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Der Israelit · 1937-12-23 · Heft 51 (23.12.1937) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 51 (23.12.1937)
Date
1937-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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<i.\3Li.±xat iraer Israelit —■—— Frankfurt a. M. i 23. Dezember 1937 19. Tebet 5698 I Nummer 51 Die internationale Flüchtlingskonferenz in Amsterdam. Amsterdam, 21. Dez. In Anwesenheit des Oberkommissars des Völkerbundes für das Flüchtlingswesen, Sir Neill Malcolm, fand in Amsterdam unter Vorsitz von Prof, Dr. D. Cohen eine Tagung der zur Unterstützung des Oberkommissars eingesetzten Kommission statt. In der Kommission sind insgesamt 25 Organisationen aus verschiedenen Ländern vertreten <leren Tätigkeit sich auf die Fürsorge für die verschiedenen Gruppen der aus Deutschland Ausgewanderten erstreckt. Der Tagung wohnien Vertreter von etwa 20 Organisationen bei. Die Agudas Jisroel war durch Dr. Maximilian Landau vertreten. Die wichtigste Aufgabe der Konferenz war ■die Vorbereitung der':internationalen Regierungskönferenz, die zum 7. Februar 1938 vom Völkerbund nach Genf zur Regelung der internationalen Stellung der aus Deutschland Ausgewanderten einberufen ist. Im ^übrigen wurden die Fragen besprochen, die m{t der jüdischen Emigration zusammenlängeü| und die Berichte der verschiedenen Organisationen über den Zustand der aus Deutschland Ausgewanderten in den verschiedenen Ländern behandelt. Der Konferenz war ferner ein Telegramm des von Dr. Nathan Birnbaum begründeten „Jüdischen Volksdienstes" zugegangen, der angesichts des dringenden jüdischen Auswanderüngsbedürfnisses, ' das auch bei der init allen Kräften anzustrebenden Erweiterung (der Einwanderungsmöglichkeiten in Palästina nicht annähernd befriedigt, werden könne, die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die Notwendigkeit der Bereitstellung geeigneter geschlossener Siedlungsgebiete für die Aufnahme der jüdischen Emigration und dereneinheitlicher Organisierung lenken will. Die Parlamentswahlen in Rumänien. 5 - -V-*' ■■ Bukarest, 22. Dez.; Der Wahltag am Dienstag ist in* der, Hauptstadt und der Provinz relativ ruhig verlaufen, jedenfalls nicht unruhiger als die ^Vortage, an denenes Zusammenstöße: miteinigen Toten-und - Verwundeten gab^ 'Das Resultat der Wahlen fliegt noch nicht in allein Teilen klar, vor; 1 Es ist vor allem* noch fraglich, ob die Regierungs- 7 p a r t e i a^ejlfür eine: stärke Politik notwendigen -40 Prozent-''der Mandate erhalten wird. -Davon hängt es aber ab, ob die liberale Regierung Tatares cu noch weiter am Ruder bleibt oder nicht. Von den beiden Rechtsparteien hat die Nationalzaranistische Partei etwa 20 Prozent und die andere radikale Rechtspartei unter der Parole „Alles für das Land" 17 Pro?, der Stimmen erhalten. Diese Partei, die aus der früheren „Eisernen. Garde" entstanden ist und bisher im Parlamente nicht vertreten war, hat relativ den größten Erfolg bei den Wahlen geerntet und sogar die bisher größte Rechtspartei, die Christlichnätionalen unter G o g a und G u z a , übertrumpft. Wieviele Mandate der Jüdischen Parte i in Rumänien zufallen werden, ist noch nicht gemeldet. Es werden voraussichtlich nicht viele sein, und die jüdische Vertretung wird bei der neuen Konstellation cler; rumänischen Kammer keine leichte Arbeit haben. Aus dem Inhalt: Wochenrundschau .........Seite 2 Zum 25. Jubiläum der Machsike Hadas- Gemeinde in Kopenhagen . . Seite 3 ü. 4 Der jüdische Staat. Von Dr. Ph. Biberfeld......Seite 4 Eine jüdische Oberschule in Köln . . Seite 5 Zur Lage in Polen .........Seite b Die rumänischen Parlamentswahlen Seite 1 u. 6 -Jüdisches aus Brasilien.......Seite 6 Berichte aus Erez Israel.......Seite 7 Bücher-Besprechungen .......Seite 8 Von der einstigen reichen Stadt Saloniki Seite 9 Die Polizei hilft der Religion.....Seite 9 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 10 Grenzen unserer Wirklichkeit. Von Rabbiner Dr. Breslauer. L Problematische Wirklichkeit, Die jüdische Gegenwart ist übervoll von Ungewißheit und Sorgen. Die Gegenwart der taurotreuen Judenheit ist es doppelt und dreifach. Da möchte jeder sein Bestes zum Gemeinwohl beitragen. Und wer sich zu einem rechtschaffenen Beitrag fähig glaubt, darf nicht zurückhalten. Alles Planen geschieht im Geiste, aber der Plan ist für die Wirklichkeit bestimmt. Für Völker einer handfesten, unproblematischen Existenz ist die Gefahr gering, beim Planen die Tatsachen zu verfehlen. Die Grenzen ihrer Wirklichkeit sind selbst im Rausch nicht leicht zu übersehen. Sie können sich auch ruhig ein Nachkorrigieren leisten. Anders beim Taurovolk .im Golus. Ihm ist die eigene Existenz ein ständiges Problem, gefühlaufpeitschend. Das zwingt zu Nüchternheit. Ein Verfehlen wäre weder durch Gedankentiefe auszugleichen noch durch hinreißende Begeisterung, geschweige durch Lautstärke. Darum scheint es nicht überflüssig zu sein, eine Klärung darüber zu versuchen, wie weit die Grenzten unserer Wirklichkeit überhaupt gehen, und das heißt; die Grenzen der Rechtschaffenheit unserer Pläne. 2, Die Schau. Man mag die jüdische Gegenwart noch so genau studieren, um ihre Problematik aufzüzei- Igen, es wird schlechthin unmöglich sein, mit dem gefundenen Sachverhalt etwas Brauchbares an- | zufangen, wenn man ihn nicht von seinem zuständigen Gesichtspunkt aus betrachtet bezw. innerhalb seines zuständigen Gesichtsfeldes. Auch darüber dürfte keine Meinungsverschiedenheit obwalten, daß die für uns zuständige Betrachtungsweise bereits durch die in der Tauro kundgetane Auffassung von den seienden und kommenden Dingen in gewissem Sinne festgelegt ist. Das ist auch ganz einleuchtend. Muß sich ja auch der Mensch damit abfinden, daß er die Dingwelt nicht frei schaut, wie sie ist, sondern in der gebundenen Schau, die allein ihm verstattet ist kraft der engen Eigenart des ihm vom Schöpfer verliehenen Sehorganes. Ein gleiches gilt für die geistige Schaukraft des Menschen im Allgemeinen. Für den Juden aber, das auserwählte Werkzeug des Schöpfers, gilt -noch ein Besonderes., Denn wie er in seiner sinnlichen Schau nicht nur gebunden ist, sondern auch noch gesteuert — er darf nicht alles sehen, was er will — so ist auch sein geistiges Schauen nicht nur gebunden, sondern dazu noch gesteuert. Das ist unser Vorzug. In bewegten Zeiten, wie den gegenwärtigen,, haben die Konstellationen (die räumlichen und " mehr noch die zeitlichen) es leicht an sich, faszinierend oder gar , schockierend zu wirken. Und Fortsetzung siehe Seite 2,

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