Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 jtfr, 2 Oer Israelit .13. .Januar 193«,X Die neue Synagoge in Den Haag, Carpentierstraat, (Bezuidenhoutbezirk), die am *13. Januar 1938 eingeweiht werden wird. Architekten waren Jac. S. Baars und J. Hegt. aus Steuermitteln Beträge auf, und zwar einen Jahresbetrag von rund 800.000 Mark. Das ist im Verhältnis zu den finanziellen Lasten, die den Gemeinden auferlegt werden, ein Betrag, dessen Höhe durchaus Anerkennung verdient, der aber innerhalb des 4,3 Millionen-Etats der Reichsvertretung nur einen Bruchteil darstellt. Die übrigen Mittel werden zu einem weiteren Bruchteil von der Reichsvertretung durch Sammlung aufgebracht. Ueberwiegend wird die Durchführung dieser Arbeit innerhalb der Juden Deutschlands durch die Mittel ermöglicht, welche die ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen der Reichsvertretung, die mit ihnen deswegen in einem dauernden Kontakt steht, zur Verfügung stellen. Im Jahre 1937 sind den Juden in Deutschland so über 21/, Millionen Mark zugeflossen. Noch anders ist die arbeitsmäßige und finanzielle Organisation der Auswanderungsarbeit. Sie kann die Arbeit von Stellen, die sachverständig auf die Auswanderungsarbeit spezialisiert sind, nicht entbehren. Deshalb sind hier die Auswanderungsorganisationen, Palästina-Amt und Hilfsverein der Juden in Deutschland, der Arbeit eingefügt. Sie betreuen den einzelnen hilfe- und ratbedürftigen Auswanderer. Ihnen stellt die Reichsvertretung die für die Auswanderung bestimmten Mittel (fast V/2 Million) zur Verfügung. Sie entscheiden unter Heranziehung der Wohlfahrtsstellen der Gemeinden über die Hilfsbedürftigkeit des einzelnen Auswanderers und die ihm zur Durchführung der Auswanderung zur Verfügung zu stellenden Beträge. Grundsätzlich tragen von den Zuschüssen, deren der Einzelne, sei es für die Berufsausbildung, sei es für die Auswanderung bedarf, Gemeinde~Xfiners«itp;" Reichsvertretung—bezw:—WaiidBrungsorganisationen, andererseits je die Hälfte. Darüber, ob und in welchem Umfange die einzelne Gemeinde zur Aufbringung ihrer Hälfte nicht imstande ist und deshalb aus zentralen Mitteln mehr zugeschossen werden muß, entscheidet nach Anhörung des zuständigen Landesverbandes die Reichsvertretung. Polen. Oberst Koc aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten. Warschau, 10. Jan. Oberst Koc, der Schöpfer und Leiter des Nationalen Lagers, ist aus Gesundheitsrücksichten von seinem Posten zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde Divisionsgeneral Stanislaw :Skwarczynski ernannt. Ghetto-Märkte für Juden in Polen? Warschau, 2. Jan. Der Minister des Innern hat einer Deputation von jüdischen Parlamentariern zugesagt, den in Rawa und Mazowiecka eingerichteten Sonderplatz für die jüdischen Gewerbetreibenden auf dem Markte als gesetzwidrig aufzuheben, falls sich die Behauptung des Gouverneurs als unwahr erweist, die Juden hätten freiwillig einer Teilung des Marktes nach nationalen Grenzlinien zugestimmt. Jugendalijah in Polen. W a r s c h au, 5. Jan. Es wird hier eine Jugendalijah-Bewegung nach sdem Muster der deutschen Jugendalijah organisiert. Die erste Gruppe von 54 polnischen Kindern hat Polen^schon verlassen und kommt nach der berüchtigten linksradikalen Kinderkolonie Ben Schemen. England. Befürchtungen der „Times". London, 5. Jan. Nach einer Meldung der „Times" aus Warschau befürchtet man in polnischen Regierungskreisen eine Verstärkung des Druckes auf Polen, den antijüdischen Tendenzen anderer Länder nachzueifern. Man ist ferner besorgt, daß eine Rückwanderung der in den letzten Jahren nach anderen Ostländern eingewanderten polnischen Juden erzwungen werden könnte. Rumänien. Die Verordnungen in Rumänien. (Von unserem Korrespondenten.) Bukarest, 12. Jan. Entgegen anderslautenden Nachrichten ist zu konstatieren, daß bisher nirgends in Rumänien antijüdische Zwischenfälle stattgefunden haben. Es herrscht im ganzen Lande Ruhe, und die Regierung läßt keinen Zweifel darüber, daß sie, über die gesetzlichen Maßnahmen