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Der Israelit · 1937-11-18 · Heft 46 (18.11.1937) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 46 (18.11.1937)
Date
1937-11-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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18, November 1937 D e r I s r a e 1 i t Nr, 46 Seite 7 4? .:T Der 60. Geburtstag einer Palästinapionierin. Von zuverlässiger Seite in T i b e r i a s wird uns geschrieben: Vor geraumer Zeit schrieben Sie einmal über das hier in Tiberias. bestehende „Ohel Channah". Es dürfte in diesem Zusammenhang vielleicht die Leser Ihres Blattes interessieren, zu erfahren, daß die Gründerin dieses „Ohel Channah", die durch ihre Tätigkeit im Weingarten'schen Waisenhaus in Jerusalem bekannte Frau Anna Steinitz-Feuchtwanger in den herannahenden Chanukahtagen ihren 60. Geburtstag feiert. Ihr vor einem Jahre etwa! hier begonnenes Werk, eine Waisenmischpachah zu vgründen, die es acht Waisenkindern ermöglichen soll, in individueller Behandlung auf familiärer Basis Erziehung zu genießen, ist leider infolge der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes und insbesondere des Galil nur teilweise verwirklicht worden. Anmeldungen sind zwar mehr da als verfügbare Plätze, doch fehlen die Mittel, die Anmeldungen zu befriedigen und es wäre die schönste Anerkennung ihrer Tätigkeit, wenn man es Frau Feucht wanger durch Stiftung eines Waisen- Hilfsfonds ermöglichte, den sich bei ihr meldenden Kindern die Tore dieses so sehr schönen „Ohel Channah" zu öffnen. Vielleicht genügt diese Anregung, dem Wunsche Frau Feuchtwangers Gehör zu verschaffen und die große Energie, . die diese Frau vor einem Jahre durch Gründung einer Musteranstalt oben geschilderter Art bewies, wärg am schönsten, belohnt. — Momentan beherbergt sie drei Waisenkinder, ein im 14. J^hre stehendes junges Mädchen, das ihr auch im Hause hilft und dem sie allerlei Privatunterricht angedeihen läßt, damit es später im Leben sein eigen Fortkommen findet; einen sechsjährigen Jungen, .der sich vorkommt wie in einem verwunschenen Schlqß und seit seinem Aufenthalt im „Ohel Channah" überhaupt nicht wieder zu erkennen ist. Ferner befindet sich bei ihr ein vor Jahren im Hofe des. Waisenhauses ausgesetzt gewesenes achtjähriges Mädchen, das in" der Anstalt von ihr großgezogen wurde, später aber ihrer Obhut wieder abgenommen wurde. Der Vater 'des Kindes hat sich zwar inzwischen wieder gemeldet,, sorgt aber nur sehr mangelhaft für dasselbe und so ist es wieder Doda Channah — wie man Frau Feuchtwanger hier kurz nennt — zur Erziehung überantwortet. Sie hat also das Kind zum zweiten Male im wahrsten Sinne des Wortes von der Straße weggeholt' und beide sind sehr froh miteinander. Da aber für das Kind fast überhaupt nicht gesorgt wird, da die betr. Stadtverwaltungen mit Recht behaupten, der Vater habe die Mittel, für das Kind zu sorgen, also auch die Pflicht, und andererseits dieser sich dieser Pflicht nur sehr mangelhaft entledigt, besteht die Gefahr, daß dieses Kind abermals der Straße ausgesetzt werden müßte, und es ist nicht möglich, hier, im Lande einen Annehmer hierfür zu finden; Vielleicht finden sich Freunde Ihres Blattes bereit, hier auf irgendeine Weies zu helfen und dafür zu sorgen, daß auch die andern verfügbaren Plätze belegt werden könnten. Ich kann auspersönlicher Erfahrung bezeugen, wie musterhaft das Haus geführt wird und wie wichtig eine solche Anstalt für das so sehr vernachlässigte Galil ist. . Aus den Mitteilungen der Palästina-Zentrale-» Tel Awiw, 10. Nov. Die Tel Awiwer Stadtverwaltung vergibt städtische Arbeiten-an die einzelnen jüdischen Arbeiter- Organisationen in Höhe von Lst. 25.000. Bei der Verteilung werden auch die Poale Agudas Jisroel 1t/ Beschluß des Stadtrates entsprechend ihrer Zahl berücksichtigt. Ebenso erhielten die Poäle Agudas Jisroel einen Anteil an den Tel Awiwer Hafenarbeiteh. Die Arbeit hat bereits im Cheschwan ds. Js. begonnen. Dank der Vermittlung des Herrn Oberrabbiner Duschinski und der Agudas Jisroel in Jerusalem ist, nachdem einzelne Abteilungen der Post in Tel Awiw am Sabbat immer noch geöffnet waren, nunmehr, die, vollständigei Sabbatruhe durchgeführt^ . V Eine zweite Beth Jakob-Schüle, die bereits über 50; Schülerinnen zählt, wurde im Cheschwan in Tel Awiw eröffnet. v . , Ti .. . Die E^senbahnfährpreise ,in Erez ' Jieroef sitiä in der; 3. Klasse mit Wirkung vom: 4. Noveniber wesentlich;, ermäßigt worden. Bemerkenswert ist, daß u. a. auch durch. Vermittlung der agudistischen Arbeiterzentrale (Und der' Agudat Chäredim itf Tel Awiw spezielle1'Ermäßigungen für Freitag Vormittag 11 und Sonntag '.erreicht werden gönnten. Bis jetzt waren diese Ermäßigungen lediglifch; für die' Reisen am Freitag Abend und; Sabbajt;1 s6! daß religiöse Juden keinen Vorteil davon hatten; , z SRAEL Neue Terrorakte, Jerusalem, 12. Nov. Ein Araber wurde heute in Bethlehem angeschossen und leicht verwundet. Der gestern in Jerusalem von einer Bombe verwundete Araber ist gestorben. Zwei bewaffnete Araber feuerten in das Dorf S a 1f i h a bei Nablus. Die herbeigerufene Polizei gab Feuer und tötete einen Araber. Der Sohn des Muchtars von'Migdal Zedek wurde überfallen und schwer verwundet; er hatte vor der Polizei als Zeuge gegen arabische Terroristen ausgesägt, Der „curfew" ist verlängert worden und wird wohl bis zum Inkrafttreten der neuen kriegsrechtlichen Verordnungen am 18. November aufrechterhalten bleiben. Zum Schutz der arabischen Arbeiter, die bei dem Bau der neuen durch die Jerusalemer Stadtviertel Mea Schearim und Sanhedria führenden Straße beschäftigt sind, wurden sechs jüdische Hilfspolizisten kommandiert. Ebenso werden die arabischen Arbeiter beim Bau der verlängerten Agrippa-Straße durch zwei jüdische Hilfspolizisten bewacht. Syrische Banden in Palästina. Jerusalem, 8. Nov. Es bestätigt sich, daß an den Terroraktionen der letzten Zeit nichtpalästinensische Araber wesentlich beteiligt sind. Das Dorf Humel Fachmeh bei Akka wurde von einer 20 Mann starken fast durchweg aus Syriern bestehenden Bande angegriffen. Die Eindringlinge requirierten Nahrungsmittel und flüchteten dann in die Berge. Eine 15 Mann starke bewaffnete Bande drang in das Dorf Luban;ein und trieb eine Herde von 300 Rindern fort. Auch in Seisil bei Hebron wurden 35 Stück Vieh von einer Bande fortgetrieben.. Ueber das Dorf Silwan, wo die Mörder der am Freitag Abend erschossenen .britischen Soldaten Hut- „ninson und Milton gesucht Wurden, ist nach neuerlichen Zusammenstößen der Ausnahmezustand zunächst für einen Monat verhängt worden. Der größte Teil der Bewohner des Dorfes ist in die Berge geflohen. Bei den letzten Zusammenstößen wurden zwei Araber getötet und siebzehn verletzt.; In das Dorf wurde strafweise, ein Posten von zwanzig Polizisten gelegt, die Bewohner müssen sich täglich bei der Polizei melden. Die Bestattung der beiden Soldaten hat unter militärischen Ehren in Ramleh stattgefunden. Die Militärmannschaften haben den Befehl erhalten, die Lager nicht-unbewaffnet zu verlassen. Außerdem haben sie bestimmte Stadtteile und Gaststätten zu meiden. Zwischen Benjamina und Pardeß Channa ist ein jüdisches Auto beschossen worden. Der Lenker des Wagens wurde verletzt. In Hebron erlitt ein arabischer Knabe schwere Verletzungen, als eine primitive Bombe, die er gerade füllen wollte, vorzeitig explodierte. -: Protestkundgebung der jüdischen Arbeiterschaft gegen die heue Einwanderungsverordnung. Jerusalem, 8. Nov. In Tel Awiw fand eine große Versammlung der jüdischen Arbeiterschaft statt, an der mehr als 3000 Personen teilnahmen. In den Reden wurde gegen die neue Einwanderungsverordnung scharf protestiert. Die innerpolitische Lage in Erez Israel. Jerusalem, 12. Nov. ' Das Arbeiterblatt i,Dawarf,j J wendet sich scharf gegen die neue Einwanderungsverordhung, die erstmals 20 Proz. der Zertifikate nichtjüdischen Einwanderern zuweist. Das bedeute einen grundlegenden Wandel der Regierungspolitik. Die „Histadruth" nahm einen Protest gegen die Verordnung an, die eine Verletzung des Mandates darstelle. Mosche Smilansky, der sich bekanntlich bisher mit aller Entschiedenheit für den Teilungsplan einsetzte und auch jetzt krampfhaft bemüht ist, zu beweisen, daß1 die Behauptung• des' Latid-Sachverständigen Mosche Dukan, es könnten in den projektierten Staatsgebiet nur noch 20 000 Juden Platz finden, falsch-sei*, tritt'nunmehr mit einer neuen Forderung hervor. In einem Interview^ mit dem ITA- Vertreter empfiehlt ■ er die Umwandlung Palästinas, in eine Krbn-Kolbnie>: "Auf alle»; Fälle, sei im wirtschaftlichen Interesse eine r a s c he Entscheidung notwendig. : Herr