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Der Israelit · 1937-12-23 · Heft 51 (23.12.1937) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 51 (23.12.1937)
Date
1937-12-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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t;r «« 7. Sfä-- P'r^^i.^'^s^;^?5iK^^'>^^TOS^ , . ~*ir^m~$ Seite 2 Nr. 51 »er 1 s r a e 1 i t WSSB^SK^^t' „-^Dezember i937" Grenzen unserer Wirklichkeil. (Fortsetzung von Seite 1.) wer sich gar in einem Zustand tiefster innerer Teilnahme und schmerzlich sehnsuchtsvoller Gespanntheit von ihnen betroffen, ja geradezu zum Mitwirken aufgerufen fühlt, den kann schon eine Art visionärer Schau überkommen, als ob sich eine neue epochale Sinngebung der Zeitgeschehnisse wie eine Offenbarung vor ihm au£- tue, ein neues, ungeahntes Bild. Da heißt es, nüchtern zu bleiben in gebundener und gesteuerter Schau und der Versuchung zu zeitenwendendem Deuten zu widerstehen. Lebt doch in unserem Volke die wohlbegründete Zuversicht, daß die neue Zeitenwende sich nicht anders ankündigt als *ym -- Wo kämen wir hin, wollten wir dem blendenden Licht eines Ereignisses so leichter Hand erliegen. Vielmehr das ist unser: im Lichte der alten Wahrheit die Geschehnisse fichtig zu sehen. Nur rückwärts schauend sind wir wissend. Und besser ist es, in alter Weisheit unwissend bleiben oder gar irren, als ohne prophetische Legitimation — prophezeien. Sind wir denn noch nicht reich genug an Enttäuschungen? — Uebrigens könnte es ja sein, daß bei einiger Geduld auch an" Hand der' alten Weisung sich von dem Geschehen von heute ein befriedigender Sinn ablesen läßt und damit auch ein authentischer Fingerzeig für das Tun von morgen. 3. Die Geschichte. Wie kam das Heute nach dem Gestern? Wenn man das kurz beantworten darf, etwa so: Mit vollkommener staatlicher Ausstattung trat das jüdische Volk als G'ttesstaatsvolk in die Geschichte ein. Aus insgesamt drei Machtbereichen setzte sich der G'ttesstaat zusammen; erstens Wirtschaftsgüter (insbesondere nationales Land und leibliche Tüchtigkeit), zweitens Ordnungsgüter (also nationale Organisation und charakterliche Tüchtigkeit) und drittens Geistesgüter (nationale Wahrheit und geistige Tüchtig-" keit). Von der Wirklichkeit aus gesehen bildete der erste Bereich die Basis des ganzen Staates; denn . an der Wirtschaft hängt die Existenz. Und trug der zweite Bereich den dritten; denn Ordnung ist „wirklicher" als Geist. Unsere historischen' Quellen belehren uns mit hinreichender dokumentarischer Klarheit darüber, daß der Geschichtsweg dieses G'ttesstaates im Sinne einer fortschreitenden Entmachtung abrollte, entsprechend einer fortschreitenden erziehenden Erprobung des Staatsvolkes durch seinen König und Vater; daß der erste, der totale Staat, durch Vergottung der natürlichen Wirtschaftskräfte zugrunde ging; daß daher der zweite Staat vorsorglich ohne nationseigene Wirtschartsbasis erstellt wurde und demzufolge den Großteil seiner. Bürger bei andern Völkern zu Gaste hatte, aber schließlich durch Uebertrumpfungssucht, also ordnungspolitisches Versagen des Staatsvolkes, zerbrach; daß darum schließlich bei unserem Eintritt in dieses Golus auch der nationaleigene Ordnungsbereich vorsorglich fehlte, und uns von der ganzen alten g'ttesstaatlichen Herrlichkeit nur noch der oberste, der nationseigene geistige Bereich (freilich durch Sch'chinoferne auch schon stark geschrumpft) verblieb. Was zeigt also die Bestandesaufnahme beim Eintritt in diese letzte, die dritte, die gegenwärtige Epoche? — die nationale Wirtschaftsmacht war geschwunden; es gibt fortan keinen hationaseigenen wirtschaftlichen Bereich mehr, von dem das Schicksal des ganzen Volkes abhinge. Die nationale Ordnungsmacht war geschwunden; es gibt fortan keinen zentralen politischen Bereich mehr, von