Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-11-18 · Heft 46 (18.11.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 46 (18.11.1937)
Date
1937-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2451005--83361-2541388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

18. November 1937 Der I sr a e 1 i i Nr. 46 Seite 5 .heu, um solche heranzubilden. Plato'ist der Auffassung, daß der Musik und Gymnastik eine grundlegende Bedeutung in der allgemeinen Volkserziehung zukommen- Für die zukünftigen Herrscherv verlangt er darüber hinaus Unterweisung in der Zahlenlehre, Geometrie, Stereometrie und Astronomie. (VII, 4—14,) Diese aber sind nur das Vorspiel für die eigentliche dem Ziele zuführende Kunst der Dialektik, der Kunst der Begriffsbildung durch Synthesis und Analysis durch Zusammenfassung des Einzelnen zum Allgemeinen und Wiederauflösung des Allgemeinen in seiner Arten. (VII, 13—14; Einleitung zum Phädros.) Das geschieht aber am zweckmäßigsten nicht in zusammenhängender, schriftlich aufgezeichneter Rede, die gleich den Erzeugnissen der Malerei, wenn man sie^ um etwas befragt, vornehm schweigt (Phädros K 60), sondern durch die Kunst der Wechselreden, die Kunst, durch wohlgestellte Fragen und angemessene Antworten der Wahrheit nachzuforschen und sie zutage zu fördern. Für eine solche Erziehung eignen sich nur die, Welche den Vorzug haben, daß sie ohne Falsch sind und sich keinerlei Unwahrheit zuschulden kommen lassen, sondern die Unwahrheit hassen, die Wahr- Tieit dagegen lieben. Denn nichts ist mit der Weisheit enger verwandt als die Wahrheit. Bei wem aber die Begierden mit voller Entschiedenheit nach einem Ziele hingerichtet sind, bei dem sind sie nach den übrigen Richtungen Tiin schwächer. Bei wem daher die Strömung nach der Seite der Wissenschaften hin geht und nach allem, was dahin gehört, bei dem stehen alle Begierden im Dienste der reinen Seelenlust und sind der Sinnenlust abgewandt. Ein solcher, ist jedenfalls besonnen und jeder Gewinnsucht abhold, denn um deswillen man sich Mm Geld und Gut zu prunkhaftem Aufwand bemüht, das setzt einen Eifer voraus, der jedem ^anderen eher ansteht als diesen. Für den Gelderwerb ist für ihn seine Seelenharmonie maßgebend. Vermögensanhäufung wird er nicht mit Rücksicht auf den Standpunkt der Volksmasse, die dies als das wahre Glück anpreist, ins Endlose forttreiben. Ausschließlich die Rücksicht auf die Verfassung seines Inneren und die sorgsame Achtsamkeit darauf, daß an dieser Stelle nichts wanke und weiche, um des Uebermaßes an Vermögen oder um des Mangels willen, wird allein für ihn maßgebend sein bei der Vermehrung und Verwendung seines Vermögens. (VI, 2; IX, 13.) Zu achten ist auch darauf, ob der Betreffende gleich von Jugend auf gerecht und umgänglich oder unverträglich und ungebärdig ist. (VI, 2.) zum Paradies, die Reinheit der Familie liegt in ihrer Obhut, das Glück des Hauses ist ihr anvertraut. Hier sich zu bewähren, das alte jüdische Ideal in seiner ganzen Reinheit, aber auch in seiner ganzen Schwere vorzuleben, in ihren Interessen und gewiß in ihrer Hilfsbereitschaft weltoffen zu bleiben, aber dennoch vor allem das eigene Haus in den Mittelpunkt der Wirks am k e i t zu stellen, immer und vor allem Gattin, immer und Y 0 r allem Mutter zu bleiben, — dies ist die Aufgabe der jüdischen Frau! Die Geburt des ersten Menschen, Kajin, begrüßt seine Mutter mit den Worten: „konisi isch es haschem" — „ich habe einen Mann mit G'tt erworben," Daran knüpft der Midrasch die Feststellung: „Am Anfang wurde Adam aus der Erde erschaffen, und Eva aus Adam, für alle Zukunft aber wird kein Mensch geboren werden ohne das Zusammenwirken von Mann und Frau, und ohne die G'ttesmajestät, die bei ihnen ist"! Die Heiligkeit der Ehe, die Erhabenheit des Zweckes der Ehe — jede Geburt zaubert die Schechino auf die Erde und an das Lager der jungen Mutter, bei der Geburt des ersten Kindes ausgesprochen, soll sie über allen Ehen schweben und alle Geburten segnen.' 