Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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16. DezemW 1937 D er Israelit Nr, 50 Seite 5 Von Dr. Ph. Bibcrfeld. (Fortsetzung.) Vergleich mit dem platonischen Staat. Vergleichen wir diesen Aufbau der Verfassung des jüdischen Staates mit dem des platonischen, so sind die Analogien ja wahrhaft frappierend. Die in der Thora geforderten Eigenschaften der Führerschicht stimmen fast völlig mit den vier Kardinaltugenden: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit überein. Wahrheitsliebe und Verachtung des Gewinnstrebens sind von Plato als dem Weisheitsstreben entspringend entwickelt worden, ebenso das das Verhalten zum Volke betreffende Moment der Verträglichkeit und Umgänglichkeit. Dieses entspricht in einer Beziehung dem fünften Erfordernis der Thora, Anerkennung im Volke, freilich nur insoweit damit das Verhalten der Führer zum Volke gekennzeichnet wird. In anderer Hinsicht enthält aber gerade dieser Punkt den ent scheidenden Gegensatz zwischen Verfassung der Thora und platonischem Staatsideal. Das fünfte Erfordernis der Thora hat zum vornehmlichen Inhalt die zur Voraussetzung erhobene Anerkennung der Führerpersönlichkeit ab Seiten des Volkes. Das bedeutet mithin eine maßgebliche Einflußnahme des Volkes auf die Führung, zu der sich im platonischen Staat kein Gegenstück findet. Dort wird ja gerade das gesamte erwerbstätige Volk von der Führung vollständig ausgeschlossen. Hierzu war Plato gezwungen, weil er keine Möglichkeit sah, das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit auf eine derart hohe sittliche und geistige Höhe zu heben, daß ihm eine Mitwirkung bei der Auswahl der richtigen Führer in irgend einer Form hätte zuerkannt werden können. So entsteht bei ihm eine unüberbrückbare Kluft. Auf der einen Seite stehen die Führer, die er mit bewunderungswürdigem Geist mit all den Eigenschaften ausstattet, welche wahre Führer aufweisen müssen. Auf der anderen Seite aber steht das Volk, dem jeder innere Zusammenhang mit jenen Führern vollständig fehlt. Vergeblich bemüht er sich, dieses Vakuum durch künstliche Mittel zu überbrücken, die einem deus ex machina gleich eine Auslese der Führer gewährleisten sollen, nachdem es sich als unmöglich erweist, diese dem Volke selbst anzuvertrauen. Nur zur Weisheit Erzogene können in Weisen ihre richtigen Führer erblicken. Von der Weisheit Ausgeschlossene hingegen nicht. Daran mußte die grandiose Vision Piatos scheitern. Er hat den Oberbau richtig geschaut. Die Konstruktion des Unterbaues war ihm jedoch nicht möglich. Im vollendeten Gegensatz zum platonischen Staatsideal ist in der Thora von einer Einteilung des Volkes in Kasten keine Rede. „Du aber ersehe dir aus dem ganzen Volke" heißt es in der Thora. (2. B. M. 18, 21.) Die Wertung und Einordnung des Volkes wird entscheidend bestimmt durch den Leitsatz: „Wer gebe, daß das ganze Volk G'ttes Propheten wären, daß G'tfc seinen Geist auf sie gebe." (4. B. M. 11, 29.) Hierdurch empfängt die Auslese der ersten 70 Aeltesten, bei welcher diese Worte gesprochen wurden, die eigentliche Sinngebung. Es wird damit bekundet, daß mit der Einsetzung der höchsten Behörde kein Monopol des Geistes gestiftet . werden sollte, und daß der Letzte aus dem Volke ebenso des Anteils am G'ttesgeist gewürdigt werden könne, wie der Erste im höchsten Amte. (Vgl. S. R. Hirsch zur Stelle). Das ganze Volk in allen seinen Gliedern ist dazu berufen und verpflichtet, steh zur geistigen Höhe emporzuarbeiten. Es wird sogar von den sozial niedriger Gestellten erwartet, daß gerade von ihnen die höchste geistige Stufe erklommen