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Der Israelit · 1937-10-21 · Heft 42 (21.10.1937) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 42 (21.10.1937)
Date
1937-10-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^.^»^ vqvtv^/y* isp \t&**if* •**f<r*™tfr - ~V T Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a, M, 21. Oktober 1937 16. Marcheschwatt 5698 Nummer 42 Neuer in Palästina Eisenbahnzug gesprengt und Flughaien in Brand gesetzt. — Der Mufti geflohen. — Neue Ausschreitungen und neue Vergeltungsmaßregeln. Jerusalem, 20. Oktober. Seit Beginn der letzten Woche überstürzen sich wieder die Nachrichten aus Palästina. Im Mittelpunkte der Ereignisse steht die Fl u c h t des Mufti nach Beirut. Die neuen Ausschreitungen begannen mit Dynamitatt eh - iat.en a u f E i s e n b a h n z ü g e und mit der Einäscherung des Flughafens in L y d d a. Die englischen Ve r g e 1 t u n g s m a ßregeln bestehen in zahlreichen Verhaftungen und in der Sprengung von Häusern an den Attentaten beteiligter Araber. Die uns bis Dienstag zugegangenen Berichte aus Erez Israel sind auf Seite 8 unserer Nummer veröffentlicht, ' ■ ■ ■ : -i Die am Mi tt w och und Dohner sta g "vormittag kurz vor Redaktionsschluß eingelangten Nachrichten lassen erkennen, daß sich schwere Zwischenfälle seitdem glicht mehr ereigiiet haben, daß aber der Kleinkrieg ungeichwächt weiter anhält. Bandenkämpfe fanden auch am Mittwoch im Norden und im Süden des Landes statt, die eine strenge Bewachung der Industrieanlagen erfordern, In der Gegend von Jerusalem; Hebron und Jaffa sind neuerdings Bombenanschläge verübt worden. Die Straße Tel A wi w — J a f f a ist bis auf weiteres unbenutzbar. . Unter den Opfern der letzten Anschläge befinden sich auch Juden. Bei dem Ueberfall auf ein jüdisches Auto bei M o z a wurden zum Teil schwer verletzt: der 31jährige Otto Walsch (nicht, wie gemeldet, Weiß) und ein jüdisches. Mädchen. Leichter verletzt wurden, Abraham E p s t e i n und Frau A1 r o y. In der Jerusalemer Vorstadt „Kerem Abraham" wurde durch Messerstiche der 26jährige Samuel G u 11m ann , aus Ungarn stammend, schwer verletzt. Der J e rh e hi t e nk n ab e Sch ar ab i in Nes: Ziona wurde, wie sich herausstellt, mit Vorbedacht von Arabern ermordet. Ära bische, Todesopfer hat es in der abgelaufenen Woche im ganzen Lande gegeben, teils im Kampfe gegen Polizei und Truppen, teils auch durch die Hand arabischer Terroristen. An der syrisch - palästinensischen Grenze wurde eine aus mehreren hundert Köpfen bestehende arabische Bande, die nach Palästina wollte, über die Grenze zurückgedrängt. . Im Gefolge der Straf maßn ah m e n wurden bis jetzt etwa 50 arabische Notabein der Stadt Lydda verhaftet. Mehrere arabische Häuser dort und in der Nähe von Petach Tikwa wurden von der Polizei mit Dynamit gesprengt. Vielen Ortschaften im Unruhegebiet wurden Kollektivstrafen auferlegt. Wie die „ITA." erfährt, hat die Palästina- Regierung die Regierung von Syrien aufgefordert, eine politische Betätigung des dorthin geflüch te ten Mufti und seiner Mitarbeiter zu verhindern und den Mufti auszuweisen. Inzwischen ist noch ein anderes Mitglied des Obersten mohämmedanischen Religionsgerichtes, Scheich EmirEffendi, verhaftet worden. Der über Jerusalem verhängte Ausnahmezustand wurde am Dienstag wieder aufgehoben, doch wird-durch Plakate bekanntgegeben, daß die Polizeistunde um 7.30 Uhr abends beginnt und Menschenansammlungen auf den Straßen verboten