Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 1 Der Israelit 6;. Januar 1938? jüdischen Staates (Jesaja 2, 2; 11, 10), der ja von vornherein nur errichtet \ werden kann als ein Staat des Rechts in des Wortes tiefster Bedeutung. (Jesaja 1, 27.) rnan BSffö2 ]VX« (Fortsetzung folgt. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Vom Hilfsverein der Juden in Deutschland. Berlin, 30. Dez. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland gibt folgendes bekannt: In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen Auswanderer dadurch schweren Schaden erleiden, daß sie es versäumt haben, sich rechtzeitig an sachkundiger Stelle zu informieren. Dies führt sehr leicht zur Außerachtlassung wichtiger gesetzlicher Formalitäten, die zur Erteilung eines Visums vom Einwanderungslande gefordert werden, und somit mindesten? zu Zeit- und Geldverlusten für den Auswanderungswilligen. Häufig werden aber auch bei der Einwanderung selbst in Unkenntnis der Zollvorschriften oder der wirtschaftlichen Verhältnisse im Einwande'rungslande Fehler begangen, die den Einwanderer außerordentlich teuer zu stehen kommen. Aus solchen Gründen liegt es im dringendsten Interesse des Auswanderers selbst, sich bei den zuständigen Beratungsstellen des Hilfsvereins sorgfältig vor seiner Ausreise zu erkundigen, und zwar gerade auch dann, wenn er eine finanzielle Hilfe nicht benötigt. Die Berater des Hilfsvereins verfügen über eine Fülle von Informationen, die für jeden Auswanderer von Wert sind. Fortbildung englischer Sprachlehrer. Berlin, 3. Jan. Die Schulabteilung der Reichsvertretung teilt mit: An vielen Orten bestehen englische Sprachkurse zur Vorbereitung Erwachsener und Jugendlicher für die Auswanderung. Da die Lehrkräfte dieser Kurse bisher im allgemeinen wenig Gelegenheit zur Fortbildung im Englischen hatten, sind von der Schul - abteilung der Reichsvertretung entsprechende Einrichtungen ins Leben gerufen worden. Alle Lehrkräfte, die im Rahmen solcher Kurse englischen Unterricht erteilen, werden daher gebeten, sich umgehend in Verbindung zu setzen mit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Schulabteilung, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158. Gesundheitsfürsorge. Berlin, 3. Jan Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit; Mit Wirkung ab 1. Januar 1938 hat die Reichsvertretung (Zentralwohlfahrtsstelle) eine neue einheitliche Regelung auf dem ^Gebiete der jüdischen Gesundheitsfürsorge geschaffen. Organ der Gesundheitsfürsorge in den verschiedenen Fürsorge - bezirken ist der. ehrenamtliche Bezirksarzt. Ihm obliegt die Aufsicht über die Anstalten, Schulen, Berufsausbildungsstätten, Kindergärten und Horte seines Bezirkes. Er tritt außerdem bei der Verteilung der Mittel für die Tuberkulose- und Heilkurenfäl'.< seines Bezirkes mit. Durch diese Regelung soll insbesondere die Gesundheitsfürsorge-Bescheinigung der in den letzten Jahren neu geschaffenen jüdischen Einrichtungen gewährleistet werden. Weitere Einzelheiten sind aus der nächsten Nummer der von der Reichsvertretung herausgegebenen „Informationsblätter" ersichtlich. Keine jüdischen Aerzte bei den Ersatzkassen. Berlin, 5, Jan. Wie offiziell mitgeteilt wird, hat der Verband der Angestelltenkrankenkassen (früher „Verband kaufmännischer Berufskrankenkassen"), :r dem 14 Ersatzkassen zusammengeschlossen sind. Murch eine Vereinbarung mit der „Kassenärztlichen?reinigung Deutschlands" alle im Sinne der Nürn- ' 1er Gesetze jüdischen Aerzte aus der Erassenpraxis ausgeschlossen, dung mit dem Preußischen Landesver band jüdischer Ge m e in den und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland veranstaltete Lehrerfortbildungstagung statt. Die Tagung, bei deren Vorbereitung die zuständigen Lehrervereine wertvolle Hilfe geleistet haben war von fast 100 Lehrern aus Breslau und aus den Provinzen Nieder- und Oberschlesien besucht. Die Tagung war so. angelegt, daß Arbeitsgemeinschaften über pädagogische Fragen und