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Der Israelit · 1937-11-11 · Heft 45 (11.11.1937) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 45 (11.11.1937)
Date
1937-11-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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11. November 1937 D er Israelit Nr, 45 Seite 9 E R E Z Jerusalemer Brief. Der Terror im einzelnen. — Die Aguda beim stellvertretenden High Commissioner. Jerusalem, 8- Nov. Die Lage hat sich inzwischen kaum gebessert Kann man auch nicht von einem Terror im großen sprechen, so summieren sich doch die Einzelfälle in erschreckender Weise. Zu den zwei jüdischen Opfern, Avinoam Y e 11 i n und Mordechai Slotn i t z k i kam nun als drittes der sefardische junge Mann, der am Freitagabend, von der Kotel kommend, von mörderischer Hand niedergestreckt wurde. Er hinterläßt Frau und zwei kleine Kinder. Die Szenen, die sich bei der Beisetzung abspielten, sind unbeschreiblich. Man kann die Regierung jetzt nicht mehr anklagen, sie greift überall energisch durch. Aber man wird den Gedanken nicht los, daß durch die große Schonung bis dahin die Atmosphäre geschaffen worden ist, in der heute solche Untaten sich täglich häufen können, Vorigen Montag besuchte eine Delegation der Agudas Jisroel, bestehend aus Oberrabbiner Duschinski, Rabbi Mosche Blau und Rabbi M. G. Porusch,, den stellvertretenden High Commissioner, Es wurde über die äußere Lage gesprochen und den nötigen erhöhten Schutz, dann auch über die inneren Verhältnisse, die Kehillo und den Chinnuch. Die starke Entwicklung der unabhängigen Gemeinde in Jerusalem verdiene eine Anerkennung von Seiten der Regierung, wodurch der Weg gegeben wäre für die Entwicklung solcher Gemeinden im ganzen Lande. Der orthodoxen Gemeinde müssen alle Rechte bewilligt werden, wie sie der Waad Leumi genießt. In Sachen des Chinnuch verlangte die Delegation ausreichende Unterstützung der orthodoxen Schulen und Chinnuchinstitutionen. Obwohl die Orthodoxie mit den Steuern wie alle anderen Mitglieder belastet werde, genießt sie vom Schuletat nichts. Der stellvertretende High Commissioner versprach, sich mit all diesen Fragen zu befassen und stets darauf bedacht zu sein, daß die Verwaltung der Interessen der gesamten jüdischen Bevölkerung gerecht wird. Die Aguda in Jerusalem leidet schwer unter der finanziellen Läge. Rasche Hilfe, besonders zur Abdeckung der Schulden bei den Poalim und den Chinnuchinstitutionen, tut Not. Hoffen wir, daß nächsthin Erfreulicheres über die äußere wie innere Lage. in Palästina berichtet werden kann. G, M. P. Terror und kein Ende. Jerusalem, 4. Nov. Die jüdische Siedlung C h e r u t, die im Scharon- Gebiet an der Straße Haifa—Tel Awiw liegt, ist beschossen worden. Auch bei Natania wurden Schüsse auf ein jüdisches Auto abgegeben. An der Eisenbahnlinie bei Jerusalem explodierten, kurz bevor der Zug an die Stelle kam, zwei Minen. Der Verkehr war eine Zeitlang unterbrochen. Das Dorf Tire hat von dem Distriktskommissar Food den Befehl erhalten, binnen zwei Stunden sämtliche Schußwaffen auszuliefern. Als der Befehl nicht befolgt wurde, legte der Kommissar dem Dorf eine Kollektivstrafe von 250 Pfund auf. Die Polizei beschlagnahmte die Habe der Dorfbewohner, da die Zahlung nicht einging. Auch über mehrere Dörfer bei Nablus und Tulkerein wurden Kollektivstrafen verhängt. Bei E n d o r ist am Donnerstag die Irak-Petroleum-Leitung abermals beschädigt und das ausströmende Oel in Brand gesteckt worden. In den Hof des Betar-Klubs in der Altstadt von Jerusalem wurde eine Bombe geschleudert. Sie explodierte, richtete aber keinen Schaden an. Der zur Polizei in Nazareth gehörige