wird. „Gebet acht auf die Söhne der Armen, denn von ihnen geht die Lehre aus." (Nedarim 81a.) Darum, besteht auch nicht die Notwendigkeit, zur steten Ergänzung der Führerschicht zu den Gesetzen der Vererbung seine Zuflucht zu nehmen, Es herrscht vielmehr durchaus die Vorstellung, daß geistige Größe nicht vererblich ist. Damit wird die relativ häufige Erscheinung erklärt, daß die Abkömmlinge von geistig hochstehenden Menschen nicht wieder weise sind. Geistige Größe soll von jedem selbst erarbeitet werden. Eine Vererbung würde zur Selbstüberhebung führen. (Nedarim 81a.) Aus den reichen im ganzen Volke schlummernden Kräften soll die stete Erneuerung der führenden Schicht erfolgen. Dem Volk selbst ist die entscheidende Mitwirkung hierbei vorbehalten. Das hat naturgemäß zur Voraussetzung, daß das Volk auf einer hohen sittlichen und geistigen Stufe stehen muß. Bedeutung der Volkserziehung. Daraus erklärt sich die zentrale Bedeutung, welche der Volkserziehung im Rahmen der Verfassung der Thora zukommt, die ihren Ausdruck in dem Satze findet, daß die Welt nur bestehe durch das Lernen der Kinder, und daß jede Stadt, in welcher die Kinder nicht unterwiesen könnte, er hat auch die Notwendigkeit, wenigstens eine fremde Sprache zu erlernen, bisher noch nicht begriffen, er hat auch keinerlei An- .hang, Verwandte oder Freunde jenseits des Ozeans — so sitzt er nun erwartungs- und vertrauensvoll in einem jener kleinen, stillen Zimmer dem Berater gegenüber, der von seinem Besucher ein Bild zu gewinnen bestrebt ist, indem er ihn zum Sprechen über sich selbst und seine Pläne zu bringen versucht. Wie oft geschah es schon, daß schließlich ein Name fiel, der seit Jahrzehnten in der Familie spukte, der Name eines vor einem Menschenalter ausgewanderten Angehörigen, der nun vielleicht zum Rettungsring wird, der den Auswanderungskandidaten über das große Wasser trägt! Denn der Hilfsverein hilft auch hier: Er setzt den Ermittlungsapparatsder ausländischen Hilfskomitees in Bewegung, und manchmal schon ist es ihm gelungen, der Familie seit langem entfremdete Verwandte aufzufinden und sie zu tätiger Hilfe für den Auswanderer zu gewinnen. Aber auch, wenn ein solcher Glücksfall nicht eintrifft, gibt es Wege, die zum Ziel führen können: Berufsumschichtung, Sprachenkurse, Familien- und Gruppensiedlung, Kinderauswanderung, Beschaffung von Mitteln für die Durchführung der Auswanderung des mittellosen Antragstellers usw., sie alle werden sorgfältig geprüft, in Betracht gezogen und nicht eher verworfen, als dies verantwortet werden kann. Begreift man, daß solche Arbeit nicht ohne „Apparat" geleistet werden kann, daß nur be- . sonders qualifizierte Persönlichkeiten als Berater verwendet werden können? Daß die gesamte Organisation des Hilfsvereins sich aber auf das Unvermeidliche beschränkt und von einem der schicksalhaften Größe der Aufgabe zahlenmäßig keineswegs angepaßten Mitarbeiterstab geleistet wird, kann wahrheitsgemäß versichert werden. Daß andererseits die Unterstützung eines jeden Juden in Deutschland kostenlos zur Verfügung stehenden Organisationsnetzes, die Beschaffung und Verbreitung der Informationen, die Ermittlung neuer Auswanderungsmöglichkeiten, die Betreuung und Beratung der zur Auswanderung zu Bringenden große Summen erfordert, die von den Juden in Deutschland selbst aufgebracht werden müssen, da die ausländischen Hilfskomitees hierfür keine Mittel zur Verfügung stellen, wird jedem Einsichtigen klar sein. Er wird daraus d e n Schluß ziehen, daß er nach besten Kräften das Seinige beisteuern muß, um eine Organisation schlagfertig zu erhalten, die er vielleicht gar bald selbst um