Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1937)
- Date
- 1937-10-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7. Oktober 1937 D :e Tj I >s r a e I i t Nr., 40 Seite 7 ■ Amerika'* \.;/:-u;(; Tagung 4er jüdischen Kriegsteilnehmer' ■>■ Amerikas. ' ' 'r-;" -.; - Ne w Yor k , 29.: Sept.: Mn Asdury Park" (New Jersey) fand die'7'Jähres-1tagung der jüdischen Krigesteilnehmer Amerikas statt; Ansprachen'hieltenu.; a. der Leiterdes Bundes* der amerikanische^ Kriegsteilnehmer,* -General Frank Hinesi derdie vaterländischen Verdienste der Juden in Krieg und Frieden hervorhob, und Theodor Röose-, veltjr. Die Ergebnisse der Tagung1, 'bei der fauchdie Lage : der Juden in: Osteuropa erörtert 'würde, wurden in'einer der'*ämerikänischen Regierung übergebenen Entschließung 'zusammengefaßt'.; ' Amerikanische Presse begrüßt die Politik der starken Hand in Palästina. New-York; 3. Okt.' Die „New York Times" widmet der Wendung in Palästina einen ,Leitartikel, in, dem darauf hingewiesen wird, daß die Palästinaregierung entschlössen ist, energische Maßnahmen zu treffen. Die Welt,^ so heißt es in dem Artikel, begrüße diesen Schritt als Beweis dafür, daß die Palästinaregierung wirklich beabsichtigt,: zu regieren. . : ,r, Die „Arabische. Nationalliga" in New York hat an den englischen Kolonienminister Ormsby-Gore ein Telegramm gerichtet,, in dem gegen die. Verhaftung und Deponierung der Araberführer protestiert wird. Brasilien. Brief aus Sao Paulo. Saö Paulo, 11, Sept. Als vor etwas mehr als einem Jahre ein Berichterstatter der Meinung Ausdruck gab, daß in Sao Paulo unter Umständen ein zweites Frankfurt a. M. (in jüdischer Hinsicht) entstehen könnte, wurden von den Juden dieser Stadt die stärksten Zweifel an der Möglichkeit' einer solchen Entwicklung geäußert. Inzwischen hat aber das jüdische Leben dieser zweitgrößten Stadt Brasiliens einen Aufschwung genommen, der alle Erwartungen weit übertrifft. Nachdem die Wege von der Sociedade Israelita Paulista (einer vorwiegend aus Emigranten bestehenden jüdischen Vereinigung, die zwar nur die Pflege von Kultur und Geselligkeit in ihrem Programm hatte, aber auch einen Großteil aller Kultusangelegenheiten, wie G'ttesdienste, Trauungen, Minjan bei Trauernden usw. abhielt) geebnet waren, bildete sich im Oktober 1936 aus alteingesessenen und neu zugewanderten deutschsprechenden Juden ein Gründungsausschuß, dem es in wenigen Monaten gelang, eine deutschsprechende jüdische Religionsvereinigung zu schaffen, die heute schon mehrere Hundert Mitglieder zählt. Diese Gemeinde beschäftigt bereits einen Rabbiner und Kantor (beides Herren, die schon in Deutschland diese Funktionen ausgeübt hatten), entfaltet eine außerordentlich weite und segensreiche soziale Tätigkeit, hat einen sehr stark frequentierten Religionsunterricht organisiert, eröffnet in Kürze ein Kinderheim, nimmt sich der Neu-Einwandernden an, widmet sich der Jugenderziehung und überhaupt allen Fragen jüdischen Lebens. Während die Fertigstellung der Hauptsynagoge, die in dem sehr geräumigen, schönen, gemieteten Gemeindehaus untergebracht ist, noch kurze Zeit in Anspruch nehmen wird, wurde am 2. September im Westen der Stadt ein etwa 100 .Personen fassender Betsaal für die konservativ gerichteten Juden dieser Gemeinde eingeweiht. Die Miete für zwei Jahre wurde von .der Hauptgemeinde