berittene Polizeioffizier Murphy wurde in der Nähe von Tantara an der Südgrenze Palästinas erschossen aufgefunden. Die Polizeistation in Belsan ist etwa eine halbe Stunde lang beschossen worden. Auch eine Bombe wurde bei der Polizeistation zur Explosion gebracht. In Rahmah bei Akko wurde der Muchtar durch einen Schuß schwer verwundet. Der Muchtar des Dorfes- Tire ist ebenfalls durch einen Schuß leicht verwundet worden. Ein Araber, der in dem an Tel Awiw angrenzenden Manschie-Viertel eine Bombe werfen wollte, ist durch vorzeitige Explosion des Sprengkörpers zerrissen worden. Ueber das Dorf Jagur bei Haifa, wo vor einer Woche jüdische Schulkinder beschossen worden sind, ist eine K o 11 e k H*vstrafe verhängt worden. Im Kreise Dschenin haben drei arabische Dörfer den Befehl erhalten, bei Tag und bei Nacht Posten zur Bewachung der Telefonleitung zu stellen, die wie- ISRAEL derholt durchschnitten worden ist. Ein Autobus der Gesellschaft „Egged'- ist auf der Fahrt von Tel Awiw nach Jerusalem im Gebirge beschossen worden. Drei Passagiere wurden leicht verwundet. Aus Tra.ns Jordanien wird berichtet, daß auch dort Unruhen und Sabotageakte fortdauern. Zwischen Aerasch und Amman ist die Telefonleitung durchschnitten worden. Einer der einflußreichsten politischen Gegner Emir Abdullas, Reschad Pascha, ist verhaftet worden, angeblich, weil er mit der Organisierung arabischer Terrorbanden in Zusammenhang steht. Der Schuppen einer jüdischen Bootsrederei im Gebiet des Hafens von Tel Awiw ist durch Feuer vernichtet worden. Es besteht der Verdacht daß der Brand von arabischen Terroristen gelegt wurde, die einen Anschlag auf den Hafen beabsichtigten. In der Nähe der Tierklinik in Jerusalem sind am Freitag Abend auf dem Wege vom Lager des Black Watch Regiments zur Altstadt zwei britische Soldaten angeschossen worden. Einer war auf der Stelle tot, der zweite starb im Spital. Die Täter konnten nicht gefunden werden. Der Mordüberfall erfolgte 200 Meter von der Stelle entfernt, an der Avinoam Yellin erschossen worden ist. Am Samstag wurde die Verfolgung der Mörder mit Spürhunden aufgenommen. Die Spur führte zu dem Dorf S i 1 w a n bei Jerusalem. An der Dorfgrenze wurden die durch Militärabteilungen verstärkte Polizei mit einem Steinbombardement empfangen. Die Polizei war genötigt, eine Salve abzugeben. Der Araber Achmed Chamajet wurde dabei erschossen. Ein zweiter Araber wurde schwer verwundet. Die Häuser, in denen Waffen gefunden worden, sollen zerstört werden. Für die Ergreifung der Täter ist ein Preis von 1000 Pfund ausgesetzt worden. Mehrere Araber wurden verhaftet. Ueber Silwan ist der Ausnahmezustand verhängt worden. Die Zeitungen melden, daß Ende November weitere Truppenverstärkungen in Palästina eintreffen werden. Der Automobilklub und der Verband für Touristik haben bekannt gegeben, daß die durch die Sinai- Wüste führende Straße nach Aegypten von den Behörden für den privaten Autoverkehr gesperrt worden ist. Das österreichische Krankenhaus in Nazareth ist beschossen worden. Auf ein Milchauto der Konsumgenossenschaft Tnuwa sind zwischen Anebta und Deir es Harf Schüsse abgegeben worden. In einem Araberhaus in dem Dorf Baschita wurden mehrere Bomben gefunden. Ueberfüllte Gefängnisse und Konzentrationslager. Jerusalem, 3. Nov. Die palästinensischen Gefängnisse sind jetzt so überfüllt, daß Konzentrationslager zur Unterbringung von Terroristen, gleichgültig welcher Partei sie angehören, angelegt werden müssen. Das größte Lager wird bei Sarafend gebaut, wo schon während der Unruhen des letzten Jahres hunderte Araber gefangen gehalten wurden. Diesmal wird neben einer Abteilung für Araber auch eine solche für Juden eingerichtet. Das Department für die Polizei und die Gefängnisse hat von der Regierung zusätzliche Mittel zur Deckung der erhöhten Ausgaben verlangt. Infolge der fortgesetzten Anschläge auf die Telefonleitungen werden alle Polizeiabteilungen mit Sendern und Empfängern ausgestattet. Bild links: Die freiwillige Bürgerwacht in Ramath Rochel bei Jerusalem wehrt einen arabischen Angriff ab. Bild rechts: Eine jüdische Frau in der Kewuza in Bereitschaft, das jüdische Eigentum zu verteidigen. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung* Gründung von Aguda-Frauengruppen. Die Leitung der Histadruth Olomith N'schei Uwenoth Agudas Jisrael teilt uns mit: Wir berichten über die Gründung agudistischer Gruppen in Wien, Zürich, Jerusalem (siehe Mitteilung in voriger Nummer), Kopenhagen, Die Gründung weiterer Gruppen ist in Vorbereitung. Gemäß ihrem Prinzip, die Arbeit Schritt für Schritt, im Einklang mit ihrer finanziellen Kraft, aufzubauen, hat die Leitung in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Breuer, Jerusalem, der Vorsitzenden der dortigen Ortsgruppe und Mitglied des engeren. Vorstandes, die erste Arbeitsvermittlungsstelle in Jerusalem für die dortigen Poaloth eingerichtet. Diese Arbeitsvermittlung steht unter Leitung von Frl. Jocheweth Wolf, welche dreimal wöchentlich Sprechstunden abhält. Sie bemüht sich, Arbeitsplätze ausfindig zu machen, und kontrolliert das Kaschruth in den Haushaltungen, in welche sie ihre Poaloth schickt, Frl. Wolf gibt den Poaloth Schiurim und Unterricht in Iwrith und Englisch. Aus dieser Arbeitsvermittlungsstelle soll allmählich der Mädchen-Kibbuz entwickelt werden. Das ist ein Mädchen-Wohnheim, wo die Poaloth billige Schlafgelegenheit finden, ein jüdisches Milieu haben und die Möglichkeit zur Weiterbildung durch gemeinsamen Unterricht und gemeinsame Schiurim gegeben ist. In derselben Weise soll gleichzeitig in Haifa begonnen werden, während der bestehende Mädchfcn-Kibbüz in Tel Awiw ebenfalls einen Zuschuß in der Höhe bekommt, wie ihn die Arbeitsvermittlungsstelle erfordert. Die Leitung richtet nochmals an jede Agudistin und alle diejenigen, die unsere Bestrebung in ihrem Wert erkennen, die dringende Bitte, durch pünktliche Zahlung des Gruppen-Beitrages, Unterstützung der Groschensammlung und Benutzung der Ablösungskarten unsere materielle Kraft zu stärken, damit wir möglichst schnell unsere Arbeit vervielfachen können. — Außer dieser Erez Jisroel-Arbeit wartet „Auhel Soroh" in Polen, die Berufsausbildungs-Schule für die Beth Jacob-Schülerinnen nach der Schulentlassung, dringend auf unsere Hilfe. Ueber die Durchführung der Groschensammlung und Benützung der Ablösungskarten folgt in der nächsten Nummer Bericht. Gründung einer neuen Aguda-Gruppe in New York. In Verfolg der Verhandlungen zwischen der deutschen Landesorganisation der Agudath Jisrael und den amerikanischen Delegierten zur Kenessio Gedaulo hat sich im uptown von New York eine neue Gruppe, in erster Linie für die neu einwandernden deutschen Agudisten gebildet. Die Gruppe steht unter Leitung von Mr. Gottfried Neuburger und hat sich offiziell der Zeiire Agudas Jisroel angeschlossen. Das vorläufige Programm ist wie folgt; Schiurim: Leitung Dr. Eric Offenbacher, Arbeitsgemeinschaft: Ideologie der Agudas Jisroel und Presse- Referate: Mr, Meier Schenkolewski, Keren>, Hajischuw-Arbeit: Leitung Mr. Gottfried Neuburger. Die Brief-Adresse ist: 316 Central Park West, New York, N. Y. Alle deutschen Agudisten, die nach Amerika einwandern, werden aufgefordert, sich an diese Adresse zu wenden und sich der neuen Gruppe anzuschließen.

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