Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 39 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S<% 10 % 3? D e r I ,s r a e Li t 1. Oktober 1937 für <^«n, der sich ( der Mühe; unterziehenf will, zu den Jfeil, daß Generationen an y diesem ,ij[?scK gesessen gearbeitet, gelernt und geforscht, gelacht und ge weint haben; '■;;j :-';-:**' -Im^Geiste' sehe! ich' die1 "ehrwürdige^ Gestalt mei üe§ 'Väters anT] diesem/Tisclie^'-w.tzje^',' vertieft in die BüchW der Heiligenr1 Schrift, . fön 'sehV in die gute SflSüJäfe9 im Möislihger Räbbinferhäüs upd sehe meine GfföBSkern, die ich1 nie' Wirklich : gekannt habe, und spü?e! den Hauch ' der Unendlichkeit!''.— — — •-• ,s t r* v . - •! : i .: ' •1 '' •' > ■ '■; •' ' <:? < jiM&ß Geschlecht i. konjimt', l iund'i; sin Geschlecht gejEt^yj-alle tragen wir ein Stück Erbe weiter, sind Qetet gron ihr;em Geiste, vnd'V'Bluit .voa ihrem Blute- L^Cs^ch, das vergessen? Du, meinrTisoh, Du mahnst nwc^i jgft, we,il P.u miqh erinnerst .imdSmir ..zuraunst „J^rjnnere Dich", ,4enn darauf kommt: an.---~ ii-DuI,warst so schöny;&ein' Tisch, jeder bewunderte Deinen-1 Glanz,''die 'PbUtui:, --iü 'der.'-'rtaS ' sich spiegeln konM^i Du wärst so weise' und 'gejehrt, daß sich mit^Ehrfurcht jeder ' zu \Dir setzte,; tfer ins Zimmer kWn*. /Aber lieben muß -ma>i: D|ch;7;-T^ jetzt, da Du hiehPmehr schön undnich? mehr1s'ö.w£.ise bist, lieben mtiß iäan Dich, weil" Du .das , 'Leböii iti allen seinen Pfeiä^ca" kennengelernt -Häst,:'ia..$ei&ri*Höhen und in seine^ Tiefen]! weil der Adel/dey Leides Dich gezeichnet hat, und Deine Iveb'ehsfreödheit sich verwMäßlte in wirkliches Lebend f;d6Bii"'Lleben und Lei« d'enf iS^ar Dein Schicksal. Darum ist Öeine Geschichte ■w&rti-' - erzählt zu werden,! Wehn 'Dtiii^auch nur ein „Schreibtisch"- bist.' '~\ j.oha'c: - ' ' ''■ ' - Kalendarisches. .-. - .-■ .f.. ... ... ...... v In den Kaie Aderbeträchtungen züm Jahre 569S des-»Herrn J. Bender in Nr, 35 des '^Israelit" wird darauf < verwiesen, daß i. J. 2214 dasTjüdische Neujahrsfest auf den 6. Oktober fallen^ werde. Herr Bender meint, daß dies, soweit feststellbar, noch nicht-^vorgekommen sei und er fragt* woher diese Anomalie sich herleiten möge. Hierzu gestatte ich mir, folgendes.;-zu bemerken. Es.< ist, Tatsache, daß der genannte Termin — 6. 10. —für mva wn noch nicht vorgekommen ist, besser gesagt, nicht vorkommen konnte. Unserer Kalenderber<e;chnung, bezw. dem 19jährigen Zyklus mit sieben Schaltjahren dient zur Grundlage deruAusgleich der jüdischen Mondjahre mit den Sonnenjahren. In 19 Jahren wird durch die siebenmalige Einschaltung eines. 13. Mondmonates dieser Ausgleich herbeigeführt.- Ein völlig genauer Ausgleich findet jedoch bloß nach der Wertberechnung des Sonnenjahres durch KlK an statt, der es zu 365 Tagen, 5 Stunden und 557/is Minuten annimmt. Nach der Wertberechnung des Gregorianischen Kalenders jedoch, der als der richtige bezeichnet wird, beträgt das Sonnenjahr 365 Tage, 5 Stunden und 4814/is Minuten, wodurch sich in 19 Jahren eine Differenz von 2 Stunden und rund 6 Minuten ergibt, um welche die 19 Mondjahre gegenüber den Sonnenjahren überwiegen. Dies macht in etwa 220 Jahren einen ganzen Tag aus. In einem Aufsatz des bekannten Astronomen Dr. B. Cohn in Straßburg (im Wohlgemuth' Jeschurun, Jahrg. 1919) betitelt Kalenderreform heißt es über diese Differenz: „Seit Festsetzung der Kalenderrechnung durch Hillel um die Mitte des 4. Jahrhunderts hat sich dieser Ueberschuß 211 fast 7 Tagen summiert, und deshalb haben sich die Grenzen des Monatsdatums im. Verhältnis zum bürgerlichen Sonnenkalender seit jener Zeit um eine volle Woche verschoben. Da aber die äußersten Datumsgrenzen nur selten erreicht werden, so hat dieser Uebelstarid weiter keine praktische Bedeutung; denn es ist wohl so ziemlich gleichgültig, ob, wie es jetzt der Fall ist, nivn ewn spätestens auf den 5., oder wie es in zwei Jahrhunderten eintreten wird, auf den . 