Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 51 (23.12.1937)
- Date
- 1937-12-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2451010--83437-2541437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10 4^ 51 Oer 1 s r a et i t 23. Pezfefribe^ 1937 Der Vorgang; wiederholte sich in ^kurzem Zeitraum mehrmals, jedesmal mit. verschärfter Strafe. Mählich bekam doch der gute Mann die Ueberzeugung, daß die Polizei ihn besonders im Auge habe. Einspruch konnte er dagegen ' nicht erheben, da er das Gesetz gegen sieh hatte. Er sah sieh in seiner Existenz bedroht, da^ die Gäste ja immer in fc später Abendstunde sein Etablissement aufsuchten. Freunde und Bekannte, mit denen er sich beriet,- wie er den Polizeikommissar Tidhar, den er nicht mit Unrecht für all das verantwortlieh machte freundlich stimmen könnte, sagten ihm, es gäbe nur einen, der Einfluß auf Tidhar hätte, nämlich Oberrabbiner Kuk. — Da blieb dem Restaurateur nichts anderes übrig, als Oberrabbiner Kuk, dessen Vorladungen er früher mißachtete, aufzusuchen und ihn um Fürsprache "bei der Polizei zu bitten. Der Rabbiner erfüllte seinen ■ Wunsch — aber erst nachdem der Mann unterschrieben und Garantien gestellt hätte, daß er von nun ab keine Trefaspeisen mehr in seinem Restaurant verabreichen wird. Die Polizei im Dienste des Sabbat. Im schweren Kampf lagen die Männer des Sabbat-Vereins nie.im?» in Jerusalem in der Hauptsache mit den Pris euren. Diese pflegten am v Freitag bis in die Nacht hinein zu arbeiten, und sie ließen sich durch alles Bitten und Protestieren nicht dazu bewegen, rechtzeitig ihre Läden zu schließen. Im Sabbat-Vereine befanden sich bedeutende Rabbinen und angesehene Männer aus dem alten Jischuw. An jedem Freitagabend wiederholte sich der gleiche Vorgang. Die ehrwürdigen Männer umstanden die Friseurläden, protestierten und demonstrierten. Die Friseure samt ihren Kunden gaben harte Worte zurück. Es kam auch' zu Schlägereien, und mehr als einmal wurden auch Rabbis als „Ruhestörer" auts Revier geführt und mußten den heiligen Freilagabend in Gewahrsam zubringen. ■ Manche Friseure hatten eine Hintertüre, durch die sie die Kunden herein und heraus ließen, während sie nach der Straße Türe und Läden schlössen. Man war bald dahinter gekommen und stellte die Posten auch dort hin. Es war ein unhaltbarer Zustand. Und das Gesetz? Das Gesetz verbietet jedem, sich, in Ariderer Ge schäfte einzumischen. Ein Sabb.atschutzgesßtz;.gab es damals noch nicht, so .d^aß denn?öligiS1;ßn ntfehbihrem Dienstreglement nichtsb anderes" -.übrig;;; blieb, r.als die Schreier und „Ruhestörer" '^:.,y.erhl^te»o rkSoÖie --ich und so]itearrmeines . jüdischen :f£amprad.en : fluchdie i H-a.ndj..däzü; bieten,: id^ß^J^ aus tiejfcmfüreligtöse^^ undß/ämoh^eiligen; Sa'bbat," ihrer Familie entzogen undf, in8^Gfefängafe>;gebractvt w^rdeS?.-^ n:-.^b';!:|?!-.-.-;-rr r:, ""BjfipäraT^^^ täten '^s plbstver sjänd^ lißfi :önney Hemmnngen'; zuweilen'lftfe£pJifift * lusr.unW.' Liefe -r!