Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2451009--83421-2541420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
J l67tDezBinfeer" 1^37^ D' £ r Israelit Nr. 50 Seite 7 Korrespondenzen. Deutsches Reich. . Aus Baden; ..... ■■•--»■■ :•■■■.,■■■* ■■ Mannheim, 3. £)&z: Es war dem „Verein zur Wahrung des g e s e t z e s t r e ue n J u d e n t u m s" gelungen, Herrn S. Schachnow i t z. als Redner für .drei Orte zu gewinnen. Am 27. November lauschten im Karls ruh er Vortragssaal sehr viele Menschen mit ge spannter Aufmerksamkeit, als der Redner mit der ihm eigenen souveränen Beherrschung des Stoffes und des Wortes über „Israel und Ls mael" sprach. Es versteht sich von selbst, daß diese Redner nicht nur das Aktuelle des Israel-Ismael. d. h. des Araber-Juden-ProblemsI darstellte. Ihm stand die Fülle der Ueberlieferung, der Midraschim, der Historie zur Verfügung, um den Weg von der Vergangenheit in die Gegenwart zurückzulegen. Dei Vortrag klang, in Mahnung und Hoffnung aus: Mahnung, daß ein etwa kommendes jüdisches Gemeinwesen nur bestehen könne, wenn es ein wahrhaft jüdisches Gemeinwesen sei, aufgebaut auf dem Gesetz des wahren „Herrn des Landes"; und Hoffnung, daß in Erez Jisroel auch noch einmal die Versöhnung zwischen Israel und Ismael kommen werde. (Eingeleitet wurde der Abend von Prof. Dr. Darmstädter, Mannheim, dem Organisator der Veranstaltungen.) — Am ersten Chanukaabend weilte S. Schachnowitz am entgegengesetzten Ende des Landes, in Gailingen, und sprach über „Chanukah in Erez , Israel und in der Gola". Die Freude der Dorfbewohner und der aus der Umgegend Herbeigeeilten, war nicht weniger groß, und ihr Beifall nicht weniger herzlich als in Karlsruhe, wo Herr Rabb. Dr. Michalski herzliche Worte des Dankes an den geschätzten Redner richtete. Aber es ist doch so: in der großen Stadt ist selbst die beste Veranstaltung eine unter vielen Veranstaltungen. Im abseits gelegenen Dorf, mit seiner immer noch großen, sehr wachen und sehr regen Gemeinde, ist's schon ein Ereignis, wenn ein Prominenter kommt. Man soll nicht meinen, daß die Menschen im kleineren Ort den Ereignissen und Problemen, die um Erez Israel kreisen, ferne stehen Sie hören sehr aufmerksam, wenn einer Ernstes, aber auch einmal eins gute Anekdote, ein gutes Gleichnis zu erzählen weiß und dabei über Juden und Araber, den Jüdischen Staat, die Kenessio Gedaulo und Erez Jisroel-Arbeit Wichtiges zu sagen hat. Wie wir hören, war es ein einzigartiger Auftakt zu Chanuka, eingeleitet durch das erste Entzünden, beendet durch frohes Zusammensein bis nach. Mitternacht. Dazu trugen auch die emunadurchglühten Reden Rabb. Dr. Bohrers vor und nach dem Vortrage nicht wenig bei. — Am nächsten Tage in Freiburg. Der Betsaal überfüllt. Viele, die uns gesinnungsmäßig fern stehen, waren sehr dankbar für das. was ihnen hier, vielleicht zum erstenmal in dieser Zeit, gesagt wurde über „Die neue Bedeutung der alten Gebete". Während in Karlsruhe und Gailingen der „Verein zur Wahrung" selbst der Veranstalter der Abende war, hatte in Freiburg das „Lehrhaus" die Durchführung übernommen. Und so sprach in dessen und der Gemeinde Namen Rabbiner Dr. Scheuermann den Dank aus an Herrn Schachnowitz, der sich mit seiner Chanuka-Reise durch Baden viele neue Freunde erworben und gute Saatkörner in Stadt und Land ausgestreut hat. - In Man n h e i m rüstet sich die Clausgemeinde zum Abschied von ihrem früheren Schochet und Kantor H. Epstein. 