Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1937-10-14 · Heft 41 (14.10.1937) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 41 (14.10.1937)
Date
1937-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450961-2451000--83292-2541313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

14.; Oktober. 1937, D e r. I s ,r a e 1 i t Nr. 41 Seite 7 Rabbiner Dr: Leo - K aJi n ±?"St; Wiesbaden, - •mit "Tochter und:'jüngstem- Urenkel ■.. ' Rabbiner Dr. Leo; Kahn ^"Sr wurde am 13. Marcheschwan 5697> :f& der Nacht zum 29.Ok? töbe'r< 1936) - abberufen, . und wir -'werden . am ersten Jahrzeitstage; Montag kommender, Woche, des allgeschätzten Rabbi und ■ Menschenfreundes, der eine ganze ' bedeutsame Epoche jüdischer ■ Geschichte'_ personifizierte und 66 Jahre, bis zu seinem 95. Lebensjahre, seine Gemeinde Wiesbaden geführt hat, in Liebe und Verehrung gedenken.. Auch die Frankfurter zählten Rabbiner Dr. Kahn;t-?"'XT' der sich hier oft .bei seinen Kindern und Enkeln aufhielt, zu ' den ihrigen, was u. v. ä. der Gemeinderabbiner der Frankfurter I.' R. G-, Rabb. Jos. Horowitz, in einem ergreifenden Hesped am Grabe zum Ausdruck brachte. Generalkonsul Sally Guggenheim Basel, 10. Okt. Im Alter von 62 Jahren verstarb letzte Woche auf seinem Landgut in Allschwil bei. Basel der weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannte jugoslavische Generalkonsul Sally Gugg e n h e i m.' Als Sohn vornehmer Eltern in Basel geboren, genoß er eine gediegene Allgemeinbildung, welGhjß,ihm auf seinem späteren Lebensweg sehr zustatten kam. In der Religiönsschule der Israelitischen^ Gemeinde zu Basel wurde er von der hehren Persönlichkeit seines großen Lehrers, .-des ersten Basler Rabbiners Dr. Cohn s. A. angezogen und aufs stärkste beeinflußt, so daß er schon in seinen Jünglings jähren sich ganz den Geboten unserer■ ■nv'ttpTi nun unterstellte. Fortan _ blieb er treuer und, ppferfroher Sohn, des strengreligiösen Judentums in all seihen Lebenslagen. I» geschäftlicher Beziehung geläiig: es ihm, die väterliche Firma auszubauen und zur größten Blüte zu entfalten, und so sehen wir ihn Zweigniederlassungen seiner. Firma in Berlin, Frankfurt, Mailand, London und Wien errichten. Alle. Geschäfte wären und sind am Schabbos und Joihtow streng geschlossen. . Sally Guggenheim unterhielt die % besteh Beziehungen zu Juden und Nichtjuden vieler Länder,' und so wurde ihm..nach Kn^gj^s^hluß die Errichtung^'1 des Basler,, j ug.o s 1 a vis c h^gn-,^ Hb n o r a tk'on.s'^'a^ te s übertragen, _ j5päterh^mb.ernannte ihn'äie:j^gb^zJ viSche Regierung..zum G etier älköh s u 1 unter &n~kwandlung seines: Konsulates in ein Generalkonsulat.' Er war ein ausgezeichneter . und vornehmer Fürsprecher sginer Brüder und sehr oft .hat er mit Erfolg mit der,, ganzen Wärme seines mitfühlenden Bruderherzens sich bei Behörden und Regierungen für jüdische Belange eingesetzt. Sally Guggenheim, von dem man sagen konnte: 3SW b?aVo ' sucntfe seine Beziehungen stets zugunsten seiner notleidenden Brüder auszunutzen. (Die unermüdliche, keine Zeit nöch Opi&r scheuende ^Arbeit Sally, Guggenheims in der Politischen Kommission der Ä g u das J i's f o e 1, besonders auch seine . Interventionen in Sachen der 'Kalenderreform, sind noch allen in frischer Erinnerung. Red.) Sowohl in Berlin, wTo; z'&tweilig wohnte, als auch in Basel hat. sich, Sally Guggenheim tatkräftig für : jüdfeche!;Zwec'ke^ sei