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Der Israelit · 1937-10-28 · Heft 43 (28.10.1937) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 43 (28.10.1937)
Date
1937-10-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite (1Ö/Nr. 43 l s r a e l.i t r 28> Oktober 1937 Mit dem Scheck auf 500 Dollar, den ihm Felix M ijWarburg für die Lubliner Jeschiwa ausstellte, war der Rabbi nicht zufrieden und Heß seine Enttäu schürig deutlich merken,' was den Philanthropen in gelinden Zorn trieb. „Es ist mir wohl bekannt," sagte er, „daß Sie von Anderen wenige Dollar mit Dank annahmen, und nun sind Sie mit einer solchen Summe unzufrieden." Rabbi Schapira bat lächelnd, ihm eine kleine Geschichte aus seinen täglichen Erlebnissen in Lublin erzählen zu dürfen, und Warburg, stets empfänglich für nette Geschichten, hörte aufmerksam zu; „Bei uns in Lublin ist es üblich, daß arme Leute je am Freitag im Jeschiwahof kleine Spenden zu Sabbat erhalten. Selbstverständlich kann ich selbst die Leute nicht empfangen und lasse sie durch einen Gabbe (Verwalter) abfertigen. Eines Tages gelang es einem besonders Betriebsamen, über den Gabbe hinweg in mein Zimmer vorzudringen. War es einmal geschehen, so konnte ich nicht anders, als ihm einen ganzen Zloty zu geben. Wie mußte ich aber staunen, als der Empfänger unzufrieden den Kopf schüttelte: „Ein bißchen wenig, lieber Rabbi!" „Was?" staunte ich, „zu wenig? Sie erhalten vom Gabbe zwei oder drei Droschen und gehen zufrieden mit den besten Glückwünschen von dannen, nun ist Ihnen das Fünfzigfache zu wenig?" Darauf der Arme: „Ihr seid zwar, Ihr sollt mir gesund sein, ein großer Rabbi, aber vom Schnorren versteht Ihr eine Kränk . . . Was soll ich mit dem Chammer von einem Gabbe da lange diskutieren, um bestenfalls noch einen Groschen zu bekommen? Das lohnt nicht. Von Euch, teurer Rabbi, habe ich aber einen ganzen Zloty erhalten, da lohnt schon zu handeln, vielleicht gibt es noch einen Zloty! . . ."- Felix M. Warburg lachte von Herzen, verstand den Wink und griff zur Feder. Unter der Hand verwandelte sich die Summe auf dem Scheck um das Doppelte ... Salmann Schocken zu seinem 60. Geburtstag am 29. Oktober 1937. Auch in diesen Blättern darf wohl mit Recht des 60. Geburtstages eines Mannes gedacht werden, des sen Name zwar erst in den letzten 10 Jahren einer breiteren jüdischen Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, von dem die Eingeweihten jedoch seit Jahrzehnten wußten, daß ihn alle geistigen Bewegungen des zeitgenössischen Judentums fesseln und daß er voll Ehrfurcht allem, was uns an kulturellen Schätzen überliefert ist, gegenüber steht. Salmann Schocken entstammt einer kleinen Gemeinde im Osten Deutschlands, Gemeinsam mit seinem Bruder hat er in verhältnismäßig kürzer Zeit einen der bedeutendsten deutschen Warenhauskonzerne — hauptsächlich in den mittel- und süddeut sehen Staaten — aufgebaut. Seine wirtschaftlichen Erfolge haben Salmann Schocken schon vor fast drei Jahrzehnten in Stand gesetzt, seinen geistigen Interessen und Bedürfnis sen — in Form der Anlage umfassender Sammlungen — Genüge zu tun. Er hat in späterer Zeit selbst einmal in einer Veröffentlichung des von ihm begründeten und erhaltenen Institutes zur Erforschung der hebräischen Dichtung des. Mittelalters erzählt, wie das Studium von Z u n z und Steinschneider ihn bereits in jungen Jahren dazu geführt habe, sieh des jüdischen Büches in jeder Form in Liebe zu widmen. Sind es im Kreise deutschen Geisteslebens neben Goethe — dem'der Jubilar. im Jahre 1932 zum 100, Todestage des Dichters eine für seine Freunde bestimmte, ganz