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Der Israelit · 1937-11-18 · Heft 46 (18.11.1937) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 46 (18.11.1937)
Date
1937-11-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 46 Der Israeli 48, November 1937 Der Präsident der Republik auf der ORT-Ausstellung. Paris, 15. Nov. Der Präsident der Republik, Lebrun, besuchte auf der Internationalen Ausstellung den Pavillon des „ORT", der innerhalb des Internationalen Pavillons untergebracht ist. Der Präsident wurde von den Vorstehern des „ORT" am Eingang empfangen und mi einer kurzen Ansprache des Grandrabbin Weill begrüßt. Der Präsident besichtigte die Ausstellung in all ihren Teilen und drückte seine Befriedigung darüber aus, daß eine Organisation, deren Tätigkeit sich auf sechzehn Länder erstreckt, eine Schau in Frankreich veranstaltete. Besonderes Interesse wid mete der Präsident der „ORT"-Tätigkeit in Ost- und Mitteleuropa. Holknd. Sammelaktion in Holland. Amsterdam, 15. Nov. Eine großangelegte Sammelaktion bereitet das holländische Judentum zugunsten des „Joodsche Invalide" vor. Zur restlosen Bezahlung des im Bau be findlichen Gebäudes, das Raum für zweihundert Per sonen bietet, ist ein Betrag von 350 000 Gulden notwendig, Es hat sich ein Ehrenkomitee unter Vorsitz des Bürgermeisters von Amsterdam, Dr. W. de V1 u g t, gebildet, das eine Sammelaktion zur Aufbringung dieser Summe durchführen will. Erhebliche Beträge, darunter einet1 von 50 000 Gulden, sind bereits ge zeichnet, und es ist anzunehmen, daß dieses größt* philanthropische Unternehmen des holländischen Ju crentums sehr bald die Mittel zu dieser außergewöhnlichen Vergrößerung zur Verfügung haben wird. Bei der Wahl zum Kerkeraad der Amsterdamer Hoofdsynagoge wurden u. a. Herr Salomon wieder und Jules R o o s neugewählt. Die Wahl dieser beiden ist insofern interessant, als Herrn Salomon die Verwaltung der Kontaktkommission im Gemeindevorstand obliegt und Jules Roos Vorsitzender dieser Kommission ist, deren Aufgabe die Schaffung guter Beziehungen zwischen der Gemeinde und den eingewanderten Juden aus Deutschland ist. Die Rotterdamer Jüdische Gemeinde plant den Umbau der großen Gemeindesynagoge am Botersloot, und gerade in der letzten Gemeindeversammlung ist die Aufnahme einer entsprechenden Anleihe beschlossen worden. Norwegen. Die Balfour-Deklaration in Norwegen. Oslo, 10. Nov. Auf der Feier des 20jährigen Jubiläums der Balfour-Deklaration in Oslo hielt der langjährige norwegische Völkerbundspolitiker und Generalsekretär Dr. Christian L. Lange, das Hauptreferat. Wenn er sich auch im wesentlichen an das Historische hielt und die Gegenwart nur streifte, so war doch erkennbar, daß Dr. Lange nach wie vor von der gleichen Haltung beseelt war, die er vor dem Völkerbundsrat in Genf vertrat, wo er an das feier liche Versprechen Englands gemahnte, das nicht ge brochen werden dürfe. Polen. Die Kaschruth-Frage in Polen. Warschau, 15. Nov. Daß es auch einmal in Polen zu einer Kaschruthfrage kommen könnte, hätten sich die Alten nicht träumen lassen. Nun haben wir aber diese Frage, und sie drängt auf Lösung. Eine Rundfrage, wie die Kaschruthverhaltnisse in Warschau zu sanieren sind, brachte brauchbare Ratschläge ein. Ein Warschauer Rabbiner hält es für gut, in jeder Bethausgemeinde eine eigene Kaschruthkommission zu errichten. Darüber hinaus müsse aber in der Riesengemeinde eine Zentralstelle für das Kaschruthwesen bestehen, da mit der Angelegenheit Fragen verbunden sind, die auf lokale Art nicht gelöst werden können, Die Frage hat heute auch ihre wirtschaftliche Seite, da viele Metzger infolge der neuen Gesetze um ihre Existenz gekommen sind. So müsse eine entsprechende Verteilung der vertrauenswürdigen Metzger auf die verschiedenen Bezirke stattfinden, was nur durch eine zentrale Stelle geschehen könne. Der Metzger habe mit dem Kontingent zu rechnen, so daß er allen Ansprüchen gar nicht genügen könne und daher eine Stütze in einer Zentrale haben müsse. Der Rosch Jeschiwa von Lublin, Rabbi Arie Zwi Fr omer, schlägt vor, daß die Männer selbst, auch die angesehensten und vornehmsten, auch die Rabbinen, den Fleischeinkauf in den