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Der Israelit · 1937-11-18 · Heft 46 (18.11.1937) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 46 (18.11.1937)
Date
1937-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 46 Der Israelit 18. November 1937$ Wenn jeder, der die Keren Hatorah-Ziele begreift, in die KSTOn HotOfah -SammeldoSe täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben gerecht werden. Dosen anfordern bei: Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 mit einem Rücktrittsgesuch, Der Senat der Lemberger Universität hat aber dem Demissionsgesuch nicht stattgegeben und sich somit grundsätzlich zum Standpunkte des Rektors bekannt. Von Interesse ist ein Brief an den Rektor der Lemberger Universität, den. viele Professoren, an erster Stelle der frühere Ministerpräsident, Prof. B a r t e 1, unterschrieben haben. In diesem Briefe heißt es u. a.: „Zur Zeit, wo die im Widerspruch mit den verpflichtenden Prinzipien der Moral und Würde stehenden Erscheinungen immei zahlreicher werden, ist die Stimme Euerer Magnifizenz, die sich nicht nur der Anarchisierung unseres Lebens widersetzt, sondern auch fordert, die Urheber und die Teilnehmer an diesen Missetaten zur Verantwortung zu ziehen, ein ernster und würdiger Beitrag zur Verteidigung der immer mehr bedrohten Kultur des öffentlichen Lebens in Polen." Zur Zeit sind die Universitäten sowohl in Warschau wie in Lemberg geschlossen. In. Lemberg wird an der Universität eine Abstimmung vorgenommen, wobei die Abstimmenden zu erklären haben, ob sie mit den Juden, mit den Nationaldemokraten oder getrennt von beiden zu sitzen wünschen. Das Resultat der Abstimmung ist noch nicht bekannt, bekannt ist nur, daß sich die Juden an der Abstimmung nicht beteiligen. Es kann mithin so kommen, daß in den Hörsälen der Lemberger Universität sich drei Bankreihen voneinander abgrenzen; eine für Juden, zu denen sich aber auch Nichtjuden, Gegner der Nationaldemokraten, setzen werden; eine für Nationaldemokraten, die auch für solche offenstehen wird, die zwar keine organisierten Nationaldemokraten sind, aber mit diesen sympathisieren und eine n e ut r a 1 e Bank. Drei Ghettobänke werden auf alle Fälle für die Juden weniger verletzend sein, als eine, die einzig für sie bestimmt wäre. Der jiiclisclie Staat. Von Dr. Ph. Biberfeld. „Der Bestand eines jüdischen Staates ist nur möglich, wenn dieser Staat das Thoragesetz als Grundgesetz des Staates und die Staatsführung die Herrschaft der Thora anerkennt." Der Gedanke eines jüdischen Staates hat eine außerordentliche Aktualität erlangt. Nachdem volle zwei Jahrtausende ein jüdischer Staat nicht mehr bestanden hat, ist heute die Frage der Errichtung eines solchen zum brennenden Problem der Weltpolitik geworden. Das aber geschieht in einer Zeit, in welcher auch die Völker in einem Ringen um den richtigen Aufbau ihres staatlichen Lebens begriffen sind. Jahrzehnte hindurch erblickte man in dem Typ der parlamentarischen Demokratie das Endziel staatlicher Entwicklung. Dieser Glaube ist in der Gegenwart zutiefst erschüttert worden. Neue Staatsformen tauchen auf. Unverkennbar ist die Tendenz der Entwicklung zum totalen Staat. Der Staat kann und will sich heute nicht mehr mit der Zielsetzung des liberalen Staates begnügen, welche im wesentlichen dahinging, Leben und Eigentum der Bürger zu schützen. Im weitesten Umfange greift er regelnd in fast ajle Beziehungen des individuellen und sozialen Lebens ein. In welchem Sinne könnte unter solchen Umständen der Aufbau eines jüdischen Staates erfolgen? Wäre ein solcher darauf angewiesen, die noch in der Entwicklung begriffenen Ideen der Umwelt zu übernehmen, oder hätte er Eigenes, aus Ueberlieferung