persönliche Anthologie, gewidmet hat, in erster Linie J e an Paul, Hölderlin, E. T. A. H o f f m a:n und Heine, die er wahrhaft kennt, liebt und, verehrt, so sind es auch im Kreise jüdischen Geisteslebens'ganz besonders die lyrischen Dichter und unter ihnen wiederum die Verfasser unserer Piutim, die er in den Mittelpunkt seiner Aktivität als Mäzen, Sammler und Verleger stellt. Als großzügiger Mäzen erweist sich unser Jubilar einer stattlichen Anzahl wissenschaftlicher Arbeiter, denen er die Möglichkeit gibt, sich ohne materielle Sorgen in Ruhe den Objekten ihrer Forschungen zu widmen; in erster Linie ist ihm heute für die Errichtung und Erhaltung des schon oben erwähnten Institutes zu danken, das früher in Berlin, jetzt in Jerusalem unter Leitung des früheren Prager Oberrabbiners Prof. Dr. Brödy wertvollste und in allen jüdischen Lagern in gleicher Weise begrüßte Arbeit leistet. Dem Sammler ist es gelungen, eine einzigartige, ungewöhnlich kostbare Bibliothek zusammenzubringen, die das hebräische Schrifttum in Manuskript und Druck, von den frühesten Zeiten an zu vereinigen sucht, die ständig von dem sachkundigen Besitzer ausgebaut wird und die in einem, erst eben in Jerusalem errichteten herrlichen Bau der jüdischen Forschung in weitherziger Weise zur Verfügung gestellt ist, - Die Arbeit des Verlegers schließlich ist durch die Schocken-Bücherei und viele andere hervorragenden Veröffentlichungen jedem jüdischen-Haus vertraut. Es ist dem Jubilar zu danken, wenn wertvolles geistiges Gut der Vergangenheit in einer Ausstattung und zu: einem Preis auf den Markt gebracht werden konnte, die den weitest gespannten Anforderungen ebenso wie den bescheidensten Mitfein gerecht werden. Der Jubilar steht nicht in den Reihen des gesetzestreuen Judentums, So manches der unter seinem Namen in die Oeffentlichkeit gelangten Werke, mußte in diesen Blättern scharf abgelehnt werden. Die- Gerechtigkeit erfordert es jedoch, anzuerkennen, daß ihm auch das thoratreue Judentum, viel zu danken hat und daß er persönlich, fern jeder engen Parteilichkeit, positives Judentum überall dort gefördert hat, wo es ihm begegnet ist. Herr Schocken steht heute an einflußreichster -Stelle. Als Präsident der Exekutive der hebräischen Universität in Jerusalem, als Eigentümer des „Haarez", der bedeutendsten hebräischen Tageszeitung im heiligen Lande, als führender Zionist, als Verleger und als von allen im Wirtschaftsleben maßgebenden Faktoren mit Vorliebe zu Rate gezogener, weitblikkender Kaufmann, übt er auf die Gestaltung Erez Israels einen Einfluß aus, wie wenige Juden vor ihm oder neben ihm. Auch die thoratreuen Kreise erscheinen heute als Gratulanten und wünschen dem auf der Höhe seiner Tatkraft stehenden Manne, daß es ihm vergönnt sei; noch viele Jahre positiv jüdische Aufgaben zum Segen seines. Volkes durchzuführen. H. E. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung, Aus dem Schlußreferate der Präsidentin Frau Flora Rothschild-Antwerpen auf der Frauenkonferenz in Marienbad. Zum letzten Mal, nach arbeitsreichen Tagen, sind wir hier versammelt, um uns und der Welt, die uns ihr Interesse geschenkt hat, Rechnung abzulegen über unsere Konferenz, und uns klar zu werden über Söll und Haben. Wir wollen uns die Frage beantworten, ob wir einen Aktivsaldo mitnehmen als Grundlage unserer späteren Arbeit, Vergegenwärtigen wir uns, daß diese erste Frauenkonferenz nicht das Ergebnis einer längeren gemeinsamen Arbeitsperiode ist, son dern.daß sie eigentlich ihrem Ausgangspunkt nach nur . eine konstituierende Versammlung sein brauchte. Die Leitung sah sich dann hier in Marienbad