5. „Frommen Frauen danken wir die Erlösung aus Mizrajim!" Wo immer Juden heute leben, und mag das Wirtsvolk sich ihrer noch so sehr in Liebe annehmen, wir leben in „Mizrajim", in der Enge! Selbst in freien Ländern atmen wir nicht frei, weil unser Atem zugeschnürt ist durch die Not unseres Volkes in den meisten Ländern ihres \g[pilens. Wie ^können wir;aus diesem Mip^ihn, aus dieser, Enge.» herauskommen, wie" können wir trotz der Schmerzen, die Zur Begründung seines Idealstaates will Plato das Volk in drei Kasten teilen; Die Weisen, die Krieger und das erwerbstätige Volk. Letzteres soll von der Leitung des Staates vollkommen ausgeschlossen sein. Die Weisen müssen davor behütet werden, daß sie den menschlichen Leidenschaften verfallen und dadurch ihren Idealen abtrünnig werden. Daher will Plato für sie eine vollständige Gütergemeinschaft einführen, wobei er sogar vor dem Gedanken der Frauen- und Kindergemeinschaft nicht zurückschreckt. Die größte Schwierigkeit erblickt Plato darin, daß die Gesetze der Vererbung schwer zu übersehen sind, so daß keine Gewahr dafür besteht, daß die Nachkommen von Weisen wieder Weise sein werden. Er will in dieser Hinsicht Methoden anwenden, die man etwa bei der Züchtung von Tieren verständlich finden würde. Trotz all dieser gewaltsamen Eingriffe in die mensch- Korrespondenzeii. Deutsches Reich. Eine Chanukahspende für jüdische Kriegsopfer, Berlin, 15. Nov. Im Organe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, „Der Schild", wird an leitender Stelle ein Aufruf für „Chanukkaspende für unsere Kriegsopfer" veröffentlicht. Es heißt zum Schlüsse des Appells: MWenn wir Juden nächstens beim Lichterschehi wieder unserer Makkabäer-Helden gedenken werden, sollen die jüdischen Kriegshinterbliebenen aus Gaben der Liebe erkennen, daß auch die jüdischen Helden des Großen Krieges in ruhmvollem Gedächtnis fortleben! Das Ergebnis dieses Aufrufs zu Chaiiükka sei ein neuer, ein friedlicher Sieg der moralischen Stärke!" Keine Unterstützung unüberlegter Auswanderung. Berlin, 10. Nov. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland teilt mit: Die ausländischen jüdischen Hilfskomitees führen darüber Klage, daß an sie häufig, das Ansinnen gestellt wird, für die Folgen unüberlegter Auswanderung durch Geldunterstützung oder drgl. einzustehen. Die Hilfskomitees lehnen es grundstäzlieh ab. solche Hilfe zu gewähren. Es wird deshalb ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Vorbereitung jeder beabuns täglich neu ergreifen, unsere Seele weiten, unsern Sinn aufrichten? Nur durch die „frommen Frauen", inn irnunw, nur durch die ihrer Aufgabe bewußten, ihrer Bestimmung getreuen Jüdinnen! Nur durch unsere Frauen, die rufen „das Glück ist gekommen", wenn wiederum ein Kind in der Wiege liegt, nur durch unsere Frauen, die in ihrem Muttertum ihr Heil erblicken. „Und sie nannte seinen Namen Oscher, das bedeutet Heil!" Frauen unseres Volkes, denkt an den Ruf der ersten Mutter; laßt euch segnen durch-das Vorbild unserer Stammütter, wachset an dem Beispiel der Noschim Zadkonijaus in Mizrajim, laßt euch beseelen von ihrer Kraft, beflügeln von ihrem Willen, erleuchten von dem, was sie als höchstes Glück in schwersten Zeiten erkannten und bejahten —r und wir sind erlöst! Wolf S, Jacobson. Wochenkalender. Vom 20.—27. November 1937 / Vom 16.-23. Kislew 5698 I »Öl». »|*T niTisa sa Samstag 20 'l6 rhv^ Sonntag 21 77 na Montag 22 18 nn Dienstag Nov. 23 1^63 '19 TO Mittwoch 24 20 TO Donnerstag 25 21 ' na ' Freitag 26 22; 00 'Samstag 27 (23 i 2?.