6. Oktober fallen kann." Aus den seitens des Herrn Bender zitierten Vergleichstabellen } der jüdischen und bürgerlichen Zeitrechnung von Prof. Mahler, die mir nicht vorliegen, wird/demnach auch ersichtlich sein, daß nach etwa 220 Jahren nach dem Jahre 2214 na»n »81 auf den 7. Okt. usw. fallen wird. In einer späteren Zeit dürfte sich'daher die Notwendigkeit ergeben, die Frage zu prüfen, inwiefern unsere Kalenderber.echnung einer Verbesserung unterzogen werden muß. In einem weiteren Aufsatz desselben Verfassers in den Jahrbüchern der Literarischen Gesellschaft, Jahrgang 4, S. 195 ff. wird diese Frage im Zusammenhange mit unserer nölpn-Bere'chnung,.«die sich nach ^«lat? (Julianischer Kalender) richtet, behandelt,; Er meint dann zum Schlüsse: „Für uns ist diese- Angelegenheit nur von theoretischer Bedeutung und für die ferne Zukunft körinen wir uns mit den Worten des tm'a zu a-n ü"s tVirm cmj? 'Vn o-am trösten: iniRön Kfi i'ift fr»n» na pns nun Riavw Vat? Die von H. B. erwähnte „Anomalie" findet durch obige Ausführungen ihre; Erklärung. Sie ergibt isich aus der Differenz zwischen den Werten des Sonnen-, und 'Mondjahres. .. Rabb. Dr. Frankl, Halberstadt. Bücherbespre^hti „Die; Heilige Schrift". Band IV. Ketubim Schrifttum. üeberraschend schnell ist die auf Veranlassung der Jüdischen Gemeinde Berlin im Verlage von J. Kauffmanh, Frankfurt a. M., von Harry Torcz y - ri e r herausgegebene Bibelübersetzung ihrer Vollendung entgegengegangen. Ein wundervoller Druck uiid sehr saubere Ausstattung entsprechen ganz der Ten- ■. denz, die poetischen Teile der Bibel auch ästhetisch ansprechend wiederzugeben. Aber poetische Uebertragungen sind eine gefährliche Sache, siev lassen sich nicht erzwingen, und wenn sie nicht absolut. 5 meisterhaft' sind, so stehen sie hinter der schlich'ten: einfachen Wörtwiedergabe im Wert zurück. Wir verkennen nicht, daß oft viel echtes Künstlertum in der übersetzerischen Wiedergabe zur Geltung kommt, müssen aber auf der anderen Seite sagen, daß aucn mancherlei verfehlte Sucht zu poetischen Floskeln sich geltend macht. Wirkt schon der ewig gleiche Jambus für die Psalmenübersetzung ermüdend, - so hat der Rhythmus allzuoft zu* Künsteleien und Ungeheuerlichkeiten verführt. Schon die Schreibung „Der Ewge" anstatt „Der Ewige" ist für das Auge verletzend. Noch schlimmer aber ist die Neubildung von Wörtern. Um ein Beispiel anzuführen (Psalm 73): „Nur leerhin hab mein Herz ich reingehalten" statt „Umsonst nur hab mein Herz ich reingehalten". Kein Mensch deutscher Zunge kennt das: Wort „leerhin'. Glaubten wirklich die Uebersetzer, sie könnten neue Wörter dem deutschen Sprachgut einverleiben? Oder im selben Psalm: „Sie setzen an den Himmel ihren Mund" statt „gegen den Himmel richten sie ihren Mund". Für unser Ohr ist das Bild direkt beleidigend" jemand setzt an den Himmel . seinen Mund. So stören dauernd unschöne Wendungen wie „Niedern" statt „Erniedrigen", „Löser" statt „Erlöser"; „Ersatten" statt „Sättigung"; „berühmen7' statt „rühmen" (z. B. „berühmt Euch seines heiligen Namens.") So sind für uns die Uebersetzungen wie „Begeistete" für Propheten oder Künder, Satan als Widergeist — übrigens eine christelnde Wendung — fremdartig und unmöglich und werden sich niemals einbürgern. Es vergißt der Uebersetzer, der uns verselang in wirklich echter Poesie geleitet hat, daß eine solche Gewaltsamkeit alle Stimmung vernichtet. Da wird wirklich „Lug