übernommen, während die gesamte Ausstattung der Räume durch Spenden aufgebracht" wurde. Die Einweihungsfeier nahm einen überaus würdigen Verlauf, derr bei allen Anwesenden einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Schon die Tatsache, daß sich an dieser,i Feier: auch sämtliche ostjüdischen Rabbinen der Stadt beteiligten und dadurch ihrer Verbundenheit mit den. aus dem Westen stammenden Juden Ausdruck verliehen, gaben ihr eine besondere Weihe. Es sprachen., der Gemeindevorsitzende, '1 der Gemeinderabbiner, zweiostjüdische Räbbi'net und schließlich der Vorsitzende dieser konservativen Gemeinschaft, Herr Albert Hofmann, der zugleich zweiter .Vorsitzender der Gemeinde ist. Es ist in erster Linie das Verdienst dieses vor etwa einem Jahre aus Frankfurt a. M. eingewanderten Herrn, daß der kleine .^konservative Kreis eine ■ so ' intensiv religiöse - Tätigkeit entfaltet, und 'daß 'diese einfach aber sehr würdig eingerichtete kleine Synagoge so schnell Wirklichkeit werden konnte. Ein; gemütliches Abendessen im Hause des Genannten vereinigte, nach Schluß-der Feier in der Synagoge, eine größere Anzahl der führenden Herren der; neueii jüdischen Gemeinde, bei welchem dem E?reighis noch von mehreren Gästen: sehr geistreiche Worte gewidmet wurden. . Die. ganze Entwicklung der noch so. jungen-Ger. meinde läßt dieJ berechtigte Hofnung zu,.- daß die Ansicht des damaligen Berichterstatters doch eine prophetische war, denn was von der Leitung der Jüdischen Religionsvereinigung bisher geleistet wurde, ist weit mehr als ein glücklicher Anfang, es darf als bewunderungswürdige Tat bezeichnet werden. Die Woche. IVag. Leon BJum, , der als Vertreter Frankreicks an den Begräbnisfeierlichkeiten. Masaryks teilnahm, besuchte, am 23. September abends die Altneuschul. Einem Beamten der jüdischen Gemeinde, der. ihn. her ^.grußtie, sagte der Minister, er .sei ein treuer;.,,$qhn .miserer Religion. Sodann. begab . sich Leon.Blum mit Frau und Tochter auf. den alten jüdischen Friedhof. Wilna. In Wilna ist im Alter von 62 Jahren der bekannte jüdische Publizist, Kritiker , und Verleger Boris Klatzkin gestorben. Klatzkin war der Inhaber des bekannten „Wilnaer Verlagshauses B. A. Klatzkin", dis unzählige wertvolle jüdische Werke herausbrachte. Bei Klatzkin ist seinerzeit auch die jiddische Ausgabe des Schachnowitz'sehen „Im Judenstaate der Chasaren" erschienen. , Lemberg. In einer städtischen Volksschule in Lemberg sind den jüdischen Schülern besondere Bänke zugewiesen worden.' Rom. In Florenz starb im Alter von 84 Jahren der Historiker Robert .Davidsohn, bekannt als der Verfasser der monumentalen „Geschichte von Florenz", Jerusalem. Bei den Trauerfeiern, die anläßlich des Todes Thomas G- Masaryks in einer Reihe palästinensischer Städte und Siedlungen stattfanden, wurde die Gründung einer neuen Siedlung beschlossen, die den Namen Masaryks tragen soIL Die Siedlung soll von Einwanderern aus der Tschechoslovakei geschaffen werden. Ferner hat der Stadtrat von Tel Awiw beschlossen, eine der Hauptstraßen nach Masaryk zu benennen. New York. In Chicago ist Brigadegeneral Otto Hi Goldstein im,,Alter von 55 Jahren gestorben. General Göldstein stammte aus der Tschechoslovakei. j Er ist vor 37 Jahren nach Amerika ausgewandert. Als die Vereinigten Staaten in den Weltkrieg eintraten, rückte er als Oberst