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Der Israelit · 1937-12-09 · Heft 49 (9.12.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 49 (9.12.1937)
Date
1937-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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kämpfe, die auf die Bildung des Staatswillens Einfluß haben, und indem ich mich dafür einsetze, daß an Stelle dieser Faktoren andere treten, die den Staatswillen thoragemäß gestalten. Ich kann im selben Räume den thorawidrigen Staat weder ignorieren noch durch einen anderen ersetzen. Thorawidrig ist der Staat doch nur, weil Juden das Staatsvolk bilden und weil von ihnen der Staatswille thorawidrig geformt wird. Ich darf weder anerkennen, noch auch dulden, daß Juden den Staatswillen des jüdischen Staats thorawidrig formen. Ich muß es bekämpfen. Da aber die Mglichkeit nicht besteht, den jüdischen Staat thorawidrig geformten Willens durch einen jüdischen Staat thoragemäß geformten Willens im gleichen Staatsraume zu ersetzen, bleibt nur der Kampf um die Formung des Staats willens im vorhandenen jüdischen Staat übrig. Die thorafremde jüdische Gemeinde braucht für mich, wenn eine thoratreue vorhanden ist, nicht existent zu sein. Der thorafremde Einzelne, ist für mich immer existent. Ihm bin ich für und für verpflichtet, durch alle Mittel möglicher Beeinflussung an thorawidrigem Verhalten zu hindern, und zu thoragemäßem Verhalten zu bewegen. Auch der neue Staat ist für alle Thoratreuen innerhalb seines Staatsgebiets und darum für. alle Thoratreuen der Erde immer existent. Nicht der jüdischen Gemeinde gleicht er daher, sondern dem jüdischen Einzelnen. Der neue Staat: das bist Du und ich. Das sind wir. Sorgen wir, daß er thoragemäß handle. IV. Ein dritter Ausweg. Es gibt noch ein anderes Schlagwort, das der Trägheit einen bequemen Ausweg verheißt; Trennung von Staat und Kirche. Und wenn sich dieses Schlagwort gar noch mit dem Schlagwort ' von der Gewissensfreiheit verbindet, so hätten wir ja beinahe so etwas, wie ein Programm. Dieser" Ausweg ist der allerschlimmste. Mit unsäglicher Leichtfertigkeit identifiziert er die Volksgemeinschaft der Thora mit der Religionsgemeinschaft der Kirche und treibt den Thor'agegnern damit brausendes Wasser in ihre Mühlen. Was gehört zum Staat und was gehört zur Kirche? Wer entscheidet darüber? In Westeuropa weiß man genauen Bescheid. Alles, was bereits oben über Sabbatgesetz und Familienwesen gesagt wurde, findet hier erst recht Anwendung. Familienwesen und Erziehungswiesen j fielen gänzlich an den Staat, und uns bliebe J allenfalls noch, in den Bethäusern und JLehrhäusern und privaten Religionsschulen, das Recht zu eigener Schechita. Unbewußt versteckt sich auch hinter diesem Schlagwort die Forderung, daß es auch im neuen Staat unabhängige Gemeinden geben möge. Wem sich aber die Problematik des neuen Staates in dieser Forderung erschöpft, der hat nicht einmal das Wesen dieser Forderung selber begriffen. , Aus dem Bewußtsein der unzerstörbaren Thora-Einheit der gesamten' Judenheit und der daraus sich ergebenden gesamtbürgschaftlichen Verantwortung ist die Forderung nach unabhängigen Gemeinden erwachsen. Nicht aber sollten unabhängige Gemeinden die Flucht in Verantwortungslosigkeit bedeuten. Es mag sein, daß im Laufe des Verfassungs- Ikampfes um den neuen Staat etwas Aehnliches, wie Trennung von Staat und Kirche in Erwägung gezogen wird. Aber nicht eher, als bis man Paragraph für Paragraph, um Verfassungsentwürfe gerungen hat, die der Thora die Herrschaft nicht durch ein Schlagwort, sondern mit Hilfe ernster wissenschaftlich und technisch ausgearbeiteter und präzisierter Vorschläge sichern wollen, und auch nicht eher, als bis man Paragraph für Paragraph, die Kompetenzabgrenzung zwischen Staat und Kirche der genauesten