die Anmut, Dunst die Schönheit', wie der bekannte Vers aus dem Preislied der wackren Frau von ihm schrecklich übersetzt wird, alle Schönheit der Wiedergabe wird „Dunst". Ja. manchmal ist das Manirierte direkt abgeschmackt, z. B.t „Ich hulde Dir" (Psalm 118, 28) und „Ich höhe dich", während er noch im ersten und 29. Vers desselben Psalms „huldigen" heißt, Da müssen wir ungeschminkt offen bekennen, das Bibelwort sieht hier aufgeschminkt aus. Dann ist uns doch schlichte Prosa lieber.' Ich möchte z. B. jeden Normalmenschen zur Entscheidung aufrufen, ob das gewaltigste Wort aus dem Buche Hiob „Waaiii jodati gauali choi" — „Ich aber weiß es, . mein Erlöser lebt" ob er diese schlichte Uebersetzung vertauschen möchte mit: „und ich erkenne lebend meinen Löser"! Hier wird das in seiner Einfachheit unübertreffliche Wort der Bibel künstlich als Modenouvaute zurechtgemacht. Dasselbe gilt für Worte wie „alldanach" — als ob das schöner wäre als „danach" — „Würzgestäub" (für Gewürzstaub), „Hochgefläche" (statt Firmament, Himmel), „Großgetier" (statt Löwe) (Psalm 91, 13) sich gesteilen statt sich erheben, und solche Bildungen mehr. Auch ein Hebraismus verführt oft ohne Zwang zur unschönen Ausdrucksweise. „Zu ihren Müttern sie sprechen: Wo Korn und Wein?" Unseres Wissens hat von der Maas bis an die Memel noch niemand so nach Korn und Wein gefragt. Uns mißfällt auch oft die Transkription des Hebräischen. Auf der einen Seite „Jeruschalaim" (ohne j) dagegen „Zijön", „Danijel", Hoddu statt Hodu u. a, ,m. Eben so wenig gefällt uns ^ie Wiedergabe von ..Schir haschirim" als „Der Lieder Sang", ganz abgesehen von der Unhaltbarkeit der ihr zugrundeliegenden Exegese. Unklarheiten:" wie PsiT 25. - Mein G'tt, auf Dich vertraue ich, Komm' nicht in Schande, statt: Möcht' nicht in Schande kommen, und daselbst: Zuschanden werden, leerhin, die Verräter, statt: . Zuschanden werden grundlose Verräter, ~ sind die unglückliche Folge der erzwungenen Rhythmik. Aber über Geschmacksfragen läßt sichf" nicht streiten. Dagegen sind Willkürliche Abweichungen vom massoretische'n Texte nicht Zu verzeihen. •':.:' Wohin diese Tendenz willkürlicher' Textändterüng; führt, das sei an zwei Beispielen-aus dem Buch Koheleth .demonstriert. 3, 21 wird übersetzt: Wei^Hveiß, ob der Geist der. Menschen nach oben empdrsteigt, und öb der Geist des Viehs zur Erde hinabfährt? Die Mässora aber liest: Wer kennt den Geis^t 3er> Menschen, der nach oben s'teigt, und den Geist'.'des Tiers,^der nach unten .-zur Erde hinabgeht.» ■ Ist es in einer Zeit, wo man dem Judentum die Unsterblichkeitsidee' abspricht, richtig und nötig, den ■Text im Sinne unsrer Feinde abzuändern? Noch schlimmer; mir•'•''einfach, unbegreiflich, aber ist die Uebersetzurig von 12, 1, ' ' " - v us'chaur es bäur'echo bime n'urecho, Denk Deines Schöpfers in Deinen Jugendtagen. Wie übersetzt Torczyner? . ' " „Und denk zu mästen Dich in Deinen Jüriglingstagen." ^/ Hier hört unsere Geduld auf. _M.it aller Gewalt soll das Buch Koheleth .ein epikuräischer Leitfaden wer- den, und da wird in der berühmten Zäuberexegese ' Torczyhersj der deri ' sinäi^isc^eh^! Cr^t',*'äen":'lEieiI{gen Israels, als Brüllgott lästernd übersetzt hat, aus bäur'echo —- eine Mastkur. Bedarf es noch weiterer Belege, daß wir unsre Bibel nicht solchen Händen wie denen dieses Uebersetzers anvertrauen können? .Oberrabb. Dr. Carlebach. Der Mschna-Traktat Tamid. Uebersetzt, kommentiert und mit Einleitung versehen von Dr. A. B r o d v. Uppsala. 1936. Almquist u. Wik'- sells Boktry ckerei A.