Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1937)
- Date
- 1937-10-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 41 Der Israelit 14. Oktober 1937 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HATORAH! Keren Hatorah, Hamburg,He inrichßqrthstraße-21,Postscheckkonto: Hamburg 24 75 3 liehen Gegners anzutreten. England wird nach wie vor auf der Hut bleiben müssen, und die Juden werden gut tun, an diese Seite keine großen Erwartungen zu knüpfen. * * * Nun sind die von den einen sehnlich erwünschten und von den anderen gefürchteten Ghettobänke in den polnischen Hochschulen da. Seit Montag, den 11. Oktober, verharren die jüdischen Studenten und Studentinnen Warschaus, rund 8500 an der Zahl, in einem Studien streik, der sieben Tage dauern soll. Nach dieser „siebentägigen Trauer" werden sie aber in die Hochschule zurückkehren — und die Sonderbänke einnehmen. Wie uns aus Warschau berichtet wird, tragen die Bänke, zu denen die Juden keinen Zutritt haben, die Aufschrift: „Für Studenten, die der Vereinigung polnischer Hochschüler angehören oder das Recht haben, ihr anzugehören." Oberhalb der anderen Bänke ist zu lesen: „Für Studenten, die der jüdischakademischen Kooperation angehören oder das Recht haben, ihr anzugehören." An der medizinischen Fakultät der Warschauer Universität ist für die jüdischen Studierenden ein besonderes Laboratorium mit einem eigenen Demonstrator eingerichtet worden. Es ist anzunehmen, daß die Behörden sich zu dieser Maßnahme gezwungen glauben, um Zusammenstöße, wie man sie seit Jahren Tag für Tag an den polnischen Hochschulen erlebt,' zu vermeiden. Es liegt daher kein Grund vor, von einem neuen Kurs der Regierung gegen die Juden zu sprechen. * * * Die Völkerbundsversammlung hat nun eine Entschließung angenommen, durch die der Völkerbundsrat aufgefordert wird, Pläne für den weiteren Auswandererschutz auszuarbeiten. Damit ist die Hilfe für die Auswanderer auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Völkerbundsversammlung wäre als solche kompetent gewesen, allein und sofort die Entscheidung zu treffen. Dazu bedurfte es aber eines einmütigen Beschlusses, den der Vertreter Sowjetrußlands verhinderte. Zu den Punkten, die auf der Tagesordnung standen, gehörte auch die Schaffung eines neuen Institutes an Stelle des aufgehobenen Nansenamtes, das immerhin unzählige Menschen, die mit dem Kainspaß der Heimatlosigkeit durch die Welt herumirrten, mit Nansenpässen versorgt hat. Welches Interesse Rußland, aus dem keine Auswanderer kommen, in dem auch nie Flüchtlinge aus Europa eine neue Heimat suchen, daran hat, die erste und beschleunigte Hilfeleistung an die Auswanderer zu verhindern, bleibt unklar, * * * Um die Frage der Juden in Abessinien und der abessinischen Juden ist es bedenklich Der dreizehnfache Bund. Erinnerung an Rabbi Noach Chaim Zwi Berlin ^"ST' Oberrabbiner der drei Gemeinden A. H. W. Von Rabbiner E. Dukesz in Altona. In einem Leitartikel des „Israelit" des Jahres 1 9 0 2, Nr. 20, habe ich anläßlich des hundertsten Todestages, der feststeht, die Biographie dieses hervorragenden Gelehrten veröffentlicht, und es sei hier zu unserem Wochenabschnitt "ffp ein Beispiel seines staunenswerten Wissens und seiner Geistesschärfe angeführt.*) In seinem Werke naann r*j?