ein und machte den Feldzug in Frankreich als Brigadegeneral mit. — Eine Abordnung der Jüdischen Legion, die während des Weltkrieges in Palästina gekämpft hat, ist auf der XIX. .Jahrestagung der amerikanischen Frontkämpfer, die im Madison Square Garden stattfand, empfangen worden. Die 1915 gegründete Jüdische Legion veranstaltet demnächst anläßlich ihres 22jährigen Bestehens Feiern in ganz Amerika. Es soll auch ein Buch über die Geschichte der Legion herausgegeben werden. Boston. Der Stadtrat von Boston hat beschlossen, die Blue Hill Avenue, eine der längsten Straßen der Stadt, nach Richter Louis D. Brandeis umzubenennen. Die Straße führt durch drei Stadtteile, in denen über 75.000 Juden wohnen. Personalien. Hamburg, 29. Sept. Der erste Syndikus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg, Dr. N. M. Nathan, begeht am 1, Oktober sein 25jähriges Amtsjubiläum. Dr. Nathan, der ursprünglich Rabbiner war, hat seit/einein Vierteljahrhundert der Verwaltung der Großgemeinde Hamburg mit großer Umsicht vorgestanden. Die' Weiterführung ihrer großen sozialen Anstalten, ihrer Schulen und ihres: Kultuswesens ist nicht zürn geringsten Teile sein Verdienst, Seit seiner Gründung nach dem Kriege leitet er das Hamburger Jüdische Gemeifldeblatt. Die Deutsch- Israelitische Gemeinde in Hamburg hat ihm zu seinem Jubiläum viele Ehrungen erwiesen. Köln, 3. Okt. Am 16. Oktober (Sabbat^f.) werden es vierzig Jahre sein,, seitdem Rabbiner Dr. Rosenthal sein Amt in der Synagogengemeinde Köln angetreten hat. In der Nähe Nürnbergs 1870 geboren und dort erzogen, hat er 1889—1894 in Berlin an Rabbinerseminar und Universität studiert und als 27jähriger im Herbst 1897 das Kölner Rabbinat mitübernommen, 1 Karlsrühe, 29, Sept. Am vergangenen Rausch Chaudesch feierten die Eheleute Nathan Bär und ' Bertha, geb. Würzburger, ihre g o l d e n e. Hochzeit. Für die Frau ist dieser Zeitpunkt., zugleich das fünfzigjährige Jubiläum ihres Abonnements auf den „Israelit", dem sie unentwegt eine treue Leserin geblieben ist.'Es entspringt dies ihrer religiösen-Einstellung, die ihr. ganzes Leben beeinflußt, bei der sie bei ihrem Gatten verständnisvolle Unterstützung findet. Die Andacht des Gebetes ist ihr Herzensbedürfnis, sie gibt ihr' die Kraft zur aufopfernden Pflege ihres1 Gatten/in1 den Tagen der Krankheit, zur unentwegten Erziehung ihrer Kinder und Beeinflussung ihrer Enkel, die. alle in .Verehrung* zu ihr1 aufblicken. Möge dem Jubelpaar ein sonniger, sorgenfreier Lebensabend beschieden sein! Frecharg, 3. Okt. Zu einer machtvollen Kundgebung der Treue und Liebe gestaltete sich die Beerdigung des im 63. Lebensjahre verschiedenen Lehrers und Kantors Samuel Strauß in Freiburg. Die Gemeinde war vollzählig erschienen und auch die nähere Umgebung insbesondere die Kollegen gaben ihm. das Ehrengeleite. In eindrucksvollen Worten schilderte Herr Rabbiner Dr. Scheuermann das Leben und Wirken des Entschlafenen, der- 29 Jahre in Freiburg als Lehrer, Kantor gewirkt und besonders im Sekretariat gar oft als Vater der Armen untf Bedürftigen und treuer Berater sich erwies. In gleicher Weise hob der Synägogenrat ,der Gemeinde, Herr Prof. Mayer, die Verdienste des Verstorbenen hervor und sprach den Dank aus für sein hingebungsvolles Wirken, durch welches er sich ein unvergängliches Denkmal in den Herzen der