Koschermetzgereien besorgen, wie es im alten Jerusalem üblich war. Damit werde dem Koscherfleischverkauf eine gewisse Bedeutung verliehen und verhindert, daß gewissenlose Metzger unzuverlässige Ware ^verkaufen. Die Männer hätten eine, größere Möglichkeit, den Betrieb auf seine religiöse Zuverlässigkeit zu, prüfen. " Die Konkurrenz auf dem Gebiete des Köscherfleisches hat leider in Polen weit um sich gegriffen. Im Bestreben vieler Frauen, möglichst billig einzukaufen, ergeben sich naturgemäß schwere Verstöße gegen die religiösen Vorschriften. Darum wird von allen Seiten angeregt, daß vom Oberrabbinate oder von der zu schaffenden Zentralstelle aus Höchstpreise für Koscherfleisch bestimmt werden. Die Kaschrujhzehtrale soll sich zusammensetzen aus Rabbinern, Schochtim und Notabein der Gemeinde. Die Frage ist in Fluß, und sie wird, wie wir boffen, zur befriedigenden Lösung kommen. Juden in der polnischen Armee. W a r s c h a u , 12. Nov. Die Studenten der Warschauer Hochschulen faßten eine Entschließung, die außer einem Bekenntnis zur Armee die Forderung enthält, alle Juden aus der Armee und den Stellungen, die in irgend einer Weise mit der Armee zusammenarbeiten, zu entfernen. Im polnischen Heer gibt es einige ältere aktive jüdische Offiziere und verhältnismäßig viel jüdische Militärärzte, Auszeichnungen für polnische Juden. Warschau, 11. Nov. Präsident Moscicki hat anläßlich des polnischen Nationalfestes einer Anzahl Juden das Verdienst* kreuz verliehen, darunter Prof. Dickstein, dem Lemberger Gemeindepräses C h a j e s u. a. ..^ Joint-Arbeit in Polen. Warschau, 11. Nov. Der Direktor des „Joint", David Schweitzer, weilte zehn Tage hier, um die Joint-Arbeit für 1938 vorzubereiten. Im Laufe seiner Konferenzen mit den Leitern der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen konnte Herr Schweitzer sich ein umfassendes Bild von den schweren Problemen der Hilfsarbeit konstruieren. Er nahm eine Anzahl Memoranden und Materialien mit und drückte die Hoffnung aus, daß einige der vorgelegten Pläne noch vor Ende des Jahres in Erwägung gezogen werden könnten. Jüdische Delegation beim Ministerpräsidenten. Warschau, 12. Nov. Der polnische Staatspräsident empfing die jüdischen Parlamentarier Rabbiner Rubinstein, Senatoren Trockenheim und Schorr, Minzberg, Sommerstein und G o 111 i e b , um die Lage der Juden in Polen mit ihnen zu erörtern. Der Präsident sagte, Polen habe alle Akte der Anarchie unterdrückt und werde dies auch künftig tun. Indien. Die Bne Israel in Bombay. Dr. E, M o s e s , der neugewählte Bürgermeister von Bombay. Bombay, 10. Nov. Aus Bombay (Britisch Indien), kommen in letzterer Zeit auch Nachrichten über jüdische Dinge, so sei einiges über die hiesigen Juden berichtet. Vorherrschend in der Judenheit Bombays sind die „Bne Israel",, angeblich Nachkommen der „zehn Stämme", die 20 000. Seelen zählen sollen (nach Wischnitzer nur 5000), Der neugewählte Bürgermeister von Bombay, Dr. E. Moses, Arzt von Beruf, gehört zu den Bne Israel, die von brauner Farbe sind und sich auch sonst kaum von den Eingeborenen unterscheiden. Estland. Die Lage der Juden in Esttand. , "u. ',' Talliri, 12. Nov. . Die etwa 5000 Seelen umfassende jüdische; Gemeinschaft in Estland befindet sich zur Zeit in relativ günstiger Lage, obgleich .die? Angehörigen der freien Berufe wirtschaftlich zu leiden haben. Diesen. Ueberschuß an intellektuellen Elementen,., empfinden jedoch' auch die anderen Minderheiten im .Lande,; Die Regierungspolitik ist frei von.- * Antisemitismus und bringt der kulturellen Autonomie Respekt entgegen.; Im Parlament hat die deutsche Und: die jüdische Minderheit abwechselnd einen Vertreter, . Die innere, religiöse Lage weist alle Symptome der Assimilation auf: 12,7 auf tausend Ehen sind Mischehen. Jüdische Zeitungen gibt es nicht. Amerika! Amerikanische Vereinigung für Außenpolitik gegen die Teilung Palästinas, Washington, 8, Nov. Die Vereinigung für Außenpolitik hat eine Erklärung gegen die geplante Teilung Palästinas veröffentlicht. In der Erklärung heißt es, der Plan berge die schwersten Gefahren in sich. Die Häutpschwierigkeit sei das Vorhandensein einer großen arabischen Minderheit in dem für