hinaus, keinerlei Gewalttaten zulassen wird. In der Kabinettssitzung am 10. Januar waren alle Mitglieder darüber einig, daß zuerst die dringendsten wirtschaftlichen Fragen gelöst werden, während die Maßnahmen in der Judenfrage zunächst sorgfältig studiert werden sollen. Die Revision der Staatsangehörigkeit wird, wie offiziell bekanntgegeben wird, sich auf all diejenigen Juden erstrecken, die das Bürgerrecht seit 1918 erworben haben. Die Revision wird von einer besonderen Kommission vorgenommen werden, die vom Justizministerium ernannt wird. Der Gesundheitsminister hat einen Ausschuß zur Prüfung der D i p 1 o m e ausländischer medizinischer Fakultäten eingesetzt, nach denen in Rumänien Bewilligungen zur Ausübung des ärztlichen Berufes erteilt worden sind. Einheimische und fremde Juden. B u k a r e s t, 12. Jan. Die Zahl der Juden in Rumänien, die im Sinne des Gesetzes als „staatenlos" betrachtet werden, beträgt ungefähr 50.000. Die Zahl der Juden in den neuerworbenen Provinzen, die nach dem Kriege naturalisiert worden sind, wird mit einer halben Mil- 1 i o"n angegeben. Fremde Juden befinden sich in Rumänien etwa in der Zahl von 50.000. Der 'jüdischen Delegation, die, wie bereits mitgeteilt, beim Ministerpräsidenten Goga vorstellig war,-wurden b e r u h i g e n-cLe- Versicherungen abgegeben. Südafrika. Das jüdische Leben in Johannisburg, Johannisburg, 15. Dez. (Aus einem Briefe; an den Hilfsverein.) Im Besitze Ihres Briefes vom 5. er, will ichdiesen zwar gern sofort by air mail beantworten, muß aber leider gleich vorausschicken, daß ich Sie hinsichtlich Südafrika arg enttäuschen muß. Wir haben hier bis etwa Juni ds. Js. in fast allen Branchen eine gute Zeit gehabt, sind aber seitdem in einer Depression, wie sie nur hier möglich ist. Es wird in Europa leicht vergessen, daß die Union nur etwa 2 Millionen weiße Einwohner hat, von denen mindestens 40 Proz., die sog. poor whites, als kaufkräftiges Publikum ausscheiden. In der Möbelb r a n c h e ist die ganze Fabrikation auf zwei Städte beschränkt, Johannisburg und Cape-Town. In den anderen größeren Städten z. B. Kimberley ist nicht ein einziger Tischler, in Port Elizabeth sind etwa drei, in East London zwei, in Nurbaun drei größere Tischlereien, die wir in Deutschland aber kaum als mittelgroß bezeichnen würden. Dementsprechend ist natürlich die Absatzmöglichkeit. Ich habe Glück gehabt, daß ich als einer der ersten mit einem Artikel kam, den ich billiger anbieten konnte, als er vor mir importiert wurde. Im südafrikanischen Handbuch sind an 200 Tischlereien angegeben, nur leider ohne den Vermerk, daß 90 Proz. davon billigste Möbel aus Massiv-Teakholz oder einem ähnlichen Material anfertigen. Also unsere Branche scheidet m. E. für Ihren Fall hier vollkommen aus. Ob er sich dagegen vielleicht mit einem kleinen Handel in Polstermaterial, das ihm ja wohl auch bekannt ist, durchschlagen könnte, wäre immerhin möglieh. Die nächste Unmöglichkeit liegt in der Einwanderung. Seit dem 1. Oktober v. Js., zu welchem Termin viele Juden noch gerade im letzten Moment mit der „Stuttgart" herauskamen, ist die Einwanderung mit Ausnahm« von Holländern (selbst Engländer kommen nicht herein!) zu 98 Proz. gesperrt. Es ist eben bereits durch' die ca. 5000 Juden aus Deutschland alles übersetzt, eihö'kleine Möglichkeit haberi Handwerker. Vor dem 1. November 1936 war es noch möglich; für Einwanderer Garantien zu übernehmen oder Anstellungsverträge zu bekommen, wie ich es für mehrere besorgt habe. Aber jetzt .ist auch damit restlos Schluß. Es ist möglich, daß nach, den Wahlen im Juni 1938 allmählich die Einwanderungsbestimmüngen etwas gelockert werden, aber zür Zeit sehe ich keine Möglichkeit hierfür. Mehrere meiner hiesigen Bekannten haben verschiedentlich versucht, Geschwister hereinzubekommen' und es ist nicht einem gelungen. Sämtliche Anträge wurden ohne Begründung abgelehnt, es ist leider kein Zweifel, daß die wachsende antisemitische Propaganda' hierbei eine große Rolle spielt. Frauen, die zu schneidern verstehen, schlagen sich hier noch