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Der Israelit · 1938-01-06 · Heft 1 (6.1.1938) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 1 (6.1.1938)
Date
1938-01-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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6v<tfänuar 1938 De r Israelit Nr. 1 Seite 7 »aöht,: daß Maßregeln gegen die jüdische Minderheit ihi den Ländern, wo die Juden als anerkannte Minderheit gelten, eine offene Verletzung der Minderheitsbestimmungen der Verträge von 1919 darstellen. Es verlautet,, daß die französische Regierung in der Angelegenheit eine energische Stellung einnehmen werde, falls sie in der Sitzung des Völkerbuadrates vom 17. Januar zur Sprache gebracht werden wird. Rumänien. Der neue Kurs in Rumänien. Bukarest, 31. Dez. Iii einem Interview, das der neue Premier dem Korrespondenten des Londoner „Evening Standard' gewährt hat, äußerte er sich dahin, daß für ihn das Schlagwort maßgebend sei: Rumänien für die Rumänen. „Wir sind," so sagte er, „ganz und gar keine Antisemiten aus Prinzip; Wir haben keinerlei Haß gegen die Juden, aber wir sind entschlossen, Industrie, Handel und die gewerblichen Berufe von dem fremden Monopol zu befreien, das unsere eigenen Stammesgenossen an die Wand drückt. Ausländische Juden kontrollieren heute fast alle Grund^ industrien — Eisen, Kohlen und Oel z. B. — und sie überfluten die Gewerbe in ganz Rumänien. Das Gerücht, daß alle jüdischen Beamten entlassen werden sollten, kann ich dementieren — weil keine jüdischen Beamten in , Rumänien existieren." Das Bukarester nationalistische Blatt „Curentul" kündigt folgende Maßregeln an: 1. Enteignung alles Grundbesitzes, der Juden gehört, 2. Annullierung aller in jüdischen Händen befindlichen Lizenzen für den Verkauf von Wein, Spirituosen, Tabak, Zigaretten und Salz. 3. Verbot für Juden, sich als Kaufleute in Dörfern niederzulassen. Man erfährt, daß die Naturalisation seit 1922 revidiert werden und viele Einwanderer jüdischen Ursprungs ausgewiesen werden sollen. Ein Gesetzentwurf, der die Verhältnisse im Zeitungsgewerbe regeln soll, ist in Vorbereitung. Angeblich will das Gesetz Juden die Mitarbeiterschaft , an der rumänischen Presse verbieten. Weitere Maßnahmen in Rumänien. Bukarest, 4. Jan. Das Regierungsblatt ,,Tzara Noastra" veröffentlicht den Wortlaut einer Verfügung des, Arbeitsministeriums, durch die jedem Juden untersagt;wird, eine christliche Bedienstete am,-, Ai t e r unter vierzig Jahren zu verpflichten oder in Dienst zu halten. Die Arbeitsämter sind angewiesen, jede Anstellung dieser Art zu verweigern. Die Verfügung wird mit den zahlreichen Fällen begründet, in denen Juden rumänische Jugendliehe 'ZU^unlauteren Zwecken als Dienstmädchen angeworben hätten. Außerdem hat die Regierung für das am stärksten von Juden besiedelte Gebiet des Komitats Mar'marosz und für die gesamte Bukowina einen'R eg i er u n g s k o m m i s s a r mit besonderen' Vollmachten'1 zur Aufrechterhältung der Ruhe und Ordnung ernannt. Es ist dies der Antisemitenführer und gegenwärtige Präfekt des Czernowitzer Komitats,1 Nikifor Robu. Eine der ersten Maßnahmen des'Regierungskommissars war das Verbot von Zeitungen und Zeitschriften in dem genannten Gebiet mit jüdischen Verlegern und Redakteuren, darunter auch der vier in deutscher Sprache gedruckten Blätter „Czernowitzer Tagblatt", „Czernowitzer Allgemeine Zeitung", „Morgenblatt" und „Ostjüdische Zeitung". Aus der Rundfunkrede des rumänischen Ministerpräsidenten. B u k a r e s t , 3. Jan. Aus einer Rede, die der Ministerpräsident G o g a am Freitagabend im Rundfunk hielt und in der er das Natiönalprogramm der neuen Regierungentwikkelte, erwähnte er auch die Maßnahmen gegen die Juden. Neben dem Verbote der jüdischen Zeitungen und der Aufhebung der Freifahrtausweise für die jüdischen Journalisten kündigte Goga an, daß die Schanklizenzen in den Dörfern den Juden entzogen und rumänischen Kriegsinvaliden zugeteilt werden sollen. Alle Einbürgerungen von Juden während der Nachkriegszeit werden überprüft werden. Alle öffentlichen Unternehmungen sollen romanisiert werden, Sodann entwickelte der Ministerpräsident das nationale Aufbauprogramm der Regierung. England. Arabische Sendungen des britischen Rundfunks. London, 4. Jan, Gestern