öf das aufgebaut ist auf Maimonides „Mizwas Haschern", wo er die 613 Ge- und Verbote nach den Wochenabschnitten des Jahres zusammenstellt, hat N. Ch. Z., Berlin diese in poetischer Form bearbeitet und mit seinem staunenswerten Wissen und seiner tiefen Belesenheit Erklärungen dazu geschrieben. Das zweite Gebot in „Miz- *) Es ist bedauerlich, daß in einer Würdigung des Rabbi N. Ch, Z. Berlin, die vor kurzem in einer jüdischen Zeitung Deutschlands erschienen ist, weder auf jenen Artikel noch auf die grundlegenden Arbeiten Rabbiner Dukesz' in seinem asnn^ m« Bezug genommen wird. Red. still geworden. Es handelt sich um zwei voneinander getrennte Dinge. Man durfte nach 'Beendigung des ostafrikanischen Feldzuges erwarten, daß sich die jüdischen Organisationen dem Problem einer/•größeren Judenansiedlung in Abessinien, das Palästina so nahe liegt, zuwenden werden. - Dafür scheinen aber im Momente die Voraussetzungen nicht gegeben zu sein. Wie steht es aber um die andere Frage, die der Rechtsversorgung der in Abessinien lebenden Juden, vorab der Falaschas? Nach einem Berichte der ITA. überreichten der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Italien, Ing. Guido Z e v i, und das Mitglied des Vorstandes des Verbandes, Adv. Carlo Alberto V i _t e r b o , dem Kolonienminister ein ausführliches Memorandum über ■ ■■ ■ M _■ B Jüdische Erziehung in heutiger Zeit. Ari Wohlgemuth's „Grundlagen der Erziehung". Von Dir. Dr. Elias in Frankfurt a. M. Die Notwendigkeit eines Handbuches für jüdische und zumal gesetzestreue Erziehung springt in die Augen. Jeder jüdische Schulmann, der neu in die Praxis tritt, und erst recht jeder, der bereits über die theoretischen Grundlinien seiner pädagogischen Tätigkeit nachdenkt, empfindet schmerzlich den Mangel eines Wegweisers, der um so schwerer ins Gewicht fällt, je mehr in dieser Hinsieht auf dem Gebiete nichtjüdischen Bildungswesjens geleistet worden ist. So fehlt uns eine Geschichte des jüdischen Erziehungswesens. Für ihre Hauptepochen in der Vergangenheit liegen wohl bedeutende Monographien vor, aber als Ganzes, in einer einheitliehen, systematischen, über die summarische Behandlung von Lexicis hinausgehenden Linie ist sie noch nicht erschienen. Es fehlt ebenso eine Darlegung der biologischen, psychologischen, SO" zoologischen und geisteswissenschaftlichen Grundlage jüdischer Erziehung und Bildung. Seit Hirsch' Versuchen haben wir keine Ansätze zu einer umfassenden gesetzestreuen Didaktik und Erziehungslehre, selbstverständlich auch kein Werk über Wesen und Aufbau des jüdischen Schulwesens, wo alles noch fließend ist. Und wir haben keine zusammenfassende Darhat Haschern" bezieht sich auf n«B» und formuliert er dies folgendermaßen: 1»ana p»D rnma n^y m*m rft'a nb™ ■paa Ton1? ntsisa n^iy o-wi T*m f-vsn o'isn riöift mi rtö-m T»V»a Viä ■pTos Tina 'nnto ^nna Dia m „Von hoher Bedeutung ist das Gebot der Beschneidung, da dreizehnmal das Wort «"»"la (meinen Bund schließe ich mit Abraham und seinen Nachkommen) bei diesem Gebote vorkommt, entsprechend den dreizehn g'ttlichen Eigenschaften." Indiesen kurzen Worten hat er alles aus der rabbinisehen Literatur über die Wichtigkeit der Brith Milo ausgedrückt. In Traktat Nedarim, Seite 31, bietet Rabbi Ismael diesen angedeuteten Lehrsatz. „Die Unterlassung dieses Gebotes hat die Miiw Strafe zur Folge, wie es heißt: „Und der unbeschnit-" tene Männliche, der nicht beschneidet die Vorhaut seines Fleisches, soll vernichtet werden aus seines Volkes Kreisen. Meinen Bund hat er zerstört, meinen Vertrag zerrissen." .