Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1937)
- Date
- 1937-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 49 Der Israe Ii t Dezember 1937 Die Maueranschläge appellieren an die Verbraucher, in denjenigen Läden zu kaufen, die billige und gute Waren feilbieten. Die Boykottbewegung bedeute keinen Schutz nationaler Interessen und entspreche nicht den Intentionen der Regierung. Massenversammlungen sollen in allen Städten und Städtchen gehalten werden, um die öffentliche Meinung aufzuklären. ' * * •'• ••-!.* Zur Frage der jüdischen Auswanderung und S i e d 1 u n gerichtete, wie uns aus London unterm 28. November' mitgeteilt wird, in! der' Jahres-. .Versammlung der Tca ' der Präsident,.. d'Avigdor Goldsmid eine'n dringenden Appell an die br a si. Manische Regierung, das überraschende Ver bot der Ansiedlung von Juden aus' Deutschland au den, Besitzungen;; der ICA. im Staate Rio de Janeiro zurückzunehmen. - Die bedeutsame Rede, über die noch ausführ licher zu berichten sein wird, klang in einen A p pell an--die'.anderen g r oßen jüdischen Organisationen aus, mit der ICA. . in den Fragen der Siedlung in engeren Kontakt zu treten Nur eine ' z e n tr a 1 e Organisation auf .Wohl organisierter Grundlage könne, der ungeheuren Aufgabe gerecht werden, vor der^ die Judehh'eit steht Von Dr. Ph. Biberfeld. t (Fortsetzung.) Garantien gegen Macfitmißbranch. *" . Obwohl; die vorstehend; skizzierte außerordentliche Machtfülle in ,der Hand - einer Behörde, des Synhedrions, vereinigt war, ist es niemals; zß einem" Mißbrauch dieser Macht gekommen. Das Wirken., des Synhedrions ist vielmehr eine Widerlegung. der von Montesquieu behaupteten > „ewigen Erfahrung", daß jeder Mensch; welcher' " Macht besitzt, dazu neige, sie zü mißbrauchten, i Die Garantien, die diesen Aufbau der Verfas-' sung ermöglichten, waren nicht formaler; Natur, \ sondern beruhten zu einem sehr wesentlichen1 Teil auf den persönlichen Eigenschaften der Führer. In den Berichten der Thora über die Auswahl der Führer ist zweierlei zu scheiden. Einmal die Bildung einer allgemeinen, umfassenden Führerschicht, welche au|* Anraten Jithros er folgte. (Vgl. II. B. M. I6f 21ff,; V. B, M. 1„13H.) Dabei^handelte^es sich mm einen Personenkreis vonC etwa 78 6Q0 Menschen. Ihre Aufgabe war es, das Volk,.zu richten, im Gesetze zu unter weisen und" im Geiste des -Gesetzes zu erziehen. Außerdem erfolgte dann später die Auswahl der 17$ Aelt^sten, ..welche mit Moses zusammen das 1. Synhedrion bildeten. (4. B. M. 11, 24.) '; Die1 Anforderungen, welche in persönliche^ Hinsicht an, die Mitglieder der allgemeinen Füh rerschicht gestellt wurden, ergeben sich aus den •folgenden Versen: „Du aber ersehe aus dem ganzen.Volke Männer von ^Tapf erkeit, G'ttesfürchtige, Männer von Wahrheit, die Gewinnst hassen, und setze über sie Fürstjen aus Tausenden. Fürstenhaus Hunderten, Fürsten aus . Fünfzigen. Fürsten aus Zehnen". (II. B. M. 18, 21.) „Gebet Euch Männer, Weise und Einsichtige und Euren Stämmen bekannt, so will ich sie an Eure Spitze stellen." (V. B. M. 1, 13.) Gefordert werden mithin die nachstehenden Eigenschaften; (vgl. Jeruschalmi Sanhedrin I. 4; Sifre zu V. B^ M. i, 13; Midrasch Rabba z. St.; Rambam Hilch. Sanhedrin IL, 7; Smag Gebote 97). 1. Weisheit und Einsicht, 2. Tapferkeit, 3. G'ttesfurcht, 4. Wahrheitsstreben und Verachtung des Gewinns, '". 5. Anerkennung im Volke. Die Uebereinstimmiing d$r vier ersten Postulate mit den Kardinaltugehden äes platonischen Staates ist überraschend und in die Augen springend. Darauf wird1 weiterhin hoch einzugehen sein. Zunächst sind die geforderten Eigenschaften im Einzelnen zu untersuchen. 