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Der Israelit · 1938-01-06 · Heft 1 (6.1.1938) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 1 (6.1.1938)
Date
1938-01-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 Der Israelit 6. Januar 1938 Zwei neue Todesurteile in Palästina. Jerusalem, 3. Jan. Im Zusammenhang mit den Kämpfen in Galiläa "Während der Weihnachtstage sind, nach „Europapreß", wieder zwei Araber vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Trotz dieser Urteile werden neue Sabotageakte gemeldet. So wurden in der Nähe von Jerusalem von einer Bahnstrecke Gleisteile entfernt, kurz bevor ein mit englischen Truppen besetzter Zug fällig war. Es gelang jedoch im letzten Augenblick, den Zug zum Stehen zu bringen, Kleine Berichte aus Palästina, Jerusalem, 2. Jan. Dieser Tage kehrte nach längerer Abwesenheit der bekannte Advokat Dr. B u x b a u m nach Jerusalem und zu seiner Tätigkeit zurück. Dr. Buxbaum war im August v. J. zur Kenessio Gedaulo nach Marienbad gefahren und kam durch Zusammenwirken widriger Verhältnisse auf seiner Rückreise in Wien infolge falschen Verdachtes in Haft, Es ist aber gelungen, seine Unschuld zu beweisen, und das gesetzestreue Jerusalem ist froh, seinen beliebten Anwalt in seinen Mauern wieder begrüßen zu können. Ungeachtet der schweren Krisis in Palästina, von der relativ vielleicht Tel Awiw am meisten betroffen wird, ist es mit vereinten Kräften gelungen, in Te! Awiw eine Beth Jakob-Lehrerinnen-Schule zu eröffnen, an deren Spitze Direktor Meier Tschereinski steht. Ebenfalls auf Initiative des Herrn Tschereinsks wurde in Tel Awiw ein Beth Jakob-Verlag gegründet mit dem Zwecke, Schulliteratur für die Beth Jakob-Schulen, Chedarim und Talmud Thora- Schulen herauszugeben. In Tel Awiw stellte sich heraus, daß in Fleischgeschäften der Khilla lange Zeit unrit'uelles Fleisch verkauft worden war. Die Aufregung ist jetzt um so größer, als sich zeigt, daß zwei Gemeinderäte der Tel Awiwer Khilla mitverantwortlich für diesen unerhörten Skandal sind. Der Bericht der für diesen Zweck eingesetzten Untersuchungskommission machte einen niederschmetternden Eindruck auf die Oeffentlichkeit. » Die Jeschiwa „Sfath Emeth" in Jerusalem, eine Gründung des Gerer Rebben, erhielt von einem Philantropen, Herrn Ch, Frankel, ein Haus als Geschenk. Die Jeschiwa hat ihr neues Heim bereits "bezogen. Die Orangenernte in Gederah, (Aus einem Privatbriefe.) Heute will ich Euch einen genauen Bericht der Orangenernte geben mit allen Fachausdrücken vom Pflücken bis zum Verschicken. I. Bevor man in den Pardesz geht, muß man sich die Nägel ganz kurz abschneiden. Hat man dies vergessen, so kann es passieren, daß man wieder nach Hause geschickt wird. Kommt man nämlich mit dem Nagel an die Orange und macht einen kleinen Riß, dann entsteht an dieser Stelle nach einigen Tagen ein schwarzer Fleck und die Orange ist zum Versand ins Ausland ungeeignet, da sie unterwegs fault und die anderen Orangen ansteckt. Zum Orangenschneiden nimmt man eine kleine „Zangenschere" (genannt nsopa Maktefä^i). Das Wort kommt von «lttip» (Orangenpflücken. davon f^op Katif Orangenernte). Die Schere hat Griffe wie eine Zange und vorne ganz breite flache Scherenblätter, ich kann sie nicht näher beschreiben. Die Bäume sind ganz gleichmäßig gepflanzt, jeder nimmt sich eine Reihe und beginni. Man hat einen Kasten vor sich, in den man hineinschneidet. Man