ihren sachverständigen Rat zu bitten genötigt sein kann. Nach einigen Erklärern versteht Jaakow unter „den, der mein Lager bestieg" Re'uwen. Damals entweihtest du dich. - * * * Kap. 49. V. 6. „In ihren Rat komme nicht meine Seele, mit ihrer Versammlung eine sich nicht meine Ehre; denn in ihrem Zorn erschlugen sie Männer, in ihrer Willkür lähmten sie die Stiere." Beziehen wir den Nachsatz auf die Plünderung der Stadt Schechems, so müssen wir annehmen, daß Schimeon und Lewi einen Teil der Tiere plünderten, obgleich diese Tatsache in 34, 28 nicht erwähnt ist. * * * Kap. 49. V. 13. „Sewulun wohnt an der Bucht des Meeres." Die Bucht Wird qin genannt, weil dort die Schiffe von dem Sturm geborgen und von Landteilen schützend timgeben sind, «pn ist verwandt mit ^sn schützend timhüllen.3) (Dewarim 33, 12.) * * . * Kap. 49. V. 21. „Naftali, eine entsandte Hindin; er bringt schöne Nachrichten." Mit der Geschwindigkeit von Hindinnen zieht Naftali zum Kampf. Und eilfertig verkündet er die gute Siegesnachricht. Die Verheißung bezieht sich auf den Kampf der Söhne Naftalis gegen Ssiszra. Vergl, Schofetim 4, 10; 5, 18. * * * 2) Qb die Hafenstadt Haifa ( ns->n .k9->n ) diesem Umstand /ihren Namen yjerclankt? Kap. 49. V. 22. ,,Ein Sohn gleich einem Fruchtbaum ist Joszef, ein Sohn gleich einem Fruchtbaum am Quell. Zweige steigen an der Mauer empor." rna ist abgeleitet von ms fruchtbar sein, vgl. Jeschajahu 32, 12. Die Vergleichungspartikel a vor ms fällt aus, vgl. V. 9 ns mvr /Tin und die folgenden Verse. tiw heißt Töchter und Zweige; ebenso bedeutet p3V> Säugling und Reis (Jeschajahu 53, 2). Die Einzahl mvs ist im Sinne von „jeder einzelne der Zweige steigt empor" aufzufassen. Analogien für das in der Singularform angewandte Prädikat bieten Jeschajahu 2, 11; 37, 14; Kohelet 10, 1. Jaakow wendet sich mit seinen Weissagungen zu* letzt an Joszef und Binjamin, weil sie die jüngsten Söhne sind. * * * Kap. 49. V. 24. ,fFest blieb sein Bogen, gelenk waren die Arme seiner Hände." iTB'i ist abgeleitet von tB gelenk sein. Die Pielform finden wir in Schemuel II 6, 16 in der Bedeutung von hüpfen, tanzen. Die Arme Joszefs waren gelenk, um den Bogen zu spannen. Aehnlich heißt es in Schemuel II 22, 35 und Tehillim 18, 35: Meine Arme drücken den ehernen Bogen nieder. * * * Kap. 49. V. 31. „Dorthin hat man Awraham und seine Frau Sara begraben, dorthin hat man Jizehak und seine Frau Riwka begraben, und dorthin habe ich Lea begraben." Man hätte erwartet pn** nx vnap habe i c h Jizehak begraben, da doch Jaakow selbst seinen Vater begraben hatte (3, 29). Nun steht aber in Kap. 35, V. 27: „Jaakow kam zu seinem Vater Jizehak nach Mamre, Kirjat arba." Nachdem Jaakow von dem Elternhaus auf Veranlassung seiner Mutter geflohen war, hätte man hier erwartet: „Und Jaakow kam zu seinem Vater Jizehak und zu seiner Mutter Riwk a." Wir können daher annehmen, daß Riwka vor der Rückkehr Jaakows ins Elternhaus gestorben war. Um nun nicht ausführlich sagen ZU müssen; „dorthin habe ich Jizehak begraben, dorthin hat man Riwka begraben," wählt Jaakow die kürzere Fassung: -pan rmi pns* mt *nap Auch dürfte Jaakow sich deshalb nicht der Redewendung JiR vnap pos' bedient haben, weil er sonst hätte Esaw erwähnen müssen, der mit ihm gemeinsam den Vater bestattet hatte. Immerhin will Jaakow mit der Anwendung der Mehrzahlform nap andeuten, daß auch Esaw bei dem Begräbnis beteiligt war. Wochenkalender. . Vom 18. — 2\ Dezember 1937/Vom 11. — 21. Tebet 5698 V3Y> *p Samstag 18 14 pi* R' 'm Sonntag 19 15 3' Montag 20 16 V Dienstag Dez 21 /iao 17 r> Mittwoch 22 18 iö Donnerstag 23 i 19 tu Freitag 24 20 rp Samstag 25 21 t)"« n-mv