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Der Israelit · 1937-10-07 · Heft 40 (7.10.1937) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
78 (1937)
Issue
Heft 40 (7.10.1937)
Date
1937-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Oktober 1937 Der Israelit Nr. 40 Seite 5 Erziehung zum Znius. (Aus einem bei der Agudistischen Frauentagung in Marienbad gehaltenen Referat.) Erziehung ist Beeinflussung auf ein bestimmles Ziel und Formung der Persönlichkeit im Einklang damit. Das jüdische Erziehungsziel ist durch die Tauroh bestimmt: In sich entwickelnder Persönlichkeit das Streben zu wecken, mit den vorhandenen Fähigkeiten und Anlagen in Ausführung der Tauroh-Gesetze die durch das Leben gestellten Aufgaben zu meistern und die höchst erreichbare Stufe zur G'ttesnähe zu erlangen. Dieses Hochziel wird von keinem Irdischen erreicht, erstreben muß es jeder. Beim jüdischen Mann ist der Weg vorgeschrieben durch eifrigstes Lernen in der Tauroh, durch die Frage: wie bildet man die größten Talmidei Chachomim heran und wie Männer, die durch ihr streng nach der Tauroh reguliertes Leben sich vorbildlich führen. Bei der Heranbildung von Mädchen fehlt nun mal dieser wesentlichste Faktor des Lernens und Untertauchens im Geistesleben der Tauroh, zum mindesten ist er stark eingeschränkt. Ob nun die jüdischen Töchter am Geistesleben ihrer Umgebung teilnehmen, ob sie scheinbar ausgeschaltet werden, eine Erziehungsförderung bleibt, wo auch immer jüdische Gruppen angesiedelt sind, nämlich die Erziehung zur höchsten weiblichen Eigenschaft, dem sogenannten Z n i u s. Sicherlich wird gerade dieser Eigenschaft deswegen das höchste Lob gezollt, weil sie unter Umständen im Gegensatz zu dem natürlichen Streben einer jeden Frau steht, zu gefallen. Es wird hier verlangt, daß die jüdische Frau nicht sich und ihr natürliches Empfinden zum Maßstab ihres Handelns macht, sondern die vornehmliche Ueberlegung, wie ihr Verhalten auf das andere Geschlecht wirkt. Viele Frauen haben von Natur aus Znius- Empfinden, das nur sorgfältig gepflegt und gegen den Ansturm der Mode und Lebensumstände geschützt werden muß. Manche werden erst durch Erziehung und Selbsterziehung die gleiche weibliche Zurückhaltung sich erarbeiten. Es kommt eben nicht nur darauf an, daß ein Mädchen oder eine Frau in sich weiß, wie weit sie gehen darf— eine Anschauung, die in der außerjüdischen Gesellschaft gern gelehrt wird — sondern darauf, daß durch sie ein Mann nicht von seinen Pflichten abgelenkt wird. Zusammengefaßt ist dies allein die Znius-Forderung der Tauroh. Das setzt eine ungeheure Selbsterziement hingewiesen werden. Die Eigenart des Hej bräischen bringt es mit sich, das Prädikat vor das Subjekt ZU setzen. Zum Beispiel heißt esln^nVK'nia^i und nicht atra^wn. Finden wir diese Regel durchbrochen, so will dies eine Besonderheit zum Ausdruck bringen. Die Umstellung weist zuweilen darauf hin, daß die im Satz beschriebene Handlung einer vorher erwähnten vorausgegangen ist. Darauf stützt sich die Bemerkung des Talmud in Bawa Kama 92a zu Bereschit 21, 1. (Siehe Raschi zur angeführten Talmudstelle Stichwort ipsh Auch in V. 1 unseres Kapitels erklärt Raschi die Umstellungs auf diese Art. (Vgl". Elia Misrachi und Heidenheims «npnn naan z. St.; siehe ferner Malbims Einleitung zu Ssifra. •wnro. f** Ziffer 111, 117). Nun heißt es in unserem Vers nicht Sin Qi Wl» sondern tni a»an ^am- Dies kann vielleicht zur Annahme berechtigen, daß in der Tat Hewel als Erster sein Opfer dargebracht habe, wenn auch Kajin in der Eigenschaft des Erstgeborenen zuerst genannt wird. Das Vergehen Kajins bedeutet nun tatsächlich eine Verhöhnung G'ttes, da er das gute Beispiel seines Bruders wohl nachahmt, aber in verächtlicher Weise von der geringen Art seine Gabe darbrachte. 