1. Weisheit und Einsicht. Unter Weisheit ist die Aufnahme des Vorhandenen zu verstehen, also vor aHern^-dieN Kenntnis:' der gesetzlichen Normen. Einsicht . ist die Fähigkeit, aus dem; Gegebenen das Richtige zur - Entscheidung vorliegender Fragen und Fälle zu .folgern, esist die Urteilsfähigkeit; (Vgl. S."'R. Hirs^h;^. B;; M,; 1, 13; I. B. M. 41, 33.) Einen weiteren Anhaltspunkt für das Verständnis dieses Erfordernisses bietet die Mischnäh am Ende des Traktats Baba Bathra, wo es heißt; „Wer weise werden will, der beschäftige sich mit dem, Zivilrecht, denn es gibt kein umfassenderes'Gebiet in der Thora als dieses. Es ist wie ein sprudelnder' Quell!" In der Tat ist die Beschäftigung mit dem Rechtsgedanken in all seinen Ausstrahlungen am ehesten geeignet, den Blick des Menschen für das Wesentliche :z^ schMfen>:; Denn das Recht ist nichts Ruhendes. Es folgt zwangsläufig der F^ntwicklung^ des . sozialen Lebens, das es zu re geln bestimmt ist. . Genau so wie dieses ist es daher ständig im Fluß. Es ist selbst ein Abbild des sprudelnden Lebens: ein sprudelnder' Quell. Als Vorstufen der Weisheit werden von der MiscRhä'(Spr. d:. Väter 4, 23) noch die Kenntnis des Umlaufs der Gestirne und die Geometrie bezeichnet.; 1 2. Tapferkeit. Hierunter ist jene Seelenstärke zu verstehen; die ^as unbeugsame Verlangen hervorruft, den Unterdrückten aus der Hand sei nes Drängers zu erretten. (Smag a. a. Ö.) Nach dem Rambam (a. a. 0.) fällt darunter allgemein die unerschütterliche Einsetzung für die Bestimmungen des ^Gesetzes allen TriebenJJund Lüsten zuwider/ Es ist ^dieses also jene unverbrüc^i liehe Aufrechterhaltuttg der durch0 das Gesetz eingepflanzten Meinung auch dem Furchtbaren gegenüber im Sinne de^'Gellankengänge Piatos, vermöge i:weleher man., sowohl -ij^f Schinerz wie in der Lust, iriaBegierden u$td\*n Schrecknissen daran festhält. .. 3. G'ttesfurcht., Von dieser heißt . es in . der Thora- (IL ,B. M. 20, 17): „Damit 'die Ehrfurcht vor ihm stets auf Euch ruhe, daß Ihr nicht < sündigt." Es liegt darin also der^Gedän^ce^'^er steten Allgegenwärt Gr'ttes, so wie es in deh S^tiSchen der Väter heißt tU••.^-!i)^•'.r3!^^^k*:'.'^!4^ über Dir ist,, ein Auge, dasi.;sieht, ein Ohr-, das hört und daß all Deine Täten -in einem Buche verzeichnet werdeq/' G'ttesfürfcht' führt 'dazü, daß der Mensch ängstlich besorgt .ist, um. rdasf was er tut oder tun will, daß nicht etwas daran sei oder sich hineinmische, was der Ehre G'ttes nicht entsprechen würde. (V^l.. hierzu Mesillath Jeschorim in der Uebersetzung von Wohlgemuth Kap. 24 u. -25)'/ Das aber steht Weit über der „Besonnenheit" Platps, welche ja auch ein „Sichselbstüberlegensein' das Herrschen über sich selbst, das Beherrschen der Lüste und Begierden gewährleisten soll. Als besonderes Erfordernis führen der Rambam und Smag (a. a. O.) noch das der Demut auf. Demut ist nun aber eine Vorstufe der auf G'ttesfurcht beruhenden Sündeftscheu. (Vgl- Sota IX. 15.) Sie ist ja eine unmittelbare Folge der Vorstellung von der Allgegenwart G'tteii. Es rechtfertigt sich daher die Einordnung dieses Erfordernisses unter das der G'ttesfurchtl. Der \ mut bedeutet die Erkenntnis1 der eigenen Mängel und damit die Gefeitheit gegen jegliche Selbstüberhebung, ein Charakterzug, der naturgemäß die Einstellung zu jedem Amt und seine Ausübung ganz' grundlegend beeinflussen muß. Eis folgtdäraus "der ^unschff' jede ^führende Stellung zu, meiden,^Wie ^s in de'r, MiscKhä; heißt (Spr.i;ider li^er 1, T$0),KAj^eijt'}i v0ß hasse' '■ das. Amt",. öder annanderter, $telle;j (Jalkut 940)i :i,Ich, -sägt Gtt.j webde«heilig genarrnt. Hast Dti aber fhpit, alF^fe, .