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Der Israelit · 1938-01-13 · Heft 2 (13.1.1938) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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■SCHULE UWD ÄTy--7 -^Haub> l 13. Januar 1938 Erscheint monatlich 11. Schebat 5698 Der Streit in der Fruchtschale. Eine ^hamischa Asssar B'schwat-Gescbichte von Sei ..m Ben-Chorin• in Jerusalem. Eben hatte die Mutter mit viel Eifer und Bemühen die Früchte in der Obstschale aufgebaut und stellte sie fürsorglich in das Zimmer, das an das Schlafzimmer des kleinen David grenzte. Mit sehnsüchtigem Blick nach all den Herrlichkeiten war David heute zu Bett gegangen mit den freudigsten Erwartungen auf den morgigen Tag, auf Chamischa Assar B'schwat. Es war eine von jenen mondhellen Nächten, in denen cUf kleine Junge nicht so ungestört wie gewöhnlich schlafen konnte. So wachte er mitten in der Nacht auf und hörte zu seinem großen Erstaunen ein eifriges Flüstern und Raunen, das aus dem „guten" Zimmer zu kommen schien. Ganz leise und vorsichtig kletterte er aus seinem Bett, zog behutsam die Strümpfe an, um noch leiser schleichen zu können und näherte sich auf den Zehenspitzen, den Atem anhaltend, der großen, weißen Tür, die zur guten Stube führte. Ganz vorsichtig öffnete er nur ein wenig die Tür und sah, wie all die Früchte, die heute beim Zubettgehen noch so friedlich in der Schale lagen, aufgeregt hin- und herhüpften und sich mit ganz feinen Stimmchen ungeheuer wichtige Dinge mitzuteilen schienen. David mußte sich schrecklich anstrengen, um 2U verstehen, was die dicke gelbe Banane, die sich eben so majestätisch aufrichtete, zu sagen hatte: „Meine Damen und Herren", sagte sie, „ich habe eine ungeheuer interessante Reise hinter mir", — vor Stolz wurde sie noch gelber, als sie war — „ich komme nämlich aus Westindien!" Ganz beschämt sahen sich der rote Apfel und sein nicht minder beleibtes Gegenüber, eine schöne bräune Birne, an. Sie kamen nämlich — aus Mittelfranken. „Jawohl, aus Westindien", bekräftigte die Banane, „und es war eine sehr abenteuerliche Reise hierher: Wenn* ich nur an den Seesturm denke ... aber es lohnt sich ja gar nicht, in einer solchen Gesellschaft zu erzählen." „Na, entschuldigen Sie mal", rief da der Ethrog, „ich bin schließlich auch noch da!" „Ja, Sie sehen aber ulkig aus! So 'ne dicke Zitrone ist mir auch noch nie begegnet!" — ,(Hat man schon so eine Unverschämtheit gesehen» mich für eine Zitrone zu halten! Ich bin nämlich das Ethrog und komme mitten aus Palästina, wo auch meine liebe Freundin, die Orange, ihre Heimat hat. Chaluzim haben die Bäume, auf denen wir gewachsen sind, mit viel Liebe gepflanzt und betreut, und jüdische Kinder haben uns abgeerntet; und stellen Sie sich nur vor, welche Ehre man mir hier erwies; in einer silbernen Dose, auf einem weichen Wattebettchen ruhte ich, und nur im festlich erleuchteten Tempel nahm mich der Hausherr heraus." „Weil Sie, geehrter Herr Kollege, gerade von der Synagoge sprechen", fiel die Traube ein, „da kann ich auch mitreden! Mich, oder besser gesagt, meinen Saft gebraucht man nämlich zu den feierlichsten Handlungen: Am Freitagabend stehe ich überhaupt im Mittelpunkt der Gesellschaft. Zuerst macht man Kiddusch über mich, und dann laben sich alle an einem Schluck meines vorzüglichen Saftes. Und wer erweist dem scheidenden Schabbat die letzte Ehre? Auch ich, bei der Hawdalah. Und erst beim Seder, wo jeder vier Becher von meinem Wein trinken muß. Aber übrigens, Rebb Ethrog, wir kennen uns doch schon. Ich hing nämlich in der Sukkah oben in der Pecke und konnte immer auf Sie herabsehen ..."

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