Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1937)
- Date
- 1937-10-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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' .Seite 10 Nr. 42 ' Der I fljr a e Iii t ■ 'Ä*fü■^l»?', &*&<t-^- 21. Oktober 1937 -i_ Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Aus der Berichterstattung über den Agudistischen Frauenkongreß in der Frankfurter Ortsgruppe. (Schluß.) Der. große ideelle Erfolg des Frauen-Kongresses war das gegenseitige Sichkennenlernen, der gemeinsame Wille aller zur Zusammenarbeit zum Wohle der Taüroh unter Hintansetzung aller Gegensätze. Ferner ist es als Erfolg zu verzeichnen, daß jede der am Frauen-Kongreß bewußt Teilnehmenden sich vornahm, es nicht bei diesem Höhepunkt der Anregung zu belassen, sondern daran anbauend an sich und ändern zu arbeiten, die Jüdischkeit zu fördern, Milde gegen andere, Strenge gegen sich selbst. Das bedeutet natürlich nicht Toleranz gegen systematischen Abfall. Ein unjüdisches System kann man nicht streng genug ablehnen, aber einzelne Menschen müssen wir versuchen, liebevoll auf den richtigen Weg zu bringen. - Zum Schlüsse sei noch berichtet, daß auf der Tagung beschlossen wurde, daß die Mädchengruppe in Zukunft den Frauengruppen angeschlossen werden. (Dieser Vorschlag wurde schon vorher von der Frankfurter Mädchengruppe gemacht,) Wir müsseh uns klar darüber sein, daß wir hiermit eine schwere Pf liebt und Verantwortung übernommen haben, ■ Am Montag Abend wurde die Frauentagung beendet. Das Schlußwort hatte die Vorsitzende.; . Beim gemütlichen Zusammensein widmete uns Dr. Isaac Breuer in herrlichen Worfreh einen Abschiedsgruß und gab uns auch Ratschläge, als geborene Wirtschafterinnen eine saubere Finanz zu pflegen, uns niemals mehr zu leisten vorzunehmen, als wir wirklich ausführen können, lieber im Kleinen mit kleinem zu beginnen, und vor allem keine Streitigkeiten aufkommen zu lassen. Mit Gesang und Frauenreigen ging der Frauenkongreß zu Ende. Die Berichterstatterin in der Frankfurter Gruppe schloß mit folgenden Worten; „Dies ist nun ein möglichst genauer Bericht über den äußeren Verlauf der Tagung. Das Wesentlichste aber war der Eindruck, wie ungeheuer groß die Aufgaben sind, die der Lösung harren. Hier erlebte unsereins zum ersten Male in aufwühlendster Form die Unmöglichkeit, sich der Verantwortung für alle zu entziehen. Wenn man erlebt, daß noch Tausende jüdische Mädchen in Polen, Litauen, Lettland jüdisch und geistig gerettet werden müssen, daß in Erez Israel unsere, eigene Jugend in menschenunwürdigen Unterkünften hausen, daß Hunderttausende in dem natürlichen Streben, einigermaßen ihre Lebensbedingungen zu verbessern, nach überseeischen Ländern auswandern, wo dem Sabbat, dem Kaschruth, der Taharo und der ganzen Jüdischkeit die gräßlichsten Schwierigkeiten entstehen, ohne daß man zunächst Möglichkeit zur Abhilfe sieht, möchte man sich am liebsteh verzweifelnd in seinen kleinen Pflichtenkreis zurückziehen, in dem resignierenden Bewußtsein, diese Aufgaben zu lösen, übersteigt unsere Kraft. Aber dürfen wir das? Wie kämen wir dazu, uns vor der Verantwortung zu drücken, weil es dem Einzelnen zuschwer erscheint? Die Tatsache, daß wir als Angehörige des jüdischen Volkes schwere Aufgaben auf dieser Welt zu lösen haben, ist nun einmal nicht wegzuschaffen. Und zu dem unbedingten Willen, die Aufgaben in Angriff zu nehmen, wurde man in Marienbad aufgerüttelt. Der gemeinsam gefaßte Entschluß, sich nicht unterkriegen zu lassen, gab uns den Mut und die jugendliche Frische, helfend zuzugreifen. Und erst dann wenn es gelungen ist, Ihnen allen diesen von der Gesamtheit ausgehenden Ansporn zu vermitteln, sie von der Unmöglichkeit, sich der Verantwortung