-G. Der junge Gelehrte, Dr. Brody, dem-hier in Skandinavien der Ruf eines ausgezeichneten Talmudtenners vorausgeht, hat mit der vorliegenden gediegenen Arbeit ein Werk geschaffen, womit er es verdient, seinen Namen in weiteste Kreise zu trägen. Eine ausführliche Einleitung (42 Seiten) ist dem Werk vorangestellt, die der Beschreibung der benützten Handschriften und der Arbeitsmethode dient. Daran schließt sich (50 Seiten) der kritische Text, mit der ihn begleitenden klaren deutschen Uebersetzung. Auf 54 Seiten wird ein Kommentar gegeben, den der Autor selbst bescheidener Weise nicht als vollständig bezeichnet. — Sollten Anmerkungen zu dieser sauberen Arbeit am Platze sein, so wäre etwa die inkonsequente Behandlung des Wortes rri-rt in Kap. I, 1, III, 9 und VI, 1. Die Frage nach der rechten Lesart o^irn "»ri oder DWiyn streift .ein ernsthaftes religionsphilosophisches Problem. Die Materie verdient eine selbständige" Behandlung, die philologische und philosophische ^Betrachtung vereint (Vgl. dazu Maimonides Schemonoh Perakim 8/ Kap.). Die letzte Mischna hätte einen Kommentar nach ihrem geistigen Inhalt hin verdient, ohne daß der ' streng wissenschaftliche Charakter der Arbeit die geringste Einbuße erlitten hätte. Bei seiner Polemik mit Ginzberg über die Zugehörigkeit .von Tamid zur Mischna Rabbis, bezw. bei der Behandlung der Frage des Verhältnisses des Redaktor Rabbi zu Ansichten, die gegen seine eigene sind, hätte B. einen großen Gewährsmann, Maimonides, für sich in Anspruch nehmen können. Diese Einwände erscheinen verschwindend gegenüber den großen Vorzügen der Arbeit, die dem Autor mit Recht Ehre und Anerkennung eingetragen hat. Wir dürfen von Brody, den wir mit Genugtuung im traditionstreuen Lager sehen, noch Wichtiges und Wesentliches auf dem Gebiete /der Mischna- und Talmudforschung erwarten. Rabb. J. Samuel, Oslo. La tour de Babel et la langue primitive, par Michel Honnora t. Paris. 193 6. Libraire Orientale et americaine. G. P. M a i s o n n e u v e. gr. 4, 247. Hunderte von Vokabeln verschiedenster Sprachen der Erde sind hier verglichen, und aus den Anklängen und Aehnlichkeiten wird eine Stützung des biblischen Gedankens der Einheit des Menschjums abzuleiten versucht. Leider sind nur ein. Teil der vielen Belege wissenschaftlich haltbar, und vielfach sind die Wörter ungenau wiedergegeben. Besonders auch die jhebräischen Bezeichnungen sind nach einem ganz unzulänglichen Umschrifts-System und daher oft unkenntlich dargestellt. Ganz unberücksichtigt, sind die Zusammenhänge fast jedes Wortes i n n e r h a l b seiner eigenen Sprache. Dabei ergeben sich dann Klangähnlichkeiten, die nur als zufällig betrachtet werden dürften. So darf doch auf das Wort nora — furchtbar, das doch im Hebräischen nur von. jare fürchten herleitbar ist, keine Verwandtschaften gebaut werden wie die mit frz. norois stolz oder mit Nord, vgl. Ez. 1, 22 (furchterregendes Klima)! 'Trotz dieser und ähnlicher methodischer Mißgriffe,, die dem Verfasser infolge seines löblichen Eifers in seinem Unternehmen der Stützung des Turmbauberichtes und des Gedankens der Einheit des Menschtums in so großer Zahl unterlaufen, ist noch aus dem übrigen Inhalte des stattlichen Bandes so vieles Währe und Nützliche zu diesem Thema zu entnehmen, »daß allen in dieser Frage Interessierten dessen Durchsicht aufs Dringlichste empfohlen sei.. - .* V Der Verjfasser erhofft einenWLehrstuhl für1 ■ die Ursprache der Menschheit 'und ihre Erforschung; wir könnten miL diesem Wunsche einig gehen. Daß der* Verfasser auf so absonderliche :\Nebenwege ^gelangt istj ist nicht so, sehr;seine alleinige Schuld : .als vielmehr in der Haup^iaiihe^dieVderer, die dem Gedanken vön^derA-jE^ so, ^leidenschaftlich entgegenarbeiten, daß . sie Forschungen auf diesem Gebiete gar nicht 'für, durchführbar halten.