Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1937)
- Date
- 1937-10-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^5^!^555I|!!S!5*5S! Seite 8 Nr. 42 D e r I s r a e4:i t ^^ÄÄjp^gg^ ,21, Oktobe¥:i937 EREZ ISRAEL Neuer Terror und neue Vergeltungsmaßregeln. , Jerusalem, 15. Okt. Der arabische Terror hat in Palästina wieder schlagartig eingesetzt. Die Zwischenfälle, die gegenwärtig ganz Palästina in Atem halten, haben mit einem Anschlag auf einen Zug in der Nacht zum Freitag begonnen. Zwischen Kalkilioh und Ras el Ain legten Araber eine Bombe auf die Schienen. Der darüber hinwegfahrende Zug brachte sie zur Explosion. Dabei entgleisten vier Eisenbahnwagen, Eine Bande bewaffneter Araber drang in einen Wagen ein und versuchte ihn auszuplündern. Zwei von ihnen wurden durch einen britischen Polizisten getötet. Im Zuge befanden sich dreißig Fahrgäste, von ihnen ist keiner verletzt worden. Ein zweiter Anschlag wurde auf einen englischen Militärzug verübt. In der Nähe von Jerusalem wurden auf den Zug Schüsse abgefeuert. Es kam jedoch niemand zu Schaden. Noch in der Nacht ist der Eisenbahnverkehr im ganzen -Lande eingestellt worden. Am Freitag Vormittag wurden auf Autobusse und englische Polizisten Schüsse abgegeben, Bomben wurden auf Autos geworfen und jüdische Siedlungen beschossen. In Jerusalem wurden durch Schüsse und Bomben auf einen Autobus drei Juden verletzt. Sie wurden in das Hadassa-Krankenhaus eingeliefert. In der Kolonie M o z a ist ein arabischer Fahrgast eines Omnibusses getötet worden, acht Juden wurden verletzt. In Hebron sind zwei englische Polizisten durch Schüsse aus dem Hinterhalt getötet worden. Auf C h e d e r a und Ramat Hakowesch sind Schüsse abgegeben worden, Personen und Sachschaden sind jedoch nicht zu beklagen. Am Freitag Vormittag wurde für Jerusalem der Ausnahmezustand verkündet. Durch Anschläge an den Mauern und Säulen wurde bekanntgegeben, daß zwischen 6 Uhr nachmittags und 5 Uhr morgens der Verkehr unterbunden wird. Eine Trauerfeier für Masaryk, Jerusalem, 19. Okt. In der Gemeinde der tschechoslovakischen Staatsbürger in Jerusalem wurde eine Gedenk- und Trauerfeier zu Ehren von Thomas M asaryk abgehalten, bei der Oberrabbiaef Duschinski die Gedenkrede hielt. Der Feier wohnte auch der Generalkonsul der Tschechoslovakei bei. (JPB.) Alis dem Berichte der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel. (Vorgelegt der III. Kenessio Gedaulo.) Die agudistische Arbeiterorganisation wurde im Sommer 5693 (1933) zu einer Zeit gegründet, als der Name der Agudas Jisroel in Erez Jisroel aus den verschiedenartigsten Ursachen entweder gar nicht gekannt oder stark verkannt war. Die ersten' Gruppen wurden in Tel Awiw und Petach Tikwa als Grundstock der späteren Bewegung gegründet. Im Jahre 5694, unter dem Einfluß der verstärkten Alija, schlössen sich dann Gruppen in Jerusalem, Haifa und einzelnen Kolonien an. Die einzelnen Gruppen wurden durch eine Zentrale in Tel- Awiw geleitet. Zur Zeit, Ende 5697, ist das Bild der Organisation folgendes: Gruppen sind in: _Jerusalem, Tel Awiw, Haifa, Petach Tikwa, Bene ßerak, Kfar Saba, Ra-» nana, Rischon Lezion, Rechowoth, Gedera, Kfar Ata. Machane Israel, Natania. Stützpunkte sind außerdem in: Pardeß Channa, Karkur, Chedera, Ramat Gan. Herzlia, Tiberias, Magdiel, Afule. Die einzelnen Arbeitergruppen _ werden durch einen Vorstand geleitet, der unter sich folgende Ressorts aufgeteilt hat: Arbeitsvermittlung, religiös kulturelle Angelegenheiten, soziale Hilfe. Zentralorgane der Poalim sind der im Jahre 5695 bei der Landestagung in Gedera gewählten Waad Hapoel und die engere Leitung in Tel Awiw. Nach dem Anschlag auf den Flughafen in Lydda. i Jerusalem, 17. Okt. Der Oberkommandierende der britischen Truppen in Palästina, Generalmajor Wavell,* hat