Musterlektionen mit anschließenden Besprechungen sich derart ergänzten, daß von beiden Seiten her, von Theorie und Praxis, die wichtigsten, zurzeit im Vordergrund stehenden Fragen des jüdischen Unterrichts beleuchtet wurden. In den Arbeitsgemeinschaften behandelte Mittel schulrektor Dr. Stern, Berlin „Ideen über den neuen Deutsch-Unterricht in der jüdischen Schule" Dr. Fritz Bamberger, der Leiter der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin, der zugleich auch im Auftrage des Preußischen Landesverbandes die Gesamtleitung der Tagung hatte, erarbeitete an ausge wählten Materialien des {jüdischen Schrifttums und der jüdischen Geschichte die „Möglichkeiten kulturgeschichtlicher Behandlung jüdischer Stoffe"; Seminardirektor J. S t o 11, Würzburg erörterte Probleme des Bibelunterrichts. Alle Arbeitsgemeinschaften regten durch interessante Fragestellung und die Wichtigkeit des Stoffes mit Eifer geführte und ergebnisreiche Diskussionen an. Wie bei früheren Tagungen, so zeigte sich auch diesmal, wie gut geschickt ausgewählte und vorgeführte Lektionen geeignet sind, von dem Einzelthema zu allgemeinen Einsichten zu kommen. Die Teilnehmer an der Tagung sahen Lektionen im Hebräischen, in der jüdischen Heimatkunde, im Deutschunterricht, im Rechnen, im Englischen und in Geschichte sowohl aus dem Arbeitsgebiet der Volksschule aus auch der höheren Schule. Aus Baden. Mannheim, 2. Jan. Durch Wegzug und Amtsniederlegung verschiedener Synagogenräte wurde eine Ersatzwahl notwendig, die auf Grund einer Einheitsliste vorgenommen wurde. Es wurden in den Synagogenrat gewählt: Prof. Dr. Billigheimer, Prof. Darmstädter, Dr. Eisenheimer, Alfred Sender und Bertold Strauß. Prof. Darmstädter^ ist Vorsitzender des „Vereins zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden". . In einer kurzen Abschiedsfeier für Herrn Kantor Epstein in der Synagoge am 'ii'i r~i3» ehrte Herr Rabbiner Dr. Lauer den scheidenden treuen Beamten mit dem "nn -Titel und dankte ihm in herzlichen Worten für alle Dienste, die er in 17 Jahren der Gemeinde geleistet hatte. Holland. Holländische Zionisten gegen die Teilung Palästinas. Amsterdam, 27. Dez. Die 38. Jahreskonferenz der Holländischen Zionistischen Organisation verwarf mit größer Mehrheit das vorliegende Projekt der Teilung Palästinas. Polen. Die Rektoren in Polen zur Frage der „Ghettobänke". Warschau, 27. Dez. Eine Konferenz aller Rektoren der polnischen Hochschulen findet hier am 15. Januar statt. Es wird berichtet, daß die Konferenz unter anderen Fragen auch die Stellung der Rektoren zu der Frage der Ghettobänke noch einmal beraten soll. Di Lehrerforbildungstagung. Breslau, 30. -eibt uns; us 21. Dezember fand in Breslau eine ' d der Synagogengemeinden Niederschlesien in Verbin- Brief aus Polen. 1 Ein Jubiläum des orthodoxen Zentralorgans in Polen, — Der Jüdische Kongreß und die Aguda. Warschau, 2. Jan. Das „Jüdische Togblatt" in Warschau kann nun auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Es ist die älteste tägliche Agudas Jisroel-Zeitung, die ein volles Jahrzehnt ununterbrochen auf hohem Niveau wertvolle Agudaarbeit geleistet hat. Die Verdienste des Blattes zur Verbreitung und Vertiefung de? Agudagedankens in Polen wie im gesamten Osten gehören bereits der Geschichte an. Wie bereits berichtet, findet demnächst ein soy, „Jüdischer Kongreß" in Polen statt, zu dem auch die Agudas Jisroel in Polen eingeladen wurde. Im Einvernehmen mit dem Rabbinisehen Rate der A. J. in Polen beteiligt sich die Agudas Jisroel am Kongresse nicht. Die Aguda hatte den Vorschlag gemacht, eine Konferenz aller Vorsteher der jüdischen Kehilloth wie die Ratmänner aller jüdischen Parteien und Richtungen einzuberufen, um eine ständige v e reinigte Repräsentanz zu bilden. Dieser Vorschlag wurde aber von dem Organisationskomitee des Jüdischen Kongresses abgelehnt. Die Agudas Jisroel bezweckte mit ihrem Vorschlag, einen Wahlkampf mit all seinen unerfreulichen Begleiterscheinungenzu vermeiden, aber