allem jüdischen Geschehen gegenüber zu entziehen, zu überzeugen, erst dann wäre unsere Mission erfüllt." Lernwoche des Esra-Pirche Agudas Jisroel Breslau. Unjer Leitung des Herrn Rabbiner S. Offen- ' berg, Berlin und unter Mitwirkung von Gerhard Gluskinos, Darmstadt und Naftoli Wiesner, Breslau fand in der mao-Woche eine Lernwoche des Esra-Pirche Agudas Jisroel statt. Diese Intensivwoche wurde mit einem Oneg am ersten Tage in der großen nao der Gemeinde eröffnet. Es wurde das Thema „der jüdische König1' unter Hinzuziehung der Stellen V"> onai und t s bwiiv besprochen. Es wurde in mehreren Gruppen einige Stunden täglich gearbeitet und der Lernstoff in einer der Auffassungsgabe und Reife der einzelnen Gruppen entsprechenden Weise behandelt. Weiterhin fanden mehrmals Treffen der Mittleren- und Aelterenschaft statt, die Gelegenheit gaben, sich über Entwicklung und Ideologie unseres Bundes zu informieren. Diesen Arbeitsgemeinschaften -wurde starkes Interesse entgegengebracht, besonders der Frage unserer positiven Stellung zu Erez Israel. Die Lernwoche schloß mit einem Oneg am Simchat Thora. Alles in allem darf gesagt werden, daß der hiesige Esra, dessen Arbeit in letzter Zeit trotz Führermangels schon in erfreulicher Weise vorangegangen war, durch die Anregungen dieser Lernwoche und besonders durch deren Leiter, Herrn Rabb. Offenberg, einen starken Antrieb empfangen hat. v K. G.-Vorträge Hamburg-Altona/ , Amp"vxn, ^5, Marchesc&hwan, berichteten, m tfc11 Agudas Jisroel-Gruppen Hamburg-Altona vor einem äußerst zahlreichen ' Publikum in der - Aula der Talmud Thora-Schule Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach und der Vorsitzende des deutschen Keren Hatorah, Herr Henry Pels, über die'Kenessio Gß" daulo. Der Oberrabbiner teilte sein Thema, indem er über die Agudas. Jisroel als Ideal sprach und über die Verwirklichung dieses Ideals unter den. bestehenden großen Schwierigkeiten, mit denen das Judentum zu kämpfen hat. Nicht auf ein Pünktchen vom i der Tauroh und ihrer ewigen Wirksamkeit in der Welt verzichte die Agudas7 Jisroel und der ideale Agüdist. Diese abgerundete Weltanschauung hat in der" organisierten Form als Agudas Jisroel sich immer mehr durchzusetzen verstanden und es sei eine hohe Freude, zu sehen, wie immer neue Teile des Chassidismus und anderer ostjüdischer Teile der; Orthodoxie zur Agudas Jisroel stoßen, Kreise, denen der moderne Organisierungsgedanke an sich noch fern liegt. Es sei der -Aguda gelungen,. wie Marienbad deutlich gezeigt hat, tausende und abertausende junge Menschen mit ganzer begeisterter Hingabe an ihr Ideal zu erfüllen. Ein ganz* neuer Typ habe sich in den agudistischen Arbeitern (Paualim) sowohl in Polen als auch in Erez Jisroel gezeigt, ' Auch diese haben hervorragende geistige Kräfte und glänzende begeisterte Redner vorgeschickt. Natürgemäß kann kein Teil des jüdischen Lebens sich der Beeinflussung durch die Agudas Jisrijel entziehen^ Ihre Häuptverwirklichung zeige sich in dem Keren Hätauroh, Keren Hajischuw und Besii Jakauw - und neuerdings in der Sorge für den Wanderstrom. In diesem drohe ja eine Unsumme von jüdischem Menschengut ver-. loren zu gehen und ityiölkerdünger zu werden, wenn nicht gewaltige Kräfte angesetzt werden, all überall den wandernden Gruppen altjüdische Wirklichkeit, geistige Führung und Lebensmöglichkeiten zu verschaffen. In diesem Punkte ebenso, wie in dem großen Bes Jaakauw-Werk, sei die Agudas Jisroel einzigartig, sie könne in der Judenheit nicht entbehrt werden. In Erez Jisroel habe die' Aguda einen Wechsel vorgelegt, die orthodoxe Judenheit ist verpflichtet, ihn einzulösen. Ideale junge' Manschen haben ihr Leben in die Schanze geschlagen, ein jüdisch erfülltes Leben im Heiligen Lande