-'' fsr,;/;:" r:'' V-a-Wf- /n; abi .Sie kamen ins Handgemenge, und da-war* es Zeit für die von mir instruierten Polizisten, einzuschreiten und" beide Manner zunächst einmal in Gewahrsam zu bringen. Sie hatten dort zu verbleiben bis zur Ankunft des Polizeikommissars. Selbstverständlich ließ ich mir Zeit bis nach 10 Uhr. Es war die Stunde, da das Gericht auch eine Verfügung gegen den Mann erlassen hatte, so daß das Oberrabbinat sein Ziel erreichen und der armen Frau geholfen werden konnte. .. ' An der Westmauer. Unser besonderes Sorgenkind war; von jeher die Westmauer, an der Tausende und Abertausende, wie an der Himmelspforte, ihre Tränen, abladen. Eine Tränenmauer wurde der Platz auch in anderem Sinne, da sich halbwüchsige arabische: Jungen immer an den Zugängen zusammenrotteten und nach den Betenden Steine warfen, so daß ihrer mancher mit blutigem Kopf die Gebetsstelle verließ. Die .Po lizei war vollkommen machtlos,v da diese arabischen Jungen, behende wie sie sind, immer rechtzeitig zu verschwinden wußten. Insbesondere schwer gestaltete sich der Polizei dienst an hohen Festtagen. Das Steinbombardemeni traf Alte', und Junge und man hörte oft den Seufzer aus eigenem physischen Schmerze heraus *i' n '33» "ui nnbrwiV' Mit großer Mühe gelang es mir schließlich, einige] Steinwerfer habhaft zu werden. Es waren durchwegs Bewohner der anliegenden Häuser, zum größten Teil aus den Familien der Marokkaner, die \t den arabischen Asylen eine Unterkunft fanden und von jeher den besonderen Schutz der türkischen Behörden genossen. Es gab exemplarische Strafen und für die nächste Zeit war dem Zustande ein Ende gemacht. -oAls-,rsieh.;;die (tDjjnge.oitamen/Unzuträglicher gestaltät&.8cjfnghni; -ich fdiea] Sajcner\in f.d|£: ^Hand; ffVor,r^Ü.em; l*^Ji8bn^fi^'abh#j?H ajj^ni-w^idlg^^ejTje^i daftrkie^dier.-iBf^te^i-äktion:selbst nicht mitmacrhen- und sieben jüngeren Menschen überlassen. Diese wurden belehrt, daß sie sich nur auf Worte beschränken sollten. Die Sabbatentweiher ließen sich von den jungg-nus^nscheTn :erst:f re"cht--nichtssägeni-ünd Sschlügsn zuiisJetezH hätten! wir eirie<-Hahdhäbe,'i;beidei Parteien•■. abznfimrenrruhdv-inr der?-Regel nwurddndie.' Friseure a^siuAoigreiften^tfest'g'esteHtiai.nä'f imit!jempfindIi"chenvPd~ lizejsferaienn belegt. }l^fep^K^Zett-^^^die'odte>€Sachec>! den ¥lkm^8d<mhbzi£cbmhja^ nachdem i randerem«feineho iLaden? rgleicht < mit _> ider- Verkünf.{ dung des Sabbats. .<;V-LI - - -V;•' T*b■ ioH:>t?;3bV-' n^mmoti rAh h'.vr iioxrodrjj ■>. TT D^^e^tn&h^et^ines?Pf^htvergessenen., ,;; ji: _ S3jii Jjj a-f. GI *s öf ••,? 1 nrtnX .•im.-Tfiwt-.V ™-.>fl AZ^ii ■ < 3sa^M ■ j§lfW ^%einr ^f-^ssenlp^ser pMann rg&u md Kind im "Stich fassen wollte,' und'Taücn. 'der Auf-S- ^„..^ j.. At---t^-.^i*ı'i;2-M*LH:tf&enFtW; #ns :>\^ 3Öasy iQb.err^bbjr|at rnbat., mich um; .meine; Mithi Undl iehl^Warjfbje^eiti.,;;; o iX-rA'',') -; . r,iS HjArreiner§ ic^^nen-'^rge.tt^'bractete' ich? in |§p fäfSfrMg, 0aaßfTidei^'Pflicfö^ ''in aj$g|| FröHe mWffiiP&'iUn tiäch ~^e^y^ten'Teisen"Wplltej^p w^Pa^f^^fe^er^iederseheri. ' ' ■\t&W& nifl^akUhVH.morgens ,ging^ßer Zug^Ein ^M. t^ag^auf ypr|äufige:;Fjestnahme ^beii^ Gericht konnte^ erst um lö .Ühr,' iii1 der nÄmtsstuhae des Richters, geprüft werden^ Wie wollte?mä8!?4 den' Maliin' zurückhtf$M^[j;\ J 7^;<; {\^'?bfohfj;nafe es '-bald sher:ÄUS<..nE^i':^M.'an^.aiisdem Kreise) de^f^;zeib^k#nnte% £eu,te, die, wir als „unsere i^nden^^üin kannte waren* hafte •g^g^fieine, kl«me^;XsV^u^Fi4^'^Auftra^ gemf übexnqin^^ v Zur,rechtenfV!?6it war er am Bahnhoii f und, i^fach,mit bden^{.Reiis^lustig>eh<, ,:t den forderung des Oberrabbinat.es,'der tfill .Smiä^tfWl&Mtf Es g« i&wmiiMm mfm^mü'^^-^mimr^ l*M< ei(^^^pimmoMiHm r*p =>Ä und.laucl \un^lückl '^äqhka- Aus der Agudas Jisroel-Bewegung Die Tagung des G. A. der 'Agudas Jisroel. Die vom Präsidium der Agudas Jisroel einbe rufene Sitzung des G. eschäftsführ e n d e Ii Ausschusses findet nicht, wie in voriger Nummer angegeben, am 26. Dezember in Basel, sondern am 12. Januar in W ien. statt. Auswanderungsiragen. Zur Sitzung des G. A. der A. J. Man schreibt uns: '-. Am 12. Januar tritt erstmalig nach der Dritten I Kenessio Gedaulo der Geschäftsführende Ausschuß . der Agudas Jisroel zusammen. Auf der umfangriei | chen Tagesordnung der Wiener Sitzung steht u. a; der Punkt: Auswanderungsfragen nach nichtpalästi nen^cnen Ländern, Es steht außer Frage, daß insi besondere die deutsche Judenheit mit gespanntester Er^'^riung den Beschlüssen entgegenharrt. Wohl haben^äflje^A. J.