es'» humanitärer öder religiöser Art, eingesetzt*. Jn'-.Bßr)fe<}Tfä£l,er Vorstandsmitglied der, Synagogengemeinde Adas Jisroel und hat er, in kritischer' Ze^t viel zum Bestände der Gemeinde ibeigetragen.'Bezüglich .seiher humanitären Arbeit in der Schweiz mochten' wir" ü.:a. nur an die hochherzige, große Spende' erinnerny' welche" aeh' Grundstein zur Errichtung der Lungenheilstätte „Et ani a bildetet in deren Vorstand Sally Guggenheim bis an sein Lebensende Sitz hatte.. Desgleichen hat er bei der Errichtung des Baster B e s h a - m i d/r a s c,h ,am .Spalentorweg entscheidend \ mitgeholfen und, .?var' aucfr'Mitglied der' Stift'ttngskommission des Israelitischeh LehrhattsWs.;;-Seih 'eigentliches ' Lebenswerk war, die Gründung der Israelitische n JR e^ri^i anVg'es e 1 *sc^ä'f? WA die Errichtung der . S y n a?g.a g e , Ä\h.o.r ji s t r a ß e nebst Mjk.-wa'h. in der TännerstraBe. 'Seine ganze reiche ideelle unii materielle Kraft baf er' -hier eingesetzt, um konsequent den Von ihm1' als" richtig' , erkannten Weg' zu geher. und Änderen zu zeigen. Sein ganzes Streben galt. Tauroh^ A^audo und' Gemiluth Chasodim, -und derUneingeweihte macht sich keine Vorstellung, .welche immense , Summe von - Wohltaten hiör von einer einzeihen Persönlichkeit geübt wurde. Für sich war Sally Guggenheim der bescheidensten einer, und er legte in der Pflichterfüllung 4n ^hfden, &Ä%n^$aß^ Je&&R^a$& bat! er, als schwer leidender- Mann, — soweit es'seihe geschwächten Kräfte erlaubten —, als] eifriges Mitglied der Chewra' "Kadfschia tätig an;'jeder Taharo teilgenommen^; Woes immer , galt;; Mizwaus'-zUN üben, war Sally* Guggenheim . zur -Sielle, in, jedem Trauer- . haiise oder, bei freudigen';' Anlässen .< warJ er.- .da, um , Se|ner Mitträuer. ..oder. .Mitfreude Ausdruck i.zu -verleihen. „- 'n •)•,.-..• ^rt/j'-,. V» I ^Nun.steht „seine .Gemeinde". oder»= wie der!. Volksmtihd sägt-, die „Guggenheimr-SehuT' /-; .'verwaist und erschüttert da,, denn ihr Gründer und geistiger Vater ist ihr genommen worden. .. Möge : die-'.Israelitische R^ligionsgeseHschaft: *lie Kraft, haben,, den . Intentionen ihres ^Gründers zu folgen, und auf friedlichem Wege sie , zu einer Gemeinde--in Israel .werden zu lassen, einzigbasierend auf.,Tauroh und Jiroh^ auf G'tteslehre• und G'ttesfurcht;;n. - -i . •Aus erster Ehe . ({aus der Frankfurter Familie Mainz) entstammten dem .Hause Guggenheim . zwei Söhne und eine Töchter,: die währendder:? Kriegsjahre nach« kurzem Eheglücke verstarb, und. erst vor Wenigen Wochen wurde auch . das« überlebende-Kind dieser einzigen Tochter nach schwerer Krankheit dahingeraffte . Sally Guggenheim . Aus seiner zweiten selten harmonischen Ehe mit Selma geb. Steinhard, entsprossen fünf Söhne, welche alle noch' in jugendlichem Alter stehen. Seine Gattin War ihm in all seinem Streben die tfeueste Helferin'^ und verstand es, .ihrem Manne eine herrliche^ Stätte jüdischen Familienlebens zu erhalten. In den leiderr. (SO zahlreichen Krankheitstagen war sie ihm die aller-: beste Stütze und Pflegerin. Möge es Frau Guggenheim gelingen, ihre Kinder . alle zu Menschen und Jehudim im Sinne ihres Mannes ziierzieben undi möge das Haus Guggenheim, welches bis ahhin so-ij wphl Arm. als Reich, Groß und Niedrig ein Treff-' punkt der Liebe und Gastfreundscbaft. war, weiterhin als leuchtendes Beispiel wahrhafter Jüdischkeit und Nächstenliebe dastehen, ■ damit das Andenken dieses. Zaddik auf lah^ b^inäus ein lebendiges bleibe.