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Der Israelit · 1937-12-09 · Heft 49 (9.12.1937) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 49 (9.12.1937)
Date
1937-12-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr; 49 . \m Der* Israelit 9. Dezember ,1,^37 „Ist es nicht eine Fügung G'ttes, daß ich heute zu Ihnen ging?" Sie sah ihn fragend an. „Er wollte, daß wir uns finden." Ein Leuchten trat in ihr Gesicht und sie sagte erregt: . „Ich ahnte, daß uns G'tt eines Tages zusammenbringen würde, ich ahnte es." „Auch in einem kleinen Raum kann Platz vorhanden sein für ein großes Glück," sagte öf mit Wärme. „Ja. So ist es," entgegnete sie bewegt. Sie traten wieder ans Fenster. Er sah noch einmal sein Zimmer, und ihm war plötzlich, als ginge von dort tatsächlich Ruhe und sonnige Freude aus, als entströmte dem Räume eine wohlige Wärme. Und es kam ihm jetzt ganz zum Bewußtsein, daß das Fenster des fünften Stockes ein Leuchtturm war, dem er schon längst zustrebte, und daß es für ihn nicht mehr den Weg .zum Tode bedeutete, sondern zu einem neuen' jüdischen Leben. Wochenkalender. Vom 11. — 18. Dezember 1937 Vom 7.— 14. Ttbet 5698 'ai' »p , Samstag 11 7 ra-iy t »jn Sonntag 12 8 n Montag 13 9 i Dienstag Dez. 14 J13B 10 T rnoa mpj? Mittwoch 15 i 11 n Donnerstag 16 12 B Freitag 17 1 I 13 •> Samstag 18 14 8' »mi Yemenitischer Thoraschreiber > Lange bevor sich der große Strom der Einwanderer und Besucher nach Palästina ergoß, hat Erich Wolfsfeld das heilige Land bereist und dort eine Fülle interessanter Motive für seine Malerei und Radierkunst gefunden; Die yemenitischen Juden, denen unser nach der Landessitte auf dem Boden hockender ThoraschreiBpr - angehört, zählen zu jden israelitischen Bevölkerungsgr.uppen, die niemals* den Orient verlassen haben',' die heute wie vor langen Jahrhunderten sich arabisch kleiden und arabisch sprechen. . Ihre 'Bescheidenheit, ihr Fleiß, ihre strenge Redlichkeit haben sie überall beliebt gemacht. Vortrefflich hat Wolfsfeld die typischen Züge dieser besonderen Menschenart erfaßt-und festgehalten. Nicht ^minder eigenartig ist die malerische Aalage des Bildes; die Gestalt scheint von' der, blendenden Helligkeit' der morgenländischen Sonne umflossen. ,; (Bild und Text dem Kalender der - Jüdischen Künstlerhilfe 1937/38 entnommen;) Die Inkunabeln-Sammlung der hebräischen Universitätsbibliothek in Jerusalem. .t Durch eine neue hochherzige Schenkung sjflmänn Schockens ist die hebräische Universitätsbibliöthek, nachdem sie bisher schön 20 hebräische Inkunabeln (vor dem Jahre 1500,gedruckte Bücher)-besaß, in den Besitz der größten und wertvollsten hebräischen Inkunabeln-Sammlung der Welt gelangt. Die neue Schenkung umfaßt 64; Bände, von denen der älteste 1475 gedruckt wurde. Sämtliche Bücher sind also zwischen 1475 und 1500 in Italien, Spanien, Portugal und Konstantinopel erschienen. Sechs dayon>sind Unica, d. h. Werke, von denen kein , anderes Exemplar, soweit bekannt, existiert. ' Sämtliche Bücher befinden sich in selten tadelloser Verfassung. Die ersten Drucke aus Rom sind: Maimonides, Mischneh Thora und More Newuchim, •die Teschuwo des Raschbo und der Sm'ag. Letzterer ist auf Pergament gedruckt. Schocken hat, sämtliche Bücher im Stile der Periode, aus der sie stammen, einbinden lassen. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Jüdische Familienreinheit. Vortrag, gehalten au! dem 1. Weltirauenkongreß der Histadruth Olamith N'schei Uwenoth Agudath Israel (Agudistische Frauenorganisation) in Marienbad am 14. Ellul 5697 von Ele Schmuelowitz, Kowno (Lit). (Schluß.) Ebenso wie keiner sich als treuer Agudist bezeichnen kann oder als konsequenter religiöser Jude, wer kein religiöses Mädchen heiratet, ebenso kann sich nicht ein Mitglied der „Bnoth-Jacob"-Örganisation so nennen, wenn es nicht einen Scheitel anzulegen bereit ist. Als dritter Punkt im Programm der Arbeit für „Familienreinheit" muß nba noaan gerechnet werden, die Arbeit für eine würdige Verheiratung bedürftiger religiöser Mädchen, nio nwsn war seit je ein Schutz für die Frau, er ist in letzter Zeit ganz untergegangen. Wenn man genauer zusieht, war fri>3 noasn ebenso wie Frauenschutz eine Waffe gegen Ausgelassenheit, ein gutes Propagandamittel für flinö nnBPH/ für jüdische Familienreinheit. Wir müssen unbedingt beachten, daß die Frage der religiösen Töchtererziehung nur dann gelöst werden kann, wenn die Tochter einer religiösen Ehe zugeführt wird. Sobald das nicht geschieht, ist die ganze Töchtererziehung nutzlos. Und wenn durch soziale Hilfe in Form von befristeten Darlehen oder sogar Spendungen für arme Mädchen zugunsten der Errichtung religiöser Heime gearbeitet werden kann — warum soll man es nicht tun? So kann auch soziale Hilfe" in den Dienst unserer Aufgabe gestellt werden. Für sehr nützlich .haben wir auch die schriftliche Propaganda anzusehen. Auch auf dieo«m Gebiete sind wir flieht genug tätig, nicht deswegen, weil es uns an tätigen Kräften gebricht, sondern aus ganz anderen Motiven. Die Orthodoxie, der wichtigste Teil des ison t=>». des Volkes des Buches, hat den Glauben an das gedruckte Wort verloren. l)ie gesamte Tagespresse befindet sich in den Händen der Linken. Sie wurden die „geistigen Führer", Sie wurden tonangebend. Sie zeigen dem Volk durch die Presse: na;«* "l"nn IT Dies ist der Weg, auf dem Ihr schreiten sollt!" Aber die wahre geistige Führerschaft, wie sie in der Orthodoxie vertreten ist, schweigt. Nicht weil dyt» jfnn nsi ^»»n weil der Verständige in solcher Zeit das Schweigen für richtig befinden muß. Es gibt hierfür einen anderen Grund; Man glaubt in unseren Kreisen nicht mehr an den Einfluß des gedrückten Wortes. „Wenn man schon über „Familienreinheit" schreiben wird," so heißt es, „was wird es schon helfen? Und wenn man schon etwas drucken wird, wozu wird es nütze sein?" Die Linke glaubt auf der Jagd nach falschen Ideen fest und heilig an die Verwirklichung ihrer Ideale. Die Orthodoxie aber, die Trägerin der gütlichen Idee, die Trägerin des' OTm' tiSl des wahrhaft Ewigen, ist verzweifelt -■- und bezweifelt die Möglichkeit der Hilfe und ihrer Erfolge. Die Linke marschiert vorwärts. Darum muß man all den Verzweifelnden, wer immer sie sein mögen, zurufen: Nieder mit Eurer Resignation! Infiziert nicht mit dem gefährlichen Bazillus auch diejenigen in unseren Reihen, die noch den tiefen Glauben haben an die Möglichkeit des Wirkens für nns»»n nm«- Gewährt Raum für die Hoffnung des Ewigkeitsvolkes, das seinen Glauben nicht in schlimmsten Epochen verloren hat! Druckt Broschüren, Aufrufe, Plakate! Ueberschwemmt das Volk ebenso wie die Unfrommen es tun mit dem gedruck-, ten Wort. Ihr werdet sehen, daß es -wohl wirken wird! \ Als erster Pionier auf diesem Gebiete hat der ehrwürdige Kownoer Oberrabbiner zu gelten, der auf einer Konferenz der litauischen Frauen-Organisation „Beth Jacob" einen tiefschürfenden, unsagbar wertvollen Vortrag über nnsirön mntj gehalten und ihn später erweitert dem Druck übergeben hat. Dieser Vortrag muß als klassisches Werk auf dem Gebiete von nnswjsn fnnt» gelten, und wird sicher richtunggebend bleiben für weitere Schöpfungen derer, die die Notwendigkeit der schriftlichen Propaganda begriffen haben. Nicht weniger wichtig ist die mündliche Propaganda, worin gleichfalls ungeheuer viel Arbeit noch zu leisten ist. Man muß diese Frage aus der Sphäre des „Beth-Hamidrasch" herausheben und auf die Straße