darf, streng genommen, keine Orange hineinwerfen oder fallen lassen, sondern muß sie geräuschlos hineinlegen, da sie sonst leicht aufschlagen z und dann schlecht werden. Natürlich kommt es doch vor, daß manchmal eine runterfällt, besonders anfangs, wenn man noch ungeübt ist, aber später klappt es besser. Bei Grapefruit (nv^WK Eschkolioth) nimmt man höchstens zwei in die Hand, bei Orangen kann man drei oder vier auf einmal pflücken. Man schneidet die Früchte erst mit einem längeren Stil vom Baum, um sie nicht zu verletzen, nachher schneidet man den Stil so weit ab, daß er nicht aus der Höhlung herausschaut, in der er liegt. Ist keine Höhlung da, dann schneidet man ihn ganz kurz, jedoch ohne die Frucht zu verletzen. Ist eine Kiste voll, nimmt man die nächste. Die vollen Kisten werden am Schluß aus den Baumreihen heraus an eine Stelle getragen, und dort werden sie ins Packhaus gefahren. Zur Zeit müssen die Früchte noch ausgesucht werden, d. h. die Orangen sind jetzt noch grün, haben nur gelbe Flecken. Die ganz gelben nimmt man nicht, da sie krank sind, auch die ganz grünen nicht. | Nur die hellgrünen mit gelben Flecken schneidet man. Aber es ist auch bei diesen zu beobachten, ob die gelben Flecken Zeichen der Reife, oder ob es Sonj nenflecken sind. Im letzteren Falle ist die Frucht zum Versand auch unbrauchbar. Diese Unterschiedsmerkmale kann man sich aber leicht aneignen. Später kann man alles schneiden. Man kann keinesfalls vor 8 Uhr schneiden, oft aber nur von 11—4.30 Uhr. Wenn nämlich Tau gefallen ist, muß man warten, bis Sonne und Wind ihn wieder getrocknet haben, da Tau und auch Regen der Frucht schaden, wenn man sie schneidet. Wenn es während des Schneidens zu regnen beginnt, muß man unterbrechen. Die besten Orangen sind die kleinen mit dünnen Schalen, nicht die großen, dicken, wie man oft meint. Dies teile ich Euch mit, damit Ihr Euch beim Einkauf danach richtet. Man kann je nach der Größe 5—12 Kisten in der Stunde schneiden. In die Versandkisten gehen mehr, weil sie dort genau gelegt werden. II. Im Packhaus: Die Früchte werden im Packhaus auf geflochtenen Faserteppichen aufbewahrt, damit man die Flecken später sehen kann. Die Arbeit im Packhaus geht am laufenden Band und muß gelernt sein, da sie große Handfertigkeit erfordert. Am Beginn des laufenden Bandes sitzen Arbeiter oder -innen, die die Früchte aus den Sammelkisten oder aus dem Haufen untersuchen, ob sie überhaupt zum Versand geeignet sind, Sie drehen jede einzelne Frucht mit großer Schnelligkeit in der Hand herum und schieben sie weiter. Früchte, die zum Versand nicht geeignet sind, sondern hier verbraucht werden, heißen „Brara", wahrscheinlich von ttd auslesen. Die nächsten Arbeiter sortieren die. Früchte nach der Größe in einzelne Haufen, wobei es 1., 2,, 3. Sorte gibt. Auch diese Arbeit geht sehr schnell; man muß das im Gefühl haben. Dann werden die Früchte verpackt. Jeder hat einen Pack Papier vor sich, auf dem schon aufgedruckt ist: Jaffa-Orange usw. Er rollt die Orange hinein und dreht an beiden Enden zu. Ich habe einen Arbeiter gesehen, der das so schnell gemacht hat, daß man kaum mit den Augen folgen konnte. Die Spesen des Besitzers müssen möglichst verkleinert werden, dadurch muß es so schnell gehen. Dann ist ein „Fachmann" da, der sie ebenso schnell in die Kisten ordnet. Es gibt Kisten zu 96 und 112 Stück bei Grapefruit, zu 150, 180, 210 und 240 Stück bei