Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1937)
- Date
- 1937-10-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450961-2451000--83288-2541309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14. Oktober 1937 D e-r ,1 s r a e 1 i t Nr. 41 Seite 3 Weg und Ziel. (Fortsetzung von Seite Ii) . . f Es ^war der Stolz des alten Adels; das Sicherheitsgefühl um den altgeheiligten Besitz, die uns allezeit davon abhielten, auch unser heiliges Gut unter das, schützende Dach der Organisation zu bringen, indes bereits die neuen Strömungen sich ausbreiteten und jim Rahmen und im. Schutze fester Organisationen schon große Teile des Völkes erfaßt hatten. -;;, : Vor hundert Jähren :kam das Hb er a 1 e Judentum auf. Das Thorajudentum kämpfte gegen, dasselbe an mit' halächischen Gutächten, mit Artikeln und Predigten. Ein Gegengewicht mit einer Sammlung im eigenen Lager der Thpratreuen schien nicht vonnöten. Im Gegenteil war nie das Thoravolk in sich so zerrissen, wie .damals. Kampf inWibaa, Streit in ^Altona, Unstimmigkeiten in Frankfurt. Vor vierzig Jahren etablierte sich derpolitische^^ ipvn.i-s m ii^s; Man sah ein, daß von diesernationalen, und ]to\- lektiven Assimilation keine geringere Gefahr der Jugend drohe als von der individuellen Assimilation des Reformjudentums. Man . warnte und schützte die Jugend. Aber die Meinung,: die in der Thora verankerte g'ttliche' Wahrheit trage ihre Schutz- und Werbekraft in sich, hielt noch weiter an. , . Spät, aber nicht zu spät, ging man vor 26 Jahren, nach 80 Jähren Reformjüdentum, nach 20 Jahren Zionismus, an die Gründung der o r t h bdoxen Weltorganisation. Was diese Organisation im ersten Vierteljahrhündert ihres Bestehens zu tun hätte, war Vornehmlich, Versäumtes nachzuholen; Noch sind wir bei der Arbeit an der Halle, von der aus der Start , zum letzten Ziele unternommen werden kann und soll. ■ ■ .v;.; ■ . Das Programm der orthodoxen Weltorganisation mußte nicht, etwa wie das „Baseler Programm", erst weit hergeholt und neu formuliert werden, das Programm (alle Fragen des jüdischen Lebens im Geiste der Thora und Tradition zu lösen) war von altersher1 da, es mußte nur verkündet Werden. Von dieser Ebene aus konnte auch die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien und Bewegungen einsetzen, und diese Aus einander^ etzung konnte eine durchaus p o si t i Y<f<.j&t$$:;J?*;gaD ^S-<N^^^1 abzulehnen,^ als ricntipzustellen. Spricht #das|? liberale Judentum mit. * Vorliebe, von,deiner- M i ssion, Israels. unter 4en Völkern und stellt es die E t h i k in; den Mittelpunkt, so konnie^n. und kennen wir darauf hinweisen, daß. dies& JN^issipn von den Propheten, u% s e r e n Prophetenjauf Geheiß G'ttes uns aufgetragen ist; daß; die jüdische Ehtik ein integraler Bestandteil unserer heiligen Thora ist, , in der Nächstenliebe und G'ttesfurcht in einem Satze ausgesprochen sind, Bestandteil der Mischna, die in den „Sprüchen der Väter" die Sittenlehre von Möses ableitet, der die'; Thjora auf dem Sinai erhielt; um sie weiterzugeben» Hier auch die eiserne Kette der Tradition, die der religiöse Liberalismus' mit seinen Reformen zu durchbrechen suchte.; , Wenn der Zionismus statt der Ethik das n ä t i p n a 1 e E i g e n 1 e bl e n des jüdischen Volkeis; . in.'