tragen, in der breiten Oeffentlichkeit muß hierüber nicht weniger geredet werden als über alle anderen Fragen. Jüdische, von der Thora geregelte Familienreinheit muß wieder Raum finden im jüdischen Denken, man soll diese Frage nicht mehr in einen Winkel stoßen dürfen, Man soll es nicht mehr als Sache Einzelner bezeichnen können. In erster Reihe müssen hierfür sorgen die geistigen Führer wie auch die Führerinnen der religiösen Frauen- Organisationen. Familienreinheit muß wie früher Grundlage des Volkslebens werden. Ton psn U9 &b Der Unwissende kann nicht fromm sein; wieviel. Unwissenheit herrscht aber auf diesem Gebiete! In allen Beth Jacob-Organisationen und den Gruppen der.' ATIS« Jiisa'i »»3 müssen die Vorschriften von nnsvn /nnu gelehrt werden. Das wird sicher viel Nutzeh bringen und zur Festigung von nns»» mnts beitragen. Zum Schluß sei hier noch ein. sehr interessanter Midrasch zitiert, welcher auch für unsere Epoche. sehr charakteristisch ist. Zur nioa rmö wird von Raschi ein Midrasch zitiert. Als Balak, Moabs König, das jüdische Volk besiegen wollte, konnte er ihm in keiner Weise beikommen. Da wandte er sich an Bileam um Rat. „Keine Sache wird Dir helfen," entgegnet ihm jener, „es sei denn, daß es Dir gelänge, das jüdische Volk von seinem S i 111 i c h k e i t s - weg abzubringen. Denn wisse, daß der jüdische G'tt Ausgelassenheit sehr haßt, (ton n»i SiVff Q">pb&{ Sobald die Israeliten auf. diesem Gebiete sich vergehen, kann man sie leicht besiegen." Bileams Ratschlag hat Erfolg gehabt. Jüdische Männer haben den Götzendienst von nys '-pya aufgenommen. Damit war ihr äußeres Schicksal besiegelt. " ' Aehnliches erleben wirin unseren Tagen. Um uns überall unsagbare Abneigung. Aus der Golah vertreibt man uns, in Erez Jisrael werden wir kaum eingelassen. Und in uns? Welche Zerrissenheit! Wie steht's um die Familienreinheit? Mit dem Sabbat? Wie m?.t der Erziehung, wie mit den Kindern und ihrer Zukunft? Es scheint, als ob alles sich dem Ende nähere! Und dennoch! Die. Pflicht der religiösen Frau und Tochter ist es, unserem Volke aufzuhelfen. Laßt uns nicht/die Ursache unserer traurigen Lage außerhalb von uns suchen, laßt uns sie suchen n u r in uns allein! Unser Ruf, der Ruf der organisierten religiösen Frauen muß sein: Zurück 2ur Familienreinheit! Zurück zur Reinheit des Gedankens! Zurück zur Reinheit der Rede! Zurück zu der echten religiösen Betätigung! Zurück zu einem Leben der Heiligung! Zurück zu der nur so gesicherten Unbesiegbarkeit des jüdischen Volkes! Ein Agüdaabend in St. Gallen. Die kurze Anwesenheit des Herrn Redakteur S Schachnowitz, Frankfurt a. M., in der Schweiz nutzte-die noch junge Agudagruppe in St.; Gallen aus, um einen Vortragsabend zu veranstalten.. Trotz . der Kürze der Zeit und der mannhaften Propaganda konnte man einen vollbesetzten Saal begrüßen. Herr Schachnowitz, kein Unbekannter in der Schweiz, stellte sich zwar kein spezifisch-agudistisches Thema, arbeitete aber alle positiven Gehalte der Agudas Jisroel, der Kenessio Gedaulo wie überhaupt ~ des Thorajudentums so .-plastisch heraus, daß uns .allen die jüdische Situation in der Welt mit dem Ausblick auf die kommenden großen Entscheidungen [ in Palästina klar vor Augen stand. Nach ihm ergriff der bekannte Jeschiwaleiter von Montreux, Herr Rabbiner Botschko, das Wort, um in der ihm eigenen von inneren Gluteri getragenen Art die Menschen für die altneuen jüdischen Erkenntnisse aufzurütteln. Der Abend, der erste dieser Art in St. Gallen, wird gute Früchte fürdie hiesige Agudagruppe, die unter Vorsitz von. Herrn Jizchak S te rn bu c h den. Umständen gemäß vortrefflich, arbeitet, tragen. ■ ' ' Kr

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