Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 50 Der Israelit *5^Ä1^«jssg^p5!S^^gs«?-!i - 16. Dezember 1937 betrachten sei. Einen Ausweg aus der Schwierigkeit wußte auch der Redner nicht anzugehen. Er sagte u. a.: „Ich glaube nicht, daß überhaupt eine Kommission in Verbindung mit dem Teilungsplan nach Palästina gehen wird. Wenn Mr. Ormsby-Gore erklärt, die Kommission werde erst reisen, wenn die Ordnung hergestellt ist, so bedeutet das gerade dasjenige, was der Araber will. Die Unruhen werden eben weitergehen, und es wird keinen Frieden geben. Ich fürchte auch, daß die strengen Bestrafungen wegen Waffenbesitzes lediglich Repressalien hervorrufen und nichts bezwecken, aber ich weiß keine Lösung. Ich glaube, wir sind zu weit gegangen. Wir haben zwei Versprechungen gegeben, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen." Amerika. Amerikanischer Protest gegen die polnischen Ghetto-Bänke. New York, 8. Dez. Mehr als 500 Professoren und Dozenten der führenden Hochschulen in den Vereinigten Staaten haben einen scharfen Protest gegen die Einführung der Ghetto-Bänke an den polnischen Universitäten erlassen. Zu den Unterzeichnern gehören die ersten in der ganzen Welt anerkannten Autoritäten der amerikanischen Hochschule. Personalien. Rabbiner Dr. Münz 80 Jahre, Tel Awiw, 5. Dez. In diesen Tagen beging Herr Rabbiner Dr. Münz in aller Stille im Kreise seiner Familie seinen 80. Geburtstag. Drei Jahrzehnte hat Dr. Münz sein Amt als Rabbiner in der Gemeinde Berent (bei Danzig) ausgeübt, lebte dann in Berlin und übersiedelte vor vier Jahren nach Erez Israel. Dr. Münz ist durch seine schriftstellerischen Arbeiten bekannt. Seine große Maimonidesbiographic. ein Standardwerk, ist in deutscher und englischer Sprache erschienen und in einer hebräischen Kurzausgabe als Schulprämie in Tel Awiw verwandt worden. Von seinen anderen Arbeiten seien noch erwähnt „Jüdisches Leben im Mittelalter", „Jüdische Aerzte im Mittelalter", „Stammtafel des Schemen Rokeach" sowie eine Fülle größerer und kleinerer wissenschaftlicher Artikel in der jüdischen Presse. Es ist der herzliche Wunsch aller, die Herrn Dr. Münz kennen und verehren, daß ihm und seiner 1. Gattin noch viele Jahre frohen und ruhigen Lebens in Erez Israel beschieden sein mögen. srnny Max Eisler und Ernst Lissauer s. A. Wien, 15. Dez. Im Alter von 56 Jahren ist in Wien der bekannte Kunsthistoriker Prof. Dr. Max Eisler plötzlich vom Tode ereilt worden. Eisler war bald 20 Jahre Prof. für neue Kunstgeschichte an der Wiener Universität und-galt als der beste Rembrandtf orscher unserer Zeit. Als Förderer der Kunst und der Künstler war er in allen Kreisen sehr geschätzt und beliebt. Durch eine Reihe von Werken über Wiener Bauten und Denkmäler hat er sich besonders einen Namen in der Wiener Kunstgeschichte erworben. Auch der speziell jüdischen Kunst gehörte die Liebe seines Herzens. Bibel und Palästina befruchteten sein Können und Schaffen. In seiner konservativen Auffassung ging er eine Zeitlang bis zur Agudas Jisroel, wandte sich aber nachher mehr und mehr dem Zionismus zu, ohne der Orthodoxie und ihrer Weltorganisation je die Achtung und das Verständnis zu verschließen. Bei der Beisetzung waren alle Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiens vertreten. * * Fast zur gleichen Zeit und im gleichen Alter verstarb in Wien nach kurzer Krankheit der bekannte Dichter Ernst Lissauer. Lissauer hatte sich als vornehmer Vertreter der modernen Lyrik großen Ruf erworben. In Gesinnung und Leben vollkommen assimiliert, blieb er darin bis zuletzt unbelehrbar und