Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1937)
- Date
- 1937-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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_ KEREN HATORAH steht im Dienste unserer Jugend' Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend i Keren Hatorah-He.me - für unsere Jugend! v Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend \ Laad.esd.rektor.um des Keren Haforah, Hamburg, Postscheckkonto: Hamburg 24753 Wochenrundschau. {,; ' ' -......— Am Tage der BaHourdeklaration, — Helden an einer bedrohten religiösen Burg. — Falaschaschulen in Abessinien. — Eine Anekdote wird traurige Wahrheit» Am 2. November jährte sich zum zwanzigsten Male der Tag der BaHourdeklaration. Man pflegte in den letzten Jahren diesem Gedenktage in Palästina mit einigem Bangen entgegenzusehen, da die Araber ihn zu judenfeindlichen Kundgebungen benutzten. Der 2. November ist dieses Jahr in Erez Israel ruhig verlaufen, d. h., nicht unruhiger als üblich in dieser Zeit der kleinen Ueberfälle und Attentate. Von der jüdischen Bevölkerung in Palästina ist, nach einem Bericht der ITA., der Tag mit Flaggenschmuck, Proklamationen und anderen friedlichen Kundgebungen begangen worden. Noch angebrachter erscheint uns aber die Anordnung des sefardischen Oberrabbiner Jacob Meir in Jerusalem, zum Jubiläum der BaHourdeklaration am Donnerstag, den 4. November, einen allgemeinen Fast- und Bettag abzuhalten. Fasten und Festfreude an jüdischen Gedenktagen müssen einander nicht schlechthin ausschließen. Man hat zuweilen an historischen Gedenktagen Anlaß, unter Tränen zu feiern und mit Hoffnung im Herzen zu weinen. Je nach dem, welche Auftriebe aus dem Gedenken Herz und Seele empfangen. Die BaHourdeklaration hat uns im letzten Teile ihrer zwanzigjährigen Geschichte viel Tränen gekostet, Tränen um Edelopfer, — um heilige Märtyrer des Jischttw. Wir erfuhren nach der Balfourdeklaration erst recht die wuchtvolle Tragik jenes Weisenwortes, wonach „Erez Israel nur durch Leiden erkauft und erworben werden kann." „Thoragebote, für die wir gelitten und geopfert haben, sind uns bis auf den heutigen Tag unzertrennlich ans Herz gewachsen," konstatierten wiederum die weisen Lehrer. Und Jischuw Erez Israel ist ein Thoragebot in erster Reihe, eines der 613, daneben auch ein Gebot unseres Lebens, unserer Zukunft! Man hat in Palästina an dem Tage gefeiert — mit Recht, denn wir dürfen stolz sein auf die Opferbereitschaft, die wir für unser heiliges Land stets hatten und haben. Man hat in Erez Israel an dem Tage /gefastet — wiederum mit Recht, denn wir haben uns Rechen- -wB^^HH MJP5 Die Aufgabe der jüdischen Frau. Zum Wochenabschnitt. 1. Das Leben der Väter und Mütter unseres Volkes erzählt uns die Thora in den Abschnitten, die wir jetzt lesen. Von diesem Leben in allen seinen Höhepunkten, aber auch in seinen Spannungen wird uns berichtet. Und wir vernehmen diesen Bericht aufgeschlossenen Sinnes, denn uns gilt das Wort, daß die Tat der Eltern und gewiß dieser Väter und Mütter unseres Stammes, richtungweisend ist für das Verhalten der Kinder. Abraham, der Mann der zum Höchsten bereiten Glaubenskraft, Isaak, das Vorbild der Hingebung und Opferbereitschaft, Jakob, „der ganz sich hingebende Mann" — gegenwartsnahe müssen uns diese Väter sein, denn so nur werden wir rechte, ihrer würdige Söhne! Und die Mütter: sie leuchten vor uns in allen Farben der Fraulichkeit, im schönsten Glanz der Mütterlichkeit, jede ist eine Persönlichkeit für sich, aber allen ist gemeinsam das Wirken im Zelt.' Als die „Frauen im Zelt" stehen sie der entflammten Sängerin Deborah vor Augen; ,;die Königstochter, in voller Herrlichkeit drinnen wirkend" rühmt das Fr. undschaftslied der Söhne Korach (Psalm. 