaft und zeugt von starkem Zielbewußtsein. Der Vorstand des Landesnur in einem Teil Palästinas zu dulden. Damit entfällt der Herzl'sche Grund, einen Judenstaat zu erstreben. Real gesehen ist heute Erez Israel wie anfängilch erstrebt, eine Zufluchtsstätte für Juden geworden, die anderswo aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen keine Lebensmöglichkeit mehr haben und auf der anderen Seite eine große Entfaltungsmöglichkeit jüdischer Religion und Kultur. Der Jischuw in Palästina braucht auch weiterhin eine große Einwanderung und um so mehr eine starke politische Sicherung. Welcher Art diese Sicherung ist, ob sie in der Garantie einer europäischen Großmacht nach der Methode des 19. Jahrhunderts liegt oder in der Zusammenarbeit mit und im Anschluß an die palästinensische und gesamt-' arabische Bewegung im Stile des 20. Jahrhunderts, wie es hier vorgeschlagen wird — ist grundsätzlich nicht von Belang. Die nach der politischen Gesamtlage auf lange Sicht beste politische Sicherung ist zu wählen. Die beste politische Sicherung ist aber diejenige, die am. meisten jüdischen Lebensraum und die freieste Entfaltung der jüdischen religiösen Kultur zu erreichen gestattet. Nicht das jüdische Volk braucht und darf sich für seinen jüdischen Staat aufopfern, wohl aber muß der Staat notfalls geopfert werden für Juden und Judentum. Im gegenwärtigen Augenblick ist es notwendig, dies mit aller Klarheit auszusprechen, obzwar nicht verkannt werden soll, daß manche langgehegten Aspirationen und liebgewordenen Hoffnungen aufgegeben werden müssen, bevor das jüdische Volk reif sein wird für eine Lösung, die den Bestand des jüdischen Jischuw in Erez Israel allein auf die Dauer sichern kann. Der Weg führt über die Erkenntnis, daß es für das jüdische Volk nichts Wertvolleres gibt als die Erhaltung jüdischen Menschenlebens und die Förderung der überlieferten religiösen Kultur. Zur Sicherung dieser Ziele ist kein Opfer groß genug, selbst nicht das Opfer des jüdischen Staates, Verbandes Jüdischer Jugendvereinigungen Oesterreichs in der AgudasJisroel hat in seiner am 10. Januar stattgehabten Sitzung folgende Resolution gefaßt; „Die orthodox-jüdische Jugend Oesterreichs begrüßt es mit Befriedigung, daß ihr im Rahmen des Oesterreichischen Jungvolkes Gelegenheit geboten wird, am Neuaufbau Oesterreichs mitzuarbeiten. Zugleich spricht sie die Erwartung aus, daß der orthodox-jüdischen Jugend die volle Selbständigkeit im Rahmen des jüdischen Jungvolkes gewährt wird und daß zu Leitern des jüdischen Jungvolkes Männer ernannt werden, die, erfüllt vom Geiste wahrer Frömmigkeit und traditioneller Glaubenstreue, darüber wachen, daß die jüdische Jugend im Geiste des thoratreuen Judentums geführt wird, um sie zu wahrhaft thoratreuen Juden und wahren Oesterreichern zu erziehen." Wir freuen uns, nach der J. P. berichten zu dürfen, daß dieses mannhafte Auftreten vollstes Verständnis auch bei allen maßgebenden Faktoren auf der anderen'Seite gefunden hat. * * Die thoratreue Bevölkerung in Palästina bekommt bereits einige Vorproben von dem künftigen „Judenstaat'.' unter der Regie der heutigen Herren zu kosten. Die Sabbatfrage im Tel Awiwer Hafen ist, allen Bemühungen und Versprechungen zum Trotze, nicht gelöst. An der Landungsstätte, die das erste Symbol jüdischer Selbständigkeit sein soll und darum viele Freunde und Förderer auch in den Kreisen der Gesetzestreuen gefunden hat, wird jetzt, zur Zeit der Orangenverladungen, der Sabbat in aller Oeffentlichkeit entweiht. Arbeiter, die dagegen protestierten, bekamen vom Hafenleiter, Herrn Z i s i k zu hören, daß, solange nicht die Aguda, sondern e r die Verantwortung trage, alle „Ruhestörer" fristlos entlassen werden. Von vielen Aktionären wurde der dringende Wunsch geäußert, Herrn Zisik nun wirklich der Verantwortung z u entheben. Es liegt aber leider kein Grund zu der Hoffnung vor, daß. dieser Wunsch erfüllt wird, und so wird noch weiter Herr Zisik seiner Ansicht Nachdruck verleihen, daß die S a b b a t. r u h e im jüdischen Hafen eine, „Ruhestörung" sei,, die fristlose En .t lassung, nach . sich, ziehen müsse. : Ein anderer .Fall ist nicht minder symptomatisch. In Jerusalem. besteht seit. 70. Jahren ein Verein . „ S-c h.a. a.r e .C h e.s s;e d " , der..die heilige Stadt mit vortrefflichen Bauten und Instituten bereichert hat.

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