Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1937)
- Date
- 1937-10-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr; 40 Der Israelit; 7. Oktober 1937 Ob unser Weg in dieser Hinsicht ganz richtig ist, man mag darüber streiten, daß wir dagegen unter den bei uns gegebenen Umständen aus unseren Mädchen und F r a u e n wert-r volle jüdische Persönlichkeiten heranbilden können, wird uns jeder zugeben. Auch der in Deutschland entstandene Typ orthodoxer Frauen ist durch tiefstes Verantwortungsbewußtsein 'gegenüber' der Tauroh geworden. ~—r- So verschiedenartig auch die frommen Frauen in den" einzelnen Ländern des Golus sein mögen, so fremdartig sie einander manchmal anmuten, es ist das gleiche g'ttliche Gesetz, nach dessen Erfüllung wir alle streben und für dessen immer größeres Ansehen in der ganzen Welt wir unsere ganze Kraft einsetzen wollen. Korrespondenzen» j_ % Deutsches Reich. Typische Fehler unserer Auswanderung. Berlin, 29. Sept. Unter obigem Titel ist, wie schon angezeigt, ein Heft des Hilfsvereins der Juden in Deutschland erschienen. Das neue Heft bringt im Länderteil besonders ausführliche Abhandlungen über Australien und N e u - S e e 1 a n d. Es ist dabei zu betonen, daß zwar Australien ein wichtiges Einwanderungsland für Juden aus Deutschland ist — Neu-Seeland spielt im Moment keine erhebliche Rolle, kann aber natürlich in kurzem wieder aufnahmefähiger werden — daß aber nichts verhängnisvoller wäre, als wenn Australien unter den Auswanderungswilligen sozusagen Mode würde. Vielmehr ist eine erfolgreiche und kontinuierliche Auswanderung aus Deutschland überhaupt nur dann zu erreichen, wenn sie jeweils auf alle einigermaßen günstigen Einwanderungsmöglichkeiteu verteilt wird und zwar so, wie es den Besonderheiten jedes einzelnen Falles entspricht. Individuelle Auswandererberatung und sorgfältige Verteilung unserer Auswanderung sind deshalb die unentbehrlichsten Voraussetzungen unserer Auswanderungspolitik, solange vor allem die Berufsschichtung unserer Menschen mit ihrem Ueberwiegen der kaufmännischen und intellektuellen Berufe so ungünstig bleibt wie sie ist. Das Korrespondenzblatt „Jüdische Auswanderung" sucht in diesem Sinne» die wichtigeren Einwanderungsländer durch ausführliche Monographien dem Publikum so nahe -zu bringen, daß der Einzelne in weitgehender Kenntnis der Verhältnisse seine Wahl ins Auge fassen kann, die er dann" zweckmäßigerweise mit dem Auswahdererberater noch einmal überprüft. Beachtenswert sind die beiden Aufsätze über Klimafragen des Auswanderers und Lebensführung in den Tropen, wobei es sich nicht um. theoretische Weisheiten handelt, sondern um die wichtigsten Grundlägen zur Vermeidung vieler Krankheiten und sonstiger Gefahren. Die Organisation der jüdischen Gemeinden in Groß-Hamburg. Hamburg,, 29. Sept. Nach dem Gesetz über Groß-Hamburg werden am 1. April 1938 sämtliche auf ,dem neuen Groß-Hamburger Gebiet liegenden Stadtgemeinden, in erster Linie Hamburg, Altona, Wandsbek und Harburg- Wilhelmsburg vereinigt. Zwischen den jüdischen Gemeinden in Hamburg, Altona und Wandsbek ist jetzt, ein Vertrag geschlossen worden, der am 1. Januar 1938 in Kraft treten wird. Danach werden die jüdischen Gemeinden in Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde angeschlossen, in Heren Verwaltung die Grundstücke, Stiftungen, Friedhöfe usw. übergehen. Da der Kultus in Hamburg von eigenen, der Gemeinde mit besonderen Rechten gegenüberstehenden Kultusverbänden ausgeübt wird,: mußte eine besondere Regelung getroffen werden. Die bisherige Jüdische Gemeinde Altona wird demzufolge mit ihren Synagogen einen eigenen, den anderen Hamburger Kultusverbänden gleichgestellten Kultusverband bilden, während sich die Gemeinden Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg dem Deutsch-Israelitischen Synagogenverband anschließen werden. Für , die Aufsicht über das Kaschruthwesen wird eine eigene fünfgliedrige Kommission gebildet, der drei Rabbiner des Synagogenverbändes sowie zwei Rabbiner der Altonaer Gemeinde angehören. Die Struktur des „Verbandes der jüdischen Geineinden Schleswig-Holsteins und der Hänsestädte" bleibt von die-? ser Regelung unberührt. n . , Schweiz. Internationale Transfer-Organisation für jüdische Auswanderung