&»». ■ , . liehe Natur kommt er jedoch zu dem Ergebnis, daß ein solcher Idealstaat auf die Dauer doch keinen Bestand haben würde. (IX, 3.) Er würde vielmehr allmählich der Entartung anheimfallen, wobei er vier verschiedene Stufen unterscheidet: Die Timokratie (Herrschaft der Krieger), Oligarchie (Herrschaft der Reichen), Demokratie (Herrschaft des Volkes) und Tyrannis. Nach bestimmten Gesetzen vollziehe sich der Uebergang der einen Form in die andere, so daß sich ein ewiger Kreislauf mit ständigen Erschütterungen ergebe. Der Idealstaat aber, der die wirkliche Harmonie bedeuten würde, finde sich auf Erden nirgends. Im Himmel, so schließt Plato seine Betrachtungen (IX, 13), ist er vielleicht als Muster hingestellt für den,, der ihn anschauen und gemäß dem Erschauten sein eigenes Innere gestalten will. (Fortsetzung folgt.) sichtigten Auswanderung nach den nichtpalästinensischen Ländern durch die für die Heimatgemeinde des Auswanderers zuständige Beratungsstelle des Hilfsvereins durchgeführt werden muß. Oesterreich. Konferenz der Judenstaat-Partei in Oesterreich. Wien, 11. Nov. Die Konferenz der österreichischen Judenstaat- Partei unter Vorsitz von Robert Stricker nahm ein Dankvotum für Meir Großmann an, weil er durch Veröffentlichung des bekannten Dokumentes über eine angebliche Unterredung Weizmanns mit Ormsby-Gore Licht auf die „gefährlichen geheimen Manöver für die Teilung" geworfen habe. Großmann hatte sich bekanntlich wegen seiner Veröffentlichung vor dem Ehrengericht der Zionistischen Partei zu verantworten. Ungarn. Nächtliche Razzia im Budapester Judenviertel, Von 503 Verhafteten nur 29 als angeblich „Fremde" in Haft behalten. Budapest, 8. Nov. In der Nacht zum Sonntag hat das Fremdenkontiollamt im Budapester Judenviertel eine große Razzia durchgeführt. Geheimpolizisten ließen die bereits geschlossenen Haustore öffnen, drangen in die Wohnungen der Mieter ein und forderten sie auf, ihre Dokumente bezw. Aufenthaltsbewilligungen vorzuzeigen. Wer sich nicht sofort ausweisen konnte, wurde in das Schubhaus (Zwangsarbeitshaus) gebracht. Insgesamt wurden 503 Personen festgenommen. Während des ganzen Sonntags fanden Verhöre statt. Die Reichstagsabgeordneten Rupert und Fabian haben bei der Oberstadthauptmannschaft (Polizeipräsidium) vorgesprochen, um die schnelle Freilassung der Verhafteten zu veranlassen. Es wurden schließlich nur 29 Personen in Haft behalten, weil sie keine Aufenthaltsgenehmigungen vorweisen konnten. Sie sollen des Landes verwiesen werden. Aehnliche Razzien haben in Altofen und Bonyhadi stattgefunden. In dem amtlichen Communique, das das Ungarische Telegraphen-Büro zu diesen Vorfällen ausgegeben hat, heißt es, daß die Fremdenkontrolle in Zukunft noch strenger gehandhabt werden soll. Obwohl es sich herausgestellt hat, daß zu der Festnahme des weitaus größten Teils der Beanstandeten kein Grund vorlag, schreibt das judenfeindliche Blatt „Virradat", die Maßnahmen der Polizei seien dadurch gerechtfertigt, daß der . Zustrom von GaKzianern zu einer Gefahr für Ungarn geworden sei. Demgegenüber wird von jüdischer Seite darauf hingewiesen, daß Ministerpräsident Daranyi vor kurzem selbst erklärt hat, in den letzten Jahren sei infolge der strengen Grenzkontrolle keine Einwanderung aus Galizien mehr erfolgt. Frankreich. Neue Arbeiten der PICA in Palästina. Paris, 7. Nov. Der Hauptleiter der Palestine Jewish Colonisation Association, Direktor Gottlieb, begibt sich demnächst nach Palästina. Im Zusammenhang mit seinem Besuch wird die Inangriffnahme größerer Kolonisationsarbeiten durch die Pica erwartet. Der Verwalter der Pica, Segal, hat in Sichron Jacob einem Vertreter des „Haarez" erklärt, die bei Jäwniel in Untergaliläa gelegene Siedlung Massada werde jetzt von der Pica kolonisiert. Die dreißig Siedler hatten bisher schwer zu kämpfen. Durch die Maßnahmen der Pica soll die Selbsterhaltung der Siedlung gewährleistet werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.