-Konferenzen in den letzten Jahren sigkpn^ <|iesem Problem befaßt, aber man muß leideX sagen,^ ein greifbares Ergebnis hatten alle diese Beratungen, bisher nicht. "Warum? "Auf der III. Kenessio Gedaulo wurde ein hücAtinteressantes Referat über Auswanderungs^ frägeh r5v;onrl'cHerrn Dr. Maximilian Landau gehalten. Landaä tforderjlief<_ein Zusammengehen aller an „der Auswanderung interessierter Organisationen und verbfe.rte.tEb-rsichirausführlichst über verschiedene Projelcfte den -MfesseätsiKdlung, Gerade über die letztere;Krage!hat ,mialnn,in deabletzten Jahren viel gehört, alle paar/; MohateJ awaied vorisberufener und noch mehr, unberufedep.oSeitef.'einip^eües Projekt unterbreitet, aber alle diese-Projekte sind eben nur Projekte geblieben^ und man braucht. nicht allzu, pessimistisch?u denken, wenn man behauptet,; sie werden zumindestfür die nächsten Jahre Projekte bleiben. Und selbst wenn einer der Pläne reale Gestalt in Bälde annehmen spUfer So dürften Jährte vergehen, bis diese PläW sowöit; gediehen sind, daßl man von ihnen eine Lösung der .jüdischen Auswanderungsfrage in Deutsch-; land erwarten kann. . , .^iWährend^alf äie vielen " jüdischen Gremien über ^rrfiB'Frage'der jMä'ssensiedlung' tagen, und-sie tagen ■i^t^:' ■ ''*'■ ■'->'^!-" " .r - . IT» . 1 « n. T..J-^t.-:i ^enon garvlangei^zertlattert yeutsemanas juaer ^nf;afle W^ltgegendW. _.Man übersieh't scheinbar, , *rdieHAus\?anderurig >"nach' Uebersee* genau so eine ÄEi^^wahderung ist: wie nach Erez- Israel ■— zumin- 5>deät was; den orthodoxen Kreis anbfftrjjffi Und' angesichts dieser nicht wegzuleugnenden-Tätsache sollten die führenden Kreise der Agudas Jisroel ihre ganze Kraft konzentrieren auf die Füi^söfge, für,; die Einzelwanderer. Wohl stehen der Agudas Jisroel nicht die finanziellen Mittel der IcäJ^Äd V: anderer Organisationen zur Verfügung, aber,: siel ^kann die Auswanderer geistig-religiös beraten,'J und \betreuen von der .Stunde, da bei ihnen der: Ehtfcfilujß auszuwandern zur Tat reift bis zu dem Zeitpunkte, da canimoji,hb«,i^raci,,.nutb^uif,^«^»«?^«,- sie sich eingegliedert haben in eine tteue^üdische persönlich gar nicht kannte,' einen Streif; ypm Zaune Gemeinsch.a^t.,AManTsollten^ heute die Melscfdn *' aus Deutschland^^regfah^en, ohne jegliche Jifcdjs'l c h a"Betreuung* äenn äer'Kiiisverein der Jud^^lri1 Deutschland 'feann seiner Struktur und Aufgab« Jintsprechend, die Auswanderer j-nur wirtschaftlich beraten. Wohl versucht . die Landesorganisation der Agudas Jisroel inLDeutschland'nl^nches auf diesem Gebiete zuV leistgn,, aber bisher Rissen nur wenige von dieser in Einzelfällen sehr ''erfolgreichen Arbeit der L. O. . - ,;, Die 1936 in Marienbad stattgefundene11Kenessio Mechino hat ein Programm zur Beratung und, Betreuung der Einzelwanderer aufgestellt. Hoffen?wir, daß Wien die Erfüllung dieses Programm es bringt Gilt es doch nicht nur dafür zu sorgen, daß die .Auswanderer jüdisch beraten werden, sondern diese yon der Agudas Jisroel zu betreuenden