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Der Israelit · 1938-01-13 · Heft 2 (13.1.1938) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 78 . Aber da passierte etwas Schreckliches: David mußte fürchterlich nießen! Entsetzt schraken die Früchte zusammen und —: lagen wieder so ruhig, als wäre gar nichts geschehen, in der schönen Schale, Aber ich glaube doch, die Feige hätte noch etwas sagen wollen, denn sie sah so verärgert aus. - Rabbi Akiba Eger. r Die Schüler hatten mit viel Mühe und Liebe die Sükkoh für ihren großen Lehrer hergerichtet. Lulof, Hadassim und B.achweiden standen in einem Wasserbehälter, das schöne goldgelbe Esrog lag wohlverwahrt daneben auf einem Tische. Aber es sollte nicht sein. Am 13. Tischri 5537 (1837), also vor 100 Jahren, schloß Rabbi Akiba Eger seine Augen für immer. Wohin auch die Kunde von dem Tode des großen Rabbi gelangte, überall in der jüdischen Welt war große Trauer. Ihr habt, 1. Kinder, vielleicht schon einmal am Sukkausfest die Frage gestellt, warum gerade mit „diesen" vier Pflanzenarten (Arba minim) in der Hand wir G'tt für den Segen danken, den er uns gegeben.; Die Tauro gibt uns auf diese "Frage keinen Bescheid, aber die Weisen geben uns manch schöne Erklärung und Deutung. So sagen sie, das Esmg, eine schöne Frucht, hat einen schönen Geschmack und einen angenehmen Geruch. So gibts auch Menschen, meinen sie, die ein großes jüdisches Wissen besitzen, aber auch immer bereit sind, den Menschen zu helfen, wenn sie in Not und Sorge sind. Ein solcher Mensch, der einem Esrug gleich war, . war RABBI AKIBA EGER. Rabbi Akiba Eger wurde geboren am 8. November 1761 in der ungarischen Stadt Eisenstadt. Die Eltern erzogen den schönen und klugen Knaben mit großer Liebe und Sorgfalt. Den ersten Unterricht in Tauro, Mischnah und Gemara gab ihm sein Vater. Obgleich noch zart und jung, machte Akiba doch zum Erstaunen seines Vaters große Fortschritte. Ihr wißt, daß es in der Schule oft heißt: Wir wollen wiederholen. Es ist nun einmal so, man vergißt so leicht wieder, was man gelernt hat. Bei Akiba war es anders, was er einmal gelernt hatte, das saß fest in seinem Gedächtnis und ging ihm nicht wieder verloren; ein Vergessen gab es nicht bei ihm- Und dazu kam noch „sein scharfer Verstand und sein großer Fleiß. Der Vater sah bald ein,, daß er seinem Sohne nichts mehr geben konnte. Er schickte ihn daher , nach Breslau, wo er sich weiter ausbilden sollte. Acht Jahre studierte er jüdische Wissenschaften in Breslau, und obgleich noch ein Jüngling, war er schon eine talmudische Größe. Man erzählte sich überall von dem klugen und äußerst sympathischen Talmudjünger. Da kam das Glück, ohne daß er es gesucht hatte. . , Ein reicher jüdischer Bürger in Lissa hörte von dem schon berühmt gewordenen Akiba Eger, Und da 'sich alles so bestätigte, wie erzählt worden, gab er ihm seine Tochter. zur Frau. Jetzt "konnte er nach Herzenslust lernen und lehren. Ihn drückte nicht die Sorge mehr um das Stückchen Brot, 'das er aß, der reiche Schwiegervater sorgte für alles. Er wohnte mit seiner Familie in einem schönen Waldhaus, Blumen,, Buchen und Eichen umgaben das Haus, worin die Tauro ihr Zelt aufgeschlagen hatte. Aber das Glück ging wieder so schnell von Mannen, als es gekommen war. EineN Feuersbrunst zerstörte die Stadt, und der reiche Schwiegervater war über Nacht ein armer Ma?m ^worden. Das aber machte Akiba Eger keine Sorge, er hatte ja noch seine Tauro, und da war er reich genug. Und G'tt wird helfen, und ei' hai ihm auch geholfen. Der junge Rabbi ginrf nach Märkisch-Friedland und nahm dort die Rabbinerstelle an. Hier lebte und wirkte er 24 Jahre, dann wurde er nach Posen berufen, Das war für ihn eine große Ehre, denn die jüdische Gemeinde dort war die größte in Deutschland. Und hier in Posen ist er der große Rabbi geworden, dessen Name in der ganzen jüdischen Welt mit Hochachtung genannt wurJe. Von nah und fern kamen junge und gereifte Männer, um bei dem großen Rabbi Talmud zu studieren. Mehr als 1000 Schüler haben sich bei ihm ihr Wissen geholt, und viele von diesen Schülern sind wieder große und gelehrte Männer geworden. ' Nicht das große Wissen allein war es, das ihn befähigte, so viele Schüler zu unterrichten. Er verstand es vor allem, den Unterricht interessant zu gestalten, seine Methode war es, die den Schüler fesselte. War der Unterricht vorüber, dann hatte die Post für neue Arbeit gesorgt. Auf dem Tisch lagen hohe Stöße von Briefen, von Gemeinden, Einzelpersonen, sogar von andern Gelehrten. Man bat um seine Meinung, sein Gutachten in religiösen Angelegenheiten. Ein solches Gutachten liegt heute noch im städtischen Archiv zu Magdeburg. Aber nicht nur der Lehrer seiner Gemeinde wollte er sein, auch helfen wollte er, wo Hilfe notwendig war. In Posen wütete die Cholera und forderte viele Opfer. Merkwürdigerweise trat die Krankheit in der jüdischen Gemeinde nicht so verheerend auf wie in der übrigen Bevölkerung. Rabbi Akiba Eger hatte Weisungen ergehen lassen, wie sich Kranke und Gesunde verhalten sollten. Er ging selbst zu den Kranken, und niemand wehrte es ihm. Der König von Preußen erhielt Kenntnis davon, wie der „Rabbi" sein Leben wagte, und verlieh ihm einen hohen Orden. EMKA. (Fortsetzung folgt.)

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