45). Unsere Söhne segnen wir, indem wir sie, Woche um Woche, ihre Leistung an dem Wirken Efrajims schaft darüber abzulegen, was wir in diesem Zeitraum für das uns von den Mächten der Erde auf g'ttlichen Ratschluß zugesprochene Erez Israel getan, und was wir unterlassen haben. Man hat auch vieles unterlassen, in dem, was man getan h a t; das Ziel aller Erez Israel-Arbeit: der Schechina eine Stätte zu errichten, aus dein Auge gelassen. Gelangen wir zur Erkenntnis, daß auch die Balfourdeklaration, wie alle Licht- oder Feuerzeichen am Horizonte Erez Israels, nur Fingerzeige G'ttes sind, die wir zu deuten und denen wir zu folgen haben. In Sowjetrußland feiern sie das zwanzigjährige Bestehen der Sowjetunion. Das ginge uns wenig an, wüßten wir nicht, mit wie viel jüdischem Blute der Boden für das neue bolschewistische Reich gedüngt worden ist. Der Staatsgründung gingen nach dem Kriege die fürchterlichen Pogrome in der Ukraine und anderen Gegenden Rußlands voraus. Begonnen hat das neue Regime in Rußland mit der Unterdrückung alles religiösen Lebens besonders in den jüdischen Gemeinden, mit dem Verbot von Cheder und Jeschiwa, mit der Verwandlung von Synagogen und Lehrhäusern in Klubs und Vereinshäuser. Briefe, Not- und Hilferufe, die von dort zu uns herüberkamen, sprachen von einer ,.roten Hölle", von einer „roten Inquisition". In letzterer Zeit verstummen die Hilferufe und Notschreie. Weil, wie uns berichtet wird, die Alten vollkommen zermürbt sind und das Elend stumm geworden ist, die Jungen aber, die in die neue Zeit hineingeboren wurden, uns bereits so entfremdet sind, daß ihnen das jüdische Wort zum jüdischen Herzen überhaupt fehlt, Und dennoch hört man immer wieder, daß so etwas wie jüdisches Leben in Moskau, in Minsk, in Charkow ' im Verborgenen blüht und durch alle Zwangsmittel und alle Attacken gegen Sabbat, Pessach und Jom Kippur nicht niederzutreten ist. Ein Zuruf der Ermutigung und Ermunterung unseren heldenhaften Brüdern, die trotz zwanzigjähriger Belagerung durch die Scharen der Gottlosenbewegung sich ihre religiöse Burg erhielten, am Tage der russischen Nationalfeier! Wird überhaupt noch an die Falaschas, von denen nach der Eroberung Abessiniens durch Italien so viel die Rede .war, gedacht? Es scheint ja! In der Mailänder jüdischen Zeitung „Convegno Ebraico" veröffentlicht Adv. Carlo Alberto V i t e rb o, der im Aultrag des italienischen Kolonienministeriums Abessinien bereist hat, um die Lage der Falaschas und ihre Bedürfnisse zu studieren, einen Aufruf an die italienische Judenheit, zur Ausgestaltung? des Schulwesens der Falaschas beizutragen. Die Schule in Addis Abeba soll ausgebaut, eine neue Schule in Gondar gegründet werden. Adv. Viterbo teilt mit, daß er die Hauptzentren der Falaschas in Gondar. und Woggera besucht hat. Die Falaschabevölkerung befaßt sich mit Handwerk und Landwirtschaft. Der Erziehungsarbeit, die unter den Falaschas von Dr. F .a i 11 o v i t c h und dem Rabbiner von Florenz, Prof. Chaim Margulies, der nach dem Kriege das Profalascha-Komitee gründete, geleistet worden ist, zollt'Adv. Viteyrbo höchste Anerkennung. In der für Gondar geplanten neuen Schule soll die Falaschajugend mit den Lehren des Judentums bekannt gemacht und daneben in verschiedenen Handwerkszweigen ausgebildet - werden. Wir wollen hoffen, daß die in Abessinien gegründeten Schulen wirkliche Schulen des Thorajudentums sind und wären dankbar, etwas Näheres darüber zu hören. Zwei Juden in einem russischen Eisenbahnwagen. Einer liest die Zeitung: „Ein furchtbares Erdbeben in Japan". Der andere erschrocken: „So sagt rmir doch, Nachbar, kann das gute oder »böse Folgen" für uns- Juden haben?" Wenn man darüber lachte, so verkannte man doch nicht die Tragik hinter dieser Anekdote. Wie kann irgendwo in der Welt etwas Erschütterndes sich ereignen, ohne Einfluß auf das jüdische Schicksal zu nehmen? Und nun ist es gar keine Anekdote mehr, sondern bittere Wahrheit. Im ostasiatischen Räume bebt die Erde, Japan zieht siegreich durch chinesisches Gebiet und Europa hält Konferenzen ab. Inzwischen zittern, leiden und hungern Tausende von Juden in Shanghai- und an anderen Plätzen Chinas. Das Gebäude der jüdischen Gemeinde zu Shanghai) darunter ihre Mazzothbäckerei, so melden die letzten Berichte, sind durch ein Luftbombardement vollständig vernichtet worden. Viele Tausende sind