Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1937)
- Date
- 1937-11-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt aüL M. 4. November 1937 30. Marcheschwan 5698 Nummer 44 Westeuropäische Konferenz der Agudas Jisroel. i(TeL Bericht.) Paris, 3. November. Von Sonntag -bis Dienstag fand in Paris die von vielen Ländern Westeuropas beschickte Weste u r o p äi s che K ö n f er e n-z der A g u d a s J i s r o e l , statt. Von dem G. A. und der Exekutive waren Hi Goodman, London und Dr. S. Ehrmann, Frankfurt anwesend, Die Verhandlungen führten, unter Vorsitz des Herrn Me. Mathieu Mül 1 e r , zu bedeutsamen Beschlüssen in den Fragen, die ins Aufgabengebiet .der westeuropäischen Landesorganisationen und -Gruppen fallen, so hauptsächlich in der der Auswanderung. Ein Sekretariat für die westeuropäischen Länder wurde mit dem Sitze Iii Paris, errichtet. Begrüßungsschreiben und Telegramme langten von den zentralen Instanzen und vielen Landesorganisationender Agudas Jisroel ein. Am Dienstag abend fand eine öffentliche Versammlung statt, die als bestens gelungen erachtet werden darf. Der Festsaal im Hotel des ,,Deux Mondes" war von -vielen Hunderten bis auf den letzten Platz besetzt. Neben den Herren Rabbinern Dr. L a n g er und Dr. M ü n k1 am Vorstandstische waren zahlreiche Rabbiner von Paris, ij ebenso offizielle •Vertreter der orthodoxen Gemeinden und des Konsistoriums -anwesend. Von den führenden Organisaiionen sah man Vertreter der Alliance, der Pica, <ler J. T. O. u. v. m. ' Nach einem einleitenden Referate des Vorsitzenden, Me. Mathieu Müller, hielten Referate über Wesen und Aufgabe der Agudas Jisrpel, die Kenessio Gedaulo und Erez Jisroel die Herren Oberrabbiner H i r s c h , Vorsitzender •der holländischen Landesorganisation; S* S ch a ch n o wi tz, und Dr. S. Ehr mann, Frankfurt a. M. und Rabbiner M a r g o 1 i e s , London, Alle Vorträge -wurden mit starkem Beifall aufgenommen, und jgedenkt die Pariser Agü'da'gruppe, den'mächtigen Eindruck dieses für Parisungewöhnlichen Werbeabends auch auf die in großer Zahl erschienenen bislang unorganisierten Thoratreuen und Abseitsstehenden richtig auszuwerten; Näherer Bericht über die Verhandlungen und-Beschlüsse der Konferenz folgt noch. ——— Immer noch Terror in Palästina. . ' Jerusalem, 1. November.; .Auf r der Jaffastraße im Zentrum von Jerusalem ist der 20jährige persische Jude Raphael Nimdar durch einen Revolverschuß. schwer verwundet worden. Der Attentäter hatte sich hinter einer Straßenecke in der Nähe öJcs Amtes des Pistriktskommissars verborgen .und von 3or,t aus mehrere ^Schüsse auf Nimdar .abgegeben. DjircK eine. verirrte Kugel wurde auch ein zufällig, vorbeikommender Araber verwundet. Er, ist_,ndch' am Abend seinen Verletzungen erlegen, Obwohl der Anschlag am hellen Tage verübt wurde und die Straßen sehr belebt waren, ist es dem Attentäter gelungen, zu., entkommen. Die Beisetzung des am Freitag erschossenen Betari Aron Alkabez fand auf Anordnung des Distriktskommissars am Samstag Abend statt. Tausende gaben trotz der späten Stunde und strömenden Regens dem Toten das letzte Geleit. Anscheinend hat die arabische Bande, die früher zwischen Hebron und Beer Scheba ihr Unwesen trieb, jetzt ihre Tätigkeit in die Umgebung von Jerusalem verlegt. Im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf den Transport der Palestine Potash Campany, bei dem der Arbeiter Mafdechai Slotnicki getötet worden war, jsind mehrere Araber verhaftet worden. Es heißt, daß sie gestanden haben, Mitglieder einer