Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1& Januar :1938L Israelit Nr. 2 Seite 7 E R E Z Neu« Terroristen in Erez Israel. Jerusalem, 5. Jan. Bei dem Attentat^ auf einen Eged-Omnibus Jerusalem—Tel Awiw wurde der jüdische Polizist Jacob Kling er schwer und ein anderer jüdischer Passagier leicht verwundet. Die Araber wollten sich auf den stehengebliebenen Omnibus stürzen, jedoch ergriff ein jüdischer Passagier den Revolver des verwundeten Polizisten und verjagte damit die Banditen. Klinger ist leider inzwischen seinen Wunden erlegen. Ein Mitglied der Poale Agudas Jisroel, Chajim David K a 12, der vor zwei Jahren aus Ungarn nach Erez Israel kam, ist heute im Stadtviertel Giwas Schaul schwer verwundet worden und im Hospital seinen Wunden leider erlegen. Giwas Schaul ist gestern Abend schwer beschossen worden. Die Schießerei war die Begleitmusik zu der gerade erfolgenden Rädioübertragung des neuen englischen Weißbuches. Auch in dem dicht bevölkerten Stadtviertel Ruchama, im Herzen Jerusalems, explodierte zu gleicher Zeit eine Bombe. Zel Korati. Tel Awiw, 5. Jan. Obige Organisations chreibt uns: Das Resultat unserer bisherigen dreijährigen Tätigkeit, die Schaffung von 200 Eigenheimen, verteilt in ganz Erez Israel durch Hergabe von insgesamt L. P. 100.000 Baudarlehen, findet in einem Plakat beredten Ausdruck. Das Plakat (Entwurf Mechner-Wallisch) stellt vom künstlerischen und drucktechnischen Standpunkt als Tozereth-Haarez-Leistung einen bemerkenswerten Fortschritt dar. Es zeigt auch, wie Zel Korati, die erste Barsparkasse Palästinas, trotz aller politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit aller Kraft weiterarbeitet an der Verwirklichung ihres Zieles, jeder jüdischen Familie in Erez Israel den Besitz eines eigenen, gesunden und schönen Hauses mit Garten zu ermöglichen. . .. Gan Jeladim „Beth Jacob". ) Heiß brennt die Sonne hernieder. Der, iWeg geht bergan. Tapfer schreitet mein Rafael, der mit; seinen ISRAEL Sieben Jahren schon ein „Godaul" ist, und auf die Kleinen herabschaut, den ihm wohlbekannten Weg zum Gan hinauf. An meiner Linken halte ich unsere kleine Palästinenserin, die heute mal einen Tag zur Probe in den Gan soll. Ich nähere mich dem Hause und bin erstaunt, daß kein Kinderlärm mich empfängt; ich höre singende Kinder, das ist alles. Lange bin ieh nicht im Gan gewesen, ich glaube das letzte Mal war es bei der reizenden Chanukahfeier. Immer füllt sich mein Herz mit stolzer Freude, wenn ich im Gan bin. Sind's die strahlenden gut aussehenden Kinder, die es mir antun? Ist's die wundervolle Ordnung, die hübsche Einrichtung, die peinliche Sauberkeit, die meine Sinne gefangen nehmen? Oder wirkt die hier so seltene hingebungsvolle Arbeit dar Leiterin mit ihren Gehilfinnen so auf mich? Ich habe Zeit zum Nachdenken, da für Minuten mich die Leiterin allein läßt. Vor mir steigen die Schwierigkeiten auf, die die Gründung dieses Gan uns gemacht hatte. Alle wollten sie den „frommen" Gan, aber keiner wollte uns helfen, daß wir ihn gründen konnten. Selbst die feste Zusage von 10 Müttern zu bekommen, daß sie uns ihre Kinder schicken, war schon eine Schwierigkeit. Größer als dies war aber fast die Unmöglichkeit, eine geeignete Wohnung zu bekommen und die Wechsel hierfür sicherzustellen. Noch sehe ich St. C. und mich, von vielen Besuchen heimkommend, im Zweifel darüber, ob man in diesen schweren Zeiten die Gründung des Gan wagen dürfte. Aber trotz aller .Schwierigkeiten wagten wir es. Im Marcheschwan 5696 fingen wir an mit 9 Kindern. Von der Drei-Zimmerwohnung, die wir gemietet hatten, benutzten wir für den Gan eines, im zweiten, wohnte die Ganenet, das dritte vermieteten wir, Mit 9 Kindern haben wir begonnen, heute sind es 60, die wir betreuen. Damals waren es 9 vollzahlende Kinder, heute sind bei den 60 Kindern nicht mal 9, die voll zahlen, dennoch halten wir den Gan ohne Schulden aufrecht. Das will hier viel heißen. Viele arme Kinder suchen wir durch Patenschaftsvermittlung im Gan unterzubringen. Wir wollen mit unserem Gan auch soziale Arbeit erfüllen. Nimmer würde er seine Berechtigung