persönlich auf dem Flugfeld von Lydda, dessen Einrichtungen zum größten Teil einem Anschlag der arabischen Terroristen zum Opfer gefallen sind, eine Inspizierung durchgeführt. In Lydda wurde der Ausnahmezustand verkündet und nur eine Stunde des Tages für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Mehrere arabische Häuser sind auf Befehl des Oberkommandierenden mit Dynamit gesprengt worden. Die Regierung hat beschlossen, die während der Unruhen des Jahres 1936 der Stadt Lydda auferlegte, bisher aber gestundete Kollektivstrafe von 5000 Pfund einzuziehen. Zunächst sollen 250 Pfund erhoben werden. Die arabischen Terroristen versuchen auch weiterhin, den Luftverkehr von und nach Palästina zu slörefi. Sie wollen verhindern, daß die Flugzeuge der holländischen Luftlinie und der polnischen Luftlinie „Lot" auf dem Flugfeld in der Nähe der Siedlung Kaiandria landen können, bis die Wiederherstellungsarbeiten in Lydda die Wiederaufnahme des Verkehrs In diesem Flughafen gestatten. Offenkundig in dieser Absicht sind die Siedlungen Kaiandria, Atarot und Newe Jaacow heftig beschossen worden. Die jüdische Hilfspolizei erwiderte das Feuer und vertrieb die arabischen Banden. Die Unruhen in Erez Israel. Links: Ein mit Sandsäcken versehener Ausguckposten in einer galiläischen Kolonie. Rechts: Auto zwischen Jerusalem und Tel Awiw. Der Omnibus ist mit Drahtgitter versehen, um die Insassen vor Verletzungen . durch Steinwürfe zu schützen. Die wichtigste Aufgabe der Poalim-Organisation ist die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für ihre einzelnen Mitglieder. Während die anderen Arbeiterorganisationen die wirtschaftlichen Vorteile ihrer Mutterorganisation (zionistische und revisionistische Gruppe) genießen, waren die Poale Agudas Jisroel zum größten Teile auf sich selbst angewiesen. Die Unterstützung vom Keren Hajischuw war nicht sehr wesentlich. Die orthodoxen Arbeitgeber hatten, von geringen rühmlichen Ausnahmen' abgesehen, ihre Pflicht noch längst nicht erfüllt. In den ersten zwei Jahren war daher der Kampf um Arbeit ein außerordentlich schwerer. Erst allmählich gelang es, der agudistischen Arbeiterorganisation Zutritt zum Arbeitsmarkt zu erlangen. Zunächst zu den Pardessim und dann zur Bauarbeit. Als im letzten Jahre der wirtschaftliche Rückschlag eintraf, waren aber Poale Agudas Jisroel die zuerst Betroffenen. Es waren keine finanziellen Reserven, und es war vor allem auch "in den Kolonien außer den Arbeitern, keinerlei agudistischer Stützpunkt. In einigen Arbeitergruppen sind bis zur Stunde noch keine-hauptamtlich angestellten Beamten da, welche Arbeit vermitteln, vor allem deshalb, weil die Mittel zu ihrer Besoldung fehlen. Unter diesen Umständen ist es ganz besonders anzuerkennen, daß es doch gelungen ist, Hunderten "von Arbeitern Verdienstmöglichkeit zu schaffen, obwohl noch bis zur Stunde die. großen Fabriken ein Monopol der Histadruth darstellen, und auch Korporativgenossenschaften der agudistischen - Arbeiter fehlen. In den Jahren 5696 und 5697 ist insofern eine erfreuliche Wendung eingetreten, als dank der unablässigen Bemühungen der Poalimzentrale und der energischen Tätigkeit der allgemeinen Agudazentrale in Jerusalem, es gelungen ist, Regierungsaufträge, vor allem im Distrikt von Jaffa zu erhalten. Es sind durch die agudistischen Arbeiter für über Lst. 4000.