den jüdischen Staat vorgesehenen Gebiet. An England richtet die Vereinigung die Aufforderung, den Terror in Palästina auszurotten. Zusammenschluß jüdischer Landwirte Amerikas. New York, 8. Nov. Auf einer von 350 Vertretern jüdischer Landwirte abgehaltenen Konferenz ist beschlossen worden, einen Bruderorden der jüdischen Landwirte zu gründen. Es gibt schätzungsweise zurzeit in den Vereinigten Staaten etwa 100.000 jüdische Farmer. Bei der Konferenz wies der Direktor der Jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft, Gabriel Davidson, darauf hin, daß es den jüdischen Landwirten gelungen sei, über die Wirtschaftskrise hinwegzukommen, Juden in hohen Stellungen» New York, 7. Nov. Bei den in New York durchgeführten Wahlen ist der Rechtsanwalt Stanley M. I s a ä c s , Präsident der Jüdischen Erziehungsgesellschaft, zum Bezirksbürgermeister von Manhattan gewählt worden. Isaacs, der 55 Jahre alt ist, hat zwanzig Jahre lang in der Sozialarbeit von New York und im jüdischen öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle gespielt. Richter Irving Lehman, ein Brüder' des Staatsgouverneurs Herbert H. Lehman, ist für weitere vierzehn Jahre zum Mitglied des Appellationsgerichtshofes, des höchsten Gerichtes im Staate New York, gewählt worden, Richter Aaron J. Levy und Richter Algernon I. Nova sind in den Obersten Gerichtshof der Stadt New York wiedergewählt worden. Südamerika. Brief aus Argentinien. Buenos Aires, 1. Nov. Der „Hilfsyerein der deutschsprechenden Juden in Buenos Aires" kann über eine ungewöhnlich fruchtbare Tätigkeit berichten, wobei noch ins Gewicht fällt, daß alles, was er bisher getan hat, aus eigenen Mitteln geschehen ist. Der Verein .nimmt sich der neuen Einwanderer mit großem Interesse an,. er unterstützt sie bei der Auffindung' produktiver Tätigkeiten, hilft ihnen durch Unterstützungen, die Uebergangszeit zu überwinden und ermöglicht denjenigen, deren Existenz zwar schon gefunden, aber noch, nicht gesichert ist, den weiteren Ausbau der wirtschaftlichen Basis. Der Verein hat bisher schon einigen Tausend Einwanderern helfen können, für Unterstützungszwecke allein hat er fast eine Viertel Million Pesos, ausgegeben. In einem einzigen Jahre hat der Hilfsverein' deutschsprechender Juden in Buenos, Aires an Mitgliedsbeitragen 50 000 Pesos und an Spenden annähernd 100 000 Pesos aufgebracht. Fast 1500 Juden aus Deutschland hat der Verein "in den vergangenen Jahren durch Unterstützungen oder Darlehen bei der Erlangung einer Existenz geholfen. Es muß darauf hingewiesen werden, daß die Hilfe . nicht allein in der Gewährung von Geldbeträgen erfolgt, daß vielmehr, wenn auch in Miniaturformat, alle Einrichtungen geschaffen sind, die wir in unseren jüdischen Gemeinden kennen. Aerztliche Hilfe wird unbemittelten Einwanderern ohne -weiteres - gewährt, der Verein berät die dortigen Juden bei ihrer Niederlassung, er versucht, die Einwanderer zu. produktiven Tätigkeiten zu veranlassen und allen den Schä'- den. entgegenzuwirken, die sich durch die Ansammlung verhältnismäßig vieler Einwanderer in Buenos Aires einstellen." Es ist eine bedeutsame Leistung, die der Verein vollbringt, um so bedeutsamer, als sie von Menschen geschieht, die sich erst kurze Zeit im Lande befinden. Der Gedanke der Selbsthilfe hat einen hervorragenden Ausdruck gefunden, es zeigt sich, wie bedeutsam der Zusammenschluß der. jüdischen Einwanderer, sich auswirkt und daraus könne» alle diejenigen lernen, ^die .glauben,, abseits d,er jüdischen Gemeinschaft, ihr Dasein besser gestalten zii können. ...... ': , ':., Argentinien ist ein Land, das' gewiß ~-noch für ziemlich viele Einwanderer Platz bietet,; wenn sie nicht unmittelbar in den Städten k^heix tiieikin. wird hervorgehoben, daß Kaufleute nur seE, schwer unterkommen,, .daß; aber . Handwerker, und''"landwirtschaftliche Arbeiter relätiy leicht em^W^^z imden. Die meisten Berufe sind nicht so übersetzt ,w!le in anderen Ländern. Wer mit offenem. Blick in das Land kommt und, sich auf jede Arbeit' u&s¥e$eTQL katiti^;.. wird *;bei Ausdauer und . bescheidenen Ansprächet''.: sich und seine'Familie ernähren können. : .^ .c

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