Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1937)
- Date
- 1937-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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nWmi ßf Der Israelit ^^L^L Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M. 14. Oktober 1937 9. Marcheschwan 5698 Nummer 41 Die neue ina-Komniission läßt sich Zeit London, 12. Okt. Einer Meldung des „Manchester Guardian" zufolge soll die neue, zur Erhebung von Tatsachen nach Palästina zu entsendende Kommission erst zu einem späteren Zeitpunkt als ursprünglich beabsichtigt die Ueberfahrt nach Palästina antreten. Bisher ist noch kein einziges Mitglied der neuen Kommission ernannt worden. Die Verzögerung, so wird in dem, Blatt erklärt, scheine auf zwei Ursachen zurückzuführen sein: die Arbeit der Regierung an der Niedertämpfung der arabischen Mordkampagne in Palästina und den Tod Lord Peels. Lord Peel, schreibt ^Manchester Guardian", wäre sicherlich in die Kommission entsandt worden. Es war stets die Absicht der Regierung, daß ein Mitglied der ursprünglichen Kommission auch in der zur Tatsachenerhebüng bestimmten Körperschaft mitarbeiten solle, und es hätte dies kaum jemand anders als Lord Peel sein können. Das Blatt bemerkt weiter, daß nach den aus Palästina eingetroffenen Berichten das Vorgehen der Regierung scheinbar keinerlei Unwillen unter dan Arabern :hervorgeruf en hat. I Verajit- <; ^örtlichen Arabern: «seien die Maßnahmen lcei- rieswegs unwillkommen; gewesen und ses heißt, daß sie in arabischen kaufmännischen Kreisen durchaus gebilligt werden. , ... .1 Die weitere Säuberungsaktion. J e r u s a 1 e m , lÖ. Okt. Die Palästinaregierung hat, wie die ITA. erlährt, auf Grund der Ergebnisse der von der Kgl, Kommission durchgeführten Untersuchung ein Disziplinarverfahren gegen diejenigen arabischen Regierungsbeamten ' eingeleitet, die im vergangenen Jahr das bekannte gegen die Palästinaregierung gerichtete Memorandum an die Kgl, Kommission unterzeichnet haben. Im Gebäude der Jerusalemer Stadtverwaltung hat unter der Leitung des Kommissars B a b c o c k eine Haussuchung stattgefunden. Das Zimmer des früheren Bürgermeisters K ha li d i und sein Schreibtisch wurden gewaltsam geöffnet. Eine Reihe beiästender Dokumente wurde beschlagnahmt. Eine Reihe von Dörfern in der Umgebung von Nablus sowie die Autos, die die Damiabrücke nach Tränsjordanien passieren, sind von britischen- Pölizeiabteilühgenr"und~ Geheimpolizisten durchsucht worden« Die Nachforschungen gelten angeblich dem geflüchteten Mitglied des Obersten Arabischen Komitees, Izzat Darwaza,, der sich vorläufig noch in der Gegend um Nablus verborgen halten soll. Sämtliche Geschäfte sind nunmehr aüch . iri Nablus wieder geöffnet worden. Die Aktivisten der Husseini-Partei sind aus der Stadt geflüchtet. In de^| Gegend herrscht absolute Ruhe. Eine Besitzung von 500 Mann ist aus Jerusalem in Nablus eingetroffen. Nachdem der Kreiskommissar die Muchtars der umliegenden Dörfer zu sich berufen und ernste Mahnungen an sie gerichtet hat, ist auch in der Umgebung von Nablus Ruhe eingetreten. . Aus. Mah'e auf den Seychellen-Inseln wird telegraphiert, daß die verbannten arabischen Führer aus Palästina dort an Bord des Zerstörers „Active" eingetroffen sind. Jüdische Trauerkundgebung für Andrews. Jerusalem, 6. Okt. Im Tel Awiwer Stadtrat ist ein Antrag eingebracht