Menschen sollen die Keimzellen bilden, für in fernen Ländern neu zu gründende jüdische Gemeinschaften auf dem Boden der Thora. Lasset die Resolutionen schweigen! Schafft das - Auswanderungsamt der Agudas Jisroel^ mitiiKonsülaten an allen Plätzen der Diaspora, insbesondere in: den Staaten, die vordringlich für die Auswanderung in Frage kommen und in; den Ländern, die bereits jetzt schon Ziel Tausender von Juden aus Europa sind; " JS. / Agudas Jisroel-Ortsgruppe Hamburg-Altona. Am vergangenen Sabbatausgang, sprach "Oberrabbiner W e i s z .zum. ersten Mal im Kreise der Agudas Jisroel-Gruppen in der Hansestadt Hamburg. Der große Saal der Talmud Thora konnte, die Hörer kaum fassen.. Diesem freudigen Ereignis gab der Vorsitzende der Ortsgruppe Ausdruck, der zugleich zur Einleitung in wenigen Sätzen der Zuhörerschaft darlegte, daß die Aguda ihre Arbeit in Erez Israel energisch fortsetze; andererseits auch der Auswanderung in andere Länder ihre Aufmerksamkeit widme. Er ermähnte jeden, der an Auswanderung denke, sich in erster Linie zu unterrichten, ob an dem von ihm in Aussicht genommenen Platze eine echte jüdisch-religiöse Zukunft seiner Familie möglich sei. Herr Oberrabbiner Weiß führte etwa folgendes aus: . ■ Lehre und Leben stellen zwei Kreise dar, die uns oft wie Gegensätze erscheinen. In wenigen hervorragenden Menschen kommen sie harmonisch zur Erscheinung. Der jetzige jüdische Mensch, von . der Not des Tages gequält, leidet an seelischer Zerstreuung. Er ergießt seine Seelenkräfte in die Dinge der Welt hinein, statt dieselben durch seinen seelischen Kern zu beherrschen. Für unseren Vater Jakob, führte Redner nach der Aggada im Traktat Chullin aus, wurden die Steine, auf die er sein Haupt bettete, die er zum Schutzwall um sich aufrichtete, inem Stein, auf dem die jüdische Welt der Zukunft, die religiöse Welt überhaupt, aufgebaut werden sollte. Der Stein wurde ihm zum Kristall, durch den er die Majestät der Sch'.china erschaute. So werden dem religiösen Menschen alle Dinge, auch die gröbste .Materie, zum Baustein, mit welchem G'tt die Welt nach seinem Willen erbaute. Ebenso erfaßt der jüdische Mensch mit der Thqra, mit ihren Mlzwoth die^.Welt und alles, was sie füllt, um sie nach dem; Willen des Schöpfers zu: gestalten. So wird er Miüerbauer der Schöpfung; so wird er ein Isch chajil, eine Eschet chajil, wenn er sich in das Heer derjenigen einreiht, die die Welt im Sinne des Schöpfers weiterformen wollen. Die Mizwoth sind die Wege zur , Beherrschung der Welt; die Thora die Kunstform, die den Stoff zu gestalten vermag. Unser Vater Abraham war der erste jüdische Mensch, der die Einheit G'ttes .und der Welt lebte und lehrte. Somit wurde er das Vorbild für den jülischen Mensehen aller Zeiten.. Durch sein Vorbild- Leben und Lehre" zu vereinigen, gibt;er. ups allen die Möglichkeit, cfie .Zerrissenheit eines"!nur irdischen Lebens zu beseitigen (Midrasch Schir. ha'schirim) und. das irdische Leben mit dem Seelenlicht'zu erfüllen und zu erheben; so daß wir dem;Lebenj ein Lächeln abgewinne^ ^könneni i;-i? Wöchenkälender. Vom 25. Dezember - 1. Januar 1938 Vom 21. - 28. Tebet 5698 Samstag Sonntag Montag Dienstag . Mittwoch Donnerstag Freitag .-• Samstag -'- Mfcff ni ifoaialisisiT nnisV^Tß/irisM ' rridci^VfoV frc/M 4 - j i igetöfc. raym ib)^ rtoi .pJüunr;:!f;{T:nj:3 br'nj t'i?^''j'M!.r«s>tf3ii dß .no-uiEtsO, 'o2Öij>Ü a \: ö r:t: :. nCI T mnh raia», -itiKii -s&ß .oÜtsvrÄi'jv däfaj hhi;Yi- -'üb! £!; *nnO.')* h r;iivi/! 'ibb nhi-y^v^n