-' n^iaV ->at. ^' ''" -j. 1 ' i ,.',/ '.- -M';'R. Ör. Leonhard Fulda und i Frau Ruth geb. Löwenthal^ [| L- '•'t!:UK \ nsna^ dsi^dt■ ■ ...i p;; '"r y:_r ]u\:MamzV'-10.- Okt. Von unsagbar schwerem' Leid ist die IsraelUischeii RfeligionsgesellschafJ: in Mainz, betroffen, Her/:;undj; Fiau Dr. Leonhard, Fu^l aä sihd^einenj^'^Aut^uirglück,; ztim Opfer gefallen. —-[ Als letzten Möntag die' Sehreckensnachricht sich hier verbreitete, zeigte, sich in der allgemeinen Bestürzung die außergewohnliche Wertschätzung, die man von allen Seiten den Betroffenen und den schwer geprüften- Familien' entgegenbi-a.cb.te. Frau Dr. Fulda.'.überlebte den Un-j' fäll leider .nur .wenige''.. Stunden, ^"Fi^r' ihre:h-- öaftten;-:; Stiegen heiße pebe,te, zum: Himmel hinauf, aber! der'' jnpwah te; 'iSr . hatte bestimiaat, daß uns auch dieser, j-ejile, gute, Mensch genommen, werde. '— Am Freitag,., jfänd unter; ungeheurer .-Beteiligung; der. ganzeh; Ge-\ inj^inde und sehr: y^eler auswärtiger Freunde -die, Be-;> 'stattung statt, an-der auch die. Räbbinen 'der be-',} . «achbarten Religionsgesellschaften wjesbädeii' und. ]Darmstadt und der Rosch-Jeschiyirbh und., mehrere;! Vorsteher der israelitisch en Religiphsgesellschaft; i Frankfurt teilnahmen. Rabb.: .Dr, B a m b e r g e r wid-j j fmete den allzufrüh dahingeschiedenen Freunden in,; Hipster - Ergriffenheit -Mq^ ' Schmerzes, verlieh, seine Erregung' kaum 1 noch meis±aead,; J^Eufdaden lan-Titel ündv schloß mit einem^Ajifruf zur „Xeschuwoh. anläßlich' Tdiescär' 'g^bwe*' ° ren^Prüning.'di'e uns alle .getroffen hat>' '.m ' . ( Mit-'Dr. Leonhard. Fulda ist ein außergewöhnlicher ' Mensch in: rder^|Blüte seiner Jahre uns entrissen wö'r-, i den:. Ein Mann seltener Begabung und klugen,\ge*- „ rieiften Urteils,^^n.^Jeh,udi.von unbedingter Jiroh. und. Ueberzeugungstreue, ein stets hilfsbereiter Mensch, der unzählbat) Vielen: immer .wipder 'jnit Rat., und Tat . treu zur Seite stand, ist er in jungen Jahren dazu berufen worden, in vielen Organisationen führend zu wirken, und er''-ha£.V.'ia-. .^einep- .einfachen, bei scheidenen Art vielfach im Stillen, — und nur : von einigen/Freunden in^-ganzen1 Umfang-zu1 würdi- ' gen, — Ungeheures geleistet. Er war Vorsitzender des Israelitischen Hilfsvereins — dessen stellvertretender Vorsitzender ah der Bahre Worte des, Dankes sprach..—, Vorstandsmitglied des Krankenpflegeünd Waisenpflegevereihs,, er gehörte dem yprstancr des Hessischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden an. Sein Zimmer wur.de nicht leer von Freunden und Hilfesuchenden, die seinen Rat und seine Unterstützung in Anspruch nahmen. Am innigsten verbunden fühlte er sich aber seiner Kehilloh, unserer Religionsgesellschaft, zu deren Gründern sein ~.Urgroßvater - - gehörte,- deren Verwaltung sein Großvater leitete und der die unermüdliche Sorge seines Vaters v*Txt gilt; ohne offiziell der Verwaltung anzugehören, hat er Außerordentliches für sie geleistet. Er hat die Interessen des Überlieferten, gesetzestreuen Judentums gegenüber Ansprüchen der Reform und ihrer Vertreter in unzähligen Beratungen und Besprechungen meisterhaft vertreten und in vielen Fällen war es sein Wort, das den Gegner —. wenn auch nicht immer zum Freunde machte, so doch seine Gegnerschaft aufgeben ließ. Er war ein treuer Schüler und Verehrer von Rabb. Dr. Bondi ^*st und in aufrichtiger Freundschaft unserem