Smilansky erklärte ferner, daß die. Aussichten für die Zitrus-Industrie dieses Jahr ziemlich günstig seien. Es s"ei 'eine Vereinbarung für die einheitliche Kontrolle der jüdischen Exporte zustande gekommen, das allerdings erst nächstes Jahr in Kraft trete. Vorerst würden nur die Grapefruit-Exporte erfaßt. Der Hafen von Tel Awiw werde dieses Jahr anderthalb Millionen Kisten Orangen exportieren. Er schätze, daß 15 Proz. der 5000 jüdischen Orangenzüchter unfähig sein würden, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Entschädigung für Opier der vorjährigen .Unruhen, Jerusalem, 8. Nov. In der letzten Woche sind an Einwohner von Tel Awiw und Umgebung, die während der Unruhen von 1936 verwundet wurden oder Angehörige verloren haben, etwa 10.000 Pfund Entschädigung ausgezahlt worden, Der Höchstbetrag von 250 Pfund wurde in Fällen bezahlt, wo das Familienoberhaupt getötet worden ist. Denselben Betrag erhielten ausnahmsweise auch die Angehörigen der ermordeten Krankenschwestern Martha Fink und Rechama Zedek. In Fällen, wo andere Familienangehörige getötet wurden, sind Beträge von 80 bis 100 Pfund bezahlt wor-. den. Für Verwundungen wurden Entschädigungen bis zu 25 Pfund gewährt. Vermischtes, Berlin, 12. Nov. Es wird uns aus Berlin über einen Vortrag von Dr. Maximilian Landau im Berliner Jüdischen Lehrhaus über den ,,alten jüdischen Staat" berichtet, der Beachtung verdient. Als Angelpunkt jeder Diskussion um den Judenstaat gilt für ihn die unabweisbare Forderung einer Konfrontation des modernen Judenstaates mit der Wirklichkeit des alten jüdischen Staates, Es handelt sich um die zentrale Frage, ob zwischen dem historischen und dem Gegenwartsgebilde eine äußere oder innere Kontinuität vorhanden ist. Der Staat als »soziales Gebilde ist die unbedingte Voraussetzung für ein totales jüdisches Leben. An der geschichtlichen Skala zeichnet sich die „objektive Wertgröße" dieses Staates ab. An Hand grundlegender Beispiele aus der biblischen und nachbiblischen Geschichte zeigte Dr. Landau den herrschenden Widerstreit der Auffassungen in der innerjüdischen historischen Entwicklung bezüglich der Stellung zum Staate. Den Vertretern eines absoluten Königtums G'ttes, das den Staat als permanente Institution ablehnt, stehen gegenüber die Vertreter eines erblichen Königtums. Diese Spannung zwischen den diametral entgegengesetzten, im Volke herrschenden Tendenzen läßt sich durch die ganze jüdische Geschichte verfolgen. „In der Jothamfabel wird zum erstenmal die Frage nach der Rechtfertigung des Staates aufgeworfen werden", sagte Dr. Landau und im Vergleich mit der Integrationslehre der heutigen Staatstheorie zeigte er klar auf, wie das Staatsproblem in der modernen staatstheoretischen Diskussion in ähnlicher Formulierung wie zur biblischen Zeit wiederkehrt. Zur Zeit Samuels erreicht die Spannung zwischen den „Grundtendenzen der jüdischen Staatsgeschichte" ihren kritischsten Punkt. Gegen das Königtum erhebt sich der Prophet als Künder und Warner. Nach der Zerstörung des ersten Tempels ist der neue jüdische Staat als Glied des persischen Imperiums völlig nach innen gewendet, eine „theokratische Republik" entsteht. Mit der makkabäischen Herrschaft entsteht die alte Spannung von neuem und zwar in dem Gegensatz von Chassidim und Hellenisten, Pharisäern und Sadduzäerh. ■ An zwei talmudischen Episoden von besonders starker Wirkungskraft zeigte Dr. Landau die dramatische Zuspitzung des Konfliktes zwischen Pharisäern und Sadduzäern, die ihre spezifischen Anschauungen oft zu paradoxem .Ausdruck bringen und-vor die Frage stellen „Wer ist der wirkliche Hüter des Staates?" Die Frage, ob der alte jüdische Staat seine Aulgabe als normaler politischer Staat erfüllt hat, kann nach Landau mit Recht inur beschränkt bejaht werden. Im Reiche des Gesetzes, der Halacha, führt den Staat ein eigenständiges geistiges Dasein. Die Halacha formt ein gigantisches Bild vom totalen jüdischen Staat. In der Wirklichkeit des Tages war die Staatsidee nicht gestaltend. In seinem „G'ttesstab" hat Augustin die Idee des antiken jüdischen Staatesvor Augeri. Von ihr ist die politische ubd Geistesgeschichte des Mittelaltersbeeinflußt. Sie Wirkt hinein bis in die neueste Zeit, sie bildet die Qrundlage vieler Staatsbildungen. Kl

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