dem das .Schicksal des ganzen Volkes abhinge. Nun waren wir ganz und gar bei den Staaten der Erde zu Gaste. Ungeladen. Aber unser König und Vater bestellte für uns Quartier zu Zwangsgastschaft. Nur nationale Geistesmacht, anfangs noch imposant, war geblieben; an ihr allein hing fortan das Schicksal des ganzen Volkes; So' existiert der G'ttesstaat in den verbliebenen nationalen Wahrheitsgütern und Geisteskräften als seinem einst obersten, letzten Bereich fort, fast unwirklich, wie ein himmlisches Wesen über dem Irdischen schwebend. Und nur so ein spärlicher Rest wirtschaftlichen und politischen Vermögens wurde uns gerade noch gelassen, als unerläßlich ist, um dieses geistige Gebilde in der irdischen Wirklichkeit überhaupt irgendwie lebens- und leistungsfähig zu erhalten. In dieser Erhaltung liegt offenkundig der erprobende Sinn dieser dritten Epoche beschlossen. Aber der Einsatz für die Erhaltung hängt, in Bereitschaft und Tat, mehr als je am g'ttesvolklichen Bekenntnis. Gelingen wie Versagen wurzeln in der Haltung des rechthaberischen Menschengeistes gegenüber dem Rechthaben G'ttkönigs in seiner Wahrheit. G'ttkönig ist auch unser Vater, der uns „wie ein Herr seinen Sohn" erzieht. Vor der Erprobung gab er uns Schonzeit zum Reifen der Kräfte. So war auch in der ersten Epoche die Versuchung des Götzendienstes erst nach „all den Jahren Jauschua's und all den Jahren der Aeltesten, die ihn lange überlebten", richtig über uns gekommen. Und auch im zweiten Staat wurde der Geist der Parteiung erst nach dem Tode des Letzten der *n^na manifest. Jetzt ist es nicht anders. Es kamen Jahrhunderte, in denen unter relativ günstigen Umständen die Betreuung der nationalen Wahrheit und geistigen Tüchtigkeit eine bewundernswerte Höhe erreichte und in einer weltüberragenden Goluskultur des. „himmlischen" G'ttesstäates; gipfelte. Die Schonzeit war. voll sühnenden Leides. Aber daß sie endlich in Erprobung überginge (nämlich? daß wir uns mit dem verbliebenen Rest g'ttesstaatlicher Ausstattung in Machttreue bewährten), dazu mußte erst eine Atmo-. Sphäre des Unglaubens entstehen und der Bekenntnisfeindschaft und der; gegen das g'ttliche= Rechthaben auftrumpfenden urtrieblichen Rechthaberei. Erst nach etwa anderthalb Jahrtausenden hatte die Vorsehung die Menschheit allmählich zur Ausreifung so einer Geistesverfassung, gelangen lassen. Dann nach einiger Zeit eineskulturellen „Fortschrittes", durch den die wirksame Stoßkraft der gegen die Tauro gerichteten Geistigkeit vorbereitet wurde, und jetzt erst, mit dem Jahrhundert der Aufklärung und, anschließend, der rapid vorwärtsjagenden Technik sierung der Menschheit und insbesondere der immer raffinierteren, machtbeherrschten Organisationskunst brach die Zeit der epochalen Prüfung über das G'ttesstaatsvolk im Golus herein. Wir sind jetzt mitten darin. Es ist keine neue Zeit, kein Anbruch einer neuen Epoche. Es ist unser altes Golus, Es ist sogar doppeltes Golus. Denn erst mit: dem Moment wechselten. wir aus der Schonzeit in den Zustand der Krise über, als die gegen das g'ttliche Rechthaben gerichtete urtrÜbliche Rechthaberei in unsere Reihen einbrach und innen an den Einbruchsteilen die furchtbarum sich fressenden Saugwirbel der einänder übersteigernden Reformen erzeugte, und so zum. alten äußeren Golus das neue innere Golus kam. Die Geschichte des Taurovolkes ist gleichzeitig die Geschichte der Tauro auf Erden. Zugleich mit dem Taurovolk ist auch die Tauroin diesem Doppelgolus. Das ist entscheidend. Wer das Doppelgolus bejaht, der wird das Volk des Golus und die Tauro des Golus auch in, seinen Erwartungen respektieren. Hier liegen die Grenzen unserer Wirklichkeit und damit die Grenzen der Rechtschaffenheit unserer Pläne, (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau, Landesverbände und „Reichsverband". — Zentralisierung am rechten Platze. — Verfrühte Sorgen. — Razzias in Ungarn. — Was an den Ausweisungen in Brasilien wahr ist. Aus Mitteilungen der Presse und Erklärungen jüdischer Landesverbände in Süddeutschland ersieht man, daß der Rat des Preußischen Landesverbandes, dem sich in den letzten Jahf 6n im Zwange der Verhältnisse mehrere kleinere Verbände angeschlossen und unterstellt haben, nunmehr den Zusammenschluß aller Gemeinden und Gemeindeverbände zu einem Verbände der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich erstrebt. Viel Gegenliebe findet der Preußische Landesverband mit diesem Versuche nicht. Aus der in der jüngsten Nummer des „Israelit" abgedruckten Erklärung des Vorsitzenden des Bayerischen Verbandes, Dr. Neumeyer, im Namen der süddeutschen Verbände, geht klar hervor, wie man in Süddeutschäland über diese Zentralisierungsbestrebungen denkt. Man hält hier eine Reichsorganisation der Gemeinden neben der Reichsvertretung für überflüssig und sogar schädlich. Mit der vor eini-~ gen Monaten erfolgten Regelung des Verhältnisses der Landesverbände zu der Reichsvertretung sei die Möglichkeit ruhiger, sachlicher Arbeit gegeben, und neue Experimente könnten diese Arbeit nur stören. Auf keinen Fall scheinen die süddeutschen Verbände geneigt zu sein, ihre selbständige ■ Stellung im . Rahmen der durch die Reichsvertretung repräsentierten jüdischen Gesamtheit in Deutschland zugunsten einer neuen Oberbehörde zu opfern. Auf diesem Standpunkte stehen auch die Landesverbände in *S a c h - sen und in Hamburg. Es ist anzunehmen, daß obige Erklärung die Meinung aller jüdischen Verbände in Deutschland' widerspiegelt. Eine Diskussion über eine Zwangsorganisation, wie sie vor Jahrzehnten geführt wurde- (wir haben damals oft und eindringlich genug auf die Gefahren einer solchen Organisation hingewiesen), ist heute überholt. Aber auch ohne die von uns damals geäußerten Bedenken und Befürchtungen kann man sich zum Standpunkte der süddeutschen; Verbände bekennen, daß die Schaffung einer neuen: Zentralstelle neben 'der Reichsvertretung nutzlos und von Uebel wäre. Wenn eine straffe Zentralisierung in unserer heu» tigen Lage uns nottut, so in Sachen der« Auswanderung. Darum nehmen wir mit Genugtuung eine Mitteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zur Kenntnis, wonach in der Sitzung des; Wanderungsausschusses der Reichsvertretung der- Juedn in Deutschland vom 13. Dezember die Notwendigkeit einer Verstärkung aller Bemühun- - gen zur Förderung der Auswanderung;, festgestellt und die hierzu möglichen Maßnähme»: erörtert wurden. Angesichts des starken Auswan^ derungsbedürfnisses und der nur beschränkt vorhandenen Einwanderungsmöglichkeiten müssen alle Kräfte angespannt werden, um die vorhandenen Auswanderungsmöglichkeiten wahrzunehmen und neue-, zu erschließen. Nachdem sich die Zusammenarbeit der im Wanderungsausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zusammengeschlossenen ..Wanderungsorganisationen bisher voll bewährt hat, bestand Einmütigkeit darüber, daß künftig noch stärker die; gesamte Planung der jüdischen Auswanderung zentral zusammenzufassen ist. Es wurde ' dar her im .Wanderungsausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Zentralste 11 e für die jüdiscVe Auswanderung geschaffen/jjdie in engster Zusammenarbeit mit den wie bisher selbständig bleibenden ^anderuhgsorganisationen1! die einheitliche Lenkung und planvolle Förderung der Herren- und Berufskleidung, Maß-Konfektion 11273-Verarbeit u n g Frau F. MAIER Ww. Fahrgasse 9 4 1 Minute von der Konstabier Wache II DAS LICHT DER EWIGKEIT von Robb. Dr. Elie Münk in Ansbach broschiert RM. 4.oo Lwbd. RM. 5-00 VERU6DES ISRAELIT UND HERMOH GMBH, Frankluil a. M. Schutzenstr. 12 Postsch. 19802

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