. den Vordergrund und Mittelpunkt des Judentums stellt, so konnten und können wir darauf hinweisen, daß die jüdische Auserwähltheit mit all den. sich daraus £ür uns ergebenden Verpflichtungen, der ribiaO Ötf" und 'tt l^lTj? -Charakter des jüdischen Volkes ebenfalls eine unwegdenkbare Voraussetzung unserer; heiligen Lehre ist. « Daraus ergibt sich:..Nicht die Grundanschauungen der anderen Richtungen sind abwegig,, nur die daraus;; gezogenen Konsequenzen, sind falsch und irreführend. Ihr. Grundirrtum besteht darin, daß sie Teile als Garlzes nehmen, während wir das Judent u mi n s e ine r T o t a I i t a t wünschen* in dem t audh Nationalismus und Ethik lind alles andere 'Gedankengut , als Ausstrahlungen der g'ttlichen Wahrheit Platz haben.; Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich aber geradlinig, was die Agudas Jisroel über ihr heutiges!'Parteileberi hinaus w i 11. Sie will; daß sie Alle zu uns kommen/ zum Judentum der Thora,\ intit ihren „Teilen" zum Ganzen! streben, womit dann die Agudas Jisroel aufhört, Partei oder Organisation zu sein, sondern im letzten Stadium ihrer Entwicklung als das Judentum ■ s c h I e c h t h i n angesehen wird. Eine Resolution der III. Kenessio Gedaulo: ruft alle Charedim zur Zusammenarbeit auf, eine andere Resolution; wendet sich aber auch an die Halben und die Abseitsstehendenj auch an diejenigen, die von den Stürmen der IZeit; ziir, Besinnung geweckt worden sind, daß' sie alle in Vaters Haus zurückkehren. Mit dieser Resolution ist es deutlich! ausgesprochen, was (1 i.e tAgti da wi 11. . Das .letzte Ziel kann erreicht . werden durch die We:fih(iu;n'g' für Thora, durch die Arft e i t f ür u n d in Erez Israel und; mittels der j ü d i seh e n F r a u. Darum bilden K e r e n H ä t o r a h und Erez I s r ä el (und die - dem Keren Hätorah angeschlossene Beth Jakob-Be-i wegung) Herz und Seele der Aguda, die Grundpfeiler, aUf denen der ganze Bau der Agudas Jisroel; ruht. Der Keren Hatprah-Bericht auf der- Kenessio "Gedaulo wollte, wie es schon unser Jacobson hervorgehoben hat, nicht retuschieren. Bei allen großen Erfolgen ist die finanzielle Lage nicht günstig, die Eingänge verminderten sich. Allein, sp eigenartig das klingt, auch dieses Manko resultiert aus einem Plus, einem Positivum. i Der Thora'gedanke hat in allen Ländern so, tiefe Wurzel gefaßt und überall so viele Lehranstalten hervorgebracht, daß die Länder nicht, mehr so viel Geld und Interesse für die Zentrajse, aufbringen.: Wir wissen aber,, daß wir mit jedem., Kinde, das wir, egal durch welche Faktoren, an. die Quelle bringen, uns dem bezeichneten Höchstziele der Agudä nähern. - Iff^lrez 'Israel haben wir die schwerste $röbj||zu bestehen. Hier gibt es nur ein einziges wirlcsa^nesr Propagandamittel, nämlich Taisäenden. Und-daß wir mit den greifbaren Er- - folgen mit der Organisation, die seit einem halben Jahrhundert die großen Massen und Mittel hat, nicht konkurrieren können, wird jeder verstehen. Aucht unsere bisherigen natürlichen Hemmungen wird man würdigen, müssen. Seitdem aber Erez Israel nicht mehr eine Hoffnung auf lange Sicht für unsere Jugend ist, sondern eine Realität, werden augenfällige Erfolge auf Feld und Flur mehr anlocken, als alle theoretischen Weisheiten, und Erkenntnisse. Allein wir haben in Marienbad die neuen Menschen unseres Erez . Israel gesehen, ihren eisernen V^illen, ihren Idealismus und ihren unumstößlichen Optimismus bewundert. Wille, Idealismus und Optimismus sind Aktivposten, die Rechnung wird aber - trotzdem nicht aufgehen und nicht stimmen, wenn wir nicht alle wie ein Mann mithelfen und jenem Idealismus den Boden schaffen. „Ein Dutzend jüdische Kibbuzim mit Sabbat, Kaschrüt und Schmitta, ein orthodoxes Schulwerk, das statt 5000 30.00p Kinder, — die zu haben sind, — umfaßt, und unser Erez Israel ist gerettet!", so hörten wir aus dem Munde eines prominenten Erez Israel-Vertreters. In Erez Israel können wir nur durch [Taten und Leistungen zu dem werden, was wir sein wollen und sollen, zur Organisation des Judentums, Eine neue Etappe .auf diesem Wege bedeutet das Erwachen der orthodoxen Frau. Das Beth Ja k o b-Schulwerk ist der Leuchtturm, der uns - zum letzten Ziele weist. Der Agildistische Frauenkongreß in Marienbad stand von Anfang bis zu Ende auf höchstem Niveau, über ihm ruhte der Geist Von Sara Schenirer; und Dr. Deutschländer. Unsere Kraft ist auch auf der weiblichen Seite der Orthodoxie, das hat sich dort gezeigt, stärker als wir je ahnten. Werden aber von den Müttern und Frauen unsere Kinder für die Thora erzogen, für die Reinheit Und Heiligkeit des jüdischen Lebens, dann finden sie den Weg zur Agudas Jisroel von selbst. Und von Agudas Jisroel als Partei und Organisation zu dem, was Agudas Jisroel sein will und sein muß, zum organisi e r t e n Judentum der Thora. dt Wochenründschau. Es beginnt von Neuem; — Aus der islamitischen Welt ' — Ghettqbänke in politischen Hochschulen -~ Gjeiif; und die jüdische Wanderung — ^iederi Abessinien. Aus all.,den ^Verhandlungen über den Pal äs -'. ti n a*- Te i 1 u n,g s p 1 an kam: eine heue Paläs- ,t i n a - U n tje r s u c h u n g s - IC q m m i s sion hej-,-; aus. Dasr \ Kapitel i: beginnt von vorne, mit Vorbe- ' reitungen, < taii Materialsammlung, mit Gutachten: Es; beginnt ein{iheues.Rätsj^hfäte.n'|«über,.- die cäVIanner ' der .Kommission''und den Zeitpunkt üirer Abreise. Man wartet wieder, genau wie bei der Entsendung der ersten Kommission, ruhigere Zeiten ab, doch wird von London aus versichert; daff die sporadischen Einzelfälle'in Palästina keine neuen Unruhen im großen S,t,i l.e anzeigen, so daß sich die Kommission bald; auf die Reise begeben * kann. Für das Weitere wiitjä die starke, englische Hand, die sich seit der Ermordung des Distriktskommissars gezeigt hat, sorgen.1:;! .... Man: glaubt aber, daß sich die' zweite Untersuchung weniger auf,die Menschen, auf die Beziehungen zwischen d'en Nationalitäten, erstrecken wird, als vielmehr auf den -Boden, seine Aufnahmefähigkeiten und seine Teilungsmöglichkeiten. Vor allem sollen die.Möraüssetzühgen für die Bewässerung desW Landes in all seinen Bezirken; festgestellt werden.' Hoffen wir, daß mit der Verbesserung der Bewässerungsverhältnisse dem Haß und dem Mißtrauen im Lande alles Wasser abgegraben wird. ' ' Die islamitische Welt ist, jvie aus verschiedenen Teilen Arabiens berichtet wird, in Aufruhr.; Nicht so wörtlich, aber immerhin regnet es , Proteste aus allen Ländern zwischen dem Mittelmeere und: dem persischen Golf. Ob und inwieweit diese Proteste aus einem ehrlichen Brüdergefühl für die . Stammes- und Glaubensgenossen in Palästina kommen und wie viel dabei der Wunsch mitspielt, auf r billige. Art mit papierenen Sympathien Solidarität zu^ > maskieren oder ältere politische Rechnungen mit! England auszutragen, läßt sich von der Ferne 'und: ohne tiefere. Kenntnis der Psyche der arabischen:' Völker nicht feststellen. So viel wird bekannt, daß. nach Aegypten auch die I r a k - R e g i e r u n g bei dem britischen Geschäftsführer in Bagdad gegen die neuesten Maßnahmen, in Palästina interveniert hat. Die indischen Mohammedaner legten in einer Konferenz scharfen Protest ein. Es ist nicht anzunehmen, daß sich England durch diese Einmischung schrecken und in seiner Taktik beirren läßt. Hat man aber damit gerechnet, daß nun an Stelle des Mufti der frühere Bürgermeister Nashashibi einen besseren Kurs nach der Richtung einer Verständigung einschlägt, so wird man um diese Illusion durch einen Aufruf gebracht, den Nashashibi die- '■ Ser Tage an die arabische Bevölkerungerlassen hat iund in dem er das Oberste Arabische Korn i t e e in Schutz nimmt und all seine Taten und Maßnahmen deckt. Also versucht der große Gegenspieler des Mufti, das Erbe des gefallenen persona GELLHORN Für Auswanderer: Strümpfe - Unterkleidung - Strickwesten - B e k'a n;;ri t e A u s Wahl B i Handschuhfe ige Preise