Klärung entgegengeführt hat. Geschieht dies aber, so hat die Trägheit dabei wahrlich nichts zu gewinnen. V. DerWeg. Selbst wenn das jüdische Volk der Gegenwart in seiner überwältigenden Mehrheit in Treue der Thora anhinge, würde die Errichtung des Galuth - Judenstaats seine Führer vor schwerste Aufgaben stellen. Die Anerkennung der Thora als Staatsgrundgesetz wäre alsdann freilich nicht "zweifelhaft. Aber zwischen der Zeit, da die Thora zuletzt Staatsgrundgesetz war, und der Zeit, da sie es wieder werden möchte, liegen — zweitausend Jahre. Das sagt -alles. Methodisch aber ist es unerläßlich, daß die Autoritäten der Thora sich auch heute, da leider das jüdische Volk in seiner Beziehung zur Thora gespalten ist, zunächst einmal Klarheit darüber schaffen, wie die Konstitution des Galut-Judenstaats auszusehen hätte, und wie das geltende Recht der Thora auf das staatliche und gesellschaftliche Leben des Staates zu erstrekken wäre, wenn die Treue des jüdischen Volks zur Thora außer jedem Zweifel stünde. 1. Welche Staatsform käme in Betracht? Miszellen zu den laufenden Wochenabschnitten. Mitgeteilt von S. Speier, - Kap. 44. V. 27. „Dein Knecht, mein Vater, sprach zu uns: Ihr wißt ja, daß mir meine Frau zwei Kinder geboren hat. ' Jaakow bezeichnet ausschließlich Rachel als seine Frau, da er nur diese heimführen wollte. Aus dem gleichen Grunde fügt die Schrift in Kap. 46, V. 19 den Worten »die Söhne Rächeis" hinzu: „der Frau Jaakows", während dort dieser Zusatz bei Lea fehlt- (V. 15). So wird auch in Kap. 31, V. 4 und 14 wie . auchin Rut Kap. 4, V. 11 Rachel vor Lea genannt. Nach anderer Auffassung heißt es in 46, 19 „der Frau Jaakows", weil dort die Söhne Rachels zwischen den Söhnen der Mägde angeführt werden. * * * Kap. 45. V. 11. „Ich will dich dort versorgen, denn noch kommen fünf-. Jahre Hungersnot, du könntest sonst und dein Haus und alles Deinige verarmen." Joszef kann nicht seinen Angehörigen nach Kanaan Getreide in großer Menge schicken, da man ihn sonst verdächtigen würde, er wolle dies dort verkaufen, um sich Vermögen anzusammeln. Lassen sich hingegen Jaakow und seine Söhne in Aegypten nieder, so hofft Joszef , die Erlaubnis des Königs zur reichlichen Versorgung seiner Familie mit Nahrungsmitteln zu erlangen. Kap. 45. V. 24. * * Die Worte min werden von Onkelos mit f»^> Tixsnn „streitet euch nicht" wiedergegeben. Nach einigen Erklärern bedeutet 1M"W „erzürnt euch < nicht", ran im Sinne von zürnen finden wir in Mischle 29, 9. Zürnt nicht miteinander, daß ihr mich verkauft habt.' Andere Kommentatoren fassen mnn in der Bedeutung von „fürchtet euch nicht" auf. Vgl. Dewarim 28, 65; Tehillim 4, 5. Fürchtet, euch nicht vor Ueberfallen von Räubern, denn es herrscht Ruhe und Sicherheit im Land. * * Kap. 46. V. 19. „Die Söhne Rachels, der Frau Jääkows, Joszef und Binjamin", In Kap. 35, V, 24 und Schemot Kap. 1, V 3 werden Rachels Söhne bezw. Binjamin vor den Söhnen der Mägde genannte Jedoch hier bei-der AufZählung der in Aegypten eingewanderten Seelen werden die Nachkommen Silpäs vor den Nachkommeri Rachels angeführt, weil die.ersteren zahlreicher waren. Kap. 46. V. 26. * . * „Alle Seelen, die .mit Jaakow nach Aegypten kamen, die von ihm stammten, außer den Frauen der Söhne Jaakows Da es nicht heißt „außer den Frauen;Jaak o w s und den Frauen der Söhne Jaakows" nehmen einige Erklärer an, daß Bilha und Silpa, die in 37, 2 als Frauen Jaakows bezeichnet werden, zur Zeit der Ankunft Jaakows in Aegypten nicht mehr am Leben waren.1) "" * '" * 2. Wie hätten die gesetzgebenden Organe auszusehen? 3. In welchem Umfange; stünde; den gesetzgebenden Organen die Kraft zum Erlaß: von Gesetzen und- Verordnungen zu? Ergänzender Art und auch, zumal auf dem Gebiete des Zivilrechts und der Zivilrechtstechnik, '"abändernder Art? Wie vor allem auf dem Gebiet des Straf rechts und des Strafprozesses? Wie _ istes mit ^dem. heutigen in ihren Grundzügen: fast internationalen Instituten des Handelsrechts? Wie mit dem Arbeitsrecht? 