zu führen. Unsere Chaluzim und Pauafim seien die besten Menschen, die das Judentum hervorgebracht habe. Unsere Kibbuzim sind der Anfang eines Besitzes, auf denen alle; Pflichten des Heiligen Landes erfüllt werden sollen. Der Gegensatz in der Auffassung des alten Jisehuw und des von Breuer besonders vertretenen Prinzips -der von Taurohgeist erfüllten Arbeit im Leben, wie das deutsche Judentum unter Führung von Hirsch, Hildesheimer u. a. es zuerst in der Welt gezeigt habe, werde sich zum Heile des Ganzen allmählich ausgleichen. Der Riesenaufgabe gegenüber, sei die Wirklichkeit der Agudas Jisroel allerdings noch nicht befriedigend. Aber gerade angesichts der Riesengröße der Aufgabe sei dieses nicht verwunderlich und es müsse für alle Thoratreuen der Zwiespalt zwischen der Idee und der noch schwachen Wirklichkeit der stärkste Ansporn sein, mit möglichst reichen materiellen Mitteln und geistiger Hingabe die Wirklich-, keit der Agudas Jisroel mehr und mehr zu stärken. Niemand könne und dürfe sich dem entziehen. s ■Herr-Pels erklärte, er wolle Nachlese halten auf dem Feld, das das Oberhaupt der Gemeinde bestellt habe. An Hand der Resolutionen der Kenessio Ge; daulo stellte er die Arbeit und die Aussichten der,! einzelnen Arbeitsgebiete der Agudas Jisroel in Zah-i len dar, und er konnte den immerhin bewunderns-; werten Umfang der Leistungen* auf so vielen Gebieten . den Hörern deutlich machen. Auch er schloß mit: einem begeisternden und., zu Herzen gehenden Aufruf,;, alle Kräfte in den Dienst der Ewigkeitsaufgaben ofe^i, Agudas Jisroel zu stellen. Die Reden des Abends waren von frischen sängen unserer Esra-P. A. J.-Jugend umrahmt, die'? in vorzüglicher Form vorgetragen wurden. Wir sind/; der Hoffnung, daß die Arbeit -bei uns einen starken Aufschwung nimmt.; , Großer Kenessio Gedaulo-Vortrag in Bratislava. Wir lesen in der Wiener „Jüdischen Presse" vom 8, Oktober: Wie bereits kurz gemeldet,, sprach Isru Chag abends Herr Redakteur S. Schac h n o w i t z (Frankfurt a. M.) über die stattgefundene Kenessio Gedaulo. Im starkbesuchten großen Gremiumsaale begrüßt namens der veranstaltenden Jugendgruppe Herr Max Weiss den hohen Gast und die Anwesenden. Redner wirft einen kurzen Ueberblick über die Kenessio Gedaulo und fordert zu Täten . auf, und gedenkt in dieser ersten öffentlichen Veranstaltung; der Agudas Jisroel nach dem Ableben des Befreier- Präsidenten T. G. Masaryk dieser großen/ überragen-', den Persönlichkeit der allweltlichen ^Menschheit ürid' Menschlichkeit. Er weist auch darauf hin, daß die Agudas Jisroel bestrebt sein wird, durch ein schönes menschliches Werk das Andenken dieses großen Meisters zü ehren. ' Der letzte Teil seiner Ansprache wurde von den Zuhörern stehend-angehört Hierauf begann Herr Sehachnowitz,seinen mit Spannung angehörten Vortrag, in dem er einen ausführ- ■lichenjBericht über die Kenessio Gedäülo'gab. Mehr als;; ein trockener Bericht war, die,. Rede Schächnc- Wiizp: Er hob die bedeutenden'^Mömente der Kenessio;,Gedaulo hervor und erläuterte sie auf eine A!rt, wiesie -ein Journalist seines- Formats siehi Redner begnügte sich jedoch auchj?mit der Berichterstattung allein nicht, sondern rief" in-einer-besonders eindrucksvollen, ihm wohl eigenem Weise zu Taten auf. Seine Rede stand imvZeicnen seines einleitenden Satzes: „Wenn wir darüber sprechen sollen,: ,;^as brachte uns die III. Kenessio Gedaulo" so sollte es richtig Heißen, was wird sie uns bringen? Worauf ich nus? sagen kann: sie wird uns das geben,? was wir der;}Agud,a zu geben gewillt sind." Vortragender, der oft! durch rauschenden Beifall-und zustimmenden Applaus unterbrochen wurde, wies da- . rauf hin, daß derzeit^ das Hauptgewicht .aufudie 'Erez Jisroel-Arbeit gelegt