Orangen. Er muß wissen, mit welchen Früchten er diese, mit welchen er jene Anzahl verpacken kann. Jede Kiste hat eine Zwischenwand undin jede Hälfte legt er gleich viel genau nach einem System geordnet. Sollen z. B. 150 in eine Kiste, dann kommen in jede Hälfte 75. In jedem Teil sind dann fünf Schichten zu je 15 Orangen untergebracht. Das ist u. a. auch wichtig für den, der die Kiste zumacht, damit er an der Schichtung sieht, wieviel drin sind. Er macht einen Stempel darauf mit der Zahl der Früchte. Der Kistenmacher hat den verantwortlichsten Po5ten, Er macht erst die Kisten aus Brettern zusammen, wobei kein Nagel nach innen herausstehen darf. Um die Kisten werden Streifen aus Baumrinden gemacht, damit die Kiste nicht direkt auf dem Boden sitzt. Einer trägt aber die Kisten aus dem Packhaus in den Vorraum, dort werden sie vernagelt, was selbstverständlich auch sehr schnell gehen muß. Der Packer macht das automatisch nach einem System wie eine Maschine. Das Schwierigste ist dabei, daß er treffsicher sein muß und keinen Nagel daneben schlagen darf. Hat er z. B. in die Mittelwand der Kiste einen Nagel falsch geschlagen, so muß er ihn herausziehen und daran riechen, ob er eine Frucht getroffen hat. Ist das der Fall, dann muß die Kiste Umgepackt werden, da diese getroffene Frucht fault und andere wiederum ansteckt. Der „Nagler" ist nämlich der Versandgesellschaft in Tel Awiw gegenüber verantwortlich, die Stichproben machen kann. Die Versandgesellschaften wiederum (sie verkaufen meistens nach England) müssen auf gute Verpackung sehen, da die Preise auch u. a. nach der Verpackung gehen. Ich hoffe, Euch ausführlich genug berichtet zu haben, vielleicht schmecken Euch die Orangen jetzt noch besser —. In den Orangenplantagen ist die Arbeit in vollem Gange Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Dife> Sitzung des Waad Hapoel der Agudas Jisroel. Am Mittwoch, den 12. Januar, tritt, wie schon berichtet, die Exekutive der Agudas Jisroel \tnter Vorsitz des Präsidenten der Weltorganisation, iJacob Rosenheim, in Wien zu einer Beratung^zusammen. Wie bis jetzt feststeht, werden an der Beratung u. a. teilnehmen; Rabb, M, Blau und Dr. Isaac Bveuer von Erez Israel, Senator Trockenheim aus War-schau und Advokat Wittenberg aus Riga. Seit längerer Zeit führt die Exekutive der Agudas Jisroel Verhandlungen mit dem Präsidenten der Ica zum Zwecke der Gründung orthodoxer Kolonien in Südamerika, vorweg Brasilien und Argentinien, wo die Ica noch große brachliegende Ländereien besitzt. Man darf hoffen, daß die Verhandlungen bald zu einem günstigen Abschluß führen. Vom Keren Hatorah in England. Der Keren Hatorah in England entfaltet eine umfangreiche Tätigkeit. Demnächst werden in den größeren englischen Städten wie Manchester, Leeds usw. Abteilungen des Keren Hatorah ms Leben gerufen. Ueberall stellen sich die Rabbinen willig in den Dienst der guten Sache. (JPB.) Das geistige und Agudaleben steht nicht still. Allen politischen Sorgen zum Trotze geht das jüdische Leben in Neurumänien weiter. Für den 22. Januar ist in W i s c h n i t z eine Konferenz des Keren Hatorah einberufen. Geplant ist die baldige Eröffnung eines Erzieherseminare s, das unter Aufsicht des Wischnitzer Rebben stehen wird. Briefkasten. M. O, Das 13131 cip nach demä „stillen Achtzehngebet" gehören zum G'ttesdienst. Es darf also nicht sein.

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