Raw Dr. Bamberger verbunden. Als beispielgebend ist seine musterhafte tiix\ 3R zu rühmen, dieses Verhältnis von Vater und Sohn suchte in . der heutigen Zeit. seinesgleichen und ehrte beide Teile. Bei all seinem Wirken stand ihm seine Gattin, eine Tochter des bekannten Hirsch-Verehrers, Julius Löwenthal, Eschwege, treu zur Seite. Auch sie betätigte stöhi eifrig und aus innerem Bedürfnis in der jüdischen Sozialarbeit, vor allem aber war sie . eine der, Initiatorinnen und mit die Seele der Arbeitsgemeinschaft, welche, meist unter ihrer geschickten Leitung, die Frauen unserer Kehilloh in den Wintermonateii vereihi. Die weltgewandte, hochgebildete Frau,.,setzte j ihren Stolz darein, in erster Linie eine jüdische ..Frjau und Mutter zu sein. ...Möge n~>vn den beiderseitigen schwergeprüften -Eltern und Geschwistern, ' denen ihr . echtjüdisches tim» Stütze und Stärkung sein wird, rt»na geben, unsere Kehilloh beschützen und dem so früh verwaisten Kinde Vater sein. n*3S3n Amtseinführung des neugewählten Klausrabbiners. " " . , Hamburg, 10. Okt/ ' Zu einem wahrhaften . Thorafeste,; im gewissen/ Sinne., zu einer würdigen Nachfeier von Simchas r Tauroh, gestaltete sich am letzten Sonntag in der ü .neue» ■- -Klaus die Amtseinführung des neugewahlten^ Klausrabbiners, Herrn , Rabbiner Jtpnigsh'ö'f.er' aus Dresden. In herzlichen Worten begrüßte als erster Redner der Vorsitzende, Herr Rendsburg, den neuen Rabbiner,: der nun berufen sei, die Reihe der verdienstvollen Männer,' die hier in Treue und Eifer, ihres Amtes gewaltet und ,so in Hamburgs, Gemeinde Thoraliebe und Thorawissen gemehrt, fortzusetzen. Innigen Dank zollte .er auch den Herren Rabbinern -Joffe und Großmann, die die entstandene Lücke V/2 Jahre lang auszufüllen-bestrebt waren und es ermöglichten, daß keiner der üblichen Q'HW'tf ausfiel. Nun folgte die großangelegte gedankenvolle und tiefihhige Einführungsrede des^ allverehrten Herrn Oberrabbiner Dr. C a r 1 e b.a^c L^ Nach, einem aufschlußreichen Rückblick : auf die Gründungszeit. der durch Alter, Bestimmung und Zielsetzung gleich ehr- 'würdigen Lehrstätte wandte sich der Raw in herzlichen Worten an den jungen Kollegen - und rief ihm einen innigen Willkommengruß, zu: j.1C3'>rV fria 'p'ia um sodann in geistvoller, Ausführung Kerngedanken zu vermitteln über die Bedeutung . des öffentlichen gemeinsamen Thoralernens, über die Verpflichtung der Thorabeflissenen zu gegenseitiger geistiger Förderung und vollends über die Aufgaben Und Pflichten gegen die Jugend, die nur durch verständnisreiches hingebungsvolles Sicheinfühlen in ihre Ideenwelt und unermüdliches Mühen um ihre Fortbildung;für unsere heilige Lehre und unsere jüdischen Behänge gewonnen'werden kann. Nun betrat Herr Rabbiner Königshöf er die KanzeL Mit einem tiefempfundenen Danke gegen G'tt, gegen die Vertreter .der Klaus, verband er das Gelöbnis, im Geiste seines Vorgängers, Rabb. Dr. Bamberger ^*st, das Vertrauen rechtfertigen zu wollen, dessen er gewürdigt worden und entwickelte in schön abgetönten Worten einige Punkte seine.s Programms. An diese Rede, die Iwie die vorangegangenen Reden von stimmungsvollen Gesängen des Herrn Oberkantors Hornstein und des eigens aus Anlaß der Feier gebildeten Chors eingerahmt. wurden, schloß sich das Minchogebet an und bildete den würdigen Abschluß der in allen seinen Teilen vollgelungenen Fe,ier.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.