Gemeindemitglieder errichtet, habe. Herr Lehrer Kaufmann aus Freiburg würdigte den Kollegen als Schulmann und zollte ihm im Namen des Vereins Badischer Lehrer Anerkennung und ehrenvolles Gedenken. Als letzter gab Herr Oberlehrer Strauß von Nördlingen, der Bruder des Entschlafenen, dem Schmerze der Familie in zu Herzen dringenden Worten Ausdruck und spendete der einzigen Tochter in liebevoller Weise Trost, Lehrer Samuel Strauß als ältester Sohn des Lehrers Abraham Strauß in Berlichingen hielt die Tradition des frommen Vaterhauses aufrecht und suchte sich durch eifriges Studium in der heiligen Lehre weiter zu bilden, so daß er seine reichen Kenntnisse in Freiburg einem großen Kreise von Kindern und Erwachsenen vermitteln konnte. rraxari Fulda, 5. Okt. Am nans? t~\yp verschied hier nach mehrmonatlicher Krankheit Frau Lehrer Löwen* stein. Die Beerdigung vollzog sich unter Außerordentlicher Teilnahme der hiesigen Gemeinde und eines großen Kreises auswärtiger Freunde und Verehrer des Hauses Löwenstein. Am Grabe schilderte Provinzialrabbiner Dr. Cahn die seltenen Charaktereigenschaften der Heimgegangenen, Er gab ein Bild von der harmonischen^ Vereinigung echter G'ttesfurcht und edler Menschenliebe, wie sie in dem Hause des Lehrers Löwenstein $>"xr der zu den engsten Freunden und Mitarbeitern des alten Fuldaer Raw ^""Xi zählte, geherrscht haben und wies darauf hin, wie diese Häuslichkeit auf so viele Menschen charakterstärkend wirkte und wie die Mitwirkung solcher Lehrerpersönlichkeiten zur Heranbildung echter und wackerer Jehudim wesentlich beitrug. Das echte Gemilus Chesed, die unermüdliche Sorge für Nah- und Fernstehende, das seltene G'ttvertrauen und die Anspruchslosigkeit der Heimgegangenen wirkte sich in einer sie beglückenden Weise aus, als es galt, nach dem Tod ihres Mannes die Kinder weiter zu echten Jehudim und tüchtigen Menschen zu erziehen. Der Geist, der im Kreise ihrer Kinder herrschte, war stets der schönste Lohn ihres hienidigen Lebens. n"3XJn Frau Rabbiner Ruchel Dina Jeruchem n"3T' Wien, 4, Okt. Am zweiten Rosch Haschanah-Abend hauchte in Wien die Frau des bekannten Altstädter Gaon, Rabbi J. Jeruchem, im Alter von 72 Jahren ihre reine Seele aus. Die Verstorbene, Tochter des berühmten Gaon und Zadik Rabbi Natan Goldberg, Rabbiner in Limanowa (Klein-Polen), der ein Nachkomme des „Megale Amukoth" und des Rabbi Saul Wahl war, widmete ihr ganzes Leben dem G'ttesdienste und den Zedokö. Sie lebte buchstäblich nicht für sich, sondern für 'n und die jüdische Menschheit. Im Sinne ihres letzten Wunsches wurden ihre sterblichen Reste nach Limanowa überführt, und wunderbarerweise konnte sie eine Grabstätte an der Seite ihrer Mutter finden, obwohl der alte Friedhof infolge Platzmangels seit Jahrzehnten bereits geschlossen ist. Der Ueberführung aus Wien wohnte eine nach Tausenden zählende Trauergemeinde bei. In Krakau erwarteten viele Talmide-Chachomim 'und angesehene Baale-Batim den Sarg und ein großer Teil derselben begleitete diesen bis nach Limanowa. Als das fw dort eintraf, . wurden alle Geschäfte bis nach der Kewura geschlossen. Die ganze Jüdische Gemeinde nahm an der Lewaje teil. Es wurden ergreifende Hespedim gehalten. * .'irraxan GELLHORN Für Auswanderer: Strümpfe - Unterkleidung - Strickwesfen - Handschuhe B e k a n n t e A u s w a h-I ,: Bit ' « 9 e P r e i s a