4. Wie stünde es mit der Gerichtsverfassung? Qualifikation zum Richteramt? Zivilprozeß und Strafprozeß? Berufung und Revision? 5. Die Beziehung des Sabbat zum öffentlichen Leben in seinen Einrichtungen? Elektrizitätsanlagen? Eisenbahn? Polizeiwesen? Miiltärwesen? Post und Telegraphie? 6. Stellung des Nichtjuden im jüdischen Staat? Dies sind wirklich auch nur, bei weitem nicht erschöpfend einige Ueberschriften. Aber Ueberschriften für schwerste und höchste Hingebung erfordernde —■ Arbeit. Wird sie nicht geleistet, so kennen wir nicht einmal das Soll des Galut- Judenstaats und sind letzten Endes verhandlungsunfähig. Es darf nicht sein, daß uns unsere Gegner gewissermaßen auf Schritt und Tritt vor lauter ungelöste Fragen stellen und damit unseren ganzen grundsätzlichen Standpunkt geradezu ad absurdum führen können. Mit unserer unverkürzten Forderung auf Anerkennung der- Thora als Recht des Staates haben wir herauszutreten, haben aber, soll eine wahre Schmach der Thora vermieden werden, dabei zugleich zu zeigen, daß unsere Autoritäten sich völlig darüber klar sind, und sich, darüber aus? zuweisen vermögen, wie sich unsere Forderung zum mindesten in allen Grundzügen, praktisch auswirkt. Nur so kann unsere Forderung überhaupt ernst genommen werden, weil sie alsdann keine leere Demonstration Ist; die man auf Seiten der Gegner zu den Akten legt und aufunserer Seite zu großen propagandistischen —- Zeitungsartikeln verwertet, sondern sieb! durch gewissenhafte und höchst mühevolle Arbeit legitimiert, die überhaupt erst eine wirkliche Diskussion ermöglicht und erzwingt, bei der sich dann herausstellen wird, was davon bereits heute erreichbar ist, und was den Kämpfen der Zukunft, überlassen werden muß. - Wir haben im Heiligen Lande und wohl auch anderwärts längst eine Autöritätenkrise. Nicht etwa, weil das Volk sich dem Spruch der'Autoritäten nicht beugen möchte, sondern weil die Autoritäten entweder überhaupt schweigen oder Kap. 46. V. 29. ~ ~~ „Joszef spannte seinen Wagen an und führ hinauf nach Goschen, seinem Vater Jisrael. entgegen. Als er von ihm gesehen wurde, fiel er ihm um .den Hals und weinte an seinem Hals noch." Die Worte *]:m ^Q'l bezieht Raschi auf Joszef. Dieser fiel seinem Vater um den Hals und weinte, tu? ist nach dieser Deutung im Sinne; von lange, anhaltend auf- . zufassen. Die Worte vbs Nt vi scheinen jedoch überflüssig; selbstverständlich mußte Joszef seinen Vater gesehen haben, wenn er ihm um den Hals fiel. - Einige Kommentatoren erklären den Vers auf folgende Weise. Als Joszef; mit dem königlichen Gewand und der Königskrone bekleidet, seinem Vater entgegenging, erkannte dieser ihn zunächst nicht. vVs 8TV da Joszef von seinem Vater schließlich gesehen wurde, d. h. Jaakow ihn" erkannte, fiel er seinem Sohn um den Hals und weinte an seinem Hals noch. Während der langen Jahre der Trennung hatte Jaakow geweint (37, 35), nun, nachdem er seinen Sohn wiedersah, weint -er ~ an seinem Hals noch. Es ist auch begreiflich, daß ein greiser Vater, der seinen totgeglaubten Sohn wiedersieht, leichter- Tränen findet als ein Herrscher. — Nach dieser Auffassung hätte in Vers 30 das Subjekt L"7KLi»'> wegfallen können. Die Schrift pflegt jedoch zuweilen das Subjekt zu wiederholen, wie z. B. in 41, 4S bis 51.2) Siehe das dort Bemerkte. •'" - - < V 2) Ich möchte auf Rut 1, 14 hinweisen. Tisr nraäm das.bedeutet „sie weinten n o c h m a i s ", nachdem -sie, wie m V. 9 angegeben ist, bereits zuvor "geweint hatten. Vgl. dort Targum zu V. 14. Siehe ferner Jonatan zu Bereschit 46, 29. .

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