17 Jahre amtierte Herr Epstein in treuer Pflichterfüllung in Mannheim. Am Schabbos^ 'tri wird er zum letzten Mal in der ehrwürdigen Claussynagoge am Omed und auf dem Almem'ör stehen. Sein Weg führt ihn nach .Amerika, wo-eirrem Menschen im rüstigsten Alter, mit ausgezeichneten kantoralen Fähigkeiten, mit reichem jüdischem Wissen gewiß noch manche und gute Möglichkeiten neuen Schaffens gegeben sind. Die Mannheimer Clausgemeinde wird ihren ehemaligen Schochet, ihren y'v und p~3 sehr vermissen. Und zu dieser Gemeinde gesellt sich eine unsichtbare Gemeinde vieler Menschen, die im Hause Hermann Epsteins Rat und Hilfe fanden. Alle rufen ihm das ..S»tn ,!?m nach, mit dem ■ er msma 'o und damit , seine Tätigkeit in Mannheim beenden wird. Die Jeschiwa in Mannheim muß leider einen ihrer beiden Lehrer und Dozenten, Herrn Rabbiner Dr. Roth, künftighin entbehren, Er verließ Mannheim, um in einem anderen und größeren Wirkungskreis tätig zu sein. Herr Rabb. Dr. Roth war nicht , sehr lange in Mannheim. Aber' es gibt Menschen, die in der kürzesten Zeitspanne den Weg zu den Jugendlichen finden,-ihnen den Weg zur Thora und zum Lernen ebnen und schön, gestalten. Das war Dr. Roth gelungen, und dankbares Erinnern, auch außerhalb des Jeschiwäkreises, wird so leicht nicht vergessen, wie Rabbiner t Dr.: .Roth? in stillemWirken Lernbeflissene um sich scharte und bemüht war, dem Milieu der Claustradition, in die die Jeschiwa als private Institution eingebaut ist, gerecht' zu werden. Bachurim der Jteschiwa und alle Freunde in Mannheim wünschen-.Rabb. Dr. Roth, ' daß. ihm im künf- Ijigen Bereich seiner Tätigkeit -ebenso rasch und ebenso herzlich Schüler und Freunde erwachsen,, wie es in Mannheim der Fall war. . D-^-r. Polen. f - Vom polnischen Antisemitismus. > ■ ,i . Warschau, 8, Dez, Die Medizinische Union von Wilna beschloß heute die Einführung eines Arier-Paragraphen in die Statuten der Union gegen den Widerspruch der demokratischen und judischen Aerzte. In Lemberg wurde eine terroristische Endek- Organisation entdeckt, welche das Haus der jüdischen Studenten-Union in Brand setzen wollte. 10 Endeks sind verhaftet worden. Schweden» Propaganda für Chisuk Hadas in Skandinavien. S t o c k h o 1 m , 10. Dez. Drei Jahre sind nun verflossen, seitdem Rabbiner Wolf S. Jacobson, Mitglied des Waad Hapoel der Agudas Jisroel und Direktor des Keren Hatorah. den Rabbinatssitz der Gemeinde „Machsike Hadas" in Kopenhagen einnimmt. Ein guter Organisator und glänzender Redner, erstreckt er natürlich* seine Wirksamkeit über den eigen Kreis seiner Gemeinde hinaus auf ganz Skandinavien und wirkt auf steinigem Boden, der von Assimilation seit Jahrhunderten durchsetzt ist, ungemein segensreich. So unternahm er es eine Woche vor Cahnuka zum ersten Male in Stockholm, der Hauptstadt Schwedens, eine Aktion für die Beth Jakob-Schulen und zugleich eine groß angelegte Propaganda für Chisuk Hadas in den Nordländern einzuleiten. Man sah dem Unternehmen mit Hinblick auf die hiesigen Verhältnisse mit größter Skepsis entgegen, wiewohl man wußte, daß seit Dr, Deutschländer auch weite Kreise außerhalb der Agudas Jisroel das größte Interesse für Beth Jakob zeigten. Aber es blieb doch die Tatsache bestehen, daß Stockholm Gäste, die für die Thora propagierten, nie gesehen und Agudaredner nie gehört hatte. Aber schon nach dem ersten Vortrag Rabbiner Jacobsons, der gut besucht war, zeigte