— Regierungsarbeiten übernommen worden, und zum Teil auch ausgeführt. Durch die Regierungsaufträge wurden im Jahre'5696 1404 Arbeitstage an die agudistischen Arbeiter vermittelt, im Jahre 5697 bereiis 7122 Arbeitstage. Bereits, ausgezahlt erhielten die Poalim hierfür im Jahre 5696 Lst. 625.485, im Jahre 5697 Lst. 2946.114. Die Verteilung an die einzelnen Arbeiter, sowie die Auszahlungen durch die zuständigen Behörden erfolgen durch Vermittlung der Tel Awiwer Zentrale. In den meisten Gruppen bestehen eigene Arbeiterheime, in welchen sich die Poalim während der Freizeit aufhalten. Dort werden auch die 'Zusammenkünfte und regelmäßigen Minjan abgehalten. Sabbat und Feiertage werden gemeinsam verbracht. Abends finden Schiurim statt und Vorträge über wichtige Zeitfragen. Ganz besonders hat sich die agudistische Arbeiterorganisation im Verein mit der Orthodoxie Erez Jisroels in dem Kampfe für den Sabbat bemüht. Eine große Zahl von Poalim kann sich rühmen, für ihr aktives Eingreifen gegen Sabbatentweihung mit Geld und auch Gefängnisstrafen von den palästinensischen Gerichten verurteilt zu sein. Alle 14 Tage erscheint, ein Bulletin der Poale Agudas Jisroel, welches von der Leitung an sämtliche Poalim versandt wird und Berichte, sowie Mitteilungen über die einzelnen " Gruppen und Zentralangelegenheiten enthält. Es wurden ferner im Elul 5694, Aw 5696 und Aw 5697 je ein außerordentlich reichhaltiges, wertvolles Material in der Zeitschrift „Shearim" durch die Zentrale veröffentlicht. Es ist bis zur Stunde noch nicht zu einem Vertrag mit einer anderen Organisation bezüglich Arbeitsbeschaffung im allgemeinen gekommen, während in einzelnen Gruppen, speziell auf dem Gebiet der Bauarbeiten und der öffentlichen Arbeiten lokale Vereinbarungen getroffen wurden. Es läßt sich wohl mit Gewißheit feststellen, daß durch eine allgemeine Vereinbarung mit anderen Arbeiterorganisationen, wenn sie sich auf das Einzige beschränkt, worauf es ankommt, nämlich auf die Vermittlung der Arbeix, die Prinzipien der Agudas Jisroel nicht gefährdet werden. Es handelt sich immer darum, daß eine zentrale Stelle in der Arbeitergruppe mit der anderen zentralen Stelle verhandelt und ihr ein prozentualer Anteil der zur. Verfügung stehenden Arbeitsplätze zur Verteilung unter ihre Arbeiter zugewiesen wird, um auf diese Weise der zersplitterten Suche nach Arbeitsplätzen und den damit verbundenen Nebenerscheinungen wie Unterbietung und dergl. ein Ende zu machen. '• ■ In Marienbad wurde dem Rabbinischen Rat diese Frage vorgelegt, ebenso wie die Frage einer Arbeitsgemeinschaft aller religiösen Arbeiter. Die Entscheidung steht noch aus. Sie ist aber für das Bestehen der agudistischen Arbeiterorganisation um so wichti» ger, als jetzt auch die zionistische und revisionistische Arbeiterorganisation eine solche Arbeitsgemeinschaft beschlossen haben, und der_ agudistische Arbeiter Gefahr läuft, wenn er. auf diesen Gebieten isoliert bleibt, noch schwerer als bisher sein Existenzminimum zu erlangen. Abgesehen von den regelmäßigen Beziehungen mit den Jaffaer und Jerusalemer Distriktsbehörden bezüglich der öffentlichen Arbeiten, hat die agudistische Arbeiterorganisation auch Gelegenheit gehabt, der Peel Commission ein eigenes Memorandum zu überreichen, und es durch einen Vertreter mündlich zu interpretieren. Dem Generalsekretariat der palästinensischen Regierung und dem Colonial Office wuf den Berichte über die Poale -Agudas Jisroel durch Vermittlung der agudistischen Exekutive übermittelt. Verschiedentlich auch fanden Audienzen bei englischen" hohen Beamten in Palästina statt. Regelmäßige Informationen werden an das Statistische R?" gierungsamt übergeben. " Die städtischen Behörden, besonders in Tel Awiw und einigen Kolonien behandeln Poale Agudas Jisroel als selbständige Arbeiterorganisation, paritätisch mit den anderen jüdischen Arbeiterorganisationen' Auch mit d,er Arbeitsabteilung der Jewish Agency steht die P.' A. J. in Konnex, In den letzten Wochen ist es nach zweijährigem Kampfe gelungen, von der Stadtverwaltung Tel Awiw; die Zusage zu erhalten, daß P. A. J. städtische Bauaufträge erhält. & Rischon Lezion gelang es, einen Poel in, die Kolonie' Verwaltung hineinzuwählen. (Fortsetzung folgt.)