brachte diese extreme Einstellung auch in seinen literarischen und dichterischen Schöpfungen oft zum Ausdruck. Berlin, 7, Dez. Frau Mathilde Haarburger, die einem Freundeskreise angehörte von großstädtischer Weite, in deren so gastfreundlichem Heim viele Hunderte Ruhe und Erhebung, Trost und Freude gefunden haben, ist still, ohne größere Trauerkundgebung zur letzten Ruhestätte geleitet worden. Die äußeren Umstände ermöglichten keine rechtzeitige Benachrichtigung der Freunde, kaum einige Verwandte in der Stadt ereilte die Kunde, und überdies hat das Chanukafest jedes Wort des Hesped versagt, zuerst am Tage der Beerdigung und dann die ganze Schiwoh hindurch. An die Charaktergröße und Geisteshoheit der Dahingegangenen körinen nur mit tiefer Erschütterung denken alle, die einst hatten beobachten dürfen, mit welcher. Demut und Seelenstärke sie sich in das unendliche Leid des Verlustes ihres Sohnes Iwan Haarburger, des großen Jehudi, ergeben hat. Den vielen Angehörigen des „Bundes jüdischer Akademiker" braucht nichts anderes gesagt zu werden, als daß dieses hochstehenden, geistigen Führers Mutter Mathilde Haarburger gewesen ist. Sie werden an der. Größe des Sohnes die Größe des mütterlichen Einflusses ermessen. Und sie war es auch, die der so gar früh seinen zahlreichen Freün den entrissene, jugendlich liebliche und so ernst aufstrebende Gustav Haarburger seine Mutter genannt hat. Auferzogen war die starke Frau in Berlins Mauern während einer Periode, in der weiteste Kreise des Judentums — auch in ihrer engeren Umgebung — geradezu Stolz und Größe gesucht haben in dem assimilatorischen^törichten Abstreifen echtjüdischen Lebensinhalts. Ihren Kindern aber wird es zum Trost gereichen, daß sie seit Jahren und Jahren mit niemals versagender Treue, Hingebung und Umsicht ihre Schmerzen zu lindern, ihren Lebensmut zu erhöhen sich bemüht haben, auch wenn es unumgänglich erschien, unter Zurückstellung väterlicher oder mütterlicher Obliegenheiten. rrassn Eschwege, 13. Dez. Am r.-mv 's p"W begeht unser verehrter, langjähriger Kantor, Herr Levi Bacharach, in körperlicher und geistiger Frische seinen 7 0. Geburtstag. Seine Leistungen als nas rr>bv und vmv, welche Aemter er bis zu seiner Pensio nierung im Jahre 1933 fast 40 Jahre in vorbildlicher Weise versah, hoben beide Institutionen in unserer Gemeinde auf eine vorbildliche Höhe. Er vollbrachte sie nicht nur durch seine stimmliche Begabung, seine Fähigkeiten und Kenntnisse, sondern vor allem durch die hohe Auffassung, die er von seinem Berufe hatte. Von tiefer ftiw« und nun» erfüllt, betrachtete er sich immer als auf vip nrns stehend. Dadurch wurde ihm sein Beruf im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Vi? tavbn. Diesem Umstände verdankte er, daß er ein wirklicher brr*1? nxnn wurde, daß er wie kein anderer geeignet war, unzählige junge o'umü? auszubilden und auch ihnen die Heiligkeit ihres Berufes zum Bewußtsein zu bringen. Mitdiesen hervorragenden Eigenschaften als Beamter verbanden sich bei ihm auch hohe menschliche Tugenden, die ihm auch persönlich die allgemeine Beliebtheit in unserer Gemeinde erwarben. Mit größter Hingabe widmete er sich der ion m^'m rran und vielen Armen und Bedrückten unserer Gemeinde spendete er Trost und Hilfe und wußte sie durch sein eigenes unerschütterliches pnea aufzurichten. Dieses sein flUt» bewahrte ihm auch seine Lebensfreude und seinen Lebensmut, seinen unverwüstlichen Humor. Möge n"3pn dem Jubilar mit seinem ion weiter beistehen und ihm im Kreise seiner Gattin, die ihm als. nwn ^•»n stets zur Seite stand, und seiner