«* Auf der Erfüllung des Abrahambundes und Heilighaltung dieses Bundessiegels beruht die Dauer und die Ewigkeit unseres Volkes und wird ja r~l1S» GsD. auch noch jetzt in den breitesten Kreisen unseres Volkes freudig erfüllt. Als besondere Schande wird die Unterlassung dieses Gebotes bezeichnet, denn als das jüdische Volk aus Aegypten zog, und die Beschneidung bei allen vorgenommen wurde, heißt es in „Josua" Kap. 5, V. 9: „Und der Ewige sprach zu Josua, heute habe ich abgewälzt die Schmach Aegyptens von euch." Durch das Verdienst der Heilighaltung des Gebotes der Beschneidung wird einst die Erlösung unseres Volkes erfoldie Lage der Falaschas und die Organisation der jüdischen Gemeinden in Abessinien. Der Bericht beider Herren, die längere Zeit in Abessinien weilten, um dort die Verhältnisse der Falaschas zu studieren, befaßt sich hauptsächlich mit der Notwendigkeit, für die Falaschas ein geordnetes Schulwesen ins Leben zu rufen und ihnen außer einer -jüdischen Erziehung auch die Möglichkeit einer modernen ländwirtschaftlichen und fachlichen Ausbildung zu geben. Der Kolonienminister versprach, die Vorschläge und Wünsche des Verbandes der jüdischen Gemeinden nach Hilfeleistung für die Falaschas eingehend zu prüfen, Hoffentlich kann die ITA. bald über Taten berichten. Der Audienzen und Memoranden hätten wir nun genug. und Bildung Stellung des weitverzweigten Gebietes jüdischer Jugendpflege und -Fürsorge. Ein solches Unternehmen übersteigt die Kraft eines Einzelnen. Die Besten und Erfahrensten unserer Organisatoren und Schulmänner müßten sich zu dieser Arbeit vereinigen. So lange das nicht erreicht ist, verdient jeder, der die Aufgabe nicht nur sieht, sondern ihre Lösung auch in Angriff nimmt, volle Anerkennung. Ari Wohlgemuth gibt keine systematische Grundlegung. Er geht vom Leben und von den durch es aufgeworfenen Problemen aus. „Vom Leben zum Buch" heißt eines der ersten Kapitel seines Buches. Und das ist mehr als eine Ueberschritt. Es kennzeichnet das ganze Buch und seinen Geist. Es bezeichnet den ganzen Gang der Untersuchung vom Leben zur Wissenschaft und zugleich auch das Ziel: von der Wissenschaft zum Leben. Jeder ernste erzieherische Wille arbeitet nach zwei Seiten: positiv und negativ. Er begnügt sich nicht damit, das, was sein soll, ans Licht zu ziehen, wohingegen das andere verschwiegen wird, er muß vielmehr schon aus pädagogischen Gründen nach der anderen Seite hin (rmaa 1112 yyi)r die Auseinandersetzung mit dem Entgegengesetzten so ernst nehmen wie das Ideal. Gestützt auf Hirsch, den er immer wieder zum Vorbild nimmt, und in ausführlich begründeter Erweiterung des talmudischen Mahnwortes: „Wisse, was Du zu antworten hast," widmet Wohlgemuth dieser Auseinandersetzung einen gen, wie der Prophet Zacharia Kap. 9, V. 11, sagt: „Wegen des Blutes deines Bundes habe ich deine Gefangenen frei gemacht aus der Grube, in der kein Wasser war." Diesen Vers erklärt Dr. Mendel Kirsch Vsj in seinem Werke „Die 12 Propheten" wie folgt: „Aber auch du, spricht der Prophet zu seinen Zeitgenossen, der du das Ende noch nicht siehst, der du nichts hast, als das „Blut deines Bundes", des Mila-Bundes, durch den G'tt jeden Einzelnen unmittelbar mit sich in Verbindung gesetzt hat, so daß auch der vereinzeltste Jude, selbst ohne jeden nationalen Zusammenhang, auch in der Zerstreuung, durch die Selbstbeherrschung, die Selbstläuterung und Weihe, zu der ihn das Blut des Mila-Bundes lädt, sich der innigsten G'ttesnähe teilhaftig machen kann und soll, auch du bist ja nicht . verloren gewesen, du hast es ja selbst erlebt, wie ich deine Gefangenen aus der „Grube", dem babylonischen Exil, gerettet habe, in der von Anfang an „kein Wasser gewesen", in der dein Leben in Wahrheit nie bedroht war." . Im Midrasch wird dieser Vers ebenfalls auf die zukünftige Erlösung unseres Volkes bezogen. Der Segen für Gemeinde und Gemeinden« Wir sind gewohnt, in dem "paw '» für die Gemeinde am Sabbat morgen zu hören; bnpn fca JiK "pa1 Slf nrn umpn. Im o,aB> '-lys? nsiK und alten Drucken heißt es aber; nrn Bnipn Vnpn- Es dürfte sich wohl dabei kaum um einen Druckfehler handeln. Man muß es sich vielmehr aus dein Zusammenhang heraus zu erklären suchen. Wir ha-