4c Kap. 4. Vers 7. r-ttW a»B»n cas i^n. bezieht sich. aaf'öMö in V. 6, T^b ^m PiaV). Warum ist dein Angesicht gesenkt? Fürwahr, wenn du recht handelst, kannst du es erleben. * Enosch, Kap. 4. Vers 26. w» rot? rix mpn p ir> w aa ntf»! •'n atra mp* bma rk Die Menschen jener Zeit bezeichneten ihre Nach-, kommen mit Namen, die den G'ttesntmen enthielten. hung voraus, und nur das Bewußtsein, daß es sich um taurohgewollte Forderungen handelt, erleichtert die Aufgabe und nimmt ihr den so naheliegenden Stachel des Beleidigenden. Die absolute Ueberzeugung, daß es die heilige Tauroh ist, die die Beziehungen beider Geschlechter zueinander regelt, befähigt auch die Frau zu der Größe, ohne Bitterkeit und ohne ihren Frauenstolz zu verlieren, Verständnis zu gewinnen für alle Schranken, die sichern der verschiedensten Form der Mann auferlegt. Eine konsequent und logisch denkende Frau wird keine persönliche Verletzung darin sehen, wenn etwa ein chassidischer Raw ihre Anwesenheit ignoriert. Jeder Mann, der glaubt, auf diese oder jene Weise ein Tauroh-Gesetz besser halten zu können, hat Anspruch auf Toleranz, und jeder Talmid Chochom, der in geradliniger Fortsetzung eines taurohgeweihten Lebens sein Verhalten Frauen gegenüber regelt, darf Verständnis dafür beanspruchen, auch wenn es uns Frauen auszuschalten scheint. Wir dürfen hier nicht den Fehler begehen, das uns sympathische höfliche Entgegenkommen der entsprechend eingestellten Männer auszuspielen gegen das scheinbar uns beleidigende Verhalten des chassidischen Raw. Der wirkliche Talmid Chochom wird es niemals an innerer Achtung gegenüber den Müttern seines Volkes fehlen lassen, selbst wenn er sie nicht zur Schau trägt. Wie bei vielen Forderungen der Tauroh sind hier die größten Variationen möglich, ohne daß der Din verletzt wird, und uns Frauen steht hierüber nicht ein abfälliges, noch zustimmendes Urteil zu. Ebenso sind auch in der Znius-Forderung an uns selber Variationen möglich, die von Zeit und Umgebung bedingt sind. Es gibt allerdings auch feststehende Vorschriften, die deutlich vom Din für alle Zeiten und für jeden Ort ausgesprochen werden, wie Z, B, die Haarverhüllung der verheirateten Frau, Familienbad- und Tanzverbot usw. Es gibt aber Znius in der mannigfachsten Art, in Wort, in Blick, in Bewegung und Kleidung. Und nicht zuletzt das geistige Znius, das schließlich darin gipfeln kann, nicht zu viel zu sprechen über — — Znius. Der persönliche Takt kann hier jede Frau, in welcher Umgebung auch immer, beraten. Auch im gesellschaftlichen Verkehr, So hat sich etwa in Deutschland in den letzten Jahrzehnten eine Ungezwungenheit herausgebildet, die vielleicht dem Charakter 'und der Jüdischkeit nicht unmittelbaren Schaden zugefügt hat, die aber vom objektiven Tauroh- J So ist die Rede von Ssinna ,Vx'in» (V. 18) und ^fcVVna (5, 12). In diesen Bezeichnungen kam die Selbstvergötterung dieser Generation zum Ausdruck. Sehet jedoch ist sich im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen der Hinfälligkeit des Menschen bewußt, »s w«K na U"DWi „Was ist doch der vergängliche Mensch, daß Du sein gedenkst!" (Tehillim 8, 5.) Auch dem Sehet wurde ein Sohn geboren, er nannte seinen Namen Enosch (Sterblicher). hmin tu fügt die Schrift hinzu, Sehet bildete eine lobenswerte Ausnahme. Damals begann man (Menschen) mit dem Namen G'ttes zu benennen! ivü« ist verwandt mit »138» siech). * Noachs Söhne. Kap. 6. V. 10. o->J3 rwbv na tVpi „Noach zeugte drei Söhne." Obwohl die Söhne Noachs bereits in 5, 32 erwähnt sind, werden sie hier nochmals genannt, um hervorzuheben, daß Noach im Gegensatz zu seinen Vorfahren nur drei Kinder hatte. Für diese Auffassung spricht auch die Angabe der Zahl in unserem Vers, die in den genealogischen Berichten der vorhergehenden Kapitel durchweg fehlt. * Noachs Segen. Kap. 9. V. 25. 