sind. Es ist bei Strafe verboten, Gegenstände, die als Waffe verwendet werden können, zu tragen. Amtlich wird bekanntgegeben, daß alle flüchtigen Ar ab er f ühr er als au s g e - Fortsetzung siehe Seilte 2. Aus dem Inhalt : Wie der Mufti geflüchtet ist .....Seite 2 Der Sabbatparagraph in Tel Awiw . . Seite 2 Erleichterung der Einwanderung nach Amerika Seite 2 Zum Tode Felix Warburgs.....Seite 2 Wochenrundschau .........Seite 3 Jüdische Not und jüdische Hilfsarbeit in Zahlen Seite 4 Aus der Jahresversammlung des Hilfsvereins Seite 5 Eine Synagoge wird in Rumänien niedergerissen Seite 6 Berichte aus Polen........Seite 6 Erez Israel ............Seite 8 Wiener Reiseeindrücke .....Seite 9 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . Seite 10 Rabbi Akiba Eger und die Bekanntlich hatte R. Akiba E g e r in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, im Gegensatze zu seinem Preßburger Freund und Schwiegersohn, Rabbi Mosche Sofer, — der bei der Ankündigung der Emanzipation das Gleichnis vom verbannten Prinzen erzählte,, der mit Tränen zusieht, wie ihm in seiner Verbannung der Vater einen Palast bauen läßt und daraus schließt, daß er noch lange in der kalten Fremde wird bleiben müssen» — eine positive Stellung zur Emanzipation eingenommen, sie bejaht und sogar bejubelt. Das lag nicht an einer weltanschaulichen Differenz, zwischen den beiden Geistesführern, sondern am optimistischen Wesen des Posener Oberrabbiners, das, seinem Weitblick engere Grenzen zog als dem seines großen Schwiegersohnes. Als sichere Basis zur Betätigung des Religionsgesetzes, als eine Möglichkeit, G tt in Freiheit und Freude zu dienen, ließ Rabbi Akiba die. Bürgerfreiheit gern gelten. Als den Juden im Herzogtum Posen die erste reife Frucht der Emanzipation mit der „Verordnung wegen des Judenwesens von 1833'\ welche den Posener/Juden die Koopera- t-i o n s r echte verlieh, die Einsetzung der Reprä s ent a n t e n v e r s a m m 1 u ng , den Schulzwang und vieles. Andere vorsah, in-den Schoß fiel, wurde dieser Anlaß am 2. April 1834 in der Synagoge mit einem Festg'ttesdienste gefeiert und mit einer Predigt des Oberrabbiners, der auch der Posener Oberpräsident Flottwell beiwohnte. .Unter welchen Hoffnungen und Voraussetzungen aber' Rabbi Akiba Eger die Emanzipation anerkannte und begrüßte, zeigte der Schluß der gleichen Predigt, in der er, unter Hinweis auf die milde Sonne unter Friedrich Wilhelm III., die neugewählten Repräsentanten eindringlich ermahnte, sowohl ihrerseits wie namentlich auch bei der Vorstandswahl auf dierückhaltlose Wahrung der jüdisch-religiösen Interessen bedacht zu sein. Als der Oberrabbiner mit -dem ihm überreichten Naturalis ä t i onspatent durch die festlich illuminierten Straßen der Judengasse ging, versäumte er nicht, daran die Mahnung zu knüpfen, daß wir das uns vom Himmel gewordene Gnadengeschenk noch mit einem anderen Lichte zu belohnen und zu beleuchten hätten: „Thora ist Licht ..." In den Posener Gemeinden weiß man mehr davon zu erzählen. In späteren Predigten, da der Rabbi mit seiner Gemeinde allein war und also frei von der Leber weg sprechen konnte, fand er noch schärfere und eindringlichere Warnungsworte gegen die Auswüchse einer falschverstandenen Freiheit, wie sie sich damals gleich in ^..gewissen Kreisen bemerkbar machten (unabhängig vom Kampfe Rabbi Akiba Egers gegen (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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