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Der Israelit · 1937-12-30 · Heft 52 (30.12.1937) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 52 (30.12.1937)
Date
1937-12-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 52 Der I s r a e Li t ' aCL^Dez^ber lg37 EREZ IS RA E L Es gärt in Palästina weiter. Neue Todesopfer. Jerusalem, 26. Dez. Am 19. Dezember abends wurde in der Nähe des Jerusalemer Stadtviertels Beth Hakerem der 24jährige Werner L e ß, als er sich mit seinen Milchkannen auf seinem Fahrrad befand, von Mörderhand beschossen und getötet. Leß kam 1933 nach Palästina und arbeitete bis vor kurzem in En Charod. Das zweite Opfer ist der 27jährige Wächter in Kfar Chittin, Schlomo B e n n u n. Außerdem erlag der 29jährige Ahron Globerson seinen am 13. Dezember bei einem Ueberfall auf einen Autobus erlittenen Verletzungen. In Gaza wurde ein wegen Waffentragens zum Tode verurteilter Araber von General Wavell zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt. Andere Gefängnisstrafen gegen Araber wurden reduziert. An anderen Stellen fanden umfangreiche Verhaftungen statt. Viele Dörfer in der Gegend von Nablus wurden strafweise mit Polizeiposten belegt. Im Gefängnis zu Safed harren 23 jüdische und 13 syrische illegale Einwanderer ihrer Abschiebung. Bei der Beschießung eines Omnibusses, wurde einer der Passagiere, Josef Simon aus Jerusalem) 26 Jahre alt, ernstlich verwundet. Die Polizeistation von Hebron ist von Arabern beschossen worden. Größere Kollektivstrafen sind Hebron und dem Dorfe Tahyiba auferlegt worden. Ein Jerusalemer Nachrichtenbüro will aus verläßlicher Quelle erfahren haben, daß die neuerliche Zunahme des Terrorismus in Palästina einem Subsidium von Lst. 20.000 zuzuschreiben sei, das die Terroristen auf dem Wege durch Syrien erhalten hätten. Danach erhielten die Mitglieder der Terroristenbanden nur 3 Piaster Löhnung täglich. * * * Jerusalem, 27. Dez. Joseph Simon, der letzten Dienstag schwer verwundet wurde, ist heute gestorben; er war 28 Jahre alt. Das Todesurteil gegen die beiden Mörder von Mendel Mintz, der im Februar auf der Landstraße Natania—Tel Awiw getötet wurde, ist Yom Appellhof heute bestätigt worden. Weitere Ueberfälle, glücklicherweise ohne ernsteren Schaden, werden aus verschiedenen Landesteilen gemeldet. Bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und arabischen Banden wurden 11 Araber getötet, einer gefangen. * * * Jerusalem, 27. Dez. Zwei Angestellte der Chewra Kadischa, Jehuda M i n z und sein Sohn Elijahu, wurden heute auf dem Wege zum Beth hachajim angeschossen; der Sohn ist schwer verwundet. Zwei Araber wurden unter dem Verdacht der Tat verhaftet. Südlich Tiberias hat das Militär alle Landstraßen für den Verkehr abgesperrt. Aus vielen Orten werden kleinere Zwischenfälle gemeldet. Jerusalem, 22, Dez. Ein arabischer Polizist in Bethummer bei Hebron wurde von Terroristen an der Türe seines Hauses erschossen. Der Militärgerichtshof in Nablus verurteilte einen Araber wegen Waffenbesitzes zum Tode. Schwere Gefechte in Nordpalästina. Jerusalem, 28. Dez. In den Bergen von Galiläa, westlich von Tiberias, ist es zu schweren Gefechten zwischen englischen Truppen und arabischen Aufständischen gekommen, welche die Weihnachtstage über andauerten. Auf englischer Seite sind nach den letzten Meldungen über 2000 Mann eingesetzt worden. Auch Flugzeuge griffen in die Kämpfe ein. Die Araber ließen achtzehn Tote auf dem Kampfplatze. Ein englischer Offizier wurde getötet, fünf weitere Offiziere und Soldaten wurden schwer verwundet. Die Grenze zwischen Palästina und Syrien ist geschlossen worden, Die Straße von Nordpalästina nach Jaffa und Jerusalem und die Straße Tiberias— Haifa wurden militärisch gesperrt. Nach den letzten Meldungen sind die Aufständischen an den See