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Der Israelit · 1937-12-30 · Heft 52 (30.12.1937) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 52 (30.12.1937)
Date
1937-12-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 75 deren Lieder noch jetzt die Herzen der Menschen erheben, (mj? »J3> tttJöV lim» 1'»)» Und nun, liebe Kinder, wenn ich einmal komme, um die Erlösung vorzubereiten, macht mir die Arbeit nicht zu schwerlich werde dann Auch dafür sorgen, liebe Mirjam, daß, wie nia^V an man sich noch erzählt vom Auszug aus Mizraim, auch der „Kleine Israelit" noch gelesen wird. Dem Herbert hätte ich eigentlich auch noch ein Wörtehen zu sagen. Vielleicht später einmal. -)Xp DTV7 und die Arbeit ist viel. Es ist eine harte und rauhe Zeit, und ich muß Freude in so viele Häuser bringen, wo es so öde und leer geworden ist, wo man nicht um Tote, sondern um Lebende trauert und weint. Auf dem Lande wird's immer ruhiger und stiller, weit und breit kein Minjan mehr am Schabbos. Das ist's auch, warum ich erst heute . zu euch komme, liebe Kinder. Ihr wißt, es war einmal für mich eine ergreifende Stunde, da auf dem Berge Karmel das Volk einmütig und begeistert ausrief: „Der Ewige ist der wahre G'tt". Ich hab's wiederum - erlebt. Weit, weit in ein fernes Land führte mich mein Weg; dorthin, wo noch kein Pflug und kein Spaten die Scholle umgeworfen. Jetzt beten dort so viele unserer Brüder und Schwestern heilige Gebete in heiliger Sprache. . mn dto mrw "?s d^wt Es war eine ergreifende Stunde wie einst auf dem Berge Karmel. Ringsum war's still, totenstill. Leise strich der Wind durch die Wipfel der mächtigen Eichen und Brotbäume. Im nahen Urwald verstummte -das Lied der Vögel und das Geheul und Brüllen der wilden Tiere. Andächtig und still lauschte alles, als auch hier in Ob 6m and Leere zum erstenmal zu G'tt / em$§$fcieg das ewig wahre Wort: Ihü 77 U'pVK >7] »ÖW \, .... EMKA. Das Schreiben der Thora. Von Lotte Singer. Wer schon einmal in eine Thorarolle hineinsehen oder gar darin lesen durfte, der weiß, daß eine Thorarolle geschrieben ist wie die andere. Nicht .jedermann kann Thorarollenschreiiber sein. Es gehört nicht ~ nur Kunstfertigkeit, sohderhr jauch diesKenntnis all der Vorschriften dazu, die beimV Schreiben einer Thorarolle beobachtet werden müssen. Diese Schriftregeln stammen aus dem Altertum. Wie man die Thora als das g'ttliche Gebet verehrt und hochgehalten hat, betrachtete man auch ihre äußere Form als etwas Verehrungswürdiges, Unveränderliches. Die Regeln, die bei der Anfertigung einer Thora-; rolle eingehalten werden müssen, werden überliefert und gelten auch heute noch wie religiöse Gebote; -;.; ) Wie groß eine Thorarolle sein muß, ist nicht vorgeschrieben. Auffallend ist aber, daß die Thorarollen des Mittelalters durchschnittlich viel größeres Format hatten als die des Altertums. Das läßt sich vielleicht daraus erklären, daß man im Mittelalter sehr bemüht war, Andersgläubigen einen Begriff von der ehrwürdigen Bedeutung dieses Buches zu geben, dies aber am leichtesten dadurch zu erreichen hoffte, daß man dem Buch eine imponierende äußere Form gab Jedes Blatt der Thora wird in sogenannte Kolumnen oder Säulen (höchstens acht auf jedem Blatt) eingeteilt. Die Kolumne darf nicht zu breit sein, damit man leicht von einer Zeile zur anderen übergehen kann, ohne eine Zeile doppelt zu lesen oder eine zu überspringen; sie darf auch nicht zu schmal sein, damit die Thora nicht wie eine Sammlung von Briefen aussieht. Die Kolumnen werden liniiert, aber die Linien werden nicht mit einem Stift gezogen, sondern nach alter Sitte mit einem Rohr eingedrückt, so daß die Linie sichtbar bleibt. Die Entfernung zwischen zwei Zeilen bleibt immer dieselbe, vor allem aber muß die Schrift immer gleich hoch sein, und wenn der Schreibersich in der Linienführung einmal geirrt hat, muß er doch die Buchstaben in der gewohnten Höhe malen. Die Schrifthöhe und der Zwischenraum zwischen zwei beschriebenen Zeilen sind gleich groß. Sind die Kolumnen liniiert, so beginnt der Thorarollenschreiber seine eigentliche Arbeit. Die Thorarolle, die für den G'ttesdienst bestimmt ist, mu3 wirklich geschrieben sein. Andere Herstellungsarten sind nicht erlaubt. Auch darf der Sofer — der Schreiber — nur mit der rechten, höchstens wenn er linkshändig ist, mit der linken Hand schreiben. Irgendwelche Kunststücke z. B. schreiben mit dem Mund, sind ihm verboten. Vor dem Sofer liegt ein Exemplar der Thora oder doch ein Buch, Tikkun genannt, mit dem Inhalt der Thora, das nur dem Sofer zum Abschreiben dient. Nur wer selbst die Thora lesen kann, darf sie auch schreiben. Wer nur mechanisch die einzelnen Buchstaben nachmalen könnte, ohne den Sinn seiner Arbeit zu verstehen, ist kein Sofer. Der Schreiber liest aus seiner Vorlage immer soviel Worte ab, als er sich auswendig merken kann. Ehe er schreibt, spricht er sich jedes einzelne Wort laut vor. Dann prüft er seine Feder, ob sie gerade recht mit Tinte gefüllt ist und erst jetzt schreibt er Wort für Wort oder besser Buchstabe für Buchstabe nieder. Kein Buchstabe ist nämlich mit dem andern verbunden, jeder muß für sich allein stehen. Heute ist auch die Form jedes einzelnen Buchstaben genau vorgeschrieben. Früher war das zwar nicht der Fall, aber man fand trotzdem nur wenig Unterschiede; denn jeder Schreiber war gewöhnt, sich streng an seine Vorlage zu halten. Hat sich trotz aller Vorsicht der Schrei-

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