werden,,muß, wenn das orthodoxe Judentum in Erez Jisroel die Position erlangen soll, die ihm zukommt." - „Insölange wir diese Pflicht gegen. Erez Jisroel nicht erfüllt haben," ruft Redner aus, „dürfen wir nicht ruhen." Das gleiche gilt für die Organisation als solche, die unaufhaltsam bestrebt" sein muß, alle Söhne Jisroels, sowohl die dem thoratreuen Läger noch fernstehenden, als auch die heimgekehrten; aber leider am halben Wege stehen gebliebenen Brüder, lim die Fahne der Agudas Jisroel, die,, wie die Kenessio Gedaülo bewiesen, hat, trotz der ' verschiedenen Mentalitäten und Schittos, so Verbindend, und Vereinend wirken kann, zu schären. /Mit nicht endenwqllendem Beifall wurden seineX gefühlsmäßig ungeeindringlichen logischen Ausführungenaufgenommen, denen noch -ein kurzes; Scklußwörtdes ' Vorsitzenden folgte, das ih dem Versprechen ausk'lang, daß die Worte des Redhers ihren eigentlichen Zweck nicht verfehlen werden. " ' (jb.) Frauengruppe der Agudas Jisroel in Wien. Nachdem ein provisorisches Komitee eine agudistische Frauengruppe in Wien gegründet hatte, sprach Sonntag Abend nach einer warmen und freudigen Begrüßung', des endlichen Zusammenschlusses" "der agudistischen Frauen durch Herrn Rabbiner Dr. Joel Rollaky Frau Ernestine Bondi. Ausgehend von dem großen Eindruck, den die Marienbader Frauentagung ausgelöst hat, verpflichtet durch die dortige Arbeit, ruft Frau Bondi zur Gemeinschaftsarbeit unserer jüdischen Frauen für Agudas Jisroel. Die Frauengruppe muß die Eser Knegdau der Aguda werden. In allernächster Zeit wird Herr-Dr. Max Cohen belehrende Vorträge über „Agudistische Weltanschauung" halten, für die starkes Interesse bei den Damen vorhanden ist. Außerdem beginnen schon Arbeitsgemeinschaften im kleineren Kreis. Wir wünschen der neuen Gruppe ersprießliche Arbeit. für Agudas Jisroel und hoffen, daß sie alle thoratreuen Kreise umfassen wird. Westeuropäische Konferenz der Aguda in Paris. Die W e s t e u r o p ä i s c h e K o. n f e r e n ■£ der Agudas Jisroel, an der sich die Agudaorganisatiönen aus England, Schweiz, Holland, Belgien und Frankreich beteiligen, findet in Paris vom 31. Oktober bis 2. November statt. Es werden Beratungen, abgehalten und Mittel und Wege gesucht werden, den Agudagedanken in den westeuropäischen Ländern zu vertiefen und die Organisationen weiter auszubauen. Man rechnet damit, daß der Präsident der Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, die Konferenz begrüßen wird. (JPB.) Anerkennung für Rabbi Süyen. }'< Der O r t h o d o"x e Rabbinerv etband in ..Amerika hat in seiner letzten Sitzung^ beschlössen, seinem Ehrenpräsidenten Rabbi S i 1 v e r den Dank des Verbandes für seine fruchtbare Arbeit im Rab- 'j}inischen Rate der Agudas Jisroel in Märienbad und |für seine Bemühungen, die Organisation in Amerika auszubauen, auszusprechen. (JPB.) - MU ' ' , ' V- ■ '"■>'■'. Das Jüdische Presse-Büro, i- Das Jüdische Presse-Büro in London richtet die fBitte an alle Verfasser und Verleger von Werken 'in hebräischer oder jüdischer Sprache, ob hälachischer, agadischer oder; literarischer Art, ihm je ein Exemplar zukommen zu lassen, da es die Werke den ihm angeschlossenen jüdischen Zeitungen empfehlen möchte. Die Adresse lautet: London E 1, Whitechapel Road 9. Vermischtes. Berlin, 17. Okt. Sonntag, den 24. Oktober,, 17 Uhr, findet in der Syitagoge Grenadierstr.'3.2, ein Abendg ' 11 e s d"i e n s t mit religiösem Vortrag von Rabb. Dr. M, Münk über „Chisuk Emunoh--'der religiöse Weckruf der K e n e s s i o p e - daulo" statt. Kowno, 19. Okt. Am Sonntag, wurde in "Telsiai unter großen Feierlichkeiten das neue. Haus der M e - china eingeweiht. In-diesem Hause werden, jüngere Schüler für die höhere Jeschiwa. vorbereitet.. (JPB )