Genezareth abgedrängt worden. Man hält _es für fraglich, ob ihnen ein Rückzug gelingen wird. Nach englischen Darstellungen sollen sie uniformiert gewesen sein. Chanukahfeier der Mädchenschule „Beth Sefer le Banoth". Rechovoth.10. Dez. Am Nachmittag des ersten Chanukahtages fand eine Feier der Mädchenschule „Beth Sefer le Banoth" statt. Sie wurde mit einer Ansprache des Schulleiters, Rabbiner Breslau er, eröffnet über „Die Beziehungen des „Chinnuch" zu „Chanukah". Darauf zündete eine Schülerin der zweiten Schulklasse die Chanukah-Lichte. Reichhaltige Deklamationen wurden mit großem Applaus aufgenommen. Naturgemäß waren sie durchweg in „Iwrith", aber auch „Englisch" fehlte nicht; ist doch Englisch für Erez Israel neben Iwrith und Arabisch die offizielle amtliche Sprache. — Besonders wirkungsvoll war ein „lebendes Bild" des bekannten Liedes „Alef-Beth". Auch eine Humoreske wurde von den Schülerinnen erfolgreich gespielt. — Zu erwähnen ist noch das hervorragende Schauturnen aller Klassen, das großen Beifall fand. — Alle Besucher der Veranstaltung von Jung und Alt waren sehr befriedigt, und insbesondere die Eltern der Schülerinnen. Sehr interessant war auch die Ausstellung der Zeichnungen aller Klassen, von der untersten bis zur obersten. Die Schule ist zu Beginn dieses Schuljahres gegründet worden. Ihre Aufgabe ist die Heranbildung der Zöglinge zu gebildeten, bewußten thoratreuen Jüdinnen. Aber die Verwirklichung der Aufgabe ist wesentlich durch finanzielle Schwierigkeiten erschwert, welche durch die allgemeine Lage überhaupt und die besondere in Erez Israel bedingt sind. Deshalb bittet das Kuratorium der Schule um freundliche tatkräftige Förderung und reichliche Spenden. Diese können gesandt resp. überwiesen werden an Rabbiner E. Breslauer, Rechovoth (Palästina). Auch freundliche Zuwendung von Unterrichtsmaterial (z. B. Wandkarten für Geographie, Biologie, Naturkunde überhaupt usw.) wird dankend entgegengenommen, desgl. auch Bücher (hebräisch), die für die Schülerbibliothek geeignet sind. Vermischtes. Synagogenjubiläum in Bad Kreuznach. Bad Kreuznach, 18. Dez Am Schabbos ""TVi nach Nacht, traf pünktlich im eleganten Reiseauto der Synagogenchor der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft zu einem Gastspiel hier ein. Die altehrwürdige zweihundertjährige Synagoge war von Einheimischen und Gästen aus der Umgegend dicht gefüllt. Mit dem Ma towu-Gesang überreichte uns der Chor zunächst seine Visitenkarte. Dann sprach Herr Rabbiner Dr. Jakobs kurze Begrüßungsworte an die Frankfurter Gäste und die erschienenen Zuhörer. Anlehnend an die heute verlesene Sidro gab der Herr Rabbiner Erklärungen hierzu so wieder, wie Herr Dr. Jakobs sie selbst teilweise von seinem verewigten Lehrer, Rabbiner Dr. Salomon Breuer V"»r, vernommen hat und ermahnte dabei die Anwesenden, trotz der schweren Zeit so wie Jaakow owinu, nie zu verzagen, auf G'ttes Beistand zu bauen, eine Religion der Tat zu leben ,um so Trost für die ferneren Zeiten zu finden. Nach einem weiteren Gesang machte der Dirigent, Herr Max N e u m a n n, in einem kurzen, klar gefaßten Referat die Hörer bekannt mit der Entwicklung der synagogalen Musik und Gesangesweisen. Als Chordirigent lieferte er den Beweis, wie Gesang und Religion, harmonisch vereint, den Menschen über sich selbst hinaus erheben kann. Es folgten dann die verschiedenen Gesangsvorträge und es ist erstaunlich, mit welcher Meisterschaft Herr Neumann seinen aus etwa 20 Herren und 30 Knaben bestehenden Chor leitet. Die Darbietungen werden mit größter rhythmischer Präzision, ausgezeichnet gegeneinander abgestimmter Tonstärke der einzelnen Stimmen und tiefstem Verständnis für die Eigenart der verschiedenen- Gesangsstücke gegeben. Ernste Chöre wechselten mit Solodarbietungen frohen Charakters ab, wobei die Solostimmen bald von Erwachsenen, bald von Knaben gesungen, vom Chor eine feinsinnige Untermalung erhielten. Es war ein auserlesener Abend für die Gemeinde und auch den Fernstehenden ging eine Ahnung auf von der Kraft und der Innigkeit unserer Gebete, und so wurde die Veranstaltung hier zu einer wertvollen jüdischen Bereicherung. Diesem Empfinden gab auch Herr Karl Hey mann als-Vorstand mit kurzen Dankesworten Ausdruck. Bei einem kleinen Imbiß blieb man* nachher im Gemeindehaus noch einige Zeit gemütlich zusammen, bis dann die älteren Mitglieder wegen der vorgerückten Zeit auf Heimfahrt drängten. Wir sagen auf diesem Wege nochmals Herrn Neumann und allen Chormitgliedern für das uns so wunderbar Gegebene unseren innigsten Dank. S—r. Geht für die Jüdische Winterhilfe. i o—^p^irö Altona, 28. Dez. Am Montag, den 20. Dezember, fand in den schönen Räumen der Klaus nach sechs Jahren wieder eine Chewra Kadischa-Szuda statt. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner E. D u k e s z , begrüßte 'die Versammlung und entbot dem Ehrenmitglied der Chewra, Herrn Oberrabbiner Dr. Weiß, den Willkommensgruß, Er verlas dann die in klassischem Hebräisch geschriebene Eintragung des Oberrabbiners in das Chewrabuch, wodurch er, gleich seinen großen Amtsvorgängerh, die Statuten der Chewra bestätigte. Ferner dankte er dem Gemeindevorstand, der stets die Rechte der Chewra Kadischa wahrte und auch jetzt bei der Vereinigung der Altonaer mit der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg der Selbständigkeit der Chewra, und ihren Minhagim volles Verständnis entgegenbrachte.- Es folgte dann nach altem Brauch die Aufnahme neuer Mitglieder, die sich durch namentliche Eintragung im Chewrabuch zur Innehaltung der Satzungen verpflichteten und durch Ueberreichung eines mit Wein gefüllten großen, von Wolff Wadburg im Jahre 1846 gestifteten, silbernen Pokals, an den Maggid der Chewra, die Pflichten eines Kabran anerkannten. Als erster erhob Herr Oberrabbiner Dr. Weiß den Pokal. Er knüpfte in geistreicher. Weise an den Ausspruch der Weisen an „Die Thora lehrte am Anfang und am Ende die Pflicht des G'millus Chasodim. So wie n"3pn das erste Menschenpaarftkleidete, sollen auch wir hilfreich zu unseren Mitmenschen sein und so wie der Allmächtige den großen Lehrer Mosche zur letzten Ruhe bettete, sollen auch wir dem verstorbenen Bruder den letzten Liebesdienst erweisen. Und aus dieser letzten Liebespflicht, der uns die Vergänglichkeit des Menschen vor Augen führt, soll uns neues Leben zur Pflichterfüllung erstehen." Für die Kohanim, die statutengemäß die Särge in einem Nebenraum der Synagoge anfertigen, sprachen die Herren Rabbiner Cohen und Gotthelf C a h n. Durch traditionelle Festgesänge erfreuten die Herren San.-Rat Dr. F r a n c k und die Kantoren Ziegel und Cohen die Mitglieder der Chewra. Im Namen des Gemeindevorstandes und in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Chewra Kadischa sprach Herr Paul Möller, der betonte, daß der Gemeindevorstand es als seine vornehmste Pflicht betrachtete, die Rechte der Chewra im Wandel der Zeiten zu beachten. Er verlas aus der anläßlich des 125jährigen Bestehens der Chewra verfaßten Festschrift des Herrn Rabbiner Dukesz, daß bereits im Jahre 1774 der Gemeindevorstand der Chewra das alleinige Recht der Bestattungen nach ihrem Statut übertragen wurde. Herr Max Lehmann dankte ganz besonders Herrn Oberrabbiner Dr. Weiß für seine eifrige Arbeit, die Selbständigkeit der Chewra weiterhin zu erhalten. Herr San.-Rat Dr. Franck gab dem Wunsche Ausdrück, daß das Leben in Altona bald wieder in altgewohnter Weise neu erblühen möge. Nach einem Schlußwort des Herrn Rabbiners Dukesz fand die schöne Feier mit dem Tischgebet ihren Abschluß.' E. D.

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