Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1937)
- Date
- 1937-12-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Dezembe*rä937- Der Israelit Nr. 52 Seite 7 zusammenzufassen, war die Gründung . destZ e ntr a 1-. ausschusses, der diesen Namen ^rägt, mit sein Werk. Ob die Öffentlichkeit zu ermessen vermag, was er1 hier geleistet hat und in täglicher unermüdlicher Arbeit leistet, die keine Schonung der eigenen Person : kennt? Aber wer mit ihm zusammenwirken durfte, der weiß von seiner Demut gegenüber dem g'ttlichen Walten und von seinem Willen, ein schweres~ Schicksal zu meistern." Ans der Repräsentantensitzung der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 26. Dez. In der letzten Sitzung der Repräs e n tanten- Versammlung imablaufenden.. bürgerlichen Jahre nahm die Beratung des E t a-t s , zu dem als Erster Direktor Hch. Stahl, der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, das Wort ergriff, den ersten Platz ein. Die Gemeinde zählt heute etwa 140.000 Mitglieder, die rund 40 Proz, der Juden in Deutschland ausmachen. Die Abwanderung ist durch die Binnen-, Wanderung teilweise ausgeglichen worden^ Im ablaufenden Jahre sind 423 Austritte aus der Gemeinde und dem Judentum erfolgt, 84 Personen haben ihren Wiedereintritt angemeldet, während die Rabbiner weitere 107 Personen ins Judentum wieder aufgenommen haben. Bei den Austritten handelt es sich. vorwiegend um Mischlinge. Von den Subventionen fielen itt diesem Jähf & 200.000 Mark auf private Synagogenvereine. Diese Subventionen werden zum Teile abgebaut werden müssen. An den hohen Feiertagen waren im ganzen annähernd 37.000 Besucher der G'ttesdienste zu verzeichnen. Redner geht auf die Schwierigkeiten der Koscherfleischversorgung ein und erwähnt den Beschluß des Gemeindevorstandes, trotz allen Schwierigkeiten die Ans t a 1 ten nach wie vor nach den Bestimmungen des Religionsgesetzes zu führen. Das Schulwesen der Jüdischen. Gemeinde — sowohl die; neueröffnete höhere Schule wie die Volksschulen — befindet sich im Aufblühen. Von anderen kulturellen Einrichtungen werden die Bibliotheken, (Jas Jüdische Lehrhaus und das Jüdische Museum erwähnt. Für soziale Arbeit wurden in diesem Jahre 400.000 Mark aufgebracht, für die Beratungsstellen 52000 Mark. In den Küchen des Wohlfahrtsamtes, werden täglich 1100 Portionen ausgegeben, dazu noch 700 Portionen täglich in den Vereinsküchen. 1254 Familien wurden mit Mietsbeiträgen unterstutzt.' In den 11 Monaten des ablaufenden Jahres sind 2064 Beerdigungen auf dem Friedhofe der Jüdischen Gemeinde erfolgt, 166 Ueberführungen nach dem Krematorium wurden ausgeführt. ' . . ■> . « ■ Das P a 1 ä s t i n a a m t hat ni diesem Jahre von der Gemeinde 30.000 Mark, der Hilfsverein dagegen 240.000 Mark erhalten, woraus sich das Absinken der Palästinawanderung zugunsten der Ueberseewanderung ergibt. Die „Blaue Karte" (Hilfe und- Aufbau) brachte mit ihren Sammlungen 160.000 Mk, das Aufbringungswerk 200;000 Mark ' ein.; Der Etat wurde von der Versammlung genehmigt Fünf- Jahre Hille und Autbau, Berlin., 28. Dez. Von cier Pressestelle der Reichsvertretung wird uns geschrieben; „In dem nunmehr beginnenden Kalenderjahr 1938 kann der Zentralausschuß für. Hilfe und Aufbau bei der -Reichsvertretung der Juden in Deutschland auf eine Tätigkeit von' fünf Jahren zurückblicken. In dieser Zeit hat er sich auf den fünf Hauptgebieten seines Wirkens: Wanderung — Berufsausbildung und -Umschichtung — Schulwesen — Wirtschaftshilfe — Wohlfahrtspflege zu der zentralen Planstelle entwickelt, die als öffentliche Hand aus der wirtschaftlichen und sozialen Hilfsarbeit für die Juden in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. .. : Der Auflösungsprozeß der Judenheit in Deutschland setzt sich fort. Etwa ein Drittel des früheren Bestandes der jüdischen Bevölkerung hat Deutschland bereits verlassen, viele stehen vor ihrer Auswanderung, viele weitere müssen folgen. Die Notwendigkef?