Kinder, die er in gleichem Sinne und Geiste erzog, noch viele frohe, ungetrübte Jahre schenken. wymy München, 15. Dez. Der seit Jahrzehnten an unserer Gemeinde wirkende Kantor, Herr Karl Löwy , ist nach Mailand übersiedelt. Am natf vor Chanuka fand in den Räumen des Ohel Jakob eine Abschiedsfeier statt, — Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu würdigte die Verdienste des bewährten Chasens und vorzüglichen Bai Koreh. — In Anbetracht'seiner aufrichtigen Frömmigkeit und seines großen talmudischen Wissens wurde ihm die. Morenu verliehen. Auch der Vorstand des Ohel Jakob, Herr Viktor Löwenstein, sprach Worte des Dankes und der Anerkennung für den sehr geschätzten Beamten. — Die Mitglieder des Ohel Jakob, besonders die Besucher der Schiurim, bedauern außerordentlich den Wegzug dieses beliebten Beamten und Menschen. Möge er in seinem neuen Domizil einen ihn befriedigenden Wirkungskreis finden. Paris, 6. Dez. Der bekannte Sekretär Baron Edmund von Rothschild's, Gaston W o r m s e r , ist vorige Woche hier nach längerer Krankheit im 71, Lebensjahr verschieden. Tel Awiw, 25. Nov. Die hiesige Synagogengemeinde „Shivat Zion" hat den Verlust des Vorsitzenden ihrer Kultuskommission, Uri Zwi (Uriz) Ascher zu beklagen. Wenn man einst die Geschichte der von deutschen Olim auf streng gesetzestreuer Basis gegründeten Synagogengemeinde „Shivat Zion" schreiben wird, dann wird der Name Uri Zwi Ascher darin an hervorragender Stelle stehen. Aus dem Kreis von „Ohel Jaakow'.' München kommend, hat der Dahingeschiedene die besten Traditionen der. deutschen Orthodoxie mit hierher gebracht. Erzogen in dem frommen Elternhaus in Nördlingen (Bayern), hat er jederzeit die dort erhaltenen Lehren auch in seiner eigenen Familie sich als Richtschnur seines Handelns dienen lassen. Aber was er in den zwei Jahren seines hiesigen Domizils für unsere jüdische Gemeinschaft gewirkt hat, wissen alle, die das Glück hatten. Zeugen seines rastlosen Eifers für die würdige Ausgestaltung des größten deutschen Minjans im Lande zu sein. In Fragen des Kultus war sein Wort innerhalb 4&r jungen Gemeinde, die Mitglieder aller religiösen Richtungen umschließt, ausschlaggebend; sein Rat war gesucht und geschätzt und nirgends war das Amt des Vorsitzenden der Kultuskommission in besseren Händen als bei ihm. Bei der heute Nachmittag stattgefundenen Beerdigung ließ Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Lev y noch einmal das Bild dieses trefflichen Jehudi vor dem geistigen Auge der in zahlreicher Menge herbeigeeilten Trauergemeinde erstehen. Nach den in tiefer Ergriffenheit vorgetragenen Worten des Rabbiners bewegte sich der Trauerzug bis zur Synagoge. Vor dem geöffneten hellbeleuchteten G'tteshaus hielt der Zug und tiefbewegt nahm der. Vorsitzende der Gemeinde, Herr Advokat Dr. Leo Schockein, Abschied vom Freund und Förderer der Gemeinde, der sich besonders eifrig, beim Bau der neuen Synagoge betätigte, wo er täglich den Fortgangder Arbeiten überwachte. Was Uriz Ascher im Verein mit seiner gleichstrebenden, ihm an Seelenadel ebenbürtigen Gattin für „Shivat Zion" geleistet hat, wird unvergessen bleiben. rrnxan Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Verlegung der Geschäftsstelle der Agudas Jisroel- Weltorganisation. Die Geschäftsräume der Agudas Jisroel-Weltorganisation befinden sich ab 1. Dezember London N. 16 1. Queen Elizabeths Walk. Tel.: Stamford Hill 520?! Die Geschäftsräume der englischen Landesorganisation der A. J. sowie des englischen Keren Hcitorah verbleiben 9. Whitechapel Road, London E. 1. Histadruth