wurde die erste Sendung des britischen Rundfunks in arabischer Sprache mit längeren Emfünrungsreden verbreitet. Dieser werden hiernach jeden Abend um 18 Uhr 15 Minuten lange Rundfunksendungen folgen. Die „Times" beteuert in ihrem Leitartikel, daß Großbritannien nicht die Absicht habe, Propaganda zu machen, sondern nur wahrheits getreue Nachrichten verbreiten wolle. Die Sendungen bezwecken nach der „Times" vor allem der arabischen Welt die Wahrheit über die Vorgänge in Palästina zu vermitteln. , Brasilien. Brasilien für die jüdische Einwanderung geschlossen. Paris, 1. Jan. Das Dezember-Bulletin der. Hicem erklärt, daß die neuesten Entwicklungen in Brasilien die jü dische Einwanderung in dieses Land für eine unbestimmte Periode unmöglich macht. Es ist sogar zu befürchten, daß eine Anzahl Juden, die in Brasilien schon angesiedelt sind, gezwungen sein werden, das Land zu verlassen, weil sie keine Erlaubnis erlangen können, ihren ständigen Wohnsitz dort beizubehalten. Schon ist ungefähr 200 jüdischen Einwanderern aus Deutschland von der Polizei in Sao Paulo und Rio de Janeiro mitgeteilt worden, daß sie das Land im Dezember zu verlassen haben würden. Die lokalen jüdischen Organisationen bemühen sich nach Kräften, um den Unglücklichen zu helfen. Mexiko, Fremdengegnerische Maßregeln auch in Mexiko. Mexiko City, 30. Dez. Die Regierungsblocks im Abgeordnetenhaus und im Senat haben eine Reihe von verhängnisvollen fremdenfeindlichen Maßregeln genehmigt, die sich zwar nicht gegen die Juden als solche richten, diese aber in erster Reihe treffen. Dazu gehört insbeson« dere eine Anordnung, daß Fremde während der ersten fünf Jahre ihres Aufenthaltes im Lande an speziellen Orten wohnen müssen, die ihnen von der Regierung angewiesen werden. Sämtliche Geschäftsunternehmungen müssen 90 Proz. geborene Mexikaner anstellen. Und auch naturalisierte Einwanderer, di? bisher den Eingeborenen gleich standen, fallen fortan unter die Quote der 16 Proz., die zur Anstellung gestattet sind. Naturalisation ist erst nach 10 Jahren Aufenthalt erlangbar. Der Präsident kann für alle industrielle und kommerzielle Unternehmungen eine Höchstzahl festsetzen, und die übrigen enteignen und in die Hände von Eingeborenen überführen. Fremde, die nicht innerhalb eines Jahres nach ihrer Ankunft mindestens 20.000 Pesos in Unternehmungen angelegt' haben, werden des Landes verwiesen und ihr Vermögen konfisziert zu Gunsten von Arbeiterkooperativen. Personalien. Prof. Dr. May Eisler |yj''Sf. Wien, 3. Jan. Der -Heimgang des Professors an der Wiener Universität, Dr. Max E i s 1 e r,, von dem wir bereits kurz mitgeteilt haben, bedeutet nicht nur einen großen, einen unersetzlichen Verlust für die Wiener jüdische Gemeinde und die Juden in Oesterreich, auch die Wetljudenheit, insbesondere die Weltorthodoxie, hat einen treuen, begeisterten Sohn verloren. Aus : einer alten mährischen Kehilloh stammend, aus Boskowitz, rollte in seinen Adern echt jüdisches Blut von alter Stärke und alter Reinheit. War auch in seinem Elternhause das Judentum verblaßt und nur mehr eine historische Angelegenheit, die evtl. noch an Feiertagen oder gelegentlich der Feierstunden des Lebens zu einer, wenn auch nür geringen Bedeutung, erhoben wurde, so flackerte in dem Heimgegangenen das alte Feuer wieder zu einer lodernden Flamme auf, die ihn selbst erwärmte, deren Schein ihn, verklärte, und deren Glut er auf seine ganze Umgebung übertrug. Der ,.Baal Teschuwo" Eisler war in einem Ausmaß und mit einer Strenge „medakdek bemizwaus", die für jeden, der dieses hislaawus sah, anfeuernd und vorbildlich wirkte. Das kleine Beshamidrasch in der Nachbarschaft seiner Wohnung war „seine Schul", sie galt ihm als schönstes Zimmer seiner Wohnung. In ihr fühlte er sich wohl und ganz frei. Hier konnte er sich mit der ihm eigenen großen Begeisterung ganz Seinem G'tte hingeben, mit Ihm Zwiesprache halten und in der Awaudo Befriedigung und Beruhigung finden. Er, der hochkultivierte Kunstgeschichtsforscher, der von der höchsten Zivilisation Europas, ja Westeuropas, erfüllt war, in diesem polnischen Beshamidrasch, in dem. die Ordnung des Westens fehlte, das kein Architekt eingerichtet und kein Maler ausgeschmückt hatte, i« d<*m keine geordneten Chöre unter Führung eines konservatorisch