^u^enden/ die1 iriir-eigen S,ind,!dänn /söffst "t)u' jniqiit; .'ein Amt annehmen?' j (Vgl. rMesillath Je3cho*im -'Kap/ Besife^der; Demut führt daher-Azur _völligen: Ausschaltung jeglichen' Machtstrebens ürid fbl'ge^ise aücjh. jeglichen daraus entstehenden KämpfeTs'uni die' Macht- Das aber ist nicht etwa nur ,{hepretijscbes Ideal gewesen. Es waiTvielmehr-unter-deMl^eisen des jüdischen Volkes üblich,' daß'^iöian- Sich der Uebernahme von Aemtern zu entziehen suchte. (Rambam Hilch. Sanhedrin III; 5)v~ Von Jehuda ben Tabai wissen wir,, daß er: nach Alexandrien entfloh, als man ihn als Oberhaupt des Synhedrions einsetzen* wollte. (Jeruschalmi Chagiga TI, 2). Reb." Sera sträubte sich lange Zeit, die Ordination entgegenzunehmen; mit welcher ihm die^ Berechtigung £zür Ausübung von Aemtern verlieben werden . sollte. (Sanhedrin 14ä; Jeruschalmi Bikkurim III, 3)." Das hervorragendste Beispiel dieses (Gesinnüngsädels jüdi- . scher Führer qbiQte^ dasr5 Verhalten rder. Bne B«- theira, welche ^nach Schemaja und Abtäljönsyörübergehend die Führung übernommen hatten. Ais §i« die überragende geistige'c undt. sjt^che Größe des aus'-.Babylon., ^o^j^e^den..erkannten, traten sie sofort; zurück.; und ..übertrugen ihm die Leitung; sich^ ihihl willig ^unterordnend, (Vgl. Pesächirii 66b,; Dorötb, Horischohim Ic. Seite 79, 84.) \ "\ ": ' 4. Wahrheitsstreben,riunä Verachtung ,des Gewinns. Unter Wahrheitsstreben - ist nach Auffassung des Rambam eine dem eigenen Wese^'des Menschen entspringendes, Streben nach ( G e - rech t i g k e i t zu verstehen. ,Es ist Wahrheitsliebe in Verbindung mit :Haß gegen Gewalt und .jegliches Unrecht. Verachtung des Gewinns' bedeutet, daß man nicht dem,'Gelderwerb nächjagt und sich nicht von dem Gedanken an Besitz und dessen Mehrung* gefangen nehmen läßt. 5. Anerkennung im Volke. Dieses Erfordernis hat die Beziehungen der Führerschicht zum Volke zuhi Inhalt. Der.Besitz aller^ Tugenden/genügt nicht, wenn der Betreff ende nicht die richtige Einstellung zum Volke n hat. * Wohlgesinnt muß er einem Jeden sein, Jedem in Wort und Handlung bfscheijdejn^ und ^zuvor^k^mmend entgegentreten. Äuf, diese weise muff er sich die innere Achtung' des .Volkes erworben haben. m ' v :!■'•>'•' '^irt'i; >i «ah «;a5n-j^-to.v (Rambam a. a. ^) x oih;< ...... Die ~¥or8tehenden).? Cljara^tejieigenschaften waren V^ätfbediöguiig für die ^nreihung in. die entnommen* -Nach -Bewährurig;.in;/dißsem lokalen Wirkungskreise "konnte Äder^Betateffende,-! alsdann in stuf en weisern Aufstieg ^zunächst5 rin fdks; kleine Synhedrion von/^'^'Mitglie^ern.- und'schließlich in die^.Zentralbehörde, das, große Synhedrion, gelangen. (Rambam a. a. O. IL, 8.) Von den' -Mitgliedern des Syrihedfions (des von 71 und des von 23 Mitgliedern) wurden über die fillgehieinen Voraussetzungen .hinaus außers'riieinheit.«'^er:'. Abstammung und " besonders IheryörragencLer Beherrschung der' Thora auch Kenntnisse anderer Wissenschaften verlängt, die zur Ausübung ihres Amtes erforderlich waren. Sie mußten beispielsweise in der Medizin, der Algebra, der Astronomie und Astrologie bewandert sein und ebenso in den früher üblichen Künsten der Zauberei und den Gepflogenheiten der Götzendiener, um einschlägige Handlungen richtig beurteilen zü, können. Umfassende Sprachkenntnisse sollten sie besitzen, damit sie nicht auf die Uebertragung durch einen Dolmetscher' angewiesen 1 waren. Besonderer Wert wur^de auch auf körperliche Anmut f und Freiheit vonentstellenden Fehlern gelegt. Kinderlosigkeit und besonders hohes ^Alter waren Hinderungsgründe, weil4 dadurch das natürliche menschliche Empfinden leicht gelemmt sein konnte. (Rambam Hilch, ,Sanhedrin l 1—6,) w :] (Fortsetzung folgt.-)- - -t- J '". ,tf!ti Brifdt^sJen. , . / . Olef.^ 1. Dife". Buchstäben müssen nach der; gegebenen Reihenfolge stejien OJprO, ,90, 8;. man darf,^hen ,an andere Qe'utün^- 'nicht" 3^^en1_''2V.y;r^'ä»v»S5)a5»- a^UK heißt, ..daß ,,d?s Besorgen', einer Arbeit.ahn' S»äb'- .bät .auch dujrch, einen7, Nichtjud'en'.; nach Ahofdniipg (der. Weisen verboten "st..'"^..^^!..-^^ WormsteX-;4. (So durfte wirklich' nicht'gesühgen werden, ,aber;(|er Rhytlimus^ läßt ejner "andere ^orteinteilun .zu. '5 Die Frage ist uns ' nicht verständlich.