Olamith NTschei Uwenoth Agudath Jisrael „Nowaj" Agudistische Frauenorganisation. Die Leitung der „Nowaj" teilt uns mit: In Paris wurde durch Frau Dr. Jenny Breuer, Jerusalem, Mitglied des Waad Hapoel, eine agudistische Frauengruppe gegründet. Die junge Gruppe, welche unter einem Dreierkomitee arbeitet, ist bestrebt, sich an der Durchführung der Marienbader' Beschlüsse zu beteiligen und dafür einen größeren Mitgliederkreis zu werben. Die Adresse der~ Vorsitzenden ist: Frau Ruth Weil, Paris XVI — Rue Cortambert 50. Agudistische Zertifikate in Deutschland. Entsprechend der geringen Anzahl der Zertifikate Kategorie C in der Oktoberschedule im allgemeinen ist auch der Anteil der Agudas Jisroel in Deutschland auf die Zahl von 22 Zertifikaten reduziert. Der größte Teil ist für landwirtschaftlich Ausgebildete bestimmt. Die übrigen agudistischen Zertifikate gelangen in Polen, Litauen und Rumänien zur Verteilung. (AJPB.) Aussprache zwischen Aguda und Misrachi In Vorbereitung einer gemeinsamen Konferenz zwischen der Leitung der Agudas Jisroel und Misrachi zur Feststellung gemeinsamer Arbeitsgebiete findet in Warschau eine vorläufige Aussprache zwischen dem Vorsitzenden des Misrachi, Rabbi Meier Berlin und dem Vorsitzenden der polnischen Landesorganisation der Agudas Jisroel, Mitglied des allweltlichen Präsidiums, Herrn I. M. Lewin, statt. Das Ergebnis der Aussprache wird zunächst bei der Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel in Basel Ende Dezember auf die Tagesordnung gestellt. (AJPB.) Führerkurs der Arbeitsgemeinschaft der westeuropäischen Agudas Jisroel-Jügendorganisatiou, Von Donnerstag, den 23. bis Sonntag, den 26. De^ zember findet in Hohwald (Vogesen) ein Führerkurs der westeuropäischen Agudas Jisroel-Jugendorganisation statt, der von den Organisationen Frankreichs, Belgiens und der Schweiz beschickt wird. Der Führerkurs wird von der Gruppe „Jeschurun" in Straßburg vorbereitet. Als Leiter der Kurse fungieren Rabbiner E. Münk (Paris), Marc Breuer (Paris). Jacques Cohn (Straßburg), Salomon S p e i e r (Straßburg), Frau Samuel N e h e r (Paris), Mosi Herz (Luzern) usw, Genauer Bericht über die Veranstaltung folgt in einer der nächsten Nummern. Vermischtes. Vorträge in der Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Berlin, 12. Dez. Sabbat-Ausgang, 18. Dez.: Rabb. Dr. J. Jakobovits; Die Lebenskraft des Judentums. Synagoge Lessingstr. 19, 20.30 Uhr. — Sonntag, 19. Dez.: Studienrat Dr. Willy Halberstadt: Zur Entstehung der Mischna. Siegmundshof 11, Betsaäl, 20.30 Uhr. (Religiöser Vortrag.) — Dienstag, 21. D e z.: Rabb. Dr. H. Cohn : Sonder Veranstaltung für Damen; erstmalig: Aus unserem jüdischen Pflichtenleben. (Religiöser Lehrkurs.) Schweinfurt, 13. Dez. In einer Kundgebung des Bezirksrabbinates Schweinfurt sprachen die Herren Dr. Arthur Prinz, Berlin und Rechtsanwalt Dr. Stern II, Nürnberg, über „Der Hilfsverein im Dienste der Ueberseewanderung". Bezirksrabbiner Dr. "Köhler begrüßte die zahlreiche Zuhörerschaft, die von Stadt und weitem Lande gekommen war und in ihrer Not hier Rat und Hilfe sucht. Dr. Arthur Prinz, Berlin, entwirft ein Bild der vielseitigen und unermüdlichen Tätigkeit des Hilfsvereins und beleuchtet alle Möglichkeiten einer Auswanderung. Es müsse heute nicht heißen „Palästina oder Uebersee", sondern „Palästina; u n d Uebersee". Rechtsanwalt Stern, Nürnberg, ergänzte als Leiter der Beratungsstelle des Hilfsyereins für Nordbayern mit praktischen Winken. Den Dank der Zuhörer brachte Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler im Schlußworte zum Ausdruck.