sich, daß der Pessimismus nicht ganz gerechtfertigt war. Dieses erste Referat hatte die Kindeterziehung zum Thema. Redner schilderte die Töchter erziehung vor zwanzig Jahren in den Ostländern und wies nach, wie dort die Beth Jakob-Bewegung als geistige Rettungsaktion für die jüdische- Frau und Tochter aufkam. Mit der Jacobson eigenen glutvollen Redekunst konnte er die Hörer bis ins Letzte überzeugen. Dieses Referat war aber nur der Auftakt zu einer großen Propagandatätigkeit. Eine ganze Woche weilte Rabb. Jacobson in Stockholm, und es gelang ihm, einen Verein unter dem Namen Chisuk Hadas in Stockholm zu organisieren, mit der Aufgabe: Thoragelehrte zu unterstützen, die mroott nach der Form der Schaßvereine in Deutschland und im Osten zu verteilen und noch andere Institutionen für. die Verbreitung der Thora im Einzelnen und im Großen ins Leben zu rufen. In diese Propagandawoche fiel auch der chassidische Gedenktag des 19, Kislew, der, seitdem Rabb. S u b e r seinen Wohnsitz in Stockholm hat, jedes Jahr in traditioneller Weise gefeiert wird. Dieses Jahr bekam die Feier durch die Anwesenheit Rabbiner Jacobsons einen besonderen Glanz. Man darf hoffen, daß mit dieser Aktion das kleine Häuflein der D»8V in Stockholm und in Schweden einen neuen Auftrieb erhalten hat, um seine jüdischen Ideen in die breitere Oeffentlichkeit hinauszutragen. (Aus einem Berichte des Rigaer „Hajnt"). Rumänien. Dias Entwicklung in Rumänien, Bukarest, S. Dez. Die Campagne der „Eisernen Garde" gegen den jüdischen Handel ist in vollem Schwünge. Jede Woche werden neue Ksttenläden in den Städten und Dörfern eröffnet, welche ihre Waren zum Selbstkostenpreis" kaufen, um die jüdische Konkurrenz zu ruinieren. In Bukarest existieren schon fünf dieser-;Kooperat;vläden dar „Eisernen Garde", die sich beträchtlichen Zulaufs erfreuen. In einem heute veröffentlichten Manifest feuert der Leiter der „Eisernen Garde", Cornelius Codreanu, seine Anhänger zum unentwegten Kampfe gegen die „jüdis-he Gefahr" an. Nichts werde den Sieg der Bataillone, der „Eisernen Garde" verhindern können. Die „Jüdische Partei" hat zu den am 20. Dezember stattfindenden allgemeinen Wahlen in 51 von .insgesamt* 71 rumänischen Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt; während sich die Partei einen starken - Wahl erfolg verspricht, warnt das Bukarester antisemitische Tagesorgan die Juden, sich an den Wahlurnen söhen zu lassen. Man Wörde Mittel und Wege finden, \ um die Juden an jeder Beteiligung an den Wahlen zu verhindern. Die Freiheit der Abstimmung sei nur für Rumänen und für die in Rumänien lebenden christlichen Minoritäten da, nicht aber für die Juden. Die Presse der antisemitischen Goga-Cuza- Partei (national-christliche Partei) wetteifert mit der „Eisernen Garde" in Drohungen an die Adresse < der Juden. England. Die polnische Kolonial-Forderung. London, 8. Dez. „Times" meldet aus Warschau, daß bei den Unterhaltungen zwischen dem französischen Außenminister M, Delbos und Minister Beck die Kolonialfrage eingehend besprochen wurde. Polen werde zwar im Augenblick keinen ungebührlichen Druck nach dieser Richtung ausüben, erwarte aber eine generelle Regelung durch die Bildung einer Art von Treuhandgesellschaft, die auch Polen die Möglichkeit wirtschaftlicher Betätigung auf dem Kolonialgebiete sichere. In Verbindung hiermit solle dem polnischen Bevölkerungsüberschuß ein Auswanderungsziel geboten werden, ohne daß dabei „ethnologische "Unterscheidungen" zwischen den Einwanderungswilligen vorgenommen werden. Französischen Pressevertretern gegenüber erklärte Mr. Delbos, daß Verhandlungen in Bezug auf Madagaskar seit längerer Zeit geführt würden und günstig Fortschritten. (Siehe Wochenrundschau.) Palästina-Frage- und Antwortspiel im Unterhaus. London, 8 Dez. Die bekannte Eingabe der 137 arabischen Regierungsbeamten in Palästina vom 30, Juni 1936 war heute Gegenstand einer parlamentarischen Interpellation, die das Haus in ungewohnte Erregung versetzte. Colonel Wedgewood fragte den Colonialsekretär, welche Maßnahmen er gegen die 137 illoyalen arabischen Regierungsbeamten ergriffen habe, die im Juni 1936 sich nicht gescheut hätten, die Regierungspolitik in scharfen Worten zu verurteilen, ein Vorgehen, das der Vorsitzende der Mandatkommission des Völkerbundes ausdrücklich als disziplinwidrig bezeichnet habe, Mr. Ormsby-Gore antwortet, er sehe keinen Vorteil darin, eine Aktion gegen diese Beamten zu unternehmen und beabsichtige dies nicht. Colonel Wedgewood beruhigte sich dabei nicht, sondern verlangte zu wissen, ob die neue Kommission, die nach Palästina gesandt werde, nicht den Auftrag erhalten solle, aus der Beamtenschaft Palästinas die illoyalen Elemente zu entfernen und die Beamtenschaft dazu anzuhalten, daß sie den Befehlen der Regierung gehorche. Ormsby-Gore erhob sich, um gegen diese Frage ZU protestieren, doch wurden seine Ausführungen durch laute Zwischenrufe der Opposition übertönt. Als Wedgewood sich beschwerdeführend an den Speaker wandte, erklärte dieser, er selbst hätte die Frage eigentlich nicht zulassen sollen. Im weiteren Verlaufe erklärte Ormsby-Gore, er könne der Beamtenschaft nur das Zeugnis ausstellen, daß sie unter sehr schwierigen Bedingungen die Politik der Regierung loyal auszuführen bemüht sei. Auf Wunsch gab der Minister Auskunft über die letzten Zwischenfälle in Palästina und bezog sich dann in Beantwortung einer - weiteren Anfrage, ob es nicht angebracht sei, nunmehr ein gemeinsames Komitee beider Häuser des Parlamentes einzusetzen, um über die Pläne zur weiteren Gestaltung der Zukunft Palästinas zu beraten, auf seine Antwort vom 21. Oktober. Damals hatte Ormsby-Gore dargelegt, daß ein solches parlamentarisches Komitee die Entwicklung verzögern könne. Im Gegensatz dazu erwiderte der Minister jetzt auf eine weitere diesbezügliche Frage des Abgeordneten Mander, die Frage könne erst „in einem sehr viel späteren Stadium" erwogen werden. Auf die weitere Frage, wann die neue Kom- . mission nach Palästina gehen werde, erfolgte die Antwort: „Jedenfalls nicht jetzt." Alsdann kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Wedgewood und dem Minister über die Frage, ob die ökonomische Aufnahmefähigkeit eines Landes nicht gerade durch verstärkte Einwanderung von Menschen und Kapital beträchtlich erhöht werden könne. Der 'Abgeordnete bejahte, der Minister verneinte die Frage. Endlich setzte man sich über die Organisation der Staatsanwaltschaft in Palästina auseinander. — Die Witwe des ermordeten Gouverneurs Andrews wird eine Pension von Lst. 350.— jährlich sowie für jedes ihrer Kinder ja Lst. 60.— jährlich erhalten. - Ist der. Teikngspian toi? Loudon, 8. Dez. Major J. F. Broadhurst hat gestern Abend im Anglo-Palestine Club eine Rede gehalten, in der er sich mit größter Schärfe gegen den Teilungsplan aussprach, der im übrigen als vollkommen tot zu