etwas überrascht einer Delegiertenvers ammluhg von etwa 150 Frauen, und Mädchen aus 14 Ländern gegenüber Es war eine freudige Üeberraschung. und nichts ist mehr geeignet, die Notwendigkeit unserer agudisti sehen. Weltorganisation zu bekräftigen, als diese Tat sache. Die Leitung, die sich hier in Marienbäd durch : tatkräftige und verständnisvolle Mitarbeiterinnen er gänzte, sah sich vor die schwere Aufgabe gestellt ohne fertigen .Vorstand, ohne bestehende Arbeits' kommissionen, ohne den genügenden technischen Kontakt mit .den einzelnen Persönlichkeiten; diesen großen Kongreß zu befriedigen, dessen Schwäche "-res klingt paradox —' in seiner eigenen Stärke lag; Versuchen wir von dieser Feststellung aus die Bilanz zu ziehen.;'• Die Grundaufgabe des Kongresses bestand darin; eine, Organisation' zu schaffen, das' bedeutet,, die einzelnen Glieder, die;z. T. selbst schon stärkere; Organisationen sind, einem leitenden Willen einzüglie? dern, um zu einem'gemeinsamen Gänzen zü werden. Die bisherige Selbständigkeit, die als solche natürlich unberührt in ihrer eigenen lebendigen Kraft bestehen bleiben soll, hat aus dem Bewußtseih dieser Kraft heraus noch nicht genügend den Gedanken der Gesamtorganisation gepflegt, um ihn sofort in aller Konsequenz freudig; :zu bejahen. Diesem Negativen steht das Positive gegenüber, daß diese Glieder' funktionsfähig," daß sie leistungsfähig sind, und dies bleibt ein Aktivsaldo für die Zukunft der Agudisti» sehen Frauenorganisation, hier. Hegt ihre praktische: Aufgabe. Sie wird beweisen, daß die . Stärke -der Einzelorganisation zu steigern ist durch die. Zusammenfassung der Kräfte im Dienst einer übergeordneten Aufgabe. _ . Die Tagesordnung der Konferenz hatte die Befassung mit vielen praktischen Aufgaben vorgesehen. Referenten aus allen Ländern, allen Interessenkreisen, allen Richtungen und allen Altersklassen waren vorgesehen, um ihr das Rückgrat zu geben. Jetzt zeigte sich auf der Konferenz, daß trotz der Fülle und Vielseitigkeit auch diese nicht ausreichte,, denn die Konferenz hatte mehr Inhalt als Fassungskraft. In mancher schweren Stunde innerer Krisis drückte die schwere Verantwortung, nicht jedem- Menschen, nicht jedem Problem, nicht jeder Aufgabe gerecht werden 'zu können. Die Meisterung dieser Schwierigkeit absorbierte viel Zeit und Kraft der erweiterten Leitung, und wenn einzelne Delegiertinnen, speziell die Jugendlichen, die sich aus einer gewissen Schüchternheit, die ich so gut begreife, nicht stark genug an der gemeinschaftlichen Lösung dieses Problems beteiligten, vielleicht zeitweise unbefriedigt waren, so ist auch wieder dieser starke Inhalt ein Wert für die Zukunft. ~ ■; ■ ■ -..<>■■ ....—. , v r -njr—„ :~; Und'- nun komme ich zum .-Letzten unövf Wichtigsten. Es kamen hier zur K(jnierenz'¥nach "'Marienbäd so viele starke Frauenpersönlrchkeiten, diejjeine jechy in ihrem, Kreis diestärkste Autorität, dieMistärkste Wirkungsmöglichkeit haben. Sie trafen hiej-j auf würdige Konkurrenz, aber sie kamen nicht sogleich dazu, sich als. eine Gemeinschaft von Persönlichkeiten zu; begreifen. Hier, wie im Punkt Organisation und Tagesordnung zeigte sich, daß die parlanientariscne Schule großer Konferenzen noch nicht .ctürchlaufen ist. Die Leitung war bemüht, jeder dieser zahlreichen Kräfte ein Feld der Wirksamkeit bereitzustellen, aber seien wir ehrlich, es fühlte sich trotzdern manche unserer Führerinnen nicht auf dem, ihr gemäßen Platz, Lag diese kleine Schwäche an der Leitung? Ich ziehe den Schluß, daß auch hier in unserer Bilanz ein starkes Kräftereservoir : für die fernere Arbeit vorhanden ist. Denn was