1VTR> JWl» 0>W W „Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern." Unter vm& sind die in 10, 6 aufgezählten Söhne Chams zu verstehen. vsb in 26 könnte m. E. mit „ihm" wiedergegeben werden und sich auf Schern beziehen, mb in der Bedeutung von „ihm" finden wir in Jeschajahu 44. 15, das Targum dort mit tpm wiedergibt. In 27 hingegen ist i»V auf Jefet und Schern bezüglich und bedeutet ihnen. Nach einigen Kommentatoren be¬ Standpunkt aus absolut nicht als ideal anzusehen ist. Verschiedene Momente spielten mit, diesen kollegialen Ton zwischen den Geschlechtern zu veranlassen. Dadurch, daß die meisten Mädchen und viele Frauen gezwungen sind, ihren Beruf gemeinsam mit Männern auszuüben, wo eine Trennung nach dem altjüdischen Znius-Ideal unmöglich ist, wur» den die Schranken automatisch beseitigt. Die Vorbereitung für Erez Jisroel in dem sogenannten Chaluziuth und den Hachscharoth und schließlich in den Kibbuzim unterstreicht diese gemeinsame Arbeit. Es vollzog sich bei uns in Deutschland das merkwürdige Schauspiel, daß unter den Augen unserer frommen Rabbiner gemeinsame Beratungsabende, gemeinsame Lernabende, mitunter auch gemeinsame Spaziergänge von Mädeln und Jungens stattfanden, wodurch zweifelsohne gesunde gegenseitige Anregung erfolgt sein mag, die aber sicherlich von sämtlichen Rabbinern des Ostens niemals gutgeheißen worden wären. Vielleicht hält sich deshalb mancher der Gedaulim von Erez Jisroel zurück, unseren frommen Kibbuzi'a ratend beizustehen, nachdem ihm der ganze Ajufbau nach deutschem Muster* unjüdisch erscheinen muß. Haben unsere Rabbiner zu Recht geschwiegen? Hätten sie die Gemeinsamkeit in den Jugendbünden usw. verbieten sollen? Man wäre ihnen offiziell sicherlich gefolgt. Und doch haben sie überlegt geschwiegen. Wie schon bemerkt, ist der Ausgangspunkt für die Znius-Forderung nicht die Keuschheit als solche, nicht der Schutz für die Frau, sondern die Wirkung auf den Mann. Nachdem die wirtschaftlichen Verhältnisse die jungen Männer gezwungen haben, in ihren Berufen mit Mädchen aller Schichten zusammen zu arbeiten, war unsere jüdische Jugend außerordentlich gefährdet. Unter diesen Umständen suchte sie Schutz vor sich selbst' im Umgang mit feinen Mädchen aus frommen jüdischen Kreisen. Diese Mädchen wiederum boten ihrer Erziehung und ihrem Wesen nach die Gewähr dafür, daß die notwendigen Grenzen eingehalten wurden. Ganz jüdisch ist dieser Weg allerdings nicht, das wußten und wissen unsere Rabbiner und wußte und weiß unsere Jugend selber. Jüdisch allerdings ist es auch nicht, daß ein junger Mann 30 Jahre und darüber werden muß, bis er sich verheiraten kann. Sobald es für' unsere jungen Männer wieder möglich sein wird, sich in jungen Jahren zu verheiraten, wird auch diese Golus- Erscheinung schwinden. Deswegen haben unsere Rabbiner geschwiegen, zeichnet vnvb Schern und Jefet, so heißt rm häufig Verwandter (29, 12). ivb in 26 kann danach als Mehrzahl aufgefaßt werden und sich auf vm6 beziehen. Diese Auffassung dürfte einleuchtend sein. Die Nachsätze von 25, 26 und 27 bilden drei gleichbedeutende Kehrreime. * Nimrod. Kap. 10. V. 9. '« »asV i*s nws nnwa „Gleich Nimrod ein gewaltiger Jäger vor G'tt." Der Ausdruck 'n »asA bedeutet: soweit sich^die Herrschaft G'ttes ausdehnt. In der ganzen Welt war Nimrod als Held berühmt. So bedeutet auch nach Auffassung der Weisen der Ausdruck 'säte (Wajikra 22, 3)j an jedem Ort, der mir gehört. (Mechilta sa Parascha 10 zu 12, 19; Raschi das. V. 15). Wochenkalender. Vom 9. bis 16 Oktober 1937/Vom 4. bis 11. Marcheschwan 5698 »Öl» *p p^nn Samstag 9 4 ovo aap na Sonntag 10 5 m-voa Montag Okt. 11 6 3 2 Dienstag 12 pwna 7 1 Mittwoch 13 8 n Donnerstag 14 9 i Freitag 15 10 i Samstag 16 11 n i>-1> i

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