bewaffneten arabischen Bande zu sein, ,die früher in Südpalästina tätig war. Die Bande wurde von syrischen Arabern geführt und erhielt aus Syrien Unterstützung. Aus dem Inhalt : Ausgang des Berner Prozesses . Seite 2 u. 5 Die hebräische Presse über den Rücktritt des High Commissioners...... Seite 2 Das Testament Felix M. Warburgs . . Seite 2 Wochenrundschan ....... . Seite 3 Von der Rolle des Ideologischen, heute. Von Rabb. A. Wolf ...... Seite 3 Zum 70. Geburtstag von Rabb. Dr. Esra Münk Seite 4 Berichte aus Polen ..........Seite 5 Das neue Eurwanderungsgesetz in Palästina Seite 6 Erez Israel ...... .....Seite 7 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . . Seite 3 Bücher-Besprechungen . . . . Seite 8 Ein Wort zum Semesterbeginn unserer Lehransfalten. Von Rabb. Dr. B. Cohen in Hamburg. t]Wß VpV K'3ötf»Tia^n ^Ytt Die. Bedeutung der Lehre liegt in dem Maße, in dem sie zum G'ttesgehorsam führt; Kann in dieser Hinsicht das Thorastudium auch in unzweckmäßiger Weise betrieben werden? Mißgriffe sind auf diesem Gebiete möglich und leider oft in bester Absicht begangen worden. Ein Kind, das etwa zu früh die seit Tempelzerstörung außer Geltung geratenen Gebote der... G'tteslehre erforschen, soll,;, k a n n (gewisse kritische Veranlagung vorausgesetzt) leicht auf die Idee verfallen, es sei die Eigenart der Thoravorschriften, in der heutigen sündhaften Welt nicht völlig erfüllt werden zu können. Ein anderes Kind lernt vielleicht das notwendige logische Denken aus den Vorschriften der Rechtslehre kennen, wie sie-.in# den-juristischen Massechthoth des Talmud so klar zutage liegt; obgleich diese Vorschriften nicht heutzutage! alle außer Geltung sind, so ist doch die Gefähr nicht ausgeschlossen,; :;daß diese Dinge, weil dem kindlichen Gesichtskreise fernliegend und vielfach im rho^ dernen Erwerbsleben gegenstandslos, geworden, in ähnlicher Art -wie die Opfer- und Reihheitsvorschriften der-Thora den Kindern die Meinung beibringen,- die Gebote G'tteJs seien;T h e.pr i e ohne Verwirklichung auf Erden. [; Aü'ch durch das -gegenteilige Extrem kann, ^auf tHesem Gebiete gesündigt werden. Man denke sich ein Kind, das im Elternhause die sabbatlicheh und sonstigen religionsgesetzlichen Bestimmungen der Thora durch deren stetige Verwirklichung allein kennen gelernt hatte und nun bei Eintritt der dazu nötigen Geistesreife die theoretischen Vorbedingungen der ganzen heutigen thorägesetzlichen Lebensführung aus der Mischna oder Talmud 2U erlernen beginnt. Da tauchen oft Vorschriften auf, die in der heutigen Praxis; gleicht zu begreifen, zu befolgen und aus den 'Grundvorschriften der Thora ableitbar zu seih scheinen, — jdie in Wirklichkeit aber in den Quellen der religiösen Praxis, in Mischna und Talmud noch ein; ganz von unserem heutigen Leben verschiedenes Gesicht zeigen. Denken wir etwa an den Verlauf eines Jomkippur in tannaitischer und in heutiger Zeit! Denken wir etwa : an die Sabbat-Tagesordnung eines Tanna im.. Vergleich mit der heutigen! Denken wir an „die Mazzoth backenden Frauen" der Mischna im Vergleich mit unseren heutigen technischen Vorsichtsmaßnahmen! Denken wir auch [nur an den Gegensatz zwischen der naturnahen Begriffswelt der Jomtowvorschriften in Massecheth Beza und der Welt unserer gesetzestretien Großstadtjugend! Das alles sind Dinge,; die' nicht geeignet sind, die gelebte, geatmete Verwirklichung der Thoragesetze in den« (^emutern unserer Jugend zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Und dies, obgleich (Fortsetzung siehe Seite 3.)