nach Südamerika. Ein polnischer Vorschlag jjn Genf. > Genf, 28. Sept. In der Völkerbundsversaminlung wies der polnische Delegierte Adam Rose auf die Notwendigkeit hin, etwa 100.000 Menschen aus Ost- und Mitteleuropa zur Auswanderung nach. Südamerika zu bringen. Diese Auswanderung werde einen Betrag von 300 bis 500 Millionen Franken erfördern. Der polnische Delegierte schlug vor/ eine internationale Transfer-Organisation zu gründen, die'T diesW0^uswanderungswerk finanzieren solle, da: die einzelnen Auswanderungsländer hierzu nicht imstande seien. Frankreich- Jüdische Einwanderung nach Südamerika im ersten Halbjahr 1937. Paris, 1. Okt. Laut der Statistik des Pariser Hauptbüros der HICEM (Hias-Ica Emigration Association) sind im ersten Halbjahr 1937 2027 Juden nach Argentinien eingewandert. 1452 von ihnen besaßen die polnische, 404 die deutsche und 171 die Staatsangehörigkeit verschiedener Länder, Die jüdische Einwanderung hat sich demnach im Vergleich zum ersten Halbjahr 1936 ungefähr auf gleicher Höhe gehalten. Damals sind 1984 jüdische Einwanderer nach Argentinien gekommen, von denen 1369 die polnische, 425 die - deutsche und 190 eine andere Staatsangehörigkeit besaßen. Im übrigen ist diese Statistik noch unvollständig. Die genaue Zahl der jüdischen Einwanderer festzustellen, wird erst gegen Ende des Jahres möglich sein. Nach Brasilien sind .'im ersten Halbjahr 1333 (erstes Halbjahr 1936: 1709) Juden eingewandert. Von ihnen besaßen 898 die deutsche, 300 die polnische und 165 eine andere Staatsangehörigkeit. Ungarn. Mäßnahmen gegen die Einwanderung karpathorussischer und rumänischer Juden nach Ungarn. Budapest, 28. Sept. Als ein Zugeständnis an die wachsende mdenfeindliche Strömung in Ungarn wird die von Innenminister Szell angekündigte Verschärfung der Kontrolle gegen unerwünschte Einwanderung aus den östlichen Ländern angesehen. Der Innenminister gab bei einem Presseempfang bekannt, daß Beamte der Ausländerabteilung des Innenministeriums an die Grenzstationen im Osten entsandt werden sollen, um die Einwanderung von Juden aus Karpathofußland oder Rumänien zu verhindern. Offenbar wird mit dieser Maßnahme beabsichtigt, der oppositionellen Propaganda entgegenzutreten, die sich immer wieder des Argumentes bedient, daß Juden in großer Zahl nach Ungarn einwandern und die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten der einheimischen Bevölkerung schmälern. In Wirklichkeit hat in den letzten Jahren, wie wiederholt statistisch festgestellt wurde, eine jüdische Einwanderung nach Ungarn so gut wie überhaupt nicht stattgefunden.^ England« Zum Tode von Lord Peel. ' London, 3. Okt. . Lord Samuel hat der ITA folgende Kundgebung übermittelt: . .. „Lord Peelbesaß eine, große Zahl der, besten staätsmännischen Eigenschaften: Wohlwollen, Gerechtigkeitssinn, Hingabe im öffentlichen Dienst. Den Vorschlägen seines Berichtes werden manche zustimmen, manche werden sie ablehnen; aber alle werden die Aufrichtigkeit und Unparteilichkeit anerkennen, die ihn kennzeichnen, die peinliche Sorgfalt, mit der die Verhandlungen der Kgl. Kommission geführt wurden, den ausschließlichen Wunsch ihres Vorsitzenden, eine ehrenhafte Lösung eines sehr schwierigen Problems herbeizuführen. Ich bin sicker, daß sein unerwarteter Tod ebenso in Paläs-: tina wie in England allgemein tief betrauert werden wird." : ' Frage der Kalenderreform wird in den nächsten Jahren nicht mehr aufgerollt werden. London, 29;<sSept..* Der Oberrabbiner des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, hat folgende Erklärung Myerö ff entlicht; Die Befürworter der KaleriÜerrelorm durch . Einführung elhes; „Blanko-Tages" haben •:.bei'der letzten Tagung des Völkerbundsrates eine vernichtende Niederlage erlitten. Von den 569i.Stt<aaten, die von dem. Völkerbundskomitee um ihre Meinung über den von Litwinow .TinteKtützteiL,. Vorschlag C ,defc; chjlemscnen Regierung befragt worden waren* haben sich nur 37 die Mühe gegeben, zu antworten, und von diesen 37 haben nur 10 eine auch "nur grundsätzlich irgendwie günstige,; Antwort auf ,d.en. chilenischen Vorschlag erteilt, . - . •<', ,i , tl „■; _ ' Dies . erhärtet , die. . jn dem gemeinsamen Memorandum des Grand .Rabbin Israej; Levi und des;iChie£? Rabbi -Dr. ,Her,tz .an;-die Äußenmimsterien ,Englands und Frankreichs; aufgestellte Behauptung, ^daß kein wie., imna©r (geartetes, /öffentliches .Bedürfnis " qaeh. einer:, Kalenderrefora^. vorhanden Jstj^ das;'die. Wieder aufrollung der Frage .rechtfertigen könnte. .Die Untersuchung des Völkerbundes hat zu' deim Ergebnis geführt, daß der Resolution nicht einmal die Ehre zuteil wurde, im Völkerbundsrat erörtert zu werden; sie wurde vielmehr yon der Tagesordnung abgesetzt. Es wird Jahre,, vielleicht Jahrzehnte dauern, ehe die Jüdenheit wieder mif dieser Angelegenheit behelligt; werden wird. Die „Times** tu den neuen Vorgängen in Palästina. London, 3. Okt. In den am Samstag erschienenen Ausgäben rder führenden . englischen Blätter kommt rückhaltlose Zustimmung zu dem Einschreiten der Palästinaregierung gegen die Unruhestifter in Palästina1 zum Ausdruck, Gleichzeitig wird die Ansicht ausgesprochen, daß die jetzige energische Haltung schon früher am Platze gewesen wäre, Die „Times" bezeichnet die Versöhnungspolitik des High Commissioners Sir Arthur Wauchope als ein zweckloses Experiment. Zu dem von der Palästinaregierung herausgegebenen Communique bemerkt die „Times"; es werde in ihm nicht erklärt, warum „die lokale und die Empireregierung über drei Monate gebraucht haben, um sich zu drastischem Vorgehen gegen Vereinigungen und Personen zu entschließen, die für die Unruhen und den Terror im Heiligen Lande moralisch verantwortlich sind." Der Mufti, so wird weiter festgestellt, sei durch die Absetzung von. seinen beiden Aemtern von dem Oberhaupt eines Staates im Staate zu einem arabischen Politiker unter anderen Politikern herabgesunken. Er verliert die Befugnis, über die großen nach dem Bericht der Kgl. Kommission jährlich 67.000 Pfund betragenden Mittel zu religiösen Zwecken zu verfügen und 1500 Geistliche zu ernennen, die in ihren Freitag-Predigten und auf ihren Inspektionsreisen seine Politik verkünden mußten. Strengere Grenzüberwachung in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden werde nunmehr das Eindringen der zum größten Teil in Syrien angeworbenen Banden und die Verwirklichung der auf dem antizionistischen arabischen Kongreß in Bloudan aufgestellten „wilden Pläne" verhindern. Gleichzeitig, so heißt es zum Schluß, muß man einsehen, daß die bedauerlichen Folgen des langen, und wie die Ereignisse es bewiesen' haben, zwecklosen Versöhnungsexperimentes, das Sir Arthur Wauchope versucht hat, nicht sofort verschwinden werden und daß die Vorschläge der Kgl. Kommission nicht verwirklicht werden können, solange nicht die britischen Man- ' datarbehörden durch Gewährleistung der Ordnung und Sicherheit, die das Heilige Land braucht, das öffentliche Vertrauen wiederhergestellt haben werden. Australien, Bestimmungen für die Einwanderung nach Australien. > Carberra, 29. Sept. Die australisch-jüdische Wohlfahrtsgesellschaft, deren Zentrale in Sidney mit ihrejti Zweigstellen in ganz Australien .Fürsorgearbeit für jüdische Einwanderung, aus Deutsichland und .Pplen leistet, hat vom Innenministerium eine Mitteilung erhalten, in der einschneidende Aenderungcn der Vorschriften, für die Zulassung. von alleinstehenden Einwanderern bekannt gegeben werden. Während die Regierung sich früher mit einer Garantie des Komitees, begnügte, daß der Einwanderungswillige ,50 Pfund, besitzt . und der Allgemeinheit nicht zur Last fallen wird, verlangt dia Regierung jetzt außer dem Landungsgeld eine Bestätigung des künftigen Arbeitgebers, aus der hervorgeht, daß durch die Beschäftigung des Einwanderers australischen Bürgern kein Schaden erwachsen wird. Da die Gesellschaft bei. dem Versuch, solche Anstellungsbestätigungen zu; erlangen, Schwierigkeiten begegnet, will sie in Verhandlungen mit,'■ der Bundeseregierung über die neuen Bestimmungen .eintreten. Sie erwartet jedoch nicht, daß eine andere Halfung der amtlichen Stellen vor den Bundeswahlen, die Ende'Oktober stattfinden,, erreicht werden kann. Man erwartet,: daß im Fall eines Sieges der Vereinigten australischen Partei / die frühere großzügigere Einwanderungspolitik wieder angewendet werden...^ird. Dagegen besteht für den Fall eines Siegesv'der Arbeiterpjarter keine Hoffnung ::ätif MuV derung der EinscVänküngen. :\ . »••'•'</;i