infolge der durch die Kriegszustände eingetretenen Krise brotlos geworden. Die Gemeinde ist aller Mittel entblößt und außerstande, ihre verwüsteten Institutionen aufzubauen und den Notleidenden intensiv zu helfen. Es besteht die Gefahr einer Hungersnot in der Shanghaier jüdischen Gemeinde. Eine Hilfsaktion wurde wohl eingeleitet, aber auch hier gilt das Wort: „Kein Gefangener kann sich selbst erlösen!" So habendie Leiter der jüdischen Gemeinde zu Shanghai einen Hilferuf a n die Juden der Welt erlassen. So ungefähr lauten die uns zugehenden Berichte, Man darf hoffen, daß bei allen schweren Problemen, die heute auf die großen jüdischen Organisationen einstürmen, auch die Not der Brüder im fernen Osten nicht Übersehen wird. Hier sind, so scheint uns, in erster Reihe die amerikanischen Juden zuständig. und Menasches messen lassen, die sich in de* Öffentlichkeit Aegyptens, als Söhne des führenden Staatsmannes zu bewähren hatten in ihrer Treue und im vollen Festhalten an den geheiligten Familientraditionen, unsere Töchter aber weisen wir hin auf unsere Stammütter, auf die Frauen, deren Feld das Zelt war. Und wir sprechen durch diesen Segen aus, daß auch heute noch d i e erste und wichtigste Aufgabe der Frau die Pflege ihres Frauenbund Muttert u m s bleibt! Wir Männer preisen jeden Morgen G'tt dafür, daß Er uns nicht als Frau geschaffen hat. Nicht, weil wir uns für klüger oder besser hielten als unsere Frauen, nur, weil wir mehr Pflichten haben, und weil der wahre Jude sein Lejbensglück an seinen Pflichten mißt. Und unsere Frauen preisen G'tt, der sie nach Seinem Willen geschaffen hat. Und in dieser Lobpreisung liegt nicht die demütige Hinnahme eines schweren Schicksals, sie bedeutet kein Sich-abfinden mit etwas Unabänderlichem, sie bedeutet vielmehr ein Bekenntnis zu dem Beruf, den G'tt der Frau vorbestimmt hat, sie bedeutet die freudige Bejahung dieses Berufes! Wenn unsere Söhne Bar-Mizwo werden, dann feiern wir den Tag in G'tteshaus und Familienkreis, die Bas-Mizwo feiern wir nicht, oder doch nur im engsten Zirkel der Nächsten. Ist unsere Tochter uns weniger herzensnahe als unser Sohn? Gewiß nicht! Wir feiern unsere Tochter mit aller Hingebung, wenn wir sie unter die Chuppo führen, denn an diesem Tag tritt sie in den Kreis der ihr ureigenen Pflicht. Da winkt die ersehnte Erfüllung ihres täglichen Gebetes: „Gepriesen Er, der mich nach Seinem Willen geschaffen hat"! Im Wochenabschnitt „Wajeze" beschäftigt und bewegt uns das Schicksal der zwei jüngeren Stammmütter: Rahel und Leah. Um zwei Mittelpunkte kreist ihr ganzes Sehnen: um „die Liebe des Gatten" und um „das Glück des Muttertums"! Erschütternd dringt R a h e 1 s Klageruf an unser Ohr, jener der tiefsten Verzweiflung erpreßte Schmerzensschrei: „Schaffe mir Kinder, wenn nicht, so sterbe ich"! Wir werden mitgetragen von der Wonne, die sich Leahs mit jedem weiteren Kind, das sie gebärt, in erhöhterem Maße bemächtigt, und die sie in den Namen dieser Söhne verewigt: mag die Freude bei der Geburt der drei ersten Söhne von der Erkenntnis beeinflußt gewesen sein, daß der glücklichste Vater der liebendste Gatte sei, so entringt sich bei der Geburt des vierten Sohnes ihren Lippen ein „G'tt sei Dank", das n u r dem Glückihres Muttertums galt. Ja, ihrem fünften Sohn gibt sie einen Namen, „Jissochor", durch welchen sie andeutet, daß sie sich von G'tt dafür belohnt weiß, daß sie ihr Eheglück zurücktreten ließ hinter das Vaterglück ihres Mannes! Und ihren sechsten Sohn nennt sie Sewulun: „G'tt hat mir ein gutes Los beschiedenV nun wird sich mein Mann ganz zuhause bei mir fühlen, denn ich habe ihm sechs Söhne geboren." \[ Sechs Söhne und eine Tochter schenkte Le>h ihrem Gatten! — . Und Rahel? Wie mochte sie weinend sich gehärmt haben, bis — endlich — ihr Gebet Erhörung fand: „Und G'tt gedachte der Rahel, G'tt erhörte sie und öffnete ihren Schoß." Und sie gebar den Sohn, in dessen Namen Josef ein Doppeltes liegt: „G'tt hat weggenommen meine Schmach" — „G'tt gebe mir noch einen Sohn"! Noch liegt sie in den Schmerzen um das erste