am leichtesten durch, d. h. die Arbeit ist schwer, aber wenn sie wirklich zuschneiden und alles verstehen, können sie bei Privatarbeit auf 12 bis 15 Lst, pro Monat kommen. Es werden auch Frauen im Haushalt, z. B. for Boardinghousse gesucht, aber Männer, besonders Kaufleute unterzubringen, ist eine so große Glückssache, daß man damit nicht rechnen kann. Es gibt eine sehr kleine Anzahl jüdischer Emigranten, die sich bisher ganz gut durchgeschlagen haben, die Mehrzahl hat sehr zu kämpfen, und ichkenne viele, die zufrieden sind, 10—15 Lst. im Monat zu verdienen, während auch bei bescheidenen Ansprüchen pro Kopf ohne Arzt und ähnliche Fälle monatlich etwa 12 Lst. zum Leben gebraucht werden. Aber alle Ratschläge, was jemand hier anfangen soll, werden eben illusorisch dadurch, daß keiner mehr die Daueraufenthaltserlaubnis bekommt, Personalien. Otto Warburg Berlin, 12. Jan. Am Montag verstarb in Berlin im Alter von 79 Jahren Professor Otto W a r b u r g. Warburg hatte als Gelehrter, besonders auf dem Gebiete von Zoologie und Botanik, einen Weltruf. Wärburg war, wie alle Mitglieder seiner Familie, ein tätiger Menschenfreund und von großer Zionsliebe beseelt, die ihn in die Reihe der Zionistischen "Organisation führte. Er gehörte noch, als Fachmann auf dem Gebiete der kolonialen Pflanzenzucht, zu den Mitarbeitern Herzls. Vorübergehend war er auch Vorsitzender der Zionistischen Exekutive. Später wurde er Leiter des Botanischen Institutes der Jerusalemer Universität. Immer hatte er neue schöpferische Gedanken zur Hebung der Pflanzenkultur in Palästina. 1892 wurde er Professor an der Berliner Universität und erwarb sich während dieser seiner Wirksamkeit mit einigen grundlegenden Schriften über die Pflanzenwelt einen großen Ruf. Köln^lO; Jan, Die Synagogeftgemeinde Adaß Jcschurun hat schon wieder einen großen Verlust zu beklagen. Eines ihrer treuesten Mitglieder, Viktor5 Weil, ist im 65. Lebensjahre dahingegangen. Er stammte a^s^de^ frommen bayerischen Kehilloh Hürben-Krumbacn, an der jahrzehntelang Rabbi Chaim Schwarz so segensreich gewirkt hat. In jungen Jahren kam Herr Weil nach Köln. Die" im Elternhause eingesogenen jjLehren verwirklichte er hier im Kreise seiner ihm ans Herz gewachsenen Gemeinde in schönster Weise. Für das, was er als wahr und recht erkannt hatte, setzte er sich bis zum äußersten ein. Viele Jahre, bis zu seinem Tode, gehörte er dem Repräsentanten-Kollegium der Adaß Jeschurun und dem Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands an, woselbst er seine Ideale mit wahrem Feuereifer verfocht, Das "wn m^m, das er im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin übte, war vorbildlich. Dem Hause Abrahams gleich war sein Haus in gastfreundlicher Weise jedem zugänglich. Das Lebensbild Viktor Weils wird aber erst dann vollkommen gezeichnet, wenn man die aufopfernde Hingabe erwähnt, mit der er die Interessen der von Rabbi Wolf ^"st gegründeten nnn TiaVn man wahrnahm. -Wenn die Talmud Tauroh nach wie vor in der Lage ist, täglich ca. 100 Kindern Unterricht zu erteilen und allabendlich Schiurim für Erwachsene abzuhalten, so ist dies zum größten Teile das Verdienst Weils. In uneigennützigster Weise unterzog er sich, noch in den letzten Wochen körperlicher Schwäche, neben seinem nicht leichten Berufe der großen, schier unsagbaren Mühe, die Mittel für iisain min aufzubringen, und er selbst saß nach des Tages. Mühen, wenn es nur seine Zeit erlaubte, zu den Füßen seiner Lehrer, um immer mehr sich in den Geist unserer heiligen Tauroh zu vertiefen. t=Pö& Hm» war eine seiner vorzüglichsten Eigenschaften und;ihr entsprang sein edles Tun und Lassen. Seinem 'be-' scheidenen Wesen entsprechend hatte er sich jeden nson am Grabe verbeten, und diese wenigen Zeilen können nur einen kleinen Einblick gewähren in das nunmehr abgeschlossene Leben . eines aufrichtigen 13?, der nunmehr •,des D'p'ixV jissn "isb? gewiß ist. Trauernd steht die ganze Gemeinde und die rnati min rmbn da, die beide einen ihrer; ehrijcti^eix Annehmer verloren haben. n t*ik rraxart. 'f