ist wichtiger für unsere Arbeit, als daß wir starke Persönlichkeiten haben? In gemeinsamer Arbeit werden wir zur Erkenntnis kommen — und dies soll das Ergebnis der Konferenz sein ~ daß, die Jßersönlichkeit hinter dem Werk zurücktreten muß, welches sie für den Klall leistet. Die Achtung vor de£ anderen •Persönlichkeit ist überall da unerläßlich,! ( wo man für ein gemeinsames Ganze seine beste Krafteinzüsetzten. bereit ist. Durch Ihr Vertrauen; bin ich in der Leitung bestätigt worden. Nehmen Sie die Versicherung, daß ich mich-in tiefster Achtung vor den Persönlichkeiten beuge, die mir an geistiger Krait überlegen sind. Das Wesentliche für eine Leitung ist der Wille, mit den Kräften der Mitarbeiter ausgleichend zu arbeiten, wie im Völkerbund, die kleinen Staaten die Interessen der großen Mächte ausgleichen, gestützt auf das Prinzip eines objektiven Rechtes. In dieser Idee nehme ich die schwere Arbeit; die mich zeitweilig zu erdrücken drohte, wieder auf, als Sachwalterin der Frauen-Konferenz. AgudistiscBe Frauengruppe in Jerusalem. Der erste große Erfolg der Marienbader Frauenkonferenz war hier in Jerusalem die Gründung einer Agudistischen Frauengruppe. Was schon so lange fehlte und aus diesen oder jenen Gründen nicht geschaffen werden" konnte, — ist, — ausgelöst durch den Bericht über die Frauentagung, — endlich zur Tat geworden: alle uns nahestehenden Frauen haben sich zur Agudath Jisroel -bekannt und wurden somit die Gründerinnen unserer hiesigen Ortsgruppe. Klar und überzeugend berichtete Frau Dr. Hanna Schlesinger. 'Sie verstand es vor allen Dingen, die Vielfarbigkeit in der Arbeit der einzelnen Länder aufzuweisen, sprach von deren Erfolgen und Sorgen, betonte aber vor allen Dingen, wie überall dort, wo Gruppen als organisierte Gruppen arbeiten, die Leistungskraft um ein Vielfaches erhöht wird. Sie erzählte von den Frauen in Osteuropa und denen in deiv westliche« Ländern, wie sie alle arbeiten und gar nicht schaffen können, was man von ihnen verlangt, und wie alle über ihr eigenes Arbeitsgebiet hinaus sich zu unserem bekennen, dem. Arbeitsgebiet unseres Landes. Geradezu beschämend wirkte es auf uns, zu hören, wie an den letzten Marienbader Tagen im Mittelpunkt des Interesses bei den agudistischen Frauen stand, und Wir hier bis jetzt uns .noch . nicht einmal als agudistische Frauen zusammengefunden hatten. Der natürliche Abschluß des B.erlcliies r H^aein dringender Aufruf, jetzt endlich die Frauehgruppe zu gründen und gestärkt durch das Bewußtsein, welch eine Organisation von Frauen aller Welt hinter uns steht, an die gemeinsame Arbeit zu .gehen.' ' Auch Frau DrJ Jenny, B r e u e r schloß sich dem Aufruf an: Gerade hier in ,o?»&5T müssen sich die agudistischen Frauen aller Länder zusammenfinden, um durch die sie einigende Gemeinschaft gestärkt zu arbeiten. ■■ Ganz besonders herzlcih begrüßte Frau Rabbiner Sonnenfei.d die Versammlung. Schon länge Jahre habe man in vbyW auf diesen Augenblick gewartet, i; Mit freudigem -Herzen beglückwünsche si^|. die Gründung der Je^usaletnei' fFra^engruppe dp Agudas Jisroel.;, L ' .; ' Der Abend endete mit der Einträgurig der Mitglieder. Die praktische Arbeit im Anschluß an uns nahestehende Institutionen und die^Mögliphmachung eines Mädchen-Wohnheims soll schöj^nä^kste Woche beginnen. . .. ~ Wochenkalender. Vom 30. Okt. - 6. Kov 193T;Vom 25. Marcheschwari - 2. Kilew 569S -! "''BT *p -y nnwa 'nn '3-ian vrw' «n Samstag 30 [25 . 13 Sonntag - 31 ■26 13 '. .! Montag Nov. 1 2.7 rp - :. . ■■ . T Dienstag;.: 2 28 13 . ' , '. i Mittwoch v . 3 29 : : Ts;•. . 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