und Geschichte Ableitbares, zur Lösung des Staatsproblems beizutragen, das ihn durch Größe der Konzeption aus der Bedeutungslosigkeit eines Zwergstaates herausheben würde? Kernproblem des staatlichen Zusammenlebens. Das zentrale Problem für den Aufbau staatlichen Zusammenlebens ist die Frage: Wer soll Träger der zur Durchsetzung staatlicher Zwecke erforderlichen Macht sein, und welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um einen Mißbrauch dieser Macht zu verhüten. Zahlreich sind die Versuche, diese Frage endgültig zu lösen. Der Gefahr des Machtmißbrauchs suchen sie im Wesentlichen durch Schaffung persönlicher oder sachlicher Garantien zu begegnen. Gewaltentrennung, Montesquieu, welcher die ganze moderne staatliche Entwicklung entscheidend beeinflußt hat, stellte in seinem berühmten Werk; „L'esprit des lois" den Satz auf, daß es eine ewige Erfahrung sei, daß jeder Mensch, welcher Macht besitzt, dazu neige, sie zu mißbrauchen. Er gehe darin so weit, bis er Grenzen finde. Ja selbst die Tugend habe Grenzen nötig. Um einen Mißbrauch der Macht zu verhüten, sei es daher nötig, einen solchen Zustand der Dinge zu schaffen, in welchem Macht die Macht aufhalte. (Mais c'est une experience eternelle, que, tout homme qui a du pouvoir est porte ä en abuser; il va jusqu'ä ce qu'il trouve des limites. Qui le dirait! la vertu meme a besoin de limites. Pour qu'on ne puisse abuser du pouvoir, il faüi que, par la dispösition des choses, le pouvoir arrete le pouvoir. Liv. XI. chap. 4.) So gelangt: er zu der bekannten Forderung der Gewaltentrennung, die fast allen Verfassungen der Neuzeit das entscheidende Gepräge verliehen hat. Gesetzgebende, richterliche und verwaltende Gewalt dürfen nicht in einer Hand vereinigt sein. Sie haben sich gegenseitig zu überwachen und so am Mißbrauch der Macht zu hindern. Die Ereignisse der Gegenwart haben jedoch; gelehrt, daß durch die 'Gewaltentrennung eine wirkliche Stabilisierung der Machtverhältnisse nicht gewährleistet, sie vielmehr in Krisenzeiten als künstlich empfunden und praktisch beiseite: geschoben wird. Der Gedanke, daß die wirksamsten Garantien für den Bestand des Staates in den staatsmännischen Eigenschaften und Tugenden der führenden Persönlichkeiten zu erblicken sind, gewinnt wieder an Boden. Es wird damit ein Weg beschritten, den bereits Plato in seinem Buch über den Staat gewiesen hat. Piatos Idealstaat. Plato ist der Ansicht, daß der Staat als der „gerechte Staat" im Sinne einzelmenschlicher Tugend aufgebaut werden müsse. In ihm sollen die „Weisen" herrschen, d. h, jene, welche die vier Kardinaltugenden besitzen, also weise, tapfer, besonnen und gerecht sind. Unter Tapferkeit versteht er die unverbrüchliche Aufrechterhaltung der durch das Gesetz vermittels der Erziehung eingepflanzten Meinung gegenüber dem Furchtbaren, welcher Art es auch sei, so daß man sowohl im Schmerz wie in Lust, in Begierden und in Schrecknissen daran festhält und sich ihrer nicht entäußert. (IV. 7.) Besonnenheit ist das „sich selbst überlegen sein", das Herrschen über sich selbst, das Beherrschen der Lüste und Begierden. (IV,8.) Gerechtigkeit ist der Gedanke, daß jeder das ihm Zugehörige und das Seinige tue und besitze. (IV, 10.) Von größter Bedeutung ist für Plato naturgemäß die Frage der Erziehung. Da „Weise" herrschen sollen, muß das Erforderliche gesche- Miszellen zu den laufenden Wochenabschnitten. Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 32. V. 31. „Jaakow nannte den Namen des Ortes Peniel: denn ich habe g'ttliches Wesen von Angesicht zu Angesicht gesehen, und mein Leben ist gerettet worden." Die Begründung ':> ist befremdend. Hat doch Jaakow an diesem Ort nicht nur g'ttliches Wesen gesehen, sondern auch mit Ihm gekämpft. Allein wir finden die Wendung irras nm im Sinne von „sich im Gefechte sehen."x) So in Melachim II 14, 8. In dieser Weise läßt sich auch unsere Stelle erklären. Dafür spricht auch der Nachsatz „und mein Leben ist gerettet worden." * * * Kap, 33, Vr 18. Gibt man abv mit wohlbehalten wieder, so können wir annehmen, daß die Schrift dies im Hinblick auf das im vorhergehenden, Vers genannte Ssukkot hervorhebt. Auch in dem im: Ostjördanland gelegenen Ssukkot,2) wo Jaakow nicht auf den Beistand seiner in Kanaan weilenden Verwand- *) Vgl. affronter, jemandem die Stirn bieten; affronter e'ennemi, den Feind kühn angreifen. 2) Jehoschua 13, 27. ten und Freunde rechnen kann, wurde er nicht von Esaw angegriffen. t=33W ->•>» bedeutet: die Stadt Schechems, die Stadt, wo Schechem wohnte. Einige Erklärer fassen DSP als Ortsnamen auf.3) Nach Ansicht anderer Kommentatoren ist unter e=^p der Name der Stadt zu verstehen (Raschbam). Vgl. auch Joseph Schwarz, Das heilige Land4): „Schalem (Genesis 33, 18). Zwei Stunden östlich von Sichern ein Dorf Salim." Das in 14, 18 erwähnte Schalem hingegen ist identisch mit Jerusalem. Vgl. Tehillim 76, 3; 110, 4 (Taanit 16a : Toszafot Stichw. in) — Wajichan et pne hai'r. „Er lagerte vor der Stadt". Jaakow lagerte nicht in der Stadt, um nicht deren Bewohnern zur Last zu fallen. * * * Kap. 36. V. 24. Versteht man unter ( D'ia'n die Maultiere, so kann Kxn im Sinne von erfinden, entdecken aufgefaßt werden. Ana war der erste, der auf den Gedanken kam, einen Esel mit einer Pferdestute zu vereinigen. , Nach anderer Auffassung ist ta*fa» identisch ,mit dem Volksstamme D'a 8 (14, 5; Dewarim 2, 10fj. Ana traf diesen Stamm in der Wüste an. (Vgl. Onkelos.) Einige Erklärer schreiben ssn die Bedeutung von siegen zu. Vgl. Tehillim 21, 9. Die Jemim! überfielen Ana, als er die Esel seines Vaters weidete, wurden aber von Ana besiegt. 3) Raschbam widerlegt diese. Auffassung mit der Begründung, daß, bei'. Ortsnamen "v* '' 'dem Namen der Stadt stets folge. Siehe jedoch Jeschajahü ,37, 13; Ester 3, 15; 8, 15! \ .*; | 4) Joseph Schwarz, Das heilige Land, Frankfurt a M. 1852. Seite 119. Die Aufgabe der jüdischen Frau. Zu den Wochenabschnitten. (Schluß.) 4. „G'tt mache dich wie Sara, Rebekka, Rahel und Leah!" Wenn der Vater seine Tochter segnet, das heißt doch, dem tieferen Sinn nach, ihr die Bestimmung ihres Lebens setzt, dann bedeutet diese Segnung zugleich ein Gelöbnis. Man kann seinem Kinde nicht wünschen, was man sich begrenzt, denn Segen wollen wir doch strömen sehen ohne Grenzen! Und wenn die Mutter die Hand auf das Haupt ihrer Tochter legt, dann schließt ihre Segnung das Versprechen ein, selber ein Vorbild zu sein des höchsten Frauentums, der reinsten Sittlichkeit,. der nie versiegenden Mütterlichkeit, deren Kraft aus dem Muttertum strömt! Das Glück der Ehe, das am allerwenigsten bestimmt ist von der. Sorglosigkeit des Wohlstandes und von der Ueppigkeit des Wohllebens, denn gemeinsames Leid verbindet und verbündet mehr als alles andere: der ewig sprudelnde Quell dieses Glükkes heißt: Taharas Hamischpochoh! Reinheit der Familie! Die Strafe der Ausrottung droht denen, welche ihre. Ehe führen, ohne ihr durch das Bad der Weihe inimer erneut den Stempel einer g'ttlichen Institution aufzuprägen! Aber das Bad der Weihe allein verleiht der Ehe noch -nicht-ihr heiliges Gepräge, die E h'e,s e 1-b s t muß geweiht , sein, sie darf nicht innerlich faul und morsch werden, indem sie ihr höchstes ,Ziel, ihren eigentlichsten Sinn '. systematisch vernichtet. . ' •''.;■< Der Schlüssel zur > Pforte der i Heiligkeit Hegt in der' Hand derFrau,; sie-'ist-der'Wächter am* Eingang

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