worden, eine Straße nach , dem ' " Fortsetzung siehe Seite 2. Aus dem Inhalt: Juden in der Verwaltung Karpathorußlands Seite 2 Aeußerungen Emir Abdullas Yon Transjordanien Seite 2 Die Minderheitenpolitik in Rumänien . Seite 2 Wochenrundschau .........Seite 3 Jüdische Erziehung und Bildung in heutiger Zeit. Von Dir. Dr. Elias .... Seite 4 Die Lage an den Hochschulen in Polen Seite 6 Generalkonsul Sally Guggenheim s. A. Seite 7 Wiener Reiseeindrücke ....... Seite 9 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . Seite 10 Die Agudistische- Frauengruppe Frankfurt a. M. stellte beiihrer Semestereröffnung, wohl um. auch neue Mitglieder mit den Gründprinzipien der Aguda vertraut zu machen, >dem Redner die Frage zur Beantwortung; Was ist die Aguda, was will die Aguda?" Die Zweiteilungdes Themas scheint nicht unberechtigt Denn was die Aguda will, geht weit über das hinaus, was sie heute mit ihren Menschen und_Mitteln s e i n kann. Um es auf die kürzeste Formel zu bringen: Die Aguda ist heute eine Partei, eine Organisation, wohl auch .eine Bewegung. Was aber die Aguda will, drückt sich in ihrem. Programm aus: sie will „alle Fragen des jüdischen Lebens im Geiste der Thora und Tradition, lösen". , Mit dem', was sie will, strebt sie. mithin über sich selber hinaus und erhebt den Anspruch, späterhin keine Partei, keine Organisation, auch keine Bewegung innerhalb des Judentums mehr zu sein, sondern das Jud;entum schlechthin, dem sich keiner mehr entziehen kann, der sich zu Israels Gemeinschaft zählt. Zu ihrem Höhenflug, dem letzten Ziele entgegen, bedärf aber die Agüdaideolögie des festen Bodens , der Organisation als Startplatz. Mit dem, was Agudas Jisroel heute ist, als Partei und! s Organisation, ist sie numerisch kleiner, geringer und schwächer als andere Organisationen. Mit dem aber, was sie will und erstrebt, hat sie Weite und Tiefe und besitzt eine Kraft und einen Reichtum, wie die Thora selbst, von der sie diese Kraft und diesen Reichtum bezieht und die b* '3ö närni ftT»?1Ka nbihtf länger als der Erdball bemessen und breiter als das Meer ist. Und gerade aus dieser alles umfassenden Größe des Gedankens erklärt sich die verhältnismäßig geringe Kraft der Aguda als Partei. Man hat eben lange gezögert, bis man die Notwendigkeit einer Thoraorganisation einsah und anerkannte, War nicht die Sinaiorgamsatioxi noch zu Recht bestehend, jener erst- und einmalige Kongreßbeschluß mit dem jjawai niPtfa noch nachhallend und nachhaltig genug? Wozu also einen neuen Bund, einen neuen Rahmen? Tatsächlich hatte bis zum Jahrhundert der Emanzipation das Judentum, ohne Organisation, das Gepräge, wie es heute die Agudas Jisroel für . die Zukunft anstrebt. Große Synode. Sanhedrin, Gaonim und, bis zum spätesten Mittelalter, die Vierländersynode waren keine Organisationen, sondern Instanzen, deren Macht sich auf das ganze Volk erstreckte. Die großen Männer bis an die Schwelle unseres Jahrhunderts, wie der Gaon zu Wilna, Chatam Sofer, Rabbi Akiba Eger, die Begründer und Führer des Chassidismus, hatten die Führung, und hinter ihnen stand nicht eine Partei, oder eine Organisation, sondern-das Volk, in seinen großen und breiten Massen, das ihnen die Autorität verlieh, welche sich dann wiederum, wie die Wolke ihr Wasser der Erde wiedergibt, als Segensquelle über die Volkslnassen ergoß. (Fortsetzung siehe Seite 3.)