haben, wenn er nur Kinder aus begüterten Kreisen aufnehmen' könnte, im Gegenteil, wir halten es für unsere schönste Aufgabe, die Kinder, die -sich wegen der schweren Ernährungssorgen der Eltern auf der Straße in Hitze und Staub herumtreiben, zu uns -zu ~ holen, aus diesen Vernachlässigten in unseren lüftigen schönen Räumen blühende kleine Menschen heranzuziehen. Ich gehe durch diese Räume, die Kinder frühstücken, alles, ist geordnet. Man zwingt die Kinder nicht und dennoch sind sie ruhig, gesittet, essen nach Herzenslust ihr schönes palästinensisches Frühstück. Ich sehe die Arbeit der Kinder. Alle sind aufs jüdische Leben eingestellt. Hier eine Sefer Tauroh mit Krone aus Silberpapier, dort der Zug der Bnei Jisroel, ihre Fahrten, Mosches Steigen auf den Berg, der Har Sinai brennend und lodernd, alles gemeinsame Klebearbeit der einzelnen drei Klassen. Dort sind aus kleinen Brettern reizende Puppenmöbel gemacht, ein ganzer Schuck mit vielen Tischen, auf denen Körbe mit Früchten Stehen USW. Im Garten sehe ich die schöne Sandkiste unter dem Feigenbaum, die eben erst angeschaffte Wippe, der Stolz der Kinder. Hat nicht jene Frau recht, deren Kind ich durch Hilfe einer Gönnerin aus London buchstäblich aus dem Schmutz der Gasse herausgeholt habe, wenn sie mir sagt, man hätte ihr gesagt, unser Gan sei der vornehmste in ganz Haifa? Ich weiß, was sie damit meint. Wir Sind nicht der vornehmste Gan im landläufigen Sinne. Vornehm ist: die Sauberkeit, die Ordnung, die Hingabe unserer Mitarbeiterinsnen, die nirgends größer ist, weil wir das große Ziel haben: in die kleinen Menschen die Grundlage für ein thoratreues Leben zu legen. Werden wir den Gan weiter ausbauen können, wird das Tagesheim, das sich ihm anschließt, weiter zu erhalten sein? Schon hat der Etat in den letzten Monaten uns große Schwierigkeiten bereitet. Tag und Nacht sinnen wir, wo die Mittel aufzubringen sind. Während ich sinnend heimgehe, kommt mir der Gedanke, mich bittend an unsere Brüder und Schwestern in der Gauloh zu wenden. Die Herzen möchte ich wachrütteln, möchte unsere Not zu der Euren machen, möchte so eindringlich unsere Bitte um Hilfe zu Euch dringen lassen, daß Ihr uns nicht widerstehen könnt. Ich habe Mut und Hoffnung. Es wird noch jüdische Herzen geben, denen in dieser Art am Chinnuch mitzuarbeiten, etwas Verlockendes ist und die uns helfen werden. Spenden werden erbeten an die Leiterin unseres Gan, Frau Ajahla Großmann geb. Sänger, Haifa, Hadar Hacarmel, Beth Mayer, Pewsenerstr. 58. Malie Flörsheim. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Von, der agudistischen Presse? / In den „Mitteilungen" der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland vom'3-1,^Dezember lesen wir: •*» „Tatkräftige Förderung der.. agudistischen Presse durch Zuführung von neuen Beziehern und ständigen Inserenten ist Pflicht. (Beschluß der dritten Kenessio Gedaulo.) Der „ I S r a e 1 i t " kommt jetzt in sein 79. Jahr. Seit Bestehen der Agudas Jisroel 'ist dieses Blatt allwöchentlich mit einer große Opfer erfordernden Selbstverständlichkeit für die Agudas Jisroel tätig. Sollte nicht jeder Agudist bedenken, daß* diese selbstlose Hingabe Dank unsererseits erfordert in Form von sichtbarer Förderung: Erhöhung der Auflage, was einer Verbreitung der Idee der Agüda gleichkäme. Was wären wir ohne die regelmäßige Arbeit des „Israelit" für die Agudoh?" Das Führerlager der westeuropäischen Jugendorganisationen der Agudas Jisroel in Hohwald (Frankreich) (23. bis 27. Dezember 1937). Es ist wohl das erste Mal, daß die verantwortlichen Führer der Jugendorganisationen in den westeuropäischen Ländern und ihre Jüngeren sich während einiger Tage zur Formung der künftigen verantwortlichen Leiter der Arbeit getroffen haben. Bereits in Marienbad wurde der Plan erwogen, im Rahmen eines engen Zusammenwirkens der westeuropäischen Landesorganisationen vor allem den Jugendorganisationen die Möglichkeit eines lebendigen Austausches ihrer Erfahrungen und zur gemeinsamen Heranbildung der noch nicht aktiven Jugendlichen zu späterer Führerärbeit in 'Form der regelmäßig ^zü veranstaltenden Führerkurse zu geben. Dieser Versuch wurde im Dezember in Hohwald bei Bar^, (Elsaß) durchgeführt und der Erfolg ist in jeder Weise selbst den optimistischsteh Erwartungen überlegen. Die Gruppe. „Jes.churun", Straßburg, die seit •zwei Jahren' der Agudas Jisroel beigetreten ist, hatte unter Leitung ihres Chefs Jacques Cohn und unter Mithilfe von Suzy Meyer (Mulhouse) und einer Reihe Straßburger Jungens und Mädchen die technische Vorbereitung in mustergültiger Art über- 'nommen. Während der Dauer des Kurses war für die Unterbringung und Verpflegung der nahezu 30 •Teilnehmer hervorragend gesorgt, eine Leistung, die bei der geringen Erfahrung, über die diese noch junge Gruppe verfügt, sehr beachtlich ist. Das Arbeitsprogramm selbst war von einigen Pariser Führern unter, Leitung Herrn Rabbiner Münks aufgestellt worden und wurde in den vier Tagen mit Disziplin und Pünktlichkeit durchgeführt. Es ist vor allem Herrn Rabbiner Münk zu verdanken, daß der Kurs seinen Aufgaben so völlig gerecht wurde und daß die jungen Teilnehmer tatsächlich ein klares Bild der Probleme und Arbeitskreise erhielten, auf die sich ,ihre zukünftige Tätigkeit zu erstrecken haben wird. Aus dem Programm des Kurses, dessen Leitung in den Händen von Marc Breuer (Paris) lag, seien folgende Punkte hervorgehoben: Ziel und Aufgaben einer jüdischen Erziehung: Rabbiner Münk (Paris); Unsere Arbeit; Mosi Herz (Luzern) Und Jacques Cohn (Straßburg); Erez Israel, Volk, Land, Thora: Marc Breuer (Paris); Geschichte der Halacha: Bernhard Heidingsfeld (Paris); Die jüdische Frau: Madame Samuel-Neher (Paris); Agudismus — Zionismus: Samy Klein (Paris). — Ein „Musterheimabend" unter Leitung von Herrn Rabbiner Münk über: Ethische Konflikte zwischen Gesellschaft und Individuum. — Die Schiurim in Gemoro, bezw. T'nach wurden geleitet von den Herren Rabbinen Brunschwig und Münk und Herrn Salomon Speier (Straßburg). . Es ergab sich aus dieser Zusammenarbeit zwischen Pariser, Schweizer und Straßburger Agudisten eine gewisse Einmütigkeit des Wollens, eine starke Ansporriung zur Verwertung ungenutzter Möglichkeiten, und eine Bereitschaft zur Einsetzung für die agüdistische Idee, die. wohl mit zu. den erfreulichsten Ergebnissen der Tagung zählen. Eine Reihe von Beschlüssen wurden gemeinsam, gefaßt, die sowqhl die Erziehung unserer Jugend im .westeuropaischen Raum, wie/die. Propaganda für die Organisation betreffen. Ferienheime und periodisch erscheinendes Gedenke immer der Jüdischen Winterhilfe! Organ, regelmäßige Führerkurse und wechselseitige Fühlungnahme in allen gleichermaßen bedeutsamen Fragen gehören mit zu den konkreten Ergebnissen dieser Beschlüsse. Die vertretenen Jugendorganisationen hatten, jede in ihrer Eigenart, dem Treffen jenen Charakter gegeben, der gerade durch die Vielfältigkeit der landsmannschaftlichen Besonderheiten j und durch die doch immer wieder erkenntliche Gemeinsamkeit der geistigen Basis seinen Reiz erhielt. So trug zu der Buntheit des Kurses auch die anfänglich etwas schwierige Sprachenfrage bei, gab es doch unter den Teilnehmern solche, denen das Deutsche bezw. das Französische nicht so recht geläufig' war, eine Schwierigkeit, deren der gute Wille und, die Geschicklichkeit der Interpreten leicht Herr wurden. Und es darf schließlich als ein günstiges Zeichen des Interesses, mit der die agudistische Arbeit gerade in Frankreich beobachtet wird, angesehen werden, wenn der Sonntag eine Fülle von Gästen aus der Umgebung brachte, darunter die Herren Rabbiner Bloch (Mulhouse) und Deutsch (Bischheim), die sich mit großem Verständnis an den Arbeiten des Nachmittages beteiligten. Es mag wohl symptomatisch für die Zukunftsaussichten des agudistischen Werkes in Westeuropa sein, wenn durch Zugrundelegung erprobter Methoden der jüdischen Jugendbewegung und unter scharf abgerissener Zielsetzung, auf härtestem Boden und bei Mangel jeder materiellen Voraussetzung, eine Jugendtagung hat stattfinden können, die Willen und Leistung der westeuropäischen agudistischen Jugend/* in solch eindeutiger Weise unter Beweis zu stellet vermochte.