geschulten Kantors erschallten, hier fand er g'tterfüllte Menschen, lebendiges Judentum, Menschen, in denen die Tradition lebendig war, und in dieser Gesellschaft fühlte er sich zuhause, hier fühlte er den Thron von "v unter dessen Herrschaft er sich mit seltener Demut beugte. Hier zeigte sich in der Person des Niftar ein leuchtendes Beispiel der Richtigkeit des Prinzips von Taurp in Derech Erez, ein Beispiel, das um so auffälliger war, als in der Wiener Orthodoxie dieses Prinzip weder beliebt. ist, noch dessen Träger sich großen Ansehens erfreuen. Auch die Agudas Jisroel zählte ihn zu ihren treuen Mitgliedern. Immer stand er auch ihr zur Verfügung. Und so wie er überhaupt glaubte, daß seine Kräfte zu Zwecken des Gemillus Chessed mit dem größten Erfolge eingesetzt wurden, so widmete er sich auch besonders der von dem Wiener Aguda- Büro geleiteten „Rußlandhilfe". In Gemillus Chessed-Dingen kannte er keine Grenzen, hier erlebte seine ideale Lebensauffassung ihre höchsten Triumphe. Sein Vorzimmer glich dem Warteraum eines vielbeschäftigten Arztes. Es war gefüllt mit Menschen, hilfsbedürftigen Personen, die alle zu dem so lieben, treuen Professor kamen, der für jeden Zeit und ein gutes Wort hatte, und der für jeden einen geeigneten Weg wußte, auf dem er seinen Zpraus entgehen konnte. Es war klar, daß dem orthodoxen Universitätsprofessor, als der lebendigen Verkörperung des Tauro im Derech Erez-Prinzips von Seiten vieler Wiener Juden nur mit Mißtrauen begegnet und seine Jiroh nur mit einem Naserümpfen zur Kenntnis genommen wurde. Aber gerade die Art, wie Eisler solche Anfeindungen aufnahm, zeigte sein wahres, jüdisch erfülltes Gemüt, zeigt ihn als echten Zaddik. Noch am Tage vor seinem Tode hatte Schreiber dieser Zeilen eine Unterhaltung mit dem Heimgegangenen über dieses Thema. Und auf alle die Nadelstiche, die man ihm versetzte, und die Geringschätzung, mit der ihm ein, wenn auch nur kleiner Kreis entgegentrat, äußerte er nur, daß er trotz allem die ungarische Orthodoxie noch schätze und fest davon überzeugt sei, daß sie für die Erhaltung des echten Judentums im Golus von größter Bedeutung wäre und wohl so konstruiert sein müsse, wie sie sich eben darbiete. Gelegentlich der gleichen Unterhaltung erklärte er seine Bereitschaft zum Auftreten in mehreren Veranstaltungen zu Gunsten des Keren Hajischuw. Mit besonderer Freude nahm er diesen Antrag an, gerne wollte er dadurch der Oeffentlichkeit erneut zeigen, daß er voll und ganz zur Fahne der Aguda stehe, und ihre Erez Jisroel-Arbeit für ihn Herzenssache sei. Es ist nicht mehr zu diesen Veranstaltungen gekommen! "7 nahm diesen edlen Menschen, diesen heißen Jehudi, diesen treuen Sohn des jüdischen Volkes allzufrüh zu sich.' Seine Verdienste werden ihm beistehen! Möge er vor G'ttes Thron Fürsprecher sein für die vielen, vielen Armen und Hilfesuchenden, denen der väterliche Helfer und Freund genommen wurde!' M. C. Zwickau, 3. Jan. Herr David. Grosser, Zwickau, Nordstr. 15, feiert am 5. Januar seinen 7 5. G e - burtstag. Herr Grosser betätigt sich in .hervorragender Weise an allen religiösen und Wohlfahrts? einrichtungen der hiesigen Gemeinde seit Jahren. Ex ist u. a. Mitbegründer unserer Wohlfahrtsyereine. Wir wünschen dem Jubilar, der sich geistiger und körperlicher Frische erfreut, einen weiteren heiteren Lebensabend. srsnn» Vermischtes. Breslau, 2. Jan. Die Jungens der Mittlerenschalt des Breslauer Esras veranstalteten eine dreitägige Winterfahrt nach Trebnitz (Schlesien). Die Fahrt klappte bis ins Kleinste (sogar das Essen!) Die dortige Kehilloh zeigte in aller Hinsicht großes Entgegenkommen. Wir übernachteten in dem dortigen Schulraum. Da das Wetter schön war, boten sich gute Sportmöglichkeiten, die auch völlig ausgenutzt wurden. Außerdem wurde cue Sidra eingehend besprochen, Tenach gelernt und Arbeitsgemeinschaften abgehalten. Es herrschte sehr gute Stimmung, so daß das Lager zur völligen Zufriedenheit aller Teilnehmer zu Ende geführt werden konnte. Wochenkafender. Vom 8, - 15. Januar 1938fVom o — (3, Schcbat 569S ip Samstag r3,"1* 8 6 2b Sonntag 9, 7 & Montag! 10 8 ars t5» Dienstag Jan. 11 oaw 9 3 minn Mittwoch jl2 10 3 Donnerstag 13 'll 7 Freitag!14 12 n Samstag Iis 13 1 rbvs

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