gerade? auf diesen Kampf möchte die Leitung des . Jüdischen Kongresses nicht verzichten. Wie das „Jüdische Tpgblatt'^ meldet, haben:auch, die Vorsteher der kaufmännischen Organisationen beschlossen, sich am Jüdischen Kongresse nicht zu^ beteiligen. - ■ * * * Warschau, 31. Dez. Der Appellhof hat die Gefängnisstrafe gegen zwei. Nara-Terroristen, die in den Laden eines Juden in einem Dorf bei Warschau Bomben warfen, bestätigt. Litauen. Zur Lage in Litauen. Kbwno, 2. Jan. Die neue Verfassung für Litauen, die demnächst in Kraft treten soll, erweckt einige Besorgnis in jüdischen Kreisen. Der Innenminister empfing; aber dieser Tage eine jüdische Delegation und versicherte ihr, daß all diese Besorgnisse gegenstandslos seien, da die Regierung gar nicht daran denke, den politischen Kurs zu ändern. Was die Schechitafrage betrifft, sagte der Minister, so könne er den litauischen Juden nicht den Vorwurf ersparen, daß sie der emsigen Tätigkeit des Tierschutzvereins keine genügende Aufklärungsarbeit entgegengesetzt hätten. Diese Aeußerung des Ministers hatte nun zur Folge, daß sich innerhalb der Agudath Harabbanim eine spezielle Schechitakommission gebildet hat, die die Aufklärungsarbeit in die Hand nimmt. Aus der Keren Hajischuw-Zentrale in Jerusalem traf hier eine Delegation, bestehend aus den Herren Jakob Landau und Ch. N. Silberberg, ein. Die Delegierten, die auch Mitglieder der Zentralleitung der Poale Agudas Jisroel in Erez Israel sind, werden in Litauen und anderen Ländern des Ostens das Hilfswerk für die Ansiedlung von orthodoxen Poalim in Erez Israel organisieren. Zur Zeit -gastiert hier die „Habima", Zuerst von allen jüdischen Kreisen freundlich aufgenommen, hat sie nun doch allgemeinen Aerger und Aufregung dadurch erregt, daß sie beharrlich darauf besteht, auch am Freitagabend ihre Spiele zu veranstalten. Bis jetzt hat in der Muttergemeinde Israels Kowno noch kein Institut gewagt, öffentlich den Sabbat zu entweihen. Dem angesehenen jüdischen - Kunstinstitut aus Palästina war es nun vorbehalten, in diese feste Burg eine Bresche zu legen und damit vielleicht eine neue Aera in der litauischen Hauptstadt einzuleiten.-Man kann die Aufregung der orthodoxen Massen, die bis zum Boykott der Habima-Spiele führte, - wohl begreifen. -••)-• ..;__ Rußland. Neue Attacken gegen die Religion in Sowjetrußland.. n Riga, 31. Dez. . Nachrichten, die aus Sowjetrußland hierher kommen, Vbesagen, daß die „Jewsektia"'eine neue Offen- $äve .(gegen die jüdische Religion unternommen hat. Neuerdings erscheinen sogar in den 'allgemeinen russischen Zeitungen Brandartikel gegen den Sabbat und die Feiertage und besonders gegen xlie „reaktionären Rabbiner", die als Sfaatsgefahr geschildert' werden. Den Rabbinern wird vorgeworfen, daß sie das Gesetz übertreten, wonach die Schule von der Religion getrennt werden müsse. In der kommunistischen Zeitung „Oktober" in; Minsk erscheint eine Artikelserie unter der Ueberschrift „Die Rabbiner in der kontrarevolutionären Front". Die Zeitungen sind voller Karrikaturen, die die „klerikalen jüdischen ReSgionsbeamten" verspotten. Wie man hört, wird aber von der „Säuberüngsaktion" auch die Presse, der „Jewsektia" selbst nicht verschont. Inder Redaktion des Moskauer „Emmes" wurde eine Haussuchung abgehalten, weil das Blatt in den Verdacht zionistischer Neigungen geraten ist. Es wird behauptet, man habe in der Redaktion einen ,,Briefwechsel mit. Palästina" entdeckt. Italien. Oberrabbiner Prato beurlaubt. Rom, 2. Jan. Oberrabbiner Prof. David Prato hat sich auf eine längere Urlaubsreise nach Aegypten und Palästina begeben. Prof. Prato war wegen seiner zionistischen Anschauungen in der Presse stark angegriffen worden und auch der antizionistische Vorstand der üidischen Gemeinde in Rom übte scharfe Kritik an der Haltung des Oberrabbmers, . * Frankreich. Vom Jüdischen Weltkongreß, Paris, 31. Dez., Die Exekutive des.-.Jüdischen Weltkongresses hat die beteiligten Regierungen darauf aufmerksam ger.