*1" <fi'e^e'h Vorgang zielbewußt durch' zweckmäßige Berufsausbildung:' und -: durch geeignete -Wanderungsplanürig' in geoi-dhgte Bahnen zu; lenken und durch planmäßige Aufbajuarbeit* den Weg m die Zukunft zu ebnen,' besteht jweiter. gleichem Umfange verbleibt r dieffVerpfIichtungii der Not des 1 Tages zu . begegnen und für die Zurückbleibenden zu,sorgen.' So ist es nötig, daß die Juden" in Deutschland ihr großes konstruktives Werk ferner erhalteri und festigen. Mit1*'der gleichen^ Entschlossenheit lund in dem gleichen Selbstvertrauen^ mit dem alle helfenden und aufbauenden Kräfte in . den verflossenen^ Jahren das Werk geschaffen und getragen "haben, muß die Lösung der verbliebenen Aufgaben in Angriff genommen werden. Die Arbeit hierfür soll im Jahre 1938 unter der Parole „ Fünf Jahre Hilfe und Aufbau" fortgeführt werden. Diese Parole soll verpflichtend mahnen, die Energien wach zu halten, sich keiner unberechtigten Verzweiflungsstimmung hinzugeben und nicht über den persönlichen Sorgen die Sorge für das Schicksal der Gemeinschaft zu vergessen. , Erneut rufen wir die Juden in allen Gemeinden und in allen Gruppen auf, sich dessen bewußt zu bleiben, was diese ihre Gemeinschaft von ihnen fordern darf und weiter fordern muß. Was. uns „Hilfe und Aufbau" in fünf Jahren war, muß jüdisches Verantwortungsbewußtsein und jüdischer Opfersinn aufrecht erhalten und ausbauen." Abgeordnete. Vor zwei Jahren leistete man noch Widerstand, vor einem Jahre begann man zu; dulden und jetzt sind alle Angriffe auf Ehre und Interessen der Juden erlaubt. Der . Traum, schloß Minzberg, 3% Millionen Juden aus Polen zu entfernen, kann nicht verwirklicht werden. Wir werden fortfahren, unsre Rechte zu fordern, genau wie' die Polen, die in anderen Ländern leben, auf ihren Rechten bestehen." Der Minister erklärte, er werde nach den Ferien bei der Beratung des Budgets des Ministeriums des Innern das Problem der jüdischen Frage und das der Minoritäten überhaupt in größter Ausführlichkeit behandeln. Tagung der Betriebsleiter der landwirtschaftlichen Aüsbildungsstätten. B e r 1 i n , . 23. Dez. Am 5. Dezember fand auf Gut Winkel eine Tagung der Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten statt, die von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Berufsausbildung und Berufsumschichtung, veranlaßt worden war. Die Tagung, die von Dr. Lubinski geleitet wurde, begann, mit einem Referat von Drpl.-Landwirt Martin Gerson, dem Leiter von Gut Winkel, der die Fragen der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Ausbildung im Auftrage der Reichsvertretung bearbeitet. Dem Referat lagen ausführliche Lehrpläne für die praktische und theoretische Ausbildung in der Gärtnerei und der Landwirtschaft zugrunde, die 'Dipl.- Landwirt Gerson gemeinsam mit den auf diesem Gebiet erfahrenen Leitern von Ausbildungsbetrieben ausgearbeitet hatte. (Wie an anderer Stelle deutlich ausgesprochen wird, ist es Pflicht der Eltern, sich bei Anmeldung ihrer Kinder für eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte über den jüdischen Charakter des Lehrgutes zu erkundigen. 'D. Red.) Von der Iwria-Bank. B e r 1 i n , 27. Dez. In dem am 17. Dezember stattgefundenen Termin im Vergleichsverfahren der Iwria-Bank eGmbH. hat das Gericht den von der Iwria-Bank eGmbH. gemachten Vergleichs Vorschlag, die Gläubiger mit 35 Proz. zu befriedigen, bestätigt. Für die Auszahlung der vorgesehenen Quoten hat bekanntlich die Jüdische Gemeinde zu Berlin die selbstschuldnerische Bürgschaft übernommen. Die Annahme des Vergleichs durch die Gläubiger erfolgte mit überwiegender Mehrheit. Die Forderungen bis zu 250 RM. werden voll ausbezahlt. Oesterreich. Weihnachtsgeschäft und Boykott in Oesterreich. Wien, 23. Dez. In Wien sind in den letzten Tagen an verschiedenen Stellen der inneren Stadt und in den großen Geschäftsvierteln, des 6 .und 7. Bezirkes Schaufensterscheiben zahlreicher jüdischer Geschäfte durch Steinwürfe zertrümmert worden. In einzelnen Fällen wurden aus Autos Eisenstücke und Ziegelsteine* gegen die Fenster geschleudert. Außerdem wurden am „Goldenen Sonntag" in zwei jüdischen Warenhäusern Stinkbomben geworfen. Man bringt hier diese Vorgänge mit anderen Zwischenfällen der letzteren , Zeit in Zusammenhang. Bisher ist es der Polizei erst in zwei Fällen gelungen, die Täter festzustellen. In Graz hat ein Boykott jüdischer Geschäfte eingesetzt. In der Stadt werden Flugzettel verteilt, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, ihre Weihnachtseinkäufe nur nr arischen Geschäften vorzunehmen. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Wiener Aktion des Gewerbebundes unter der Leitung des Wiener Vizebürgermeisters Dr. Kresse hingewiesen, der Anfang Dezember unter dem Motto: „Christen, kauft nur bei Christen!" eine Ausstellung christlicher Kaufleute veranstaltet hatte. '-'! Polen. '• Eine Rede des Abg. 'Minzbergr im Sejm. v Warschau, 22. Dez. In der Budgetdebatte richtete'- d;er Abg.' Mi h z - .t>-erg einen' eindringlichen; "Appell! an: die Regierung, die antisemitischen;Verbrechen "nicht ünge-' straft zu lassen.;Mirizberg ' erinnerte' den 'Premierminister; an. die Rede, die* der "Ministe'r vor , zw:ei Jahren , hielt, und in der; "er die antisemitischen- Exzesse scharf verurteilte. , •: •' . ,;Was ist': geschehen, Um die Konsequenzen aus dieser (richtigen;Erkenntnisi. zu ziehen?" :,feigte> ..der Polnische Stimmen gegen die Ghettobänke. Warschau, 23. Dez. Vierundfünfzig Professoren der Universitäten Warschau, Wilna und Poznan veröffentlichten heute einen Protest gegen die Ghettobänke, die „ein schwerer Schlag gegen die polnische Kultur und eine große Gefahr für seine Zukunft seien." Im Sejm interpellierte Frau Pelezynska, Abgeordnete für Wilna, wegen der Verteilung antijüdischer Druckschriften durch Schulkinder. England. Palästina-Fragen im Unterhaus. London, 20. Dez. Im Unterhaus wurde erneut die antibritische'Propaganda in Palästina zur Sprache gebracht. Im wei« teren Verlauf der Debatte betritt Ormsby-Gore, irgendwelche Gesuche von arabischer oder jüdischer Seite und die Gestattung der Selbstbewaffnung erhalten zu haben. Soviel er wisse, werde die Erlaubnis zum Waffentragen in Palästina in allen geeignet erscheinenden Fällen erteilt. Weitere Fragen und Antworten bezogen sich auf die Eintreibung der auferlegten Kollektiv-Geldstrafen. M . Rußland. Jüdische Büchereien werden Staatseigentum. Moskau, 21. Dez. Die großen jüdischen und hebräischen Bibliotheken des ehemaligen Oberrabbiners von Moskau, Dr. M a z e , von 5000 Bänden, die Bibliothek des Barons G i n z b u r g von 20.000 Bänden und die Bibliothek des Lubawitzer Rebbe sind der neuen Lenin-Bibliothek in Moskau einverleibt worden. Die Bibliothek Mazes war von den Erben dem Staate geschenkt worden. Die beiden anderen Bibliotheken wurden beschlagnahmt. Rumänien. Die neue Regierung in Rumänien. Bukarest, 29. Dez. Nachdem sich nach dem Endergebnis der Wahlen gezeigt hatte, daß die liberale-. Regierung keine Mehrheit im Parlament haben könne, hat Tatarescu die Konsequenzen gezogen und ist mit seinem ganzen Kabinette zurückgetreten. Wie vorauszusehen war, übernimmt G o g a das Ministerpräsidium, während C u z a Außenminister wird. Die anderen Mitglieder des Kabinettes kommen..zum größten Teil aus der Christlich-nationalen Partei und zum kleineren aus der Partei den' Nationalzaranisten. Die von Goga zusammengestellte Regierung bezeichnet sich als „Christlich-national bäuerlich". Die Verteilung der Sitze in der neuen Rumänischen Kammer geschieht nach dem von jeder Partei errungenen Hundertsatz der Gesamtsummen; dabei bleiben Parteien, die weniger als 2 Proz. der abgegebenen Stimmen erhalten haben, unter ihnen auch die Jüdische Partei, ohne Mandat. Die Regierungsliste wird mitsamt den ihr angeschlossenen kleineren Parteien insgesamt 150 bis 154 Sitze, bei 387 Mandaten, einnehmen. Die Nationalzaranisten mit der Partei „Alles für das Land", die nun -zusammen auch die Regierung stellen, zu denen noch die Christlich-nationalen kommen, werden' im Ganzen etwa 190. Sitze haben. Die Buk'arester, Tageszeitung „Lupta" veröffent« -" lichte interessante Ziffern,; die das offizielle '■' statistische . Büro' der Regierung über 'die Zahlen der ..Minöritätsb'evölkerung in Rumänien' festgestellt hat. Hiernach bilden die Ungarn 7,9'Proz., die! Deutschen |j4,l Prozi; .die Juden. A Proz., die Ukrainer und Russen je 3,2 Proz. der. Gesamtbevölkerung von Rumänien. Die Einwänderungsziffe£n;zei^^ im Jahre